Marginalie (46) – Tierwohllabel

Interview im Ingolstädter Donaukurier mit Christian Schmidt (Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft). Frage der Zeitung:

Quelle: Donaukurier, 13.01.2017, Seite 2

Zur nicht unwichtigen Präzisierung: Die 0,75 Quadratmeter beziehen sich auf ein Schwein mit bis zu 110 kg…!

Die Antwort des Ministers:

Quelle: Donaukurier, 13.01.2017, Seite 2

Ich probiere es mal. Gemäß Schmidt gewährleisten die gesetzlich festgeschriebenen Mindeststandards eine tiergerechte Haltung. Und Platz im Stall, der über diese gesetzlichen Standards hinausgeht, führt zum Tierwohl(label). Demnach gehört also das Wohl der Tiere beim Mindeststandard nicht zur tiergerechten Haltung. Einen anderen Schluss kann ich dem ministrabelen Klimmzug nicht entnehmen. Und damit hätte er sogar Recht. Die Mindeststandards für die Haltung von Schweinen in Deutschland (auch jenseits der reinen Platzfrage) haben mit deren Wohlergehen (gar einem Sauwohl) nichts gemein!

Im Gespräch stellte Schmidt dann aber gleich noch klar, dass mit dem (noch dazu nur freiwilligen… arrrgh) Label kein „Premium-Luxus-Label“ eingeführt werden soll. Puh! Da hat die Agrarindustrie aber noch mal Glück gehabt. Fast so viel wie mit den gesetzlichen Mindeststandards…

Die Demo wird organisiert von diesen Organisationen. Slow Food Deutschland ist auch dabei 🙂

Hier das Geeiere zum 2013 eingeführten Tierschutzlabel.

(45) – Marginalie – (47).

Man sollte nicht mit jedem ins Blatt gehen (2)

2017. Erst mal Ballast abwerfen. Leider. Bis vor Kurzem hatte ich das österreichische „A La Carte Magazin“ nicht als solchen geführt. Nachdem man sich dort aber seit zwei Ausgaben für einen Junk Food Clown tief – zu tief – bückt, liegt es schwer in meinem Briefkasten. Hier kann man dem bedauerlichen Vorgang auf den Grund gehen. Die neue Ausgabe ist da. Und? Meine Hoffnung empfahl sich auf Seite 57. Man hat es sich mit dem neuen Freund weiter gemütlich gemacht… Die Öffentlichkeitsarbeit erklärt das aalglatt so:

Quelle: Screenshot facebook-Seite A La Carte Magazin

Gerade als aufgeklärter und intelligenter Leser gehe ich hier nicht (mehr) mit. Und darf noch einmal zitieren: „Die Grenze ist für mich aber dann erreicht, wenn man einen Handel eingeht, der (auch) über Dinge disponiert die (eigentlich) unbezahlbar sind. In dieser Schublade finden sich Werte wie Charakter, Haltung, Stil, Niveau, Format, Würde, Stolz, Selbstachtung, Wertgefühl oder Rückgrat. Das ist dann ein schlechter Deal“.

Magazin für Ess- und Trinkkultur…. ts, ts, ts.

Marginalie (45) – Wea ko, dea ko

Noch ein Nachtrag zum neuen Slow Food Genussführer. Seine Schokoladenseite zeigt er untrüglich von vorne:

fuchsbraeu-amatrice-3Sein Rücken sieht so aus:

sf-bayern1Kommen wir schließlich zum Blickwinkel, der Grund für diese Zeilen ist – sein Vorderschnitt:

sf-bayern2Der Genussführer ist noch jung. Es ist erst seine dritte Veröffentlichung. Das bedingt eine große Dynamik. In der ersten Ausgabe waren 300 Wirtshäuser vertreten, in der zweiten bereits 400, und jetzt sind es schon über 500. Dazu kommt, dass noch nicht jedes regionale Slow Food Convivium überhaupt eine Testgruppe gebildet hat, die Empfehlungen für das nationale Gemeinschaftswerk abgibt. Und es gibt natürlich Testgruppen, die fleißiger sind als andere.

Trotzdem! Ein bisschen Stolz darf sein. Man konzentriere sich dazu auf die zwölf farbigen Registermarken im Buchschitt. Für den praktischen Schnellzugriff (man kennt das ja von Telefonbüchern) wurden hier alle Einträge zu den jeweiligen Bundesländer markiert. Und nachdem es sechszehn davon gibt, wurden bei zwölf Abschnitten also auch Länder zusammengefasst. Die Markierungen erfolgten sinnvollerweise alphabetisch. Nun was soll ich noch sagen? Schaut noch einmal genau hin und geht dann die Länder in Buchstabenfolge durch:

sf-bayern3Vom Heimatdichter Ludwig Ganghofer stammt der schöne Satz: „Wen Gott liebt, den lässt er fallen in dieses Land“.

(44) – Marginalie – (46).

Man sollte nicht mit jedem ins Blatt gehen

Seit über fünf Jahren bin ich Abonnent von „A La Carte“. Hier meine damalige Empfehlung für die Zeitschrift aus Österreich. Gestern fand sich die neue Ausgabe (03/2016 Herbst) – zusammen mit dem ihr stets als feines Zuckerl beiliegenden „Slow“-Magazin von Slow Food Wien – im Briefkasten:

a-la-carte-fehler-2a-la-carte-fehler-3Ein Grund zur Freude… doch da war noch was… Beim Auspacken fiel es mir wieder ein. In der letzten Ausgabe (02/2016 Sommer) auf Seite 31 wurden die Leser Zeugen eines bedauerlichen, letztlich zum Scheitern verurteilten Spagats. Ich hatte mich darüber zuerst kurz gewundert, dann länger geärgert und schließlich Trost in der lebenswerten Erkenntnis gefunden: „Alle Fehler sind machbar“ (der schöne Spruch steht beim Schichtl auf dem Münchner Oktoberfest).

„A La Carte“ begrüßt seine Leserschaft auf jedem Titel – noch vor seinem Namen – mit dem Anspruch „Das Magazin für Ess- und Trinkkultur“ zu sein. Seine offensichtliche Zuneigung für die Ideen von Slow Food kommt erfreulich hinzu. Doch zur neuen Ausgabe. Die Hoffnung empfahl sich leider auf Seite 87…

a-la-carte-fehler-1Verbindlichkeit ist mir wichtig. Ich will mich dagegen wehren im Zeitgeist der Beliebigkeit abzusaufen. Dessen Strömung ist stark. Deshalb darf – muss man gar – ein Stück weit mitschwimmen. Ich sage das als optimistischer Realist! Die Grenze ist für mich aber dann erreicht, wenn man einen Handel eingeht, der (auch) über Dinge disponiert die (eigentlich) unbezahlbar sind. In dieser Schublade finden sich Werte wie Charakter, Haltung, Stil, Niveau, Format, Würde, Stolz, Selbstachtung, Wertgefühl oder Rückgrat. Das ist dann ein schlechter Deal.

Alles was diese Junk Food Clowns bedingen, fördern und schließlich anbieten ist weder gut, sauber noch fair (im Sinne von Slow Food). Es ist nicht handwerklich, nicht regional und auch nicht saisonal. Es ist gar immer dessen Gegenteil. Damit hatten sie auf Seite 31 und haben jetzt auf Seite 87 nichts verloren.

Es mag jetzt aussehen als ob der Schwanz mit dem Hund wedelt. Seis drum! Ich kehre nur vor meiner Haustüre. Der Inhalt der nächsten Ausgabe (04/2016 Winter) hält, was das Etikett verspricht, oder ich bin raus. Wäre schade. Allein der dann zu entbehrenden (immer) köstlichen Artikel von Christian Seiler wegen.

Nachtrag (10.01.2017).

Fingerzeig (38) – Genussführer 2017/18

Seit zwei Wochen ist er da. In seiner dritten Ausgabe. Endlich. Der Slow Food Genussführer Deutschland 2017/18“. Mein guter Rat: Besorgen!

fuchsbraeu-amatrice-3Auch Slow Food Ingolstadt hat dazu seine Hausaufgaben gemacht und lieferte neun Empfehlungen. Eine davon ist der Fuchsbräu in Beilngries.

fuchsbraeu-amatrice-4fuchsbraeu-amatrice-5Wie hier berichtet, unterstützt die Wirtsfamilie Amrhein den Hilfeaufruf von Slow Food Gründer Carlo Petrini für die vom Erdbeben heimgesuchte italienische Gemeinde Amatrice. Mit Genuss die Welt (einklitzekleinwenig) verändern. Und tatsächlich:

fuchsbraeu-amatrice-6fuchsbraeu-amatrice-1(37) – Fingerzeig – (39).