Zeit statt Plastik – Spargel 2018

Es gibt Lebensmittel, die haben eine Saison. Dann – und nur dann – sind sie auf ihrer Höhe und wirklich wohlschmeckend. Wachsen sie dazu noch in der Region in der man sich gerade aufhält, ist man hervorragend bedient. Das mit der passenden Jahreszeit ist heute aber leider keine Selbstverständlichkeit mehr. Bei der Einstellung (gar dem oft aufgeregt proklamierten Anspruch) einer Vielzahl von Konsumenten, alles jederzeit verfügbar haben zu müssen, lässt sich die Angebotsseite selbstredend nicht zweimal bitten… Es funktioniert freilich auch gegenläufig. Stehen die Erdbeeren zur Unzeit an der Kasse, wird bedauerlicherweise viel zu oft zugegriffen. Hier ein besonders trauriges Beispiel.

Es geht um Zeit. Die man den Lebensmitteln gibt um l a n g s a m zu wachsen, um in Ruhe auszureifen. Und die man sich selbst nimmt. Um warten zu können. Um das Zulassen und vielleicht sogar Ertragen von Vorfreude. Der richtige Moment kommt – ohne jede Beschleunigung. Ganz wie beim Wellenreiten:

Geht man von der Eisbachwelle in München die Prinzregentenstraße in östliche Richtung, kommt man bald nach dem Friedensengel linkerhand zum Feinkostladen Käfer. Dort war ich Anfang April:

Abschweif: Zum tatsächlich ersten Mal! Hatte sich bisher nie ergeben. Ein Neugierbesuch. In sehr sparsamer Dosierung machen solche Stätten (Julius Meinl in Wien, KaDeWe (sechste Etage) in Berlin, Harrods Food Halls in London, Galeries Lafayette in Paris) durchaus Laune. Das Beobachten der Kunden ist daneben noch eine eigene Disziplin… Fazit: Bei Bedarf wäre in München der Dallmayr meine erste Wahl. Er ist deutlich unaufgeregter. Zurück zur Saison: In der Käfer-Gemüseabteilung fielen partiell einige Dinge nach oben… Und weil es um Spargel geht, will ich Euch das Tagesangebot nicht vorenthalten: In Plastik eingeschweißter, bereits geschälter Spargel vom niederbayerischen Gäuboden – das Kilo für … 48,00 EUR … Mit Blick auf den Kalender sehr wahrscheinlich ein bedauerliches Erzeugnis aus einer sogenannten Verfrühungsanlage (Bodenheizung ab Mitte Januar). Diese pathologischen Machenschaften gibt es leider auch im Schrobenhausener Land.

Dort war ich vorgestern. Meine Asparagus-Dealer (natürlich folienfrei) – Christine und Josef Rehm – signalisierten Bewegung im Boden. J e t z t hat die Saison angefangen. Und sie dauert noch ganze zwei Monate! Wem reicht das eigentlich nicht? Den Hechlern und Schnappatmern dürfte der Spargel eh schon zum Hals heraushängen. Ein Problem. Benötigen sie den Platz doch bereits für Hochgeschwindigkeitserdbeeren…  Nach Überwindung unseliger Plastikmeere

fand mein Auge schließlich Tröstung und Erfrischung:

Es gibt ab Hof der Rehms weißen und grünen (hell- und dunkelgrün) Spargel der deutschen Hybridsorten Ramada und Ramires. Und heuer erstmals – nach drei Jahren Anlauf dazu (2015 und 2017) – diese drei Sorten: Violetta (purpur), Huchels Leistungsauslese (weiß) und Ariane (grün):

Im Mai möchte ich versuchsweise eine Sammelbestellung organisieren. Dann liefert Slow Food Unterstützer Rehm direkt an einen Treffpunkt in Ingolstadt. Wer Lust und Interesse hat, über weitere Details dazu informiert zu werden, signalisiert das bitte in einem Kommentar unter diesem Post. Ich melde mich dann bei Zeiten.

13 Gedanken zu „Zeit statt Plastik – Spargel 2018

  1. Wir haben großes Interesse Michael!
    Mal wieder ein herrlicher Bericht, danke!

  2. Prima, appetitanregender Bericht, Michael
    Ich bin auch interessiert!

  3. Danke für den Bericht und das Angebot – und ja, ich habe Interesse!

  4. Dünsten sie den Spargel erst und geben ihn dann nur zum Warmhalten in den Ofen?

    Neugierige Grüße einer dankbaren Leserin

  5. @ Ute Katharina: Wir machen ihn (neuerdings) nur im Ofen – Backpapier aufs Blech, Spargel drauf, ganz leicht salzen, zweites Backpapier (mit Butter eingestrichen) oben auf (Butterseite auf Spargel), leicht andrücken, 160-170 Grad für 30-35 min. Der ganze Geschmack bleibt drin (und verliert sich nicht teilweise im Wasser).

  6. ich kaufe bei meinem Fanderl Dealer grundsätzlich nur Spargel aus Peru,
    kostet € 7,80 und ist somit super
    wozu € 15 und mehr für regionales Schischi !
    war nur ein Scherz !!
    Klaus

  7. Danke für den interessanten Bericht. Ich hätte auch Interesse an Details und Infos. Viele Grüße Antje

  8. Vergangenen Sonntag (06.05.18) erfolgte die erste Sammelbestellung. Die entsprechende Info ging am 02.05. an alle Interessierten raus. Aufgrund der positiven Resonanz wollen die Rehms nunmehr jede Woche eine Anlieferung nach Ingolstadt anbieten 🙂 Alle Infos dazu finden sich hier.

  9. wir haben gestern und heute den Huchel und den „koventionellen“ parallel verarbeitet und verkostet, Klarer Sieger ist der Huchel, schmeckt nussiger, komplexer und runder!
    Der Huchel wird heuer nur noch ein paar Tage geerntet. Ende nächster Woche ist es vorbei. Schade, dass das Angebot die letzten beiden Male nicht so angenommen wurde und eine Lieferung nicht stattfinden konnte.

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