Marginalie (40) – Gelb und nass

Nach dem Kauf von SABMiller durch Anheuser-Busch InBev (für 96 Milliarden Euro…) fragt Spiegel Online gerade „Zu welchem Konzern gehört mein Bier?“. Als Hilfe gibt es Erklärgrafiken zum Anklicken. Selten eine so nutzlose Handreiche bekommen … Mein Bier wird niemals ein Konzern brauen 😉

(39) – Marginalie – (41).

Marginalie (39) – Ingolstadt schafft es einfach nicht

Volksfeste haben es heute nicht leicht. Anno dazumal im ereignisarmen Arbeitsjahr von allen sehnsüchtig erwartet um ungezügelter Lebensfreude endlich Raum zu geben, wurde ihnen bereits seit geraumer Zeit (auch) durch eine penetrante allgegenwärtige Spaß-, Party- und Eventkultur der Rang abgelaufen. Die vielen fast jederzeit zugänglichen Freizeitparks erschweren ihnen das Leben zusätzlich.

Stellt man sich diesen Veränderungen nicht, wird man nach hinten durchgereicht. Dort ist für mich das Ingolstädter Volksfest angekommen. Egal ob Pfingsten oder jetzt im Herbst. Nach dem eröffnenden – regelmäßig gelungenen! – Festzug versinkt die Veranstaltung für den Rest ihrer Zeit in Lieblosigkeit und Ballermann-Anmutung.

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La Grande Schmierâge 2015

Natürlich habe ich dabei im Besonderen zunächst das Essen im Auge. Eine nicht unwesentliche Zutat für Lebensfreude! Dieser unglücklich formulierte Bericht (Überschrift und Einleitungssätze) hat mir vergangenen Freitag Hoffnung und Lust gemacht. Vor Ort dann Fehlanzeige. Wieder wurde beim Wiesn-Klassiker die Latte gerissen! Es gibt kein Bio-Hendl. Was in München eine schöne Selbstverständlichkeit ist und in Pfaffenhofen gerade auf ganz wunderbare Weise gemeistert wurde (wertig regional und Bio) schafft Ingolstadt – die Weltmetropole – einfach nicht. Der Anfang war gemacht. Der Rückschlag setzt sich laufend wieder durch. Wo ist endlich der Vorsprung durch Genuss in der Stadt, aus dem die dumme Idee „Geiz ist geil“ kommt?

Fehlt hier die Nachfrage oder das Angebot? Beides. Die Masse der gegenwärtigen Volksfestbesucher fragen Bio offensichtlich nicht wirklich nach. Vor dem Hintergrund, wie unendlich wichtig ein nachhaltigerer Umgang mit Boden, Wasser, Luft und Biodiversität wäre, ist das bitter. Die derzeitige Besucherstruktur ist nach meiner Beobachtung jedoch kein Abbild der Gesellschaft. Aber soll es nicht gerade ein Volksfest sein? Ein Fest für alle? Und da kommen jetzt die Wirte ins Spiel. Wo ist deren Angebot für weitere (nicht bessere!!!) Schichten der Bevölkerung? Warum adressieren sie so eng. Der Kuchen ist doch so viel größer. Die Henne-Ei-Frage ist hier klar beantwortet. Die Nachfrage ist da, wird aber nicht bedient. Deshalb bin ich zum Brotzeiten auch wieder nach Hause gegangen. Andere bleiben gleich dort. Wie gerne würde ich z. B. auch mit unserer Kanzlei Mandanten etwas Gutes tun und sie vor Ort zur Mittags-Wiesn einladen. Ich weiß von nicht wenigen Selbstständigen, denen es mit ihren Kunden auch so geht. Vielleicht übertreibe ich jetzt ein bissl, aber es müsste fast ein wenig zum guten Ton gehören gerade hier dabei zu sein – think global, act local! Die Realität: Große Leere zur Mittagszeit. Es gibt nicht ansatzweise Engpässe bei der Reservierung oder gar Wartelisten. Das Spiegelbild eines fehlenden Angebots… Und zu diesem gehören für mich und meine Gäste – wenn sie denn keine Vegetarier oder Veganer sind – ein Huhn mit einem anständigen Leben vor dem Tod.

Und man komme mir jetzt bitte nicht mit dem Preis. Nicht beim Essen. Nichts kommt uns so nah, wird gar Teil von uns! Es ist keine Frage des Könnens, sondern des Wollens. Eine Frage der Priorität. Im Handy-Shop weitet sich der Gürtel… Motor- oder Salatöl? Wer sollte den ersten Zugriff in den Geldbeutel haben?

Ich bin wahrlich kein Freund des Industrie-Essens von McDonald’s. Aber selbst deren Fisch ist nach den MSC-Umweltstandards zertifiziert. Soeben wurde dort verkündet, dass bis zum Jahresende wieder alle Hähnchenprodukte von Tieren stammen, die mit gentechnisch unveränderten Futtermitteln aufgezogen worden sind. Und dann soll es jetzt sogar erstmals Burger mit Bio-Rindfleisch geben. Wenn also selbst dieser Konzern die Signale hört…

Noch ein aktuelles Beispiel, diesmal wieder aus Ingolstadt. War die Freude nicht gerade groß über den sehr gelungenen Einstand von Jürgen Nüsslers (Weinschmecker) Weinfest auf dem Paradeplatz? Er setzte im Gegensatz zu dann letztendlich auch gescheiterten Masse statt Klasse-Vorgängerveranstaltungen beherzt auf Qualität bei Essen und Trinken! Und wurde dafür zurecht belohnt.

Ich bin mir absolut sicher, dass man mit der von der Politik/Verwaltung bisher präferierten „Freiwilligkeit“ für Veränderungen bei diesen Wirten nicht mehr weiterkommt. Man sollte das Tragen zur Jagd beenden und baldmöglichst zum Diktat bitten. Die Situation erinnert mich durchaus auch an die unerträglich langen Hängepartien beim Nichtraucherschutz. Die Allerwenigsten wollen hier übrigens zum Zustand vor dem 1. August 2010 zurück.

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La Grande Schmierâge 2015

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Das Bio-Hendl wird es nicht einzig richten. Es gibt mehr Stellschrauben. Und es wird dauern, bis sich der gedrehte Wind herumspricht. Ich stelle mir also vor, ich wäre Festwirt (mit Lust am Beruf und Phantasie). Was würde ich – weitere Teile des Volks ansprechend – begleitend zum zukünftig besseren Essen machen?

  • Boxsport, als olympische Disziplin zumal, ist aller Ehren wert. Heute sind die Zelte sogar (endlich) rauchfrei. Ich würde den Amateurvereinen der Region (wieder) einen Ring geben.
  • Ich würde über Brauchtumssportarten wie das Fingerhakeln nachdenken.
  • Ich würde den unzähligen Schützenvereinen der Region eine Bahn frei machen (Oktoberfest: Armbrustschützenzelt und Schützen-Festzelt).
  • Ich würde darüber nachdenken, wie man Trachtenvereine über den Festzug hinaus stärker einbinden kann.
  • Ich würde dem Ballermann einen Abend geben. Und ansonsten der echten Volks- und der jungen Volxmusik eine Bühne bereiten. Im Stil eines musikantenfreundlichen Wirtshauses gerne auch eine offene Bühne.
  • Ich würde einen bayerischen Poetry Slam veranstalten.
  • Ich wurde über einen Tanzboden nachdenken.
  • Ich würde mir auf dem Oktoberfest den wunderbaren Erfolg der „Oiden Wiesn“ ansehen, begreifen und wesentliche Weichen Richtung Entschleunigung und echte Gemütlichkeit (eine bayerische Herzensangelegenheit) stellen.
  • Noch einmal zum Essen: Was sich im Münchner Festzelt der Ochsenbraterei dreht ist klar. Ich würde mal einen Versuch mit gegrillten Altmühltaler Lämmern machen. Ein nicht unbeachtlicher Anteil türkischer Schanzer würde das sicher auch begrüßen.

Ich kann Euch gar nicht sagen wie viel Lust ich auf eine solche Schanzer Wiesn hätte! Wenn nur endlich die Verantwortlichen begreifen würden, dass ich damit nicht alleine bin…

Die beiden Hähne auf den Bildern oben finden sich in der aktuellen La Grande Schmierâge in der Klein-Salvator-Straße.

(38) – Marginalie – (40).

Marginalie (34) – Erdbeerzeit?

„Wie ein Wetterfähnchen drehst du dich im Wind. Woher der gerade weht ist dir egal, die Hauptsache ist, es ist der neueste Wind“ (Textzeile aus Wellenreiter von BAP).

Heute im Donaukurier. Auf einer Anzeigenseite für die Gastronomie:

„Restaurant …
Regional – Saisonal – Lecker. Spargel und Erdbeeren“.

Was soll das? Aufgrund des schönen Wetters hat tatsächlich die Spargelzeit begonnen. Aber Erdbeeren? Mitte April? Wohlgemerkt – der Wirt wirbt mit Regionalität und Saisonalität… Nepper, Schlepper, Bauernfänger. Heute ist vieles ganz schnell regional und saisonal… Daher bitte hinterfragen! Das Thema und die Idee dahinter sind es wert. Ein anderer Wirt aus der Region macht das sehr löblich so!

(33) – Marginalie – (35).

„March Against Monsanto“ in Ingolstadt

Das Herz der weltweiten Bewegung „March Against Monsanto“ schlägt jedes Jahr am 24. Mai besonders kräftig. Gestern erstmals auch in Ingolstadt! Auf dem Paradeplatz.

Die Gegner (vergessen wir neben Monsanto bitte nicht Syngenta, DuPont, Pioneer, Dow, Bayer oder BASF) scheinen übermächtig. Man erinnere sich nur an den 26. März letzten Jahres, als US-Präsident Barack Obama das US-Haushaltsgesetz HR 933 mit dem „Zusatz 735“ unterzeichnete. Letzterer Passus („Lex Monsanto“) gab (Gott sei Dank nur für 6 Monate – das üble Lobby-Meisterstück wurde nicht verlängert) Unternehmen im Geschäft mit genmanipuliertem Saatgut eine nie dagewesene Handlungsfreiheit. Danach konnten Gerichte, die begründete Zweifel an der Umwelt- oder Gesundheitsverträglichkeit neuer genmanipulierter Produkte hatten, deren Aussaat, Anbau, Vertrieb und Verkauf nicht mehr verhindern. Unglaublich. Wer sich noch fragt warum die TTIP-Verhandlungen geheim sind…!

Auf dem Weg zur Demo rief mir ein lieber Bekannter zu: „Reine Freizeitverschwendung – ist doch schon alles da und nicht mehr änderbar“. Angeblich soll Martin Luther solche Einstellungen mit dem berühmten „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“ pariert haben…

Danke an die Organisatoren! Besonders gut haben mir die Redebeiträge von Franz Hofmaier (ÖDP) und Rupert Ebner (Bündnis 90/Die Grünen) gefallen.

demo1 Slow Food Ingolstadt hat natürlich ebenfalls Flagge gezeigt:

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Quelle Foto links unten: Michael Schmatloch

Gegen grüne Gentechnik sind (derzeit offiziell) auch CSU, SPD, FW und die beiden großen Kirchen. Gut so. Leider waren keine offiziellen Vertreter der Genannten auf der Bühne. Warum eigentlich nicht?

Marginalie (23) – Mülleimer wissen ganz genau was sie lieben

Es gibt für mich 123 Gründe hier nicht Gast zu sein. Seit diesem Monat lässt der Junk-Food-Konzern McDonald’s den Einsatz von gentechnisch veränderten Futtermitteln in der Hähnchenmast wieder zu. Jetzt sind es 124.

By the way – ich bin mir zwischenzeitlich sicher: Mülleimer wissen ganz genau – wohl begründet – was sie lieben. Seht selbst:

abfall

(22) – Marginalie – (24).