Gut behütet in Nürnberg

Ich bin mir sicher, einigen von Euch da draußen geht es ähnlich. Bis vor einigen Jahren ging es jedenfalls mir so. Man ist in der Nürnberger Altstadt unterwegs und will sich irgendwo gemütlich ausruhen. Ein wenig im Canapé lümmeln, entschleunigen, schauen und gerne eine Kleinigkeit genießen. Aber wo? Dann entdeckte ich einen wunderbaren Ort der genau das alles bietet. Er findet sich in der Oberen Wörthstrasse 10: Das Caffé e Té La Violetta. Ein Traum! Gelegentlich kommt man hier auch zum Träumen…

violetta1Das Haus wird von Melanie und Steffen Stummhöfer geführt. Nach dem Eingang zur rechten Hand geht es in die Blumenbinderei. Geradeaus wetteifern hausgemachte Spezialitäten aus der Backstube (mit guten, wenn möglich regionalen Zutaten)  und eine sehr feine Kaffee- und Teeauswahl um Beachtung – unbedingt(!) sollte die köstliche Himbeer-Baiser-Torte probiert werden. Linker Hand, die Treppe rauf, geht es zum Sitzen machen. Zuvor sollte man sich aber dort ein Plätzchen gesichert haben – die Lokalität pflegt Selbstbedienung.

violetta2violetta3Zu viel Kaffeehaus? Noch Hunger? Die Lösung: 3 im Weckla! Eine Quelle für lupenreine Nürnberger Slow Food Bratwürste kenne ich leider nicht, aber im Bratwursthäusle, unmittelbar südlich der Sebalduskirche (Rathausplatz 1), geht man (seit dem Jahr 1313!) nicht unter (hauseigene Metzgerei, es wird auf offenem Buchenholzfeuer gegrillt). Wer es vorzieht die Bratwürste in der Gaststube zu genießen, sollte dazu das Sauerkraut probieren – spektakulär!

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Käsekuchen, Wurst & Bier

Letztes Wochenende in Berlin. Bei der Verleihung der Berlinale Kamera an Alice Waters (Köchin, Food-Aktivistin, Vize-Präsidentin Slow Food International) und Carlo Petrini (Slow Food Häuptling) war ich leider außen vor…

w&b7In Sachen la dolce vita dafür aber mittendrin! Der ultimative Tipp für meister-fabel-märchenhafte Kuchen: Princess Cheesecake – Tucholskystraße 37/Berlin Mitte:

w&b1w&b2Letztes Jahr begeisterte Chefin Cornelia Suhr mit ihren Kreationen „German Pastry-Making: Sweet Berlin“ auch auf dem Salone del Gusto in Turin (Bericht). Von nichts kommt nichts – so geht sie nämlich an die Sache heran:

w&b3w&b4Berlin listet derzeit leider nur drei Wirtshäuser im Slow Food Genussführer. Irgendwie waren uns diese bei der Planung entglitten… Auf der Suche nach Einkehr war uns dann aber das Glück des Tüchtigen vergönnt. In der Rochstraße 2. Auf der Rechnung wurde unser köstliches Essen ganz Understatement nur als „Abendbrot im Haus“ erfasst. Und weil am Eingang „no mobiles“ und „no laptops“ steht, gibt es davon auch keine Bilder… der Ort entschleunigt! Tagsüber geerdeter Feinkostladen, abends gibt es zwischen vielen Kerzen frische, handwerklich einwandfreie, süddeutsch geprägte Küche. Einprägsamer Name: „Lebensmittel in Mitte“. Passend: keine Website.

w&b5w&b6Am nächsten Tag dann der tiefere Grund unseres Besuchs. Tatort: Die Markthalle Neun in Kreuzberg. Slow Food Berlin veranstaltete zum zweiten Mal Wurst & Bier:

w&b8w&b9w&b10w&b11w&b12Feine Sachen gegessen und getrunken. Toll: Die Ahle Wurscht von Metzger Carsten Neumeier (Nordhessen). Mein Tagesgipfel auf der Wurstseite: Die Bratwurst mit Schafskäse vom LandWert Hof aus Stahlbrode (Mecklenburg-Vorpommern). Merke: Eine gute Bratwurst ist ein Gottesbeweis!

Und beim Bier? Da hätten, was die Spitze angeht, auch 40 km nach Norden gereicht… Obwohl. Heute musste es Berlin sein. Auf der Wurst & Bier war nämlich Premiere („Seit wann gibt es das Bier?“ – „Seit morgen“). Max Krieger (Riedenburger Brauhaus) präsentierte sein erstes Porter: Dolden Dark! Herrliche Röstmalznoten, Schokolade, Kaffee… Der Mann macht nur Volltreffer!

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Marginalie (31) – Rettungsring

Der Bericht vor dem Mittagessen war jetzt vielleicht doch ein bisserl viel Burgenland… Österreich… Oder zu wenig? Zu wenig! Solche Sehnsuchtsanfälle – namentlich wenn dann auch noch Wien ins Spiel gerät – sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wohl dem, der jetzt weiß wo er – ohne die Koffer zu packen – schnelle Tröstung und Erbauung erfährt: Pfarrgasse 6 – „Patisserie Chocolaterie mundgerecht“:

mundgerecht sacherGeretttet!

En passant – viele Läden reden heute von der Verwendung regionaler Produkte. Ein Blick auf die Website von mundgerecht zeigt, wie das wirklich geht – Respekt!

mundgerecht lieferanten(30) – Marginalie – (32).

 

Allerlei in Leipzig

Zu gutem Essen außer Haus führen meiner Erfahrung nach sechs Wege:

  1. Der in die eigene Restauration.
  2. Die Einladung zum Gastmahl bei Lebenslüstlern.
  3. Persönliche Lokalkenntnis.
  4. Der Ratschlag von Wissenden.
  5. Der Zufall.
  6. Zwischen Flensburg und Oberstdorf der Blick in den Slow Food Genussführer.

Auf dem Programm stand ein Besuch in Leipzig. Und so sehr ich diese prächtige Stadt schätze, die Ziffern 1 bis 3 fielen hier leider gleich aus. Ziffer 1 eigentlich weltweit. Hätte ich allerdings eine, der Weg würde sich lohnen! Der Blick in Ziffer 6 trifft in Ostdeutschland (noch) auf viele der sprichwörtlichen weißen Flecken. Leipzig gehört dazu.

Der Tüchtige hat es mit Ziffer 5 nicht schwer. Nikolaistraße 12 – 14, gleich neben der Nikolaikirche (Herbst 1989!). Es ist schon spät. Wir bummeln zum Hotel. Eine alte Slow Food Zeitung liegt im Schaufenster. Schon war der Frühstückplatz für den nächsten Tag gefunden! Volltreffer Handbrotzeit:

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Es wird selbst gebacken. Die Zutaten kommen – soweit möglich – aus der Region. Soeben hat der Lieferant vom Wochenmarkt um die Ecke mit der Handkarre frische Ware gebracht…

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Der Laden selbst ist auch ofenfrisch. Eröffnung war erst im August.

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Vor der Thomaskirche (Bach!) erklingt die Toccata und Fuge in d-Moll. Virtuos gespielt von Alex Jacobowitz auf einem Marimbaphon. Solltet Ihr diesen Mann einmal in irgendeiner Innenstadt sehen – freut Euch aufs hören!

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Die friedliche Revolution, die so eng mit dieser Stadt verbunden ist, hatte ich schon angedeutet. Das vom Bürgerkomitee Leipzig e. V. getragene Museum in der „Runden Ecke“ (ehemaligen Zentrale der Staatssicherheit in Leipzig) leistet einen unschätzbar wichtigen Dienst zur Bewahrung von Zeitgeschichte:

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Viel zu viele laufen mir da draußen herum die meinen, dass es mit der Erinnerung an diese Verbrechen und Verbrecher langsam reicht. Es darf nie reichen.

Ziffer 4 noch im Gedächtnis? Der gute Rat. Natürlich hatte ich vor Reiseantritt beim Kollegen Peter Niemann von Slow Food Leipzig-Halle danach gefragt. Sein Wirtshaustipp (Sankt Benno) scheiterte am Ruhetag… Geöffnet war hingegen die empfohlene Kaffeerösterei Ganos. Deren Veredelungen werden übrigens auch in der Handbrotzeit getrunken. Bei einer guten Tasse bemühten wir bei einem Mitarbeiter weiter Ziffer 4. Das hocherfreuliche Resultat: Die spanische Tapas-Bar Barcelona in der Gottschedstraße 12 (Tel. 0341/2126128). Donnerwetter – Herzlichen Dank dafür!

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Butterweiche Bäckchen vom Iberischen Schwein in brauner Sauce, köstlich gebratene Chorizo in Tomatensauce, feinwürzige Hackfleischbällchen, deliziöse Artischockenherzen, … Es wird frisch gekocht. Die Karte benennt sogar einige regionale Lieferanten (Gemüse). Weißbier von Gutmann(!). Ordentliche Weinkarte.

Der zweite kulinarische Tipp aus dem örtlichen Convivium führte uns in die Südstadt. Dort soll es gute Burger geben. Selbstverständlich wurde das überprüft. Ort des Geschehens: Burgermeister am Südplatz 1. Kürzlich gewolftes Hackfleisch (keine TK-Patties) auf dem Grill, das Haus-Relish wird bei unserer Ankunft gerade frisch geschnippelt und gerührt. Schöne Auswahl – auch 5 verschiedene Veggie-Burger und eine Reminiszenz an Pulp Fiction: Der Big Kahuna Burger. Ganz Regionalist bestelle ich mir den Südplatz-Burger:

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Streichergebnis unserer Bestellung Nr. 587 und wohl überhaupt Achillesferse der Kreationen im Burgermeister sind die Brötchen. Wer den Weg schon so weit gegangen ist, handwerklich arbeitet und sich erfolgreich um echten Geschmack bemüht, sollte sich bei der Umarmung seiner Inhalte nicht diese industriellen Fließbandteile hinlegen. Tipp: Mit gutem vor-Ort-Bäcker ein bisserl experimentieren und dann Maßanzüge ausgeben.

In Sachen Streetart war ich natürlich gespannt, ob mir das Springinkerl begegnen würde. Ist er doch wie festgestellt von Ingolstadt nach Leipzig umgezogen. Leider gab es keinen einzigen Auftritt für uns.

Das Leipziger Allerlei ist u. a. mit seinem knackig jungen Gemüse (gelbe Rüben, Erbsen, Spargel) und einem der ersten Frühjahrspilze (Morchel) eine klassische Spezialität der saisonalen Küche. Wir haben uns danach im Oktober also gar nicht erst auf die Suche gemacht. Wobei es natürlich angeboten wird…

Am Essen führt kein Weg vorbei. Schenken wir ihm deshalb gebührende Aufmerksamkeit. Es wird uns nicht enttäuschen. Über dem Eingang der Connewitzer Verlagsbuchhandlung im Specks Hof findet sich dazu dieses schöne Fundstück:

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Zwischen Kuchen und Schweinsbraten – die erste Uhr

Eine bemerkenswerte Geschichte beginnt Christopher Walken in Pulp Fiction mit den Worten: „Diese Uhr, diese Uhr hier, tja – die hat dein Urgroßvater während des ersten Weltkriegs erstanden.“ Uhren sind etwas ganz eigenes. Gestern hat Moritz seine erste Uhr bekommen.

Begonnen haben wir den Tag zunächst in Schwabing, im Hammerstein & Maier mit einem köstlichen, hausgemachten Orangenkuchen. Das sehr kleine Café befindet sich in der Augustenstraße 101 und wird von Petra Hammerstein und Corinna Maier geführt. Frau Hammerstein bloggt unter der Überschrift „Der Mut anderer“ (schon lange in meiner Blogroll). Seit einer Empfehlung der Kaltmamsell (noch länger in meiner Blogroll) will ich hier mal vorbeischauen. Die täglich wechselnden Mittagsgerichte, die Sandwiches, Naans, Tramezzini und Kuchen werden allesamt selbst gemacht. Die Zutaten (Biopräferenz) dafür stammen von regionalen Kleinbetrieben. Meine Empfehlung!

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Und dann war es soweit. Noch 21 min bis zum Glockenspiel:

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Den Abend haben wir in Haidhausen ausklingen lassen. Beim Besuch der jüngsten Empfehlung des Slow Food Conviviums München zum Genussführer: Dem Klinglwirt in der Balanstraße 16. Die junge Wirtin heißt Sonja Obermeier. Ihre Familie bewirtschaftete von 1905 bis in die frühen 1990er Jahre im Landkreis Ebersberg eine Dorfwirtschaft – den Klinglwirt.

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Die Bierauswahl – ja mei… Das Essen – Daumen hoch! Wir hatten Bayerische Brotsuppe mit abgeschmolzenen Zwiebeln, Schweins- und Sauerbraten (jeweils Bio von den Herrmannsdorfer Landwerkstätten).

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Auf der Heimfahrt stellte Moritz trocken fest: „Für gewöhnlich bin ich seit genau 2 Stunden und 15 min im Bett“. Neue Blickwinkel.