Marginalie (48) – Alternative Fakten bei Edeka

Einkaufen letzten Freitag. Ein Supermarkt in der Berliner Straße. Zur saisonalen Orientierung: Es ist Mitte Februar. Es ist Winter. Auf dem Parkplatz – unübersehbar – diese Botschaft:

Verwirrung. Mir geht der „kurze Feldweg“ durch den Kopf – der sieht in Ingolstadt (idealerweise) so aus. Donnerwetter! Hier werden die Kunden also bereits +/- vier Monate vor der Erdbeerzeit auf Frische und Regionalität eingeschworen. Etwas übertrieben finde ich. Andererseits – warum eigentlich nicht? Saisonalität und lokale Wertschöpfung sind sehr wichtig. Und Vorfreude die bekanntlich Schönste.

Die Schiebetüren öffnen sich. Gleich rechts, noch vor dem eigentlichen Eingang, dann dieses Angebot:

„SanLucar Erdbeeren“ aus der südspanischen Region Huelva… arrrgh.

Lupenreine Kundenverarsche! Auf Kosten der Umwelt und des Geschmacks. Letzteres ist freilich subjektiv. Frau Kellyanne Conway dürfte mit diesen alternative facts sicher zufrieden sein.

(47) – Marginalie – (49).

Hunger? Auf ins Lalibela!

Letzte Woche saß ich beim Pizzaessen in der L’Osteria. Weil es draußen schon dunkel war, sah ich gegenüber auf der anderen Straßenseite der Hieronymusgasse ein warmes Licht, wo ich eigentlich einen Leerstand wähnte. Dort – unter der Hausnummer 11 – befand sich seit Anfang 2012 das äthiopische „Café Cafcho“. Es war dann irgendwann geschlossen.

Und tatsächlich – es regt sich (wieder) Leben in der Örtlichkeit. Diese wurde lediglich umgebaut. Vom Café in ein Speiselokal. Es heißt jetzt „Lalibela“. Lalibela liegt in Äthiopien und gilt als heilige Stadt und Wallfahrtsort für die äthiopisch-orthodoxen Christen. Die dortigen elf Felsenkirchen zählen zum Weltkulturerbe der UNESCO. Die afrikanische Ausrichtung ist also erfreulicherweise erhalten geblieben. Zum Kaffee (der in Äthiopien übrigens seinen Ursprung hat) ist jetzt die entsprechende Landesküche hinzugekommen. Die beiden hochsympathischen Inhaber, Frau Wintana Tsemrekal und ihr Ehemann Adiamseged teilen sich die Aufgaben. Sie verantwortet die Küche, er röstet den Kaffee.

Adiamseged und Wintana Tsemrekal

Die inoffizielle Eröffnung des Lalibela war am 12.01.2017. Da kommt noch was… Heute Mittag habe ich es mir angesehen: Wertiges Mobiliar, angenehmes Licht. Keine Gecken, keine Überladung. Einige Handgriffe fehlen freilich noch. Die endgültige Speisekarte z.B., oder die Außenbeschilderung. Und es kommen noch Bilder. Ich bin sicher, sie werden die gefällig-schlichte Atmosphäre unterstreichen. Es riecht nach Gewürzen. Es wird frisch gekocht!

Ich hatte ein vorzügliches Rinderragout (scharf) mit gelben und roten Linsen. Dazu – das Fundament der äthiopischen Küche – selbstgemachtes Injera. Das ist ein gesäuertes Fladenbrot (sehr weich und unglaublich luftig) aus Teffmehl. Teff, eine Hirseart, ist die wichtigste Getreidesorte Äthiopiens. Im Lalibela wird das Injera aus einer Mischung von Teff-, Roggen- und Weizenmehl gefertigt. Am Nebentisch schmeckte (sicht- und hörbar) gefülltes Injera mit Spinat. Bier? Nordbräu und Augustiner.

Quintessenz – ohne Berücksichtigung der Einkaufsquellen, soweit bin ich (noch) nicht gekommen: Was für eine schöne, was für eine köstliche Bereicherung unserer Stadt!

Äthiopische Spezialitäten „Lalibela“ – Hieronymusgasse 11, 85049 Ingolstadt. Telefon: 0176-72276191. Geöffnet von Dienstag bis Samstag, jeweils von 11:30 bis 22:00 Uhr (Sonntag/Montag Ruhetag).

Blogger in Ingolstadt

Blogger in Ingolstadt sind rar. Leider! Keine Ahnung warum. Aber ich weiß, wovon ich rede. Seit über 5 ½ Jahren befülle ich von hier aus extra prima good. Und da bleibt es einem nicht verborgen, wer in vergleichbarer Mission unterwegs ist.

Ein kurzer Überblick zur sehr überschaubaren Szene (die es als solche auch gar nicht gibt): Am längsten dabei, am meisten gelesen (überregional) ist sicher Rainer Meyer alias Don Alphonso. Sein Blog: Rebellen ohne Markt. Dazu schreibt er gleich noch zwei Blogs unter dem FAZ-Dach: Deus ex Machina und Stützen der Gesellschaft. Mit mir gibt es in der Stadt einen bloggenden Rechtsanwalt – dazu kommt mit einfeindesein ein bloggender Amtsrichter! Radio IN (Danke Susi!) hat hier eine Auflistung von Blogs aus der Region begonnen. Ich picke gleich noch einen davon heraus. Ansonsten wird es schon eng… Ein Blog muss lebendig sein. Mindestens ein Post pro Woche hilft dabei. Ich spare mir deshalb hier die Nennung von schlummernden oder gar eingeschlafenen Plätzen. Und ich lasse „Blogs“, die von Marketingabteilungen für ihre Unternehmen geschrieben werden, außen vor. Diese müssen nicht per se uninteressant sein, persönlich aber sind sie faktisch nie. Auch reine Fotoportale zu wichtigen Festivitäten (Duckfacesammlungen/ich war auch dabei!) zähle ich natürlich nicht dazu. Fehlen (vitale) Blogs, die ich bisher nicht genannt habe? Zeit sie ins Licht zu holen! Ich bitte um entsprechende Kommentierungen.

Und jetzt will ich, wie angekündigt, noch einen Blog hochhalten. Lily Gehrke sendet mit localINtown zwar erst seit Anfang November, aber schon jetzt darf ich konstatieren, dass hier eine echte Bereicherung die lokale Bühne betreten hat! Aufmachung, Schreibe, Fotos und vor allem die bisherige Themenauswahl sind gleichermaßen gelungen wie herzlich willkommen. Und es gibt zu Kulinarik und Genusskultur schon jetzt eine Schnittmenge, die mir „Arbeit“ erspart 🙂 Zum ersten Mal kann ich in Ingolstadt zu diesen Herzensthemen mit gutem Gewissen einfach nur verlinken. Den feinen Kaffee der District Five Coffee Roasters habe ich erstmals im Café am Schloss gekostet (das Kaffeehaus wird von Andreas Menrad geführt, sein Sohn Michael Menrad gehört zu den Inhabern der Rösterei). Dazu kommt aktuell das ganz wunderbare Pop Up Café der Rösterei in der Donaustraße 2. Schon länger wollte ich über diese schöne Entwicklung berichten – jetzt mache ich es mir leicht und verweise einfach nur auf localINtown: Hier auf einen Kaffee mit Michael Menrad und dort auf das Pop Up Café.

So ganz komme ich aus meiner Haut natürlich nicht raus. Es gibt einige wichtige Details nachzureichen: Die im Pop Up Café verwendete Milch kommt von der regionalen Biomolkerei (Naturland) Hutter. Sehr gut! Auch das Café am Schloss verwendet sie übrigens.

Kuchen und Süßes liefert das himmlische mundgerecht (saisonaler Einwurf: Unbedingt deren Punsch und Glühwein probieren!).

Dazu gibt es Tees von Sonnentor, Schorlen von Ostmost und Wasser von der Initiative Viva con Agua (die letzten beiden führt auch das Golden).

Und jetzt kommt selbstredend auch bei mir noch eines der kontemporär schönsten Fotomotive in der Ingolstädter Altstadt. Im April 2017 wird das Haus abgerissen.

Zu einem Bericht über mein unheimliches Doppelleben habe ich schon einmal für das Bloggen plädiert. Ich kann das nur noch einmal wiederholen:

„Leute – bloggt! Es gibt so viele Menschen, die einer größeren Öffentlichkeit etwas Interessantes zu sagen hätten. Besonders zu Themen vor der eigenen Haustüre. Sachen, die in keiner Zeitung stehen – nicht stehen können. Geht dauerhaft auf Sendung – die Wirkung eines Leserbriefs oder Facebook-Posts ist viel zu schnell verpufft. Traut Euch! Themen? Was Euch ganz persönlich beschäftigt: Die Artenvielfalt der Rüsselkäfer im Ingolstädter Glacis. Von Montag bis Freitag, in den Monaten mit „r“, ein in jeder Mittagspause gemachtes Foto einer zufälligen Begebenheit. Eine fortlaufende Kurzgeschichte oder ein Gedicht – jeden Tag kommt ein Wort dazu. Was fehlt mir in der Kommunalpolitik meiner Stadt? Kochbuchsammlung – jede Woche eine Kurzbesprechung eines meiner Bücher mit einem selbst nachgekochten Rezept. Meine Tauchschätze aus dem Baggersee. Blicke in Ingolstädter Hinterhöfe. Mountainbike-Routen im Altmühltal… Blogs mit dem Stallgeruch unserer Stadt und Region fehlen an allen Ecken und Enden. So gerne würde ich mehr von ihnen verfolgen und lesen – neue Blickwinkel auf meine Stadt erfahren.

Dabei ist es nicht weit zum Blog. Entweder Ihr nutzt ein fertiges Blogsystem (kostenlos) wie Blogger oder WordPress. Dann kann es eigentlich sofort losgehen. Oder Ihr legt Euch eine eigene Domain zu (kostet sehr wenig) und installiert auf einem Webserver (kostet ein bisserl) eine Blogsoftware (wieder kostenlos). Dafür habt ihr dann aber auch tatsächlich einen eigenen Blog. Ich empfehle dazu die Websoftware WordPress und den sehr guten Webhoster ALL-INCL.COM. An die Tasten!“

Beste Pizza der Stadt?

1999 eröffnete in Nürnberg die erste L’Osteria. Meine Premiere mit der Lokalität hatte ich 2006 in Regensburg. Da waren es schon – oder noch – drei Filialen. Der Besuch blieb in positiver Erinnerung – die Pizza war großartig! Vergangener Freitag (18.11.16) in Ingolstadt: Der zwischenzeitlich 67. Ableger öffnete im einstigen Möbelhauses Holdt am Viktualienmarkt erstmals die Tür für seine Gäste.

losteria-in-1Spiritus Rector der (äußerst) erfolgreichen Unternehmung – Friedemann Findeis – stand beim Pressegespräch am Donnerstag sehr engagiert Rede und Antwort. Durchaus überrascht musste ich dabei zur Kenntnis nehmen, dass die (professionell) schreibenden Kollegen an der eigentlichen Kernfrage „Wer kocht was von wem woraus?“ wenig Interesse fanden. Ich erlaubte mir die Lücke zu schließen 😉

Zur positiven Waagschale: Viel Personal, gerade auch in der (offen einsehbaren) Küche. Das Essen wird handwerklich und frisch zubereitet. Convenience-Produkte sind nur rudimentär erkennbar. Geschmacksverstärker habe ich noch gar keine entdeckt. Alle Nudeln kommen seit 2015 aus der eigenen Manufaktur in Nürnberg. Der Pizzateig entsteht vor Ort. Die Pizza im Steinofen. Tegernseer Hell vom Fass. Sehr schön: Alle Restaurants besorgen das gesamte Brot immer lokal vor Ort. Die Ingolstädter Filiale hat diese Chance vorbildlich genutzt – ihr Lieferant ist die Bäckerei Erhard!

losteria-in-4Zur negativen Waagschale: Das Wasser kommt von Nestlé (hier in Form von San Pellegrino). Als Grund wird vor allem das Flaschendesign genannt… Als wenn es (nur) das wäre (arrrgh) – werfe man einfach einen Blick auf die feinen Gastroflaschen der Ingolstädter Jesuiten-Quelle. Herkunft und Lieferanten für Gemüse, Geflügel, Wurst, Milchprodukte, etc. verlieren sich in den unendlichen Weiten zwischen Zentraleinkauf und Großhandel. Biozutaten fehlen vollständig.

Optisch gleicht keines der Restaurants dem anderen. Alle haben ihre eigene, ansehnliche Note (siehe hier). Und auch das Ingolstädter ist gelungen. Überhaupt ist es erfreulich, dass die nord-westliche Ecke des Viktualienmarkts, nach vielen grauen Jahren der Brache durch die Komplettrenovierung des gleich ganzen Hauses, wieder aufgewertet wird. Im Sommer kommen noch 80 Außenplätzen hinzu.

Aushängeschild der L’Osteria ist die Pizza. Ihr Anspruch: Die Beste der Stadt zu sein. Während des Pressegesprächs wurde meine – ob der angeregten Diskussion – leider kalt. Das was ich aber probieren konnte, war sehr gut!

losteria-in-2Am Freitagabend hatte dann die ganze Familie Pizza. Herrlich! Vor allem beim Teig (mehr als die halbe Miete der Disziplin) ist sie ganz weit vorne. Wenn man Hunger hat, ist die Größe beruhigend. Ist man aber kein Schnellesser, gibt es mindestens im letzten Viertel Temperaturprobleme. Taktiktipp: Zusammen die erste Pizza mit jemandem teilen und beim Futtern die zweite, wiederum zum Teilen, ordern.

Die (zu) laute Musik – auch wenn das Konzept ist – nervt. Eine Unterhaltung über zwei Stühle hinweg ist faktisch ausgeschlossen. Was meinen die anderen Gäste? Und wenn wir schon bei Würdigungen sind – ist es die beste Pizza der Stadt?

losteria-in-5L’Osteria Ingolstadt, Franziskanerstraße 7, 85049 Ingolstadt, Tel: 0841/98161085. Öffnungszeiten: Mo bis Sa 11-24 Uhr. So/Feiertage 12-24 Uhr. Chef im Haus ist Restaurantleiter Sascha Schumacher.

Ich wünsche einen guten Start!

Nachtrag: Habe ich ganz vergessen! In Eichstätt ist Slow Food Ingolstadt auf der Suche nach der besten Pizza der Stadt schon einmal tiefer eingestiegen – siehe hier.

Neue Neue Welt

Seit Donnerstag ist die Neue Welt (Griesbadgasse 7, 85049 Ingolstadt) wieder geöffnet! Wie gehabt (Gott sei Dank) als Wirtshaus (Donnerstag bis Samstag) und Kleinkunstbühne (Montag bis Mittwoch). Für mich ein besonderer Ort (siehe Einleitung hier). Mit dem wein- und bühnenaffinen Johannes Langer hat die Stätte einen für ihre Herausforderungen wie geschaffenen, goldrichtigen Impresario gefunden.

neue Neue Welt (14)Mit stilsicherer Hand hat man einige Veränderungen vorgenommen. Der eingefleischte Stammgast darf sich weiter zu Hause fühlen (inklusive Guinness vom Fass). Gleichwohl tun sich schöne, neue Ufer auf – die frische Speise- und Weinkarte (man beachte auch das „Neue Welt Spezialbier“) gibt dem auf diesem Gebiet schmerzlich geprüften Ingolstädter dringend benötigte Nothilfe…

neue Neue Welt (2)neue Neue Welt (1)neue Neue Welt (3)neue Neue Welt (4)neue Neue Welt (5)neue Neue Welt (6)neue Neue Welt (8)neue Neue Welt (7)neue Neue Welt (9)neue Neue Welt (10)neue Neue Welt (11)neue Neue Welt (12)neue Neue Welt (13)neue Neue Welt (15) Der Routenplaner von Google Maps gibt mir von zu Hause und von der Kanzlei aus jeweils einen Fußweg zur Neuen Welt von knapp unter 2 min. Es wird sich zeigen, ob das ein Vor- oder Nachteil ist… Alles Gute Johannes!

neue Neue Welt (16)