Marginalie (49) – Fünfhundert + eins

The year after. Das Jahr eins nach den letztjährigen Feierlichkeiten zum 500. Geburtstag des Reinheitsgebots. Erster Eindruck: An der Donau nichts Neues. Ingolstadt vollzog soeben zum vierten Mal sein „Fest zum Reinen Bier“. Mit dabei: Danielbräu, Herrnbräu, Nordbräu, Schwalbenbräu, Hofbrauhaus Freising, Gutmann, Riedenburger, Schneider (Essing), Weltenburger und – erstmalig – Yankee & Kraut.

Die Zeit um 1516 gab und gibt den Takt vor: In Musik, Gewand und Unterhaltung. Eine solide Veranstaltung. Gut und aufwendig organisiert. Soweit so bekannt.

Damit wird es aber wohl nicht (mehr) gelingen den Bogen neugierig und glaubwürdig ins Heute zu spannen. In eine quicklebendige, kreativ-pulsierende Bierszene, die der lange vergessenen Vielfalt des wunderbaren Tranks Respekt zollt. Das gewählte Format stößt hier an Grenzen. Das zeigt sich bereits an einem nicht zu unterschätzenden Detail. Für alle ausgeschenkten Biere wird ein einheitlicher Steinkrug verwendet. Das ist sicher praktisch – er kann an allen Stationen per Pfandmarke zurückgegeben werden. Und er passt natürlich ins historische Bild. Dem Genuss dient er vielfältig aber gerade nicht. Bereits optisch. Ein Weltenburger Barock Dunkel oder ein Rotbier von Schneider wollen gesehen werden. Die Perlen der Kohlensäure im Weißbier und Pils brauchen Weg und Raum. Und für das herrliche Hopfenbukett eines Indian Pale Ales und seine Aromen ist ein Steinkrug nicht einmal eine Ersatzspielstätte! Da hilft es dann leider auch nicht, die guten Jungs von Yankee & Kraut da zu haben (die zu der oben beschriebenen lebendigen Bierszene gehören). Wobei – da waren sie in persona der Brauer (Bryan France und Max Senner) ja gar nicht – sondern bezeichnenderweise auf der Beer Craft in Bozen…

Ihr ausgeschenktes köstliches „Hoada“ (Black Ale, Kooperations-Gebräu mit Isarkindl) passte jedenfalls zum Wetter – mit dem man letztlich doch Glück im Unglück hatte. Hoada steht (angeblich – ich finde dafür keinen Beleg) für eine kalte, klare Winternacht:

Wenn nicht (nur) mit diesem Fest, wie und wann will Ingolstadt seinem (selbst formulierten!) Anspruch als Bier-Stadt denn gerecht werden? Die Veranstaltungskalender für das weitere Jahr rufen zu dieser Angelegenheit nichts Erwähnenswertes mehr auf… Und ich dachte wirklich, dass es jetzt – nach dem großen Geburtstag – erst so richtig losgeht!

Eine Momentaufnahme beim Ausschank meiner Lieblingsbrauerei – Riedenburger – zeigt auf einen Blick ansatzweise, welches Segel es beherzt zu entrollen gilt:

An dieser Stelle soll deshalb unbedingt auch der neu gegründete Verein der Deutschen Kreativbrauer Erwähnung finden. Zur Vertiefung hier. Ihr gefordertes Natürlichkeitsgebot (lesen!) wäre/ist meine Heimat.

Quelle: www.facebook.com/deutschekreativbrauer

Bei Nordbräu hielt Andrea Mödl – Wirtin im Schutterhof – ihren Veranstaltungskalender für 2017 hoch:

Freitag den 14. Juli ab 18:00 Uhr sollte man sich dabei ganz dick vormerken!

Draußen vollzieht sich zur Stunde immer noch der Abbau des Bierfestes. Wir sind gerne mittendrin 😉

Und gegen ein süffiges Helles im Steinkrug ist ja nichts einzuwenden. Wobei Gerhard Polt auch hier eine Unwägbarkeit sieht („…I ziag o, das heisst ich trinke quasi, aus am Steinkrug, nam, plötzlich vermerke ich a so an Schlader, hab i so an Gschlader im Hois…“).

Abschwenk. Paulaner. Es wird nicht meine Marke werden. Trotz feiner Werbung. Ich konstatiere aber gerne die Bewegung in die richtige Richtung. Probiert am Wochenende im Münchener Wirtshaus im Braunauer Hof. Sehr fein renoviert. Gute Küche (Kalbsherz vom Grill!):

Foto: Moritz Olma

(48) – Marginalie – (50).

Bärlauch 2017

Nach der Ernte ist vor der Ernte! So kommentierte Slow Food-Freundin Theresia einmal meine Header-Collage:

Eigentlich ein Provisorium – das sich dauerverwendet von der Jahreszeitlichkeit gelöst fast schon zum fehlenden Bloglogo befähigt hat. Gerade passt sie freilich (wieder) perfekt.

Den ersten Allium ursinum futterte ich bereits letzte Woche bei Neuburger Freunden. Jetzt also der persönliche First Flush 2017. Ritual. Diesmal eine Pflückung südlich vom Hopfenwehrl (Nähe Baggersee-Zulauf):

Derzeit im Golden – verlässlich sicher auf der Höhe der Zeit:

Marginalie (48) – Alternative Fakten bei Edeka

Einkaufen letzten Freitag. Ein Supermarkt in der Berliner Straße. Zur saisonalen Orientierung: Es ist Mitte Februar. Es ist Winter. Auf dem Parkplatz – unübersehbar – diese Botschaft:

Verwirrung. Mir geht der „kurze Feldweg“ durch den Kopf – der sieht in Ingolstadt (idealerweise) so aus. Donnerwetter! Hier werden die Kunden also bereits +/- vier Monate vor der Erdbeerzeit auf Frische und Regionalität eingeschworen. Etwas übertrieben finde ich. Andererseits – warum eigentlich nicht? Saisonalität und lokale Wertschöpfung sind sehr wichtig. Und Vorfreude die bekanntlich Schönste.

Die Schiebetüren öffnen sich. Gleich rechts, noch vor dem eigentlichen Eingang, dann dieses Angebot:

„SanLucar Erdbeeren“ aus der südspanischen Region Huelva… arrrgh.

Lupenreine Kundenverarsche! Auf Kosten der Umwelt und des Geschmacks. Letzteres ist freilich subjektiv. Frau Kellyanne Conway dürfte mit diesen alternative facts sicher zufrieden sein.

(47) – Marginalie – (49).

Hunger? Auf ins Lalibela!

Letzte Woche saß ich beim Pizzaessen in der L’Osteria. Weil es draußen schon dunkel war, sah ich gegenüber auf der anderen Straßenseite der Hieronymusgasse ein warmes Licht, wo ich eigentlich einen Leerstand wähnte. Dort – unter der Hausnummer 11 – befand sich seit Anfang 2012 das äthiopische „Café Cafcho“. Es war dann irgendwann geschlossen.

Und tatsächlich – es regt sich (wieder) Leben in der Örtlichkeit. Diese wurde lediglich umgebaut. Vom Café in ein Speiselokal. Es heißt jetzt „Lalibela“. Lalibela liegt in Äthiopien und gilt als heilige Stadt und Wallfahrtsort für die äthiopisch-orthodoxen Christen. Die dortigen elf Felsenkirchen zählen zum Weltkulturerbe der UNESCO. Die afrikanische Ausrichtung ist also erfreulicherweise erhalten geblieben. Zum Kaffee (der in Äthiopien übrigens seinen Ursprung hat) ist jetzt die entsprechende Landesküche hinzugekommen. Die beiden hochsympathischen Inhaber, Frau Wintana Tsemrekal und ihr Ehemann Adiamseged teilen sich die Aufgaben. Sie verantwortet die Küche, er röstet den Kaffee.

Adiamseged und Wintana Tsemrekal

Die inoffizielle Eröffnung des Lalibela war am 12.01.2017. Da kommt noch was… Heute Mittag habe ich es mir angesehen: Wertiges Mobiliar, angenehmes Licht. Keine Gecken, keine Überladung. Einige Handgriffe fehlen freilich noch. Die endgültige Speisekarte z.B., oder die Außenbeschilderung. Und es kommen noch Bilder. Ich bin sicher, sie werden die gefällig-schlichte Atmosphäre unterstreichen. Es riecht nach Gewürzen. Es wird frisch gekocht!

Ich hatte ein vorzügliches Rinderragout (scharf) mit gelben und roten Linsen. Dazu – das Fundament der äthiopischen Küche – selbstgemachtes Injera. Das ist ein gesäuertes Fladenbrot (sehr weich und unglaublich luftig) aus Teffmehl. Teff, eine Hirseart, ist die wichtigste Getreidesorte Äthiopiens. Im Lalibela wird das Injera aus einer Mischung von Teff-, Roggen- und Weizenmehl gefertigt. Am Nebentisch schmeckte (sicht- und hörbar) gefülltes Injera mit Spinat. Bier? Nordbräu und Augustiner.

Quintessenz – ohne Berücksichtigung der Einkaufsquellen, soweit bin ich (noch) nicht gekommen: Was für eine schöne, was für eine köstliche Bereicherung unserer Stadt!

Äthiopische Spezialitäten „Lalibela“ – Hieronymusgasse 11, 85049 Ingolstadt. Telefon: 0176-72276191. Geöffnet von Dienstag bis Samstag, jeweils von 11:30 bis 22:00 Uhr (Sonntag/Montag Ruhetag).

Blogger in Ingolstadt

Blogger in Ingolstadt sind rar. Leider! Keine Ahnung warum. Aber ich weiß, wovon ich rede. Seit über 5 ½ Jahren befülle ich von hier aus extra prima good. Und da bleibt es einem nicht verborgen, wer in vergleichbarer Mission unterwegs ist.

Ein kurzer Überblick zur sehr überschaubaren Szene (die es als solche auch gar nicht gibt): Am längsten dabei, am meisten gelesen (überregional) ist sicher Rainer Meyer alias Don Alphonso. Sein Blog: Rebellen ohne Markt. Dazu schreibt er gleich noch zwei Blogs unter dem FAZ-Dach: Deus ex Machina und Stützen der Gesellschaft. Mit mir gibt es in der Stadt einen bloggenden Rechtsanwalt – dazu kommt mit einfeindesein ein bloggender Amtsrichter! Radio IN (Danke Susi!) hat hier eine Auflistung von Blogs aus der Region begonnen. Ich picke gleich noch einen davon heraus. Ansonsten wird es schon eng… Ein Blog muss lebendig sein. Mindestens ein Post pro Woche hilft dabei. Ich spare mir deshalb hier die Nennung von schlummernden oder gar eingeschlafenen Plätzen. Und ich lasse „Blogs“, die von Marketingabteilungen für ihre Unternehmen geschrieben werden, außen vor. Diese müssen nicht per se uninteressant sein, persönlich aber sind sie faktisch nie. Auch reine Fotoportale zu wichtigen Festivitäten (Duckfacesammlungen/ich war auch dabei!) zähle ich natürlich nicht dazu. Fehlen (vitale) Blogs, die ich bisher nicht genannt habe? Zeit sie ins Licht zu holen! Ich bitte um entsprechende Kommentierungen.

Und jetzt will ich, wie angekündigt, noch einen Blog hochhalten. Lily Gehrke sendet mit localINtown zwar erst seit Anfang November, aber schon jetzt darf ich konstatieren, dass hier eine echte Bereicherung die lokale Bühne betreten hat! Aufmachung, Schreibe, Fotos und vor allem die bisherige Themenauswahl sind gleichermaßen gelungen wie herzlich willkommen. Und es gibt zu Kulinarik und Genusskultur schon jetzt eine Schnittmenge, die mir „Arbeit“ erspart 🙂 Zum ersten Mal kann ich in Ingolstadt zu diesen Herzensthemen mit gutem Gewissen einfach nur verlinken. Den feinen Kaffee der District Five Coffee Roasters habe ich erstmals im Café am Schloss gekostet (das Kaffeehaus wird von Andreas Menrad geführt, sein Sohn Michael Menrad gehört zu den Inhabern der Rösterei). Dazu kommt aktuell das ganz wunderbare Pop Up Café der Rösterei in der Donaustraße 2. Schon länger wollte ich über diese schöne Entwicklung berichten – jetzt mache ich es mir leicht und verweise einfach nur auf localINtown: Hier auf einen Kaffee mit Michael Menrad und dort auf das Pop Up Café.

So ganz komme ich aus meiner Haut natürlich nicht raus. Es gibt einige wichtige Details nachzureichen: Die im Pop Up Café verwendete Milch kommt von der regionalen Biomolkerei (Naturland) Hutter. Sehr gut! Auch das Café am Schloss verwendet sie übrigens.

Kuchen und Süßes liefert das himmlische mundgerecht (saisonaler Einwurf: Unbedingt deren Punsch und Glühwein probieren!).

Dazu gibt es Tees von Sonnentor, Schorlen von Ostmost und Wasser von der Initiative Viva con Agua (die letzten beiden führt auch das Golden).

Und jetzt kommt selbstredend auch bei mir noch eines der kontemporär schönsten Fotomotive in der Ingolstädter Altstadt. Im April 2017 wird das Haus abgerissen.

Zu einem Bericht über mein unheimliches Doppelleben habe ich schon einmal für das Bloggen plädiert. Ich kann das nur noch einmal wiederholen:

„Leute – bloggt! Es gibt so viele Menschen, die einer größeren Öffentlichkeit etwas Interessantes zu sagen hätten. Besonders zu Themen vor der eigenen Haustüre. Sachen, die in keiner Zeitung stehen – nicht stehen können. Geht dauerhaft auf Sendung – die Wirkung eines Leserbriefs oder Facebook-Posts ist viel zu schnell verpufft. Traut Euch! Themen? Was Euch ganz persönlich beschäftigt: Die Artenvielfalt der Rüsselkäfer im Ingolstädter Glacis. Von Montag bis Freitag, in den Monaten mit „r“, ein in jeder Mittagspause gemachtes Foto einer zufälligen Begebenheit. Eine fortlaufende Kurzgeschichte oder ein Gedicht – jeden Tag kommt ein Wort dazu. Was fehlt mir in der Kommunalpolitik meiner Stadt? Kochbuchsammlung – jede Woche eine Kurzbesprechung eines meiner Bücher mit einem selbst nachgekochten Rezept. Meine Tauchschätze aus dem Baggersee. Blicke in Ingolstädter Hinterhöfe. Mountainbike-Routen im Altmühltal… Blogs mit dem Stallgeruch unserer Stadt und Region fehlen an allen Ecken und Enden. So gerne würde ich mehr von ihnen verfolgen und lesen – neue Blickwinkel auf meine Stadt erfahren.

Dabei ist es nicht weit zum Blog. Entweder Ihr nutzt ein fertiges Blogsystem (kostenlos) wie Blogger oder WordPress. Dann kann es eigentlich sofort losgehen. Oder Ihr legt Euch eine eigene Domain zu (kostet sehr wenig) und installiert auf einem Webserver (kostet ein bisserl) eine Blogsoftware (wieder kostenlos). Dafür habt ihr dann aber auch tatsächlich einen eigenen Blog. Ich empfehle dazu die Websoftware WordPress und den sehr guten Webhoster ALL-INCL.COM. An die Tasten!“