Vergleichstest: Karottensäfte

Mehrmals wöchentlich steht bei uns ein Glas Karottensaft auf dem Frühstückstisch. Mit einem Teelöffel dieses Leinöls (das Provitamin (A) Beta-Karotin in der Gelben Rübe ist fettlöslich). Da wir keine eigenen Möhren anbauen und/oder den Saft selbst pressen, war es an der Zeit sich das Thema einmal genauer hinzulegen. Wie schaut die Angebotsseite aus? Und dann: Eigenen Geschmack entdecken, bilden und entwickeln.

Wenn es um Laborwerte, Inhaltstoffe und Zubereitungsmethoden geht, bieten zum Thema Karottensäfte sowohl Stiftung Warentest (03/2000) als auch Ökotest (11/2013) bewährte Orientierung und Hilfe.

Gezielt auf der Suche zum großen geschmacklichen Vergleichstest in der Familie haben wir dann in Ingolstadt diese 22(!) verschiedene Produkte gefunden:

karottensaft2Uns ging es um reinen Karottensaft. Die gefundenen Mischungen mit Apfel-, Sanddorn- oder Orangensaft haben wir daher nicht mit an Bord genommen. Zu Beginn stand bald die Erkenntnis, dass es Karottensaft wie frisch gepresst gar nicht gibt. Im Minimum wird dieser “milchsauer vergoren” angeboten. Ohne diese Behandlung haben alle Proben zugesetzten Zitronensaft. Bis auf Nr. 12, den Kandidaten Hipp. Der hat dafür Vitamin C (wohl als Antioxidationsmittel) in der Flasche:

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KS = Karottensaft, ZS = Zitronensaft

Es folgen eine Reihe von Säften mit beiden Zutaten, Zitronensaft und Vitamin C und endlich sechs Anbieter mit der weiteren Zutat Honig. Die Preisspanne für 100 ml liegt zwischen 0,11 und 0,43 EUR. Die kcal variieren von 27 bis 41 pro 100 ml.

Sehr erfreulich: 17 der 22 Säfte sind bio und wenigstens mit dem EU-Bio-Siegel zertifiziert. Es gibt weiter löblich kein einziges Angebot in der Plastikflasche. Alle sind entweder im Karton oder in der Glasflasche erhältlich. Sechs arbeiten sogar mit Mehrweg/Pfand: Pölz Nr. 01, Eden Nr. 04, denree Nr. 05, Beutelsbacher Nr. 06, Voelkel Nr. 07 und Rabenhorst Nr. 08.

Nestlé-Vermeider – zu denen ich mich gerne bekenne – aufgemerkt: Weit und breit fand sich wohl tuend kein Karottensaft von Alete in den Geschäften.

karottensaft1Besonderheit: Bei zwei Direktsäften werden die Karottensorten angegeben. In beiden Fällen sind diese sogar samenfest. Es sind die demeter-zertifizierten Hersteller Beutelsbacher Nr. 06 (Sorte Rodelika) und Voelkel Nr. 07 (Sorten Rodelika und Rothild). Dazu glänzt Beutelsbacher mit Regionalität. Die Karotten wachsen in Baden-Württemberg. Bei alle anderen Waren steht nicht einmal Deutschland als Herkunftsland der schmackhaften Wurzel fest…

Genug der grauen Theorie – auf zur Blindverkostung:

karottensaft4karottensaft5karottensaft9Ob Krapfen oder Lebkuchen. Ob Weißwurst, griechischer Joghurt oder alkoholfreies Weißbier. Kein Test war bisher so fordernd wie dieser. Jeder Saft legte sich wie ein schwerer Mantel auf die Geschmacksknospen… Eine weitere Herausforderung: Die unglaubliche Aroma-Vielfalt. Einheitsbrei? Denkste! Wobei sich schnell drei klar abzugrenzende Fraktionen herausbildeten: Die milchsauer vergorenen Säfte, die mit Honig-Zusatz und der Rest.

Ich mache es kurz. Die vier “Sauren” hatten bei uns keine Chance. Blöder Spruch, aber die muss man wirklich mögen! Ebenso die sechs “Süßen”. Bei so viel Zucker rundherum, braucht es das doch eigentlich nicht. Interessanterweise finden sich diese allesamt im untersten Preissegment und haben den geringsten Bio-Anteil…

Im Rest vesteckten sich die Gewinner. Bei einigen war die Zitrone zu dominant. Andere (wenige) waren dünn und wässrig.

karottensaft10Am Ende hatten wir alle dieselben zwei Favoriten. Mit Abstand. Unabgesprochen. Bei einer Blindverkostung. Beachtlich. Voller, frischer Karottengeschmack, bereits in der Nase. Ausgewogenes, lebendiges Mundgefühl. Sehr nah an gerade frisch gepresst… Die Doppelsieger:

Die dm-Eigenmarke babylove Bio-Saft Karotte (Nr. 16):

karottensaft7Und Voelkel demeter Möhrensaft (Nr. 07):

karottensaft6Gute Aromatik und ordentliche Papierform haben zueinander gefunden. Beide bio, der Voelkel sogar mit demeter-Siegel und “fair gehandelt”. Der babylove mit Ökotest “sehr gut” (Inhaltsstoffe).

Es müssen wahrlich nicht 22 Säfte probiert werden. Aber ein bissl über den Glasrand schauen, mehr Bewußtsein und Wertschätzung für unser Essens und Trinken gewinnen und dabei obendrein gesteigerten Genuss erfahren – was spricht dagegen? Auf zu eigenen Vergleichsproben – mit was auch immer!

Prolog Pfingstwochenende

Feierabend. Verdienter. Prolog Pfingstwochenende:

Von den drei Rosé der Tenuta Santa Croce mein Favorit – mit Abstand: Der Dorato. Und der ist richtig gut! Zuletzt 100% Sangiovese. Jetzt Jahrgang 2013: Cabernet Sauvignon – 100%.

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dorato2Dazu: Sehr schnelles Essen – trotzdem Slow Food. Gutes Brot (Erhard!), gute Butter, Rest Bärlauch-Pesto und Tomaten (Knoblauchland Nürnberg):

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Vorhersage für die nächsten Tage: 30 Grad. Passt. Alles.

Grüne Sauce

Seit Ewigkeiten möchte ich eine “Frankfurter Grüne Sauce” probieren. Dazu gehören unbedingt diese glorreichen Sieben: Schnittlauch, Kresse, Petersilie, Kerbel, Sauerampfer, Pimpinelle und Borretsch. Der Ziegler auf dem Ingolstädter Wochenmarkt hatte sie gestern alle frisch.

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Rezepttechnisch habe ich mich bei Stevan Paul in “Deutschland vegetarisch” bedient.

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Die fabelhafte Buchreihe wird im Herbst übrigens mit “Italien vegetarisch” ihre Fortsetzung finden. Wenn ich richtig kombiniert habe, könnte dabei dieser Mann Koch und Autor der Ausgabe sein. Jene Frau hat einfach eine sehr glückliche Hand, mit anderen Worten, ist das Glück natürlich mit dem Tüchtigen…

Zu Eiern, zu Schinken – die Frankfurter haben schon Geschmack – frohe Ostern!

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Hopfenspargel

Meine Spargelzeit kommt erst noch (the same procedure as every year: 2011 und 2012). Die vorfreudefeindlichen Eseleien aus Peru, Griechenland oder Spanien, die seit Wochen angeboten werden, mache ich eh nicht mit. Es sind bedauernswerte Menschen, die dagegen mit 300 km langen Rohrleitungssystemen im heimischen Boden, den sie damit seit Januar beheizen(!), anrennen wollen. Arrrgh.

Als wäre die Exxon Valdez im Abensberger oder Schrobenhausener Land havariert – schwarzes Plastik wohin man schaut; die Spargel-Bauern mit Dreifachfolie stechen auch schon. Immer noch zu schnell. Ich habe gestern mit meinem Spargelbauern telefoniert. Sachstand: So ab dem 10. April wird er seinen folienfreien Freilandspargel ernten. Ihr wisst gar nicht, wie gerne ich slow bin!

Die Wartezeit kann man sich in unseren Breiten versüßen. Wir leben schon in einer appetitlichen Region! Über eine kleine Lieferkette (ausgehend von Geisenfeld) waren wir am Wochenende glücklicher Adressat einer besonderen Spezialität – eigentlich eines Abfallprodukts des Hopfenanbaus: Hopfenspargel, die Sprossen des Wurzelstocks der Hopfenpflanze. Wir haben sein nussig-erdiges Aroma nur mit brauner Butter unterstrichen:

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Dazu – ein weiteres Hoch auf die Region – zwei Biere der Schlossbrauerei Herrngiersdorf (Landkreis Kelheim). Das Hallertauer Hopfen-Cuvée der ältesten Privatbrauerei der Welt (seit 1131) vereint vier verschiedene Hallertauer Aromahopfen. Eine bitter-frische Geschichte. Aus mir unerklärlichen Gründen – stellt man den Hopfen doch in den Mittelpunkt! – wird aber leider auch Hopfenextrakt verwendet. Arrrgh. Gut gelungen der malzig-süffige Publiner:

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Vom Auwald in den Knödel – Bärlauch 2014

Ich liebe Bärlauch (Berichte 2012 und 2013). Ich habe also gerade eine gute Zeit! Auf den Fluren ist nämlich der Bär los. Im verkehrs-, weil tunnel- und brückenfreien :-) Ingolstädter Donauauwald, hat mir Moritz geholfen, eine erste Pflückung (first flush) einzubringen:

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Auf dem Spielplan standen dann Bärlauchknödel. Angelehnt habe ich mich an ein Rezept von Hüttenwirt Hans-Peter Gallenberger (Brunnsteinhütte – 1.523 m – DAV Sektion Mittenwald) im schlauen “Das Original-Hütten-Kochbuch” (Stefan Winter/Georg Hohenester/BLV Buchverlag):

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Um die 100 Hütten im Alpenraum nehmen an der feinen Initiative “So schmecken die Berge” teil. Dabei fördern die deutschsprachigen Alpenvereine die Zusammenarbeit von Hüttenwirten, Bergbauern und regionalen Erzeugern von Lebensmitteln. Die teilnehmenden Hütten erkennt man am Schild mit dem Kuh-Motiv und an der Speisekarte, in der die entsprechenden Angebote ausgezeichnet sind:

so-schmecken-die-berge

Jetzt aber zum Rezept für 12 Knödel:

200 g Bärlauch, 400 g Knödelbrot, 6 Bio-Eier, 50 g geriebener Parmigiano Reggiano, 50 g geriebener Allgäuer Emmentaler, Meersalz, schwarzer Pfeffer, Muskatnuss.

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Zubereitung:

Bärlauch klein schneiden. Zutaten langsam und gründlich vermengen, verkneten und Knödel formen. 

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30 min in Salzwasser bei mittlerer Hitze ziehen lassen.

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In brauner Buttersoße mit geriebenem Parmigiano servieren. Genießen!

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En passant habe ich Sonnenblumen- und Cashewkerne angeröstet. Für das Bärlauchpesto. Andere Geschichte.

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Die hochverehrte Katharina Seiser aß Anfang 2014 für 21 Tage nur vegan. Und berichtete sehr lesenswert darüber. Als Folge des Selbstversuchs entstand der beachtliche “tierfreitag” – lesen! Mit meinen Bärlauchknödeln komme ich wegen Käse und Butter nicht auf dessen Sammelstelle. Mal sehen ob ich an einem der nächsten Freitage dort landen kann… Am Freitag vor 3 Wochen hätte ich einen Treffer gehabt. Mit dem “Green” vom Golden.

Zu guter Letzt. Das Golden ist weiter beruhigend sicher auf der Höhe der Zeit. Gestern erfasst:

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