Neuburg ganz slow

Aus Anlass der Bayerischen Öko-Erlebnistage 2014 war Slow Food Ingolstadt – wie schon letztes Jahr – im Einsatz auf dem Neuburger Wochenmarkt:

muh2muh3Ebenfalls mit dabei: PR-Profi “Schalong”. Erst vor einer Woche half sie mit, die neue Spielzeit des Ingolstädter Stadttheaters zu eröffnen:

muh1Keinen Zweifel an der tatsächlichen Verwendung von gentechnikfreiem Futter für ihre Bronze-Freilandputen, ließ Familie Schmidl aufkommen und präsentierte das entsprechende Zertifikat. Ich werde mich nie daran gewöhnen, dass es nicht die DNS- Jongleure sind, die sich ständig erklären müssen…

muh4Die Puten werden demnächst geschlachtet. Mindestabnahme ist 1/2 Tier zum Preis von 7,50 EUR/kg. Selbstverständlich finden sich die Schmidls mit ihrem Betrieb auf meiner Liste für gutes Geflügel in unserer Region.

Großen Anklang am Stand fand die 2. Ausgabe des Slow Food Genussführers. Ich hatte ein Exemplar zur Ansicht dabei. Wie oft hätte ich es verkaufen können… Offizieller Verkaufsstart ist nämlich (erst) heute(!). Zu meiner Überraschung präsentierte mir plötzlich eine Besucherin das soeben von ihr frisch erworbene Buch! Und tatsächlich, in Hedwig Esers Bücherstube Neuburg, gleich am Wochenmarkt gelegen, waren die Ersten bereits vorrätig:

muh6Alles kommt zusammen: “Das Obstkistl” der Familie Demel ist Slow Food Unterstützer. Zu den beiden Filialen in Gaimersheim (Obere Marktstraße 2) und Ingolstadt (Haunwöhrerstraße 72) gesellte sich am Samstag eine weitere in Neuburg (Rosenstraße C 106). Viel Erfolg!

muh5Der Neuwirt steht im Genussführer. Und natürlich versammelten wir uns dort zu einem herrlichen Mittagessen.

muh7Danach ging es noch auf einen Abstecher zu Schalongs Herde südwestlich von Neuburg. Je nach Wetter bleibt diese dort noch bis Anfang November, bevor es in die Stallungen geht. Vor zwei Wintern wäre ich hier um ein Haar bei einer Geburt dabei gewesen. Die Tiere von Ulla und Franz Eller (Kontakt) sind von Naturland zertifiziert. Das Murnau-Werdenfelser Rind ist Slow Food Archepassagier.

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Holledauer Haselnuss

“Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah”. Wissen muss man es halt. Zur heutigen Erhellung sei deshalb erklärt: In Bayern wird seit 2001 landwirtschaftlich der Haselnussanbau kultiviert. 2004 pflanzte in (unserer) Hallertau die Familie Neumeier ihre ersten Büsche. Die ehemaligen Hopfenbauern erkannten die besondere Geeignetheit des Regionalklimas auch für die Haselnuss und nahmen sich dieser vielseitigen wie wohlschmeckenden Köstlichkeit an. Mit Leib und Seele. Von Beginn an arbeiten sie mit einer Bio-Zertifizierung! Die unterschiedlichen Produkte der „Holledauer Haselnuss“ werden seit 3 Jahren unter der Marke „Eichhörnchen” vertrieben.

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Ihren Ursprung hat die zu den Birkengewächsen gehörende Haselnusspflanze (Lambertshasel) an der türkischen Schwarzmeerküste. Noch heute kommen ca. drei Viertel der weltweiten Ernte von hier.

In freudiger Erwartung einer frischen, regionalen Alternative machte sich Slow Food Ingolstadt im vergangenen Oktober zu einem Hofbesuch nach Rudelzhausen auf. In der großen Wohnküche seiner Mutter, am holzbefeuerten Ofen (zur gänzlichen Verwertung der Nuss wird an einem Brikett aus Nussschalen gearbeitet), gab uns Josef Neumeier eine fundierte, sehr persönliche Einführung ins Thema. Danach ging es, gleich über die Straße, auf die jüngste Pflanzung.

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Alle Schritte, vom Anbau über die Pflege bis zur Ernte, wurden kurzweilig erläutert. Bei der anschließenden Weiterverarbeitung der Haselnuss spielt Neumeier als gelernter Flugzeugbauer seine technischen Fertigkeiten voll aus. Das Ergebnis: Die eigenständige Konstruktion und der Bau von Maschinen zur Reinigung, Trocknung, Sortierung und zum Knacken der Nüsse.

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Im täglich von 8-19 Uhr geöffneten Hofladen konnten wir dann endlich die verschiedenen Erzeugnisse verkosten. Die Produktpalette umfasst die Nüsse mit und ohne Schale, Kerne mit Zimt-Zuckerüberzug, Haselnussöl, -mehl, in Alkohol eingelegte Kerne (betrunkene Haselnüsse), Hopfen-Haselnussmus (Klasse!) und drei verschiedene Alkoholika: Zwei Liköre und einen Haselnussgeist. Letzterer wird – die regionale Slow Food Familie lässt grüßen – von Albert Pausch (Bienenhof Pausch) destilliert. Ein süßer Haselnussbrotaufstrich ist in Arbeit …

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Eine Erfahrung die jeder, der Haselnüsse frisch gepflückt und gleich gegessen hat, sicher kennt – aber ob der vielen staubtrockenen Kerne (notwendig starke Trocknung für Transport und lange Lagerung) aus dem Handel fast vergessen hat: Die natürliche Saftigkeit der Haselnuss in der Schale!

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Ein herzliches Dankeschön an die Neumeiers für die uns heute gewährten interessanten und schmackhaften Entdeckungen! Wer es gerade nicht in den Hofladen schafft, findet Eichhörnchen-Waren auch auf den bevorstehenden Weihnachtsmärkten in Au und Abensberg, sowie im Dezember auf dem Münchner Viktualienmarkt.

Ein kleiner (hungriger) Kreis fand sich im Anschluss noch zum Mittagessen im Schlossbräukeller im benachbarten Au ein. Die Schlossbrauerei Au ist verantwortlich für ganz ausgezeichnete Biere. Ganz aktuell haben sie mit dem „Hopfull” sogar ein India Pale Ale am Start (leider noch nicht probiert). Vor Ort gibt es einen wunderschönen Biergarten (Kastanienallee). Allein – die Saison ist vorbei (keine Chance dem Heizpilz!).

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Das alte Sudhaus (echtes Trostpflaster für den Biergarten) beherbergt eine sehr beachtliche Sammlung von Brauereischildern aus Emaille. Ein Augenschmaus. Warum hat man heute eigentlich auf Blech, gar Plastik umgestellt?

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Leider wurde das dargebotene Essen weder dieser prächtigen Umgebung, noch dem herrlichen Bier gerecht. Schade.

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Ingolstädter Kleinod der Obstvielfalt

Erst vor wenigen Tagen durfte ich hier über den Besuch in Rosis Obstgarten berichten. Ich will bei den Obstbäumen bleiben. Heute allerdings an einem Ort, den die wenigstens dazu auf der Rechnung haben dürften: Direkt an der Ingolstädter Altstadt!

Kann sich noch jemand an die Steyler Missionare Auf der Schanz in Ingolstadt erinnern? Mich verbindet vielerlei mit dieser Örtlichkeit. So besuchte ich als kleiner Bub mit meinem Opa des Öfteren die Ordenskirche und den kleinen Missionsladen. Später, als das Christoph-Scheiner-Gymnasium Anfang der 80er Jahre aus allen Nähten zu platzen drohte, wurden für einige Jahre Klassen in das klösterliche Seminarhaus ausgelagert. Ich war dabei. Und nach dem Abzug der Mönche öffnete hier 1989 die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt ihre Pforten. Damit regt sich 189 Jahre nach Verlagerung der Universität Ingolstadt nach Landshut endlich wieder studentisches Leben in unserer Stadt! Sehr liebe Menschen, mit denen ich im gleichen Jahr Abitur gemacht habe, nahmen hier jetzt ihr Studium auf. Im Kirchenraum, dem Kirchenschiff mit Chor und Empore, wurden übrigens der Lesesaal und die Bibliothek eingerichtet. In der alten Turnhalle der große Hörsaal.

Südlich dieser Bauten, dem Campus gleichwohl zugehörig, befindet sich noch heute der “Steyler Obstgarten”. Dieses herrliche Kleinod am Rande der Altstadt wurde zeitig nach Ende des Zweiten Weltkriegs von den Steyler Missionaren angelegt, ist also heute knapp 70 Jahre alt. Damals, während des Exils vom Christoph-Scheiner-Stammhaus, war es für uns der schönste Pausenhof der Welt!

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Das im Eigentum der Universität befindliche Gelände ist eigentlich für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Ein Schild am Eingang (Auf der Schanz 49) verweist darauf. Die Anwesenheit des kontemplationshungrigen Besuchers im Garten erfährt aber erfreulicherweise eine sehr wohlwollende Duldung der Verwaltung. Allerdings auf eigene Gefahr, wie mir Frau Wallner (0841-9371802) ausdrücklich mit auf den Weg gibt. Sogar das Aufklauben von Fallobst ist erlaubt – die Bäume selbst also bitte in Ruhe lassen.

Im Kooperation mit dem Obst- und Gartenbauverein Mitte hat das Gartenamt Ingolstadt Anfang der 90er Jahre alle Obstbäume nach eindeutiger Bestimmung mit einer entsprechenden Metallmarke gekennzeichnet. Schöne Würdigung der besonderen Eigenart dieses Fleckens.

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Eine Bestandsaufnahme des Gartenamts aus dem Jahr 1997 erfasste 64 Bäume (lieben Dank an die Herrn Bauer und Wüst für die Liste). Ich will noch einen Walnussbaum und einige Rebstöcke, die das Gebäude zur Straße beranken, hinzufügen.

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Welch köstliche Vielfalt! Ich stelle mir die Patres – in ihrem Refektorium den Nachtisch genießend – vor: Apfel- und Birnenkompott aus Orangenrenette, Goldparmäne, Grüner Sommermagdalene und Madame Verté. Ein Stück Zimtrinde neben dem Weißen Winterglockenapfel…

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Zur Blüte im nächsten Frühjahr werde ich mich wieder in den Garten setzen und den Bienen und Hummeln lauschen.

Ein bisschen Irrsinn habe ich noch. Im Rahmen der Umbauarbeiten für den Einzug der Universität war natürlich geplant, den Obstgarten zu fällen und einen Parkplatz (arrgh!) daraus zu machen. Die Ingolstädter Gruppe des Bund Naturschutz hat damals dagegen gehalten. Und – diese Geschichte haben mir zwei Personen unabhängig voneinander bestätigt – als sich dann noch der von mir hoch verehrte Dieter Wieland in die Geschichte einschaltete war die Geistesstörung schnell behoben. Es sei hiermit nochmals daran erinnert, dass Wieland im Rahmen der laufenden Ausstellung (07.07. bis 31.10.13) “Radi, Rosen, Heckenschere – Ingolstädter Gartengeschichten” im Bauerngerätemuseum Ingolstadt  am 19. Oktober um 14:00 Uhr einen Vortrag (30 Jahre “Grün kaputt”) halten wird.

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Jammerschade, dass das Obst im Steylergarten nicht (mehr) wirklich Verwendung findet…

Ansonsten sei bei Bedarf an die wertvolle Arbeit der Mostereien in vielen regionalen Obst- und Gartenbauvereine (Portal Oberbayern) erinnert. Besonders aktiv sind hier die Mitglieder in Böhmfeld (Frau Christa Hürdler 08406-1342) und Kösching.

Besuch in Rosis Obstgarten

Erntezeit überall. Auch das Obst hängt reif und schwer an den Bäumen. Beim Verzehr des flüssigen Obstes sind die Deutschen in Europa übrigens Spitzenreiter. Apfel- und Orangensaft liegen dabei in der Beliebtheit etwa gleich auf. Regionalität und Einkauf beim Erzeuger ist nicht bei jedem Produkt machbar – auf jeden Fall aber hier! Ich verabschiede mich damit vom Orangensaft und darf zunächst ein Lob auf das patentierte “Bag-in-Box”-Verpackungssystem anstimmen. Nach dem ersten Mal Zapfen ist der Saft darin (Fruchtgehalt 100% = Fruchtsaft) ganze 90 Tage ohne Kühlung haltbar. Ungeöffnet mindestens 15 Monate. Eine wunderbare Möglichkeit für kleine, örtliche Produzenten ohne allzu viel Logistik am Markt dabei zu sein. Und insbesondere ein Segen für all jene, die ihr eigenes Obst verflüssigt im Jahresverlauf genießen wollen.

Wo fließt also in unserer Region der Saft? Vor drei Jahren hat dazu Slow Food Ingolstadt bereits den Canisiushof (zwischen Theißing und Kasing gelegen) besucht. Jetzt ging es nach Eberswang (nordwestlich von Eichstätt) in Rosis Obstgarten.

rosi4Die Familie Bernecker (Rosi und Josef mit ihren drei Buben) hat hier einen feinen landwirtschaftlichen Betrieb. Rosis Reich ist die Saftpresse. 40 verschiedene Apfel- und 10 verschiedene Birnensorten (+ Quitten, Zwetschgen, Mirabellen, Renekloden und Kirschen) werden dafür selbst vor Ort angebaut. Dazu kommen Aufkäufe aus den umliegenden Dörfern. Und natürlich die Mostverarbeitung von angelieferten Äpfeln, Birnen und Quitten – nach Terminvereinbarung ist dazu jeder herzlich willkommen.

rosi1“Ich bin süchtig nach Apfelsaft”. Mit diesem Bekenntnis startete Rosi ihre kurzweilige Führung durch alle Fertigungsschritte der Saftkelter. Am Beginn steht die Reinigung -

rosi3am Ende der köstliche Saft, der nach der Pasteurisation in den Beutel kommt.

rosi6Rosi hat dazu einen kurzen Film gemacht:

Wir durften probieren und vergleichen wie wir wollten. Besonders gelungen und deshalb gerade im häuslichen Ausschank, finde ich die beiden Saftmischungen “ABS” (Apfel, Birne, Süßkirsche) und den “Mondscheinsaft 2012″ (Apfel, Birne, Johannisbeere). Alle Säfte gibt es in Boxen zu 3, 5 und 10 Litern.

rosiDaneben wird weiteres Selbstgemachtes angeboten. Fruchtaufstriche (z. B. Rhabarber-Banane oder Erdbeere aus der Sorte Mieze Schindler), Senf oder Curryzwiebeln. Sehr, sehr gelungen die Zuchinisoß – würzig und scharf.

rosi 2Seit Mitte des Jahres ist die Rinderhaltung für Milch und zum Jahresbeginn 2014 für Fleisch des Hofes sogar ökologisch (Biokreis) zertifiziert. Die knapp 40 Tiere freut es.

rosi7Um fünf Uhr wurde gemolken. Das haben wir uns natürlich auch noch ansehen dürfen. Übrigens – wohin fährt der Milchwagen auf seiner Tour nach dem Bernecker-Hof als nächstes? Zum Biohof Mayer!

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Außer im Hofladen verkauft Rosi ihre Waren auf verschiedenen Veranstaltungen und Wochenmärkten (aktuelle Hinweise dazu auf der Website). Liebe Rosi, herzlichen Dank für den schönen Nachmittag bei Euch!

Fingerzeig (3) – Kochbuch/Facebook/Dieter Wieland

Katharina Seiser (ging und geht- als mein Food-Blog-Leuchtturm – in extra prima good ständig durchs Bild) hat letztes Jahr zusammen mit Meinrad Neunkirchner das wunderbare Kochbuch “Österreich vegetarisch” geschrieben. Wie bereits angekündigt, hat sie sich heuer (diesmal als Herausgeberin) Stevan Paul (war mit seinem Food-Blog der zweite auf meiner Blogroll…) geangelt – er ließ sich als Hamburger beruhigenderweise an Land ziehen – und beide zusammen haben der Welt das kongeniale “Deutschland vegetarisch” geschenkt:

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Wo alle Worte zu wenig – ist jedes zu viel. Eines will ich riskieren: K A U F E N !

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Gestern war Freitag der 13. Genau der richtige Tag um Slow Food Ingolstadt (endlich) auf Facebook zu platzieren!

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Zur Stunde haben wir bereits 49 sogenannte :-) „Gefällt mir“-Angaben.

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Lieben Dank an die Tippgeber Florian Straub und Jutta Eberl! Im Rahmen der laufenden Ausstellung (07.07. bis 31.10.2013) “Radi, Rosen, Heckenschere – Ingolstädter Gartengeschichten” im Bauerngerätemuseum Ingolstadt kommt am 19. Oktober um 14:00 Uhr der von mir hochverehrte Dieter Wieland in die Stadt und wird einen Vortrag halten: 30 Jahre “Grün kaputt”. Seine Dokumentation von 1983(!) ist eine Pflichtschau:

 

(2) – Fingerzeig – (4).