Voller Erdbeermund

Was ist die Steigerung von „Farm to table“? Ganz einfach: „Farm to mouth“!

Gerade die Erdbeerzeit (nicht verarschen lassen!) ist dafür immer sehr vorteilhaft. Kommen die köstlichen Beeren dann noch ohne chemisch-synthetischen Herbizide, Pestizide und Kunstdünger daher, sind die – vor allem kleinen – Mundräuber auf der richtigen Seite. Und selbstverständlich gehört der lustvolle Raub beim Selbstpflücken dazu. Einen zuverlässiger Platz für diesen Genuss bieten die Felder des Biohofs Hundszell. Das sind jene, die auch in Abwesenheit glänzen können…

Letzte Woche haben wir uns zwischen Ingolstadt und Gerolfing noch einmal eingedeckt (selbst gepflückt: 3,80 EUR/kg). Die Saison ist hier aber leider – 2016 war wetterbedingt ein schwieriges Jahr – bereits zu Ende.

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Marginalie (34) – Erdbeerzeit?

„Wie ein Wetterfähnchen drehst du dich im Wind. Woher der gerade weht ist dir egal, die Hauptsache ist, es ist der neueste Wind“ (Textzeile aus Wellenreiter von BAP).

Heute im Donaukurier. Auf einer Anzeigenseite für die Gastronomie:

„Restaurant …
Regional – Saisonal – Lecker. Spargel und Erdbeeren“.

Was soll das? Aufgrund des schönen Wetters hat tatsächlich die Spargelzeit begonnen. Aber Erdbeeren? Mitte April? Wohlgemerkt – der Wirt wirbt mit Regionalität und Saisonalität… Nepper, Schlepper, Bauernfänger. Heute ist vieles ganz schnell regional und saisonal… Daher bitte hinterfragen! Das Thema und die Idee dahinter sind es wert. Ein anderer Wirt aus der Region macht das sehr löblich so!

(33) – Marginalie – (35).

Sonnensturm in der Tasse

Wer sich „Glühwein“ aus dem Plastikkanister zuführen will, hat gerade wieder die Qual der Wahl. Wohin man schaut und riecht – er ist schon da. 2012 habe ich mich diesem Thema auf dem Ingolstädter Christkindlmarkt einmal genauer angenommen. Es dürfte sich seither nichts geändert haben. Neue, weiterführende Infos sind natürlich, wie immer, herzlich willkommen!

Seit 2013 wird neben dem Theatervorplatz auch der Paradeplatz vorweihnachtlich bespielt. In der dortigen Winterzauberhütte von Wolfgang Erhard gibt es aktuell (immerhin!) den Bio-Glühwein „Heißer Hirsch“ (noch nicht probiert).

Lust auf ein Alternativprogramm?

mu 2014eIm mundgerecht spielt dazu seit Mitte November wieder einmal die Musik! Sonnensturm in der Tasse. Aus Notwehr gegen das todtraurige Angebot geboren. Handwerklich hausgemacht.

Einmal (seit 2011): Köstlicher alkoholfreier Apfelpunsch. Die Äpfel stammen aus heimischen Gärten der Familie in Breitenhill. Deren Saft ist verfeinert mit Bio-Zitronen und Bio-Zimt. Ohne Zusatz von Zucker. Und dann der herrliche Glühwein (seit 2010): Herzstück ist ein roter Cabernet aus Pieve di Soligo (Venetien). Weiter in der Flasche finden sich Bio-Orangen, Bio-Nelken, Bio-Zimt, Kardamom und Ingwer. Leicht gesüßt wird mit Blütenhonig von der lokalen Imkerei Max Wittmann. Entweder vor Ort genießen, oder sich für zu Hause die ein oder andere Flasche mitnehmen. Noch bis Mitte Januar.

mu 2014fmu 2014hmu 2014cIch kenne jemanden, der sagte einmal: „Wenn ich nur noch eine Stunde zu leben hätte, ich würde eine Tasse Glühwein trinken.“ Soweit werde ich niemals kommen… Immerhin aber, seit ich den mundgerecht-Glühwein probieren durfte, hat die saisonale Gepflogenheit Wein zu erwärmen nun auch in meinem Leben Raum.

Außerdem: Heute geht es mit dem Adventskalender los! Nachdem bei der mundgerecht-Version bereits alle Türen offen sind, bleibt die Überraschung leider auf der Strecke. Andererseits – wann hat uns (Alten) ein Adventskalender zuletzt überrascht? Feiner dürften nicht viele sein:

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Neuburg ganz slow

Aus Anlass der Bayerischen Öko-Erlebnistage 2014 war Slow Food Ingolstadt – wie schon letztes Jahr – im Einsatz auf dem Neuburger Wochenmarkt:

muh2muh3Ebenfalls mit dabei: PR-Profi „Schalong“. Erst vor einer Woche half sie mit, die neue Spielzeit des Ingolstädter Stadttheaters zu eröffnen:

muh1Keinen Zweifel an der tatsächlichen Verwendung von gentechnikfreiem Futter für ihre Bronze-Freilandputen, ließ Familie Schmidl aufkommen und präsentierte das entsprechende Zertifikat. Ich werde mich nie daran gewöhnen, dass es nicht die DNS- Jongleure sind, die sich ständig erklären müssen…

muh4Die Puten werden demnächst geschlachtet. Mindestabnahme ist 1/2 Tier zum Preis von 7,50 EUR/kg. Selbstverständlich finden sich die Schmidls mit ihrem Betrieb auf meiner Liste für gutes Geflügel in unserer Region.

Großen Anklang am Stand fand die 2. Ausgabe des Slow Food Genussführers. Ich hatte ein Exemplar zur Ansicht dabei. Wie oft hätte ich es verkaufen können… Offizieller Verkaufsstart ist nämlich (erst) heute(!). Zu meiner Überraschung präsentierte mir plötzlich eine Besucherin das soeben von ihr frisch erworbene Buch! Und tatsächlich, in Hedwig Esers Bücherstube Neuburg, gleich am Wochenmarkt gelegen, waren die Ersten bereits vorrätig:

muh6Alles kommt zusammen: Das Obstkistl der Familie Demel ist Slow Food Unterstützer. Zu den beiden Filialen in Gaimersheim (Obere Marktstraße 2) und Ingolstadt (Haunwöhrerstraße 72) gesellte sich am Samstag eine weitere in Neuburg (Rosenstraße C 106). Viel Erfolg!

muh5Der Neuwirt steht im Genussführer. Und natürlich versammelten wir uns dort zu einem herrlichen Mittagessen.

muh7Danach ging es noch auf einen Abstecher zu Schalongs Herde südwestlich von Neuburg. Je nach Wetter bleibt diese dort noch bis Anfang November, bevor es in die Stallungen geht. Vor zwei Wintern wäre ich hier um ein Haar bei einer Geburt dabei gewesen. Die Tiere von Ulla und Franz Eller (Kontakt: eller@ingonet.de) sind von Naturland zertifiziert. Das Murnau-Werdenfelser Rind ist Slow Food Archepassagier.

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Holledauer Haselnuss

„Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah“. Wissen muss man es halt. Zur heutigen Erhellung sei deshalb erklärt: In Bayern wird seit 2001 landwirtschaftlich der Haselnussanbau kultiviert. 2004 pflanzte in (unserer) Hallertau die Familie Neumeier ihre ersten Büsche. Die ehemaligen Hopfenbauern erkannten die besondere Geeignetheit des Regionalklimas auch für die Haselnuss und nahmen sich dieser vielseitigen wie wohlschmeckenden Köstlichkeit an. Mit Leib und Seele. Von Beginn an arbeiten sie mit einer Bio-Zertifizierung! Die unterschiedlichen Produkte der „Holledauer Haselnuss“ werden seit 3 Jahren unter der Marke „Eichhörnchen“ vertrieben.

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Ihren Ursprung hat die zu den Birkengewächsen gehörende Haselnusspflanze (Lambertshasel) an der türkischen Schwarzmeerküste. Noch heute kommen ca. drei Viertel der weltweiten Ernte von hier.

In freudiger Erwartung einer frischen, regionalen Alternative machte sich Slow Food Ingolstadt im vergangenen Oktober zu einem Hofbesuch nach Rudelzhausen auf. In der großen Wohnküche seiner Mutter, am holzbefeuerten Ofen (zur gänzlichen Verwertung der Nuss wird an einem Brikett aus Nussschalen gearbeitet), gab uns Josef Neumeier eine fundierte, sehr persönliche Einführung ins Thema. Danach ging es, gleich über die Straße, auf die jüngste Pflanzung.

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Alle Schritte, vom Anbau über die Pflege bis zur Ernte, wurden kurzweilig erläutert. Bei der anschließenden Weiterverarbeitung der Haselnuss spielt Neumeier als gelernter Flugzeugbauer seine technischen Fertigkeiten voll aus. Das Ergebnis: Die eigenständige Konstruktion und der Bau von Maschinen zur Reinigung, Trocknung, Sortierung und zum Knacken der Nüsse.

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Im täglich von 8-19 Uhr geöffneten Hofladen konnten wir dann endlich die verschiedenen Erzeugnisse verkosten. Die Produktpalette umfasst die Nüsse mit und ohne Schale, Kerne mit Zimt-Zuckerüberzug, Haselnussöl, -mehl, in Alkohol eingelegte Kerne (betrunkene Haselnüsse), Hopfen-Haselnussmus (fein!) und drei verschiedene Alkoholika: Zwei Liköre und einen Haselnussgeist. Letzterer wird – die regionale Slow Food Familie lässt grüßen – von Albert Pausch (Bienenhof Pausch) destilliert. Ein süßer Haselnussbrotaufstrich ist in Arbeit …

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Eine Erfahrung die jeder, der Haselnüsse frisch gepflückt und gleich gegessen hat, sicher kennt – aber ob der vielen staubtrockenen Kerne (notwendig starke Trocknung für Transport und lange Lagerung) aus dem Handel fast vergessen hat: Die natürliche Saftigkeit der Haselnuss in der Schale!

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Ein herzliches Dankeschön an die Neumeiers für die uns heute gewährten interessanten und schmackhaften Entdeckungen! Wer es gerade nicht in den Hofladen schafft, findet Eichhörnchen-Waren auch auf den bevorstehenden Weihnachtsmärkten in Au und Abensberg, sowie im Dezember auf dem Münchner Viktualienmarkt.

Ein kleiner (hungriger) Kreis fand sich im Anschluss noch zum Mittagessen im Schlossbräukeller im benachbarten Au ein. Die Schlossbrauerei Au ist verantwortlich für ganz ausgezeichnete Biere. Ganz aktuell haben sie mit dem „Hopfull“ sogar ein India Pale Ale am Start (leider noch nicht probiert). Vor Ort gibt es einen wunderschönen Biergarten (Kastanienallee). Allein – die Saison ist vorbei (keine Chance dem Heizpilz!).

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Das alte Sudhaus (echtes Trostpflaster für den Biergarten) beherbergt eine sehr beachtliche Sammlung von Brauereischildern aus Emaille. Ein Augenschmaus. Warum hat man heute eigentlich auf Blech, gar Plastik umgestellt?

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Leider wurde das dargebotene Essen weder dieser prächtigen Umgebung, noch dem herrlichen Bier gerecht. Schade.

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