Slow Food Convivium Ingolstadt 2009 (1)

Überführung der Aktivitätenberichte des Slow Food Conviviums Ingolstadt auf den Blog. Warum und die Jahre 2007-2008 – hier. Das Jahr 2009 – Teil 1 – jetzt:

23.02.2009 – Hausschlachtung/Hofladen im Moos

Strom kommt aus der Steckdose, Milch aus der Tüte und Fleisch vom Metzger… alles richtig, aber eben nur eine Momentaufnahme. In Sachen Fleisch wollten wir einige Schritte zurückgehen – Ergebnis: Eine Hauschlachtung!

Am 23.02.2009 waren wir dazu Gäste bei der Familie Brüderle vom Hofladen im Moos, Ingolstädter Straße 76 a, 86669 Untermaxfeld.

Ablauf der Veranstaltung:

Treffpunkt war um 9:00 Uhr. Frau Brüderle und Herr Hafner führten uns zunächst in die Bewirtschaftungsgrundsätze ihres Hofladens ein. Mehrere Wochenmärkte der Region werden mit selbst verarbeiteten Fleisch- und Wurstwaren aus dem eigenen Schlachthaus am Hof bedient. Größten Wert wird auf die Herkunft der Tiere aus dem unmittelbaren Umfeld gelegt. Im eigenen Steinofen backt die Tochter des Hauses, Frau Hauptmann, u.a. Holzofenbrot. Auf dem Programm standen nun Schlachtung, Zerlegetechnik, Brot backen und natürlich ein Schlachtschüsselessen.

Die Sau stammt von einem 4 km entfernten Bauernhof. Transportstress – Fehlanzeige!

Nach Betäubung und Abstechen werden die Borsten entfernt.

Die Innereien werden entnommen. Das Schwein wird geteilt. Der Metzgermeister Hafner erklärt uns dabei ausführlich wo welche Fleischteile liegen. Am Ende erfolgt die Fleischbeschau.

Auch bei der Zerlegung einer Rinderkeule dürfen wir zusehen. Bürgermeisterstück, Tafelspitz, etc. jedes Teil wird von Herrn Hafner genau erklärt.

Frau Hauptmann schiebt Donaumooser Roggenbrote in den Holzofen. Lust am Backen pur!

Die Tafelrunde verkostet schlachtfrischen Tatar, Kesselfleisch und Holzofenbrot. Fazit: Viel gelernt bei wunderbarer Gastfreundschaft. Ein Familienbetrieb mit herausragendem Engagement! Im Herbst wollen wir zum Weißwursten wiederkommen – Freu!

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 18.04.2009 – Bienenhof Pausch

Der Frühling ist da und damit die Bienen! Am 18.04.2009 trafen wir uns deshalb zum Besuch des Bienenhof Pausch, Unterschnatterbach 3, 85298 Scheyern am südlichen Rand der Hallertau.

Seit über 15 Jahren betreiben hier die Pauschs ihre Imkerei im Familienbetrieb. Die Verantwortung für Bienen und Honig liegt in den Händen von Imkermeisterin Helga Pausch. Die Federführung für Essigmanufaktur, Honigwein, Likör und Vermarktung liegt bei Albrecht Pausch.

Zentraler Leitgedanke des Bienenhofs ist eine möglichst naturnahe und bienengerechte Imkerei mit hervorragender Honigqualität und ökologischer Betriebsweise zu verbinden. Aus diesem Grund wurde 1995 der Entschluss gefasst, die Imkerei nach den Bioland-Regeln ökologisch auszurichten. Weiter wurde entdeckt welche wunderbaren Aromen in den verschieden Honigen stecken und wie man daraus Essig, Likör und besondere Honigweine machen kann.

Mit sehr großem Engagement führten uns die Pauschs in die ökologische Bienenhaltung ein.

Der Weg des Honigs ins Glas, Honigwein und -likör, Essigmanufaktur. Alle Schritte wurden erklärt und die benötigten Apparatschaften gezeigt.

Der (sinnliche) Höhepunkt! Wir durften alle Erzeugnisse im Hofladen ausgiebig probieren. Dazu gab es Tipps für weiterführende Geschmackserlebnisse: z.B. Lindenblütenhonigwein als Begleiter für Roquefort, als Magentratzerl ein Aperitif-Essig aus Edelkastanienhonig oder zu dunklem Schokoladenkuchen ein Likör vom Heidehonig.

Jeder von uns verbindet mit Honig nun eine ganze Menge mehr – den Pauschs dafür noch einmal ein herzliches Dankeschön! Wie das Frühstück der Teilnehmer am nächsten Morgen ausgesehen hat, bedarf wohl keiner weiteren Worte…

Zum gemeinsamen Mittagessen kehrten wir im Anschluss in die Klosterschenke der Benediktinerabtei zum Hl. Kreuz, Schyrenplatz 1, 85298 Scheyern ein.

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 17.05.2009 – Spargel Slow beim Spargelhof Rehm

Eine unserer klassischen regionaltypischen Spezialitäten ist der Spargel. Mitte Mai hat er Hochsaison. Am 17.05.2009 besuchten wir deshalb den Spargelhof der Familie Rehm im Bachwiesenweg 1, Linden, 86529 Schrobenhausen.

Neben Milchviehwirtschaft und Kartoffelanbau kultivieren die Rehms den Spargel in zweiter Generation.

Was heute als absolute Besonderheit gilt: Hier wird Spargel ohne Folie angebaut! Zitat der Rehms: “Wir haben den Geschmackstest gemacht und bleiben deswegen beim traditionellen Spargelanbau ohne Folie.” Zwischenzeitlich liegt der Folienanbau in Deutschland bei 98%. Die Rehms verzichten konsequent auf chemische Herbizide und jäten das Unkraut mechanisch.

Treffpunkt war um 10:00 Uhr bei den Rehms. Josef Rehm führte uns mit viel Detailkenntnis und großer Lust am Thema gleich in die Materie ein. Frisch vom Feld wird der Spargel zugeschnitten und gewaschen.

Zu Fuß ging es bei Traumwetter zum ca. 300 m entfernten Spargelacker. Dort erfuhren wir wissenswertes über die Feldanlage und -pflege, den Spargelanbau und die in der Region verwendete Spargelpflanzen. Die Rehms verwenden ausschließlich deutsche Zuchtsorten.

Die Ernte. Grüner Spargel oberirdisch, weißer Spargel im Bifang. Harte Arbeit.

Vor dem Verkauf erfolgt die Sortierung. Klasse I, II, Bruch oder Spitzen. Den Verkauf ab Hof organisiert Frau Christine Rehm.

Mittags fuhren wir in das wenige Kilometer entfernte Gasthaus Bader-Wirt in 86571 Langenmosen, Schrobenhausener Straße 1. Dort gab es Rehm-Spargel nach Wunsch. Spargel-Cremesuppe, Spargel Klassisch mit Butter oder selbstgemachter Sauce Hollandaise, Kartoffeln und Schinken oder mit Schweine- und/oder Rinderlende. Lecker!

Was ist nun besser – mit oder ohne Folie? Letztlich wird dies jeder selbst beurteilen müssen. Fakt ist, dass mit Folie früher geerntet werden kann und die Witterungsabhängigkeit nicht so groß ist – klare Vorteile für den Folienverwender. Folienfreier Spargel hat Frischluft und mehr Feuchtigkeit. Er wächst bedeutend langsamer. Der Slow-Foodler merkt hier natürlich besonders auf – ist er doch davon überzeugt, dass Qualität Zeit braucht… In jedem Fall ist folienfreier Anbau etwas fürs Auge; der Blick in die wunderschöne Landschaft des Schrobenhausener Landes bleibt ungetrübt! Viel gelernt und mit den Rehms einen wahren Glücksgriff gemacht – mit Leib und Seele bei der Sache. So macht Slow Food Spaß, Herzlichen Dank!

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 04.06.2009 – erstes gemeinsames Kochen – Start der Kochgruppe

Am Donnerstag den 4. Juni 2009 legten wir zum ersten Mal los.


Als Vorspeise gab es einen leckeren geräucherten Saibling aus dem Altmühltal mit Gurkennudeln von Barbara mit Unterstützung von Yves. Hauptgang war ein “Römisches Huhn” vom regionalen Geflügelzüchter mit Sardellen, schwarzen Oliven, Tomaten und Polenta von Moni und mir zubereitet. Als Zwischengang gab es einen geschmolzenen Pecorino mit besonders leckerem Honig vom Bienenhof Pausch a la Michael. Den Abschluss versüßte uns Christiane mit einer köstlichen Mousse au Chocolat.


Alle waren sich einig, dass wir an den Töpfen bleiben werden. Ich freue mich schon jetzt auf weitere Kochabende (Text: Markus Mende, Leiter Kochgruppe).

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 11.10.2009 – Infostand des Conviviums beim 7. Ingolstädter Krautfest

Am 11.10.2009 waren wir auf dem 7. Ingolstädter Krautfest mit einem Infostand vertreten.

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Fortsetzung: 2009 – Teil 2.

Lebensmittel und Landwirtschaft im Museum

In Ingolstadt und den angrenzenden Landkreisen gibt es eine ganze Reihe gut gemachter Museen und Bildungsstätten zum Thema Lebensmittel und Landwirtschaft, die da wären:

Das Hopfenmuseum hat der padrone mit dem Slow Food Convivium Ingolstadt vor einigen Wochen besucht. Bericht dazu hier. Heute ging es wieder ins Museum. Im Bauerngerätemuseum Hundszell war Öko-Bauernmarkt!

Zunächst machen wir aber eine große Schleife.

Schon immer wollte ich einmal auf dem Pfaffenhofener Flohmarkt herumstöbern. Stunden später: Guter Markt! Neuwaren 0%, Ramsch < 3%. Klare Empfehlung. Meinen Rucksack machten schließlich acht Gewichte schwer:

Diese werden bald ein wenig abgeschliffen und dann klar lackiert. Türstopper, Bücherstütze, Briefbeschwerer – sind gut verwendbar. Handschmeichler. Ich liebe sie – und benötigte Nachschub.

Zum Mittagessen ging es bei Kaiserwetter in den Biergarten im Kloster Scheyern. Biergarten Ende September. Auf dem Kies liegen zunehmend bunte Blätter. Herbstsonne. Klare Luft. Herrlich… Sehr gute Brauerei! Das Essen dort ist ein Thema für sich. Ich werde ein anderes Mal darüber schreiben. Die eigene Klostermetzgerei ist jedenfalls beachtlich. Was mir heute dagegen unschön auffiel und kurz Erwähnung finden soll: Im Veranstaltungskalender der Betreibergesellschaft für die Klosterschenke (die Benediktiner haben diese verpachtet) greift das “All you can eat” Fieber um sich. “Fischbuffet”, “Steakabend”, “Würst´l essen”, “Kesselfleischessen”, oder “Hax´n essen”. Immer der “so viel man kann” Stempel drauf… Passt ganz sicher nicht in diese Umgebung! “All you can eat” setzt immer auf Masse. Der Gast will viel essen. Der Wirt will gleichzeitig natürlich etwas verdienen. Zwischen diesen Mühlsteinen haben Qualität und Esskultur sehr kurze Halbwertszeiten. Die Preise beseitigen dabei letzte Zweifel. Das “Würst´l essen” mit dem mühsamen Untertitel “Soviel wie neipasst” kostet z.B.  7,80 EUR pro Person! Und eine Breze und ein 0,5er Weißbier sind im Preis auch noch inbegriffen…

Vom Kloster Scheyern ist Unterschnatterbach (der Name ist wunderbar!) nur ca. 3 Kilometer entfernt. Dort befindet sich die Haus- und Hofimkerei des padrone. Der Bienenhof Pausch. Mit Slow Food Ingolstadt waren wir auch schon dort – Bericht hier. Unsere Honigvorräte sind restlos aufgebraucht. Aber heute ist Sonntag. Soll ich, darf ich die Pauschs rausklingeln? Auf der Heimfahrt – die Entscheidung für die Achtung der Sonntagsruhe war bereits gefallen – brachte dieses Schild die Wende:

Schöner Tagesflow! Unsere Vorräte sind wieder aufgefüllt. Morgen früh…!

Helga und Albrecht Pausch sowie Königin 78

Und jetzt ging es zurück nach Ingolstadt. Zum Öko-Bauernmarkt. Ins Bauergerätemuseum.

Der Ingolstädter Tierarzt (und Finanzvorstand Slow Food Deutschland) Dr. Rupert Ebner referierte zum Thema „Wer weiter denkt, kauft näher ein“. Diesjährige “Ehrengäste” waren zwei Murnau-Werdenfelser Ochsen. Die Rasse ist Slow Food Archepassagier. Das internationale Slow Food Projekt zur Erhaltung der Biodiversität, von der Slow Food Stiftung für biologische Vielfalt 1996 gegründet, schützt weltweit fast 1.000 regional wertvolle  Lebensmittel, Nutztierarten und Kulturpflanzen vor dem Vergessen, indem sie in die Arche des Geschmacks aufgenommen werden.

Besonders gespannt war ich auf das neue (erste) Bio-Bier vom Schwalbenbräu. Der Braumeister – Marco Dombek – persönlich stand hinter dem Zapfhahn. Schmeck gut!

Marco Dombek am Hahn

Das Bio-Bier (Pils) gibt es derzeit nur aus dem Fass. Zum Schwalbenbräu bald mehr!