Gerstling

Er ist sooo einfach zu haben, der kleine, große Genuss im Alltag. Ein gutes Brot. Gute Butter (gerne diese). Nach Lust und Laune vielleicht noch eine Prise Salz oder ein paar frische Kräuter. Fertig.

Das Brot? Vom handwerklich arbeitenden Bäcker natürlich! Der selber schafft und uns nicht mit allerlei Back-Vormischungen (aus denen dann landauf, landab z. B. „König Ludwig“ – Brote entstehen) beglücken will. Von Backautomaten in Discountern („Immer frisch von früh bis spät“… arrgh!) will ich ganz schweigen.

Ein rundum vortreffliches Brot, in das sich die ganze Familie seit Wochen vernarrt hat, will ich heute kurz hochhalten: Den „Gerstling“ der Bäckerei Erhard:

gerstling1Was ist drin? Weizen-, Dinkelvollkorn-, Roggen- und Emmermehl, Salz (Meersalz), Hefe, Natursauerteig aus eigener Reifung und Wasser. Dazu: Gersten- und Kartoffelflocken, Sonnenblumenkerne, Leinsaat und Sesam. Was nicht? Backhilfsstoffe 😉 Die Mehle kommen von der Fahlenbacher Kunstmühle Hofmeir.

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Vorfreude, Sehnsucht oder schon Hingabe?

Ich mag die jahreszeitlichen Wechsel. Saisonalität. Gerade auch beim Essen. Irgendwann beginnt die Vorfreude. Dann kommt die Sehnsucht. Endlich ist die Zeit der lustvollen Hingabe! Die Vergänglichkeit bewahrt uns schon bald vor Übersättigung. Eine neue Vorfreude bahnt sich nämlich schon an. Ist das nicht schön? Wenn man sich auf diesen klugen Rhythmus einlässt! Der Ich-will-alles-sofort-und-immer-Kasperl weiß gar nicht was er – aus seiner Sicht natürlich vollkommen paradox – entbehrt…

Vor einer guten Woche verkündete dieser Mann das Ende der Sehnsucht nach süßem, kräftig gewürztem Gebäck:

erhard2015 (2)Er – Wolfgang Erhard – darf das. Gerade seine Schöpfungen sind auf das Vortrefflichste für lustvolle Hingaben geeignet. Und hat man sie einmal probiert, trägt man den Keim für zukünftige Sehnsüchte in sich. Das sind Teufelskreise…

Spannend – seht meinen Bericht 2014 – die Frage: Wer ist der Neue? Es gibt dieses Jahr gleich zwei! Einmal Maroni-Vanille:

erhard2015 (5)Dafür ausgelistet wurde Honig-Mandel. Und Premiere bei den gefüllten/himmlischen Lebkuchen hat Granatapfel-Trüffel (Chilli-Feige ist dafür weg vom Blech):

erhard2015 (4)Ab Mitte Oktober werden übrigens alle Lebkuchen mit Dinkelmehl aus der regionalen Kunstmühle Hofmeir gemacht!

Meine Sehnsucht hat noch gar nicht begonnen. Ich bin noch im Vorfreudemodus. Und damit nicht allein. Günter Grünwald (Grünwaldsches Lebkuchengesetz): „Das Inverkehrbringen und Verzehren von Lebkuchen und ähnlich gelagerter weihnachtlicher Backwaren vor dem 9. November des jeweilig aktuellen Jahres wird mit Gefängnis nicht unter 4 Jahren bestraft. Wahlweise gibt es 12 Bockfotzn.“  Ab 15.11. (2 Wochen vor der Adventszeit) werde ich mich hingeben. Vornehmlich bei meinen unangefochtenen Favoriten:

erhard2015 (1)Die niemals ausgelistet werden – Wolfgang?!!!!

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Limo, Teigtaschen, Bier, Rippchen und noch einmal Limo. In München.

Meine Suche nach einer Garküche mit Dim Sum in Ingolstadt entbehrt schmerzlich jedes Erfolgserlebnis. In München bin ich hingegen erneut fündig geworden (Danke Pini!): LeDu Happy Dumplings in der Theresienstraße 18 – geöffnet seit Mitte April 2014:

ledu1ledu2Die frischen Teigtaschen werden handwerklich selbst gefertigt und gefüllt. Der Bestellvorgang beginnt mit der Teigauswahl: Hell mit Weizen- oder dunkel mit Roggenmehl.

ledu6Dann bieten sich für die Zubereitung gebraten oder gedämpft an. Endlich stehen neun verschiedene Füllungen zur Auswahl.

ledu5Das Rinder-, Schweine- und Hühnerfleisch stammt ausschließlich von der Bio-Metzgerei Pichler (Verbände Bioland und Naturland!) in Gräfelfing. Auch die verwendeten Eier sind bio.

ledu4ledu3Wir hatten Hot Chicken und Sauer Schwein. Sehr fein. Schön wäre es, bei der Auswahl – es gibt 6 oder 10 Stück – der Füllungen variieren zu können. Um derzeit alle Spielarten einmal probieren zu können, bedarf es nämlich der Bestellung von 45 (9 x 6) Dumplings…

ledu7Ausgezeichnet eine Entdeckung en passant: Bio-Zitronenlimonade Proviant aus Berlin. Frischer Zitronensaft, Mineralwasser und Rohr­zucker. Keine Aromastoffe, keine Extrakte keine Zitronensäure. Selbstverständlichkeiten mit Ausnahmecharakter.

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Im späteren Tagesverlauf kehrten wir noch im Red Hot ein. Beim guten Bier bebrütete ich die Frage „Pulled Pork“ oder

redhot10… „Rippchen“!

redhot8Und noch eine Limo-Entdeckung: Hopster Hopfenlimo.

redhot9Ob es tatsächlich „die weltweit erste alkoholfreie Hopfenlimo“ (so aber die Website) ist, stelle ich mal dahin. Man vergesse nämlich dieses Kracherl nicht… Wer war zuerst da? Auf alle Fälle schmeckt sie prächtig!

Golden goes vegan

Das Golden – Ingolstadts Nabel der Burger in der Kupferstraße 28 – liegt mir bekanntlich am Herzen (guckst Du hier und da).

Spätestens in der Fastenzeit könnte man doch mal die köstlichen Kreationen mit Bio-Rindfleisch an der Seitenauslinie belassen und mit den feinen Veggie-Varianten Italy (Mozzarella, Basilikum, Tomate und Sonnenblumenkerne) oder Cheesy (Halloumi, Avocado, Rucola und Tomate) trotzdem in Ballbesitz bleiben?!

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Seit heute Abend ist die Mannschaft nun endgültig unschlagbar. Auf dem Platz steht nämlich mit dem Green der erste vegane Burger des Hauses!

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Die handgemachten, frischen Patties bestehen u. a. aus Grünkernschrot, Sellerie, Gelben Rüben, Zucchinis, Zwiebeln, Sonnenblumenkernen, Haferflocken, frischen Kräutern (Basilikum, Petersilie) und getrockneten Tomaten.

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Zwischen die angerösteten Brotscheiben (mit Olivenöl bestrichen) kommt Eisbergsalat, Rucola, Tomaten und – für mich die Krönung der Veranstaltung – Rote Rüben.

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Schmeckt exzellent – probierts es, dann spürts es!

By the way. Nimmt man sich im Golden was mit, gerät man mit sämtlichen Verpackungen nicht ins Abseits:

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Goldene Zeiten!

Zu Gast beim Biohof Mayer

Preith hat um die 900 Einwohner und liegt 5 km nördlich von Eichstätt. Ein gewöhnliches Dorf? Sicher nicht. Hier gibt es nämlich gleich zwei Bio-Bauernhöfe. Einmal den Moierhof der Familie Daum, den diese nach den Demeter Richtlinien bewirtschaftet. Und den Biohof Mayer, Mitglied im Bioland-Verband.

Seit 12 Jahren führen Andrea und Franz Josef Mayer den Hof. Die Eltern (Katharina und Johann) von Franz Josef hatten ihren Betrieb bereits 1988 auf die ökologische Landwirtschaft umgestellt.

Andrea und Franz Josef Mayer

Der erfreulicherweise immer mehr Menschen beschäftigenden Frage – Wo kommt unser Essen her? – folgend, verbunden mit dem schönen Vorsatz den Machern die Hand zu schütteln (Michael Pollan: “Shake the hand that feeds you”), trafen sich Ende Juli Mitglieder des Slow Food Conviviums Ingolstadt zum Hofbesuch bei den Mayers.

Ein großes Holzschiff fehlt. Damit – den Hofprodukten und tierischen Bewohnern an Bord – könnte die Sintflut kommen… Es mangelt ein wenig an Worten um zu beschreiben, was für eine unglaubliche Vielfalt wir hier vorgefunden haben.

Los ging es mit einem kurzen Stelldichein im Hofladen. Geführt von Katharina Mayer, hat dieser Mittwoch und Samstag ganztags geöffnet, an den übrigen Tagen jeweils von 17 bis 19 Uhr. Auch das Brotbacken (drei Mal pro Woche im Steinbackofen) obliegt der Senior-Chefin. Alle Backwaren sind ohne Weizenmehl und selbstredend ohne fertige Backmischungen. Es gibt Bauern- und Vollkornbrot aus Dinkel- und Roggenmehl, reines Dinkelbrot, Käsestangen, Semmeln und Baguette. Das Getreide stammt exklusiv von eigenen Feldern. Das Vollkornmehl ist sogar selbst vermahlen.

Raus aufs Feld. Im Blick Dinkel und Einkorn (grün):

Und einfach wunderschön – Schwarzer Emmer:

Die diesjährige (2012) Flächenbelegung der bewirtschafteten gut 50 ha gliedert sich auf in Dauergrünland, Senf, Wintergerste, Emmer, Einkorn, Speisekartoffeln, Roggen, Dinkel, Hafer, Triticale (Weizen-Roggenkreuzung), Wintererbsen, Luzernekleegras, Feldgemüse und Streuobstwiesen.

Auch die Hoffauna hat es in sich. Unter den Milchkühen sind Fleckvieh, gekreuzt mit fränkischem Gelbvieh, Rotbunte, Kreuzungen mit Allgäuer Braunvieh und eine reinrassige Schwarzbunte. Dazu weibliche Jungrinder. Schafe der Rassen Skudden und Shropshire. Legehennen (Eier) und Gockel (Fleisch). Und Schweinderl gibt es auch: Bunte-Bentheimer, Schwäbisch-Hällische und Pietrain.

Es lebe die Biodiversität! Nicht genug, betätigt sich Angelika (Schwester von Franz Josef) als Imkerin. Ca. 30 Völker beweiden die Preither Flur und die Streuobstwiesen.

Die Milch geht an Domspitz Regensburg. Außerdem wird aus ihr am Hof köstliches Eis gemacht. Wir probierten die Sorte Vollmilch mit frischer Minze und Schokosplittern. Und die Verkostung fand tatsächlich „nach acht“(…!) statt. Das ist echtes Bauernhofeis – ohne Fertigmischung. Immer noch nicht genug, ist Andrea auch ausgebildete Kräuterpädagogin. Ab Hof bietet sie jahreszeitlich passend Führungen an. So entstehen dann wiederum aus Holunder, Schlehe oder Gundermann spannende Eiskreationen.

Den Schlachttieren nimmt sich der den aufmerksamen extra prima good Lesern bereits bekannte Anton Fürsich aus Hausen bei Greding an. Biologisch von ihm verarbeitet und veredelt gibt es das Fleisch und die Würste im Mayer Hofladen.

Ein Geschwister der Mayers im Geiste ist der aus dem Allgäu stammende Jörg Christmann. Im Jahr 2006, nach dem agrarwissenschaftlichem Studium an der FH Weihenstephan, übernahm er den Gemüseanbau auf dem Hof und führt ihn seither in eigener Regie. Seine Leidenschaft gilt insbesondere den Tomaten. Immer (wenn Saison!) im Angebot hat er die Sorten Adlerschnabel, Ananas Noir, Taiwan Teardrop, Black Ethiopian, Black Russian und Black Plum. Und er experimentiert gerne. Aktuell mit Berner Rose, Orange Russian, Reisetomate oder Yellow Pearshaped. Machen nicht schon diese Namen Lust auf Notwehr gegen geschmacksfreie Supermarktkreationen? Gedanklich war ich dann auch gleich wieder bei meinem letztjährigen Besuch der Paradeiserinstanz Erich Stekovics im Burgenland.

Die Ananas Noir (Favorit von Christmann) wird – optisch das berühmte „Entlein“ – geschmacklich zum „Schwan“. Unbedingt probieren!

Zusammen mit den Tomaten erfreuen sich an pestizid-, herbizid-, fungizid- und kunstdüngerfreien Böden: Chili, Auberginen, Zucchini, Gurken, Minigurken, Fenchel, Zuckerhut, Chinakohl, schwarzer Rettich, Endivien, Feldsalat, Petersilie, Schnittlauch, Broccoli, Blumenkohl, Lauch, Sellerie, Rhabarber, Blaukraut, Weißkraut, Grünkohl, Rote Rüben, Gelbe Rüben, Bohnen, Mangold, Kohlrüben, Pastinaken, Petersilienwurzeln, Kohlrabi, Lauchzwiebeln, Wirsing, Rosenkohl, Blaubeeren, Himbeeren und verschiedene Melonen.

Wahrlich gut geführt, mit Extratouren – z. B. Vorführung der Entspelzungsmaschine mit der Mayer im Auftrag des Klosters Plankstetten auch deren Biogetreide säubert – wartete auf uns am Ende eine Brotzeit mit Hofprodukten. Wie es sich für Slow Food gehört, an einer gemeinsamen Tafel. Weil die Fotos davon leider nicht den Qualitätsanforderungen dieses Blogs genügen, muss/will ich hier passen. Im Jargon eines Arbeitszeugnisses gesprochen, mundete alles stets zu unserer vollsten Zufriedenheit. Oder etwas lebensnaher: Saugut wars!

Man kann sich annähernd vorstellen – kann man es wirklich? – was für Arbeit die Mayers und Christmann schon quantitativ durchs Jahr leisten. Und dabei strahlen sie eine Ruhe und Gelassenheit aus, die wirklich beachtlich ist. Letzteres mag auch daran liegen, dass hier Menschen wirklich ihr Ding machen… Das Ergebnis ist, um es im Slow Food Dreiklang zu sagen, nicht nur sauber und fair sondern auch gut. Sehr gut. Und drei Kinder haben sie auch noch.

Herzlichen Dank für die Gastfreundschaft! Schön Euch da draußen zu wissen!

Zwei gute Nachrichten für die Ingolstädter Leser des Blogs. Alle Hofprodukte gibt es nicht nur im Hofladen, sondern auch auf dem Eichstätter Wochenmarkt (Mittwoch) und eben dem Ingolstädter Wochenmarkt (Samstag). Obst und Gemüse von Christmann zusätzlich auf den Märkten in Treuchtlingen (Freitag) und Weißenburg (Samstag). Und die zweite gute Nachricht: Vorfreude ist die schönste Freude. Die nächsten Samstage machen die Mayers Pause. Ihr Stand steht erst wieder ab dem 15. September am Ingolstädter Theatervorplatz. Genug Zeit also, um Vorfreude zu pflegen. Und am 15. vielleicht einen zweiten Korb mitzunehmen… Der Hofladen macht keine Ferien. Wie die Kühe.