Prolog Pfingstwochenende

Feierabend. Verdienter. Prolog Pfingstwochenende:

Von den drei Rosé der Tenuta Santa Croce mein Favorit – mit Abstand: Der Dorato. Und der ist richtig gut! Zuletzt 100% Sangiovese. Jetzt Jahrgang 2013: Cabernet Sauvignon – 100%.

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dorato2Dazu: Sehr schnelles Essen – trotzdem Slow Food. Gutes Brot (Erhard!), gute Butter, Rest Bärlauch-Pesto und Tomaten (Knoblauchland Nürnberg):

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Vorhersage für die nächsten Tage: 30 Grad. Passt. Alles.

Altmühltaler Lamm

Nach 46 Tagen (Fastenzeit) Verzicht auf Fleisch, war bereits der Einkauf eine Freude. Ostersamstag. Wochenmarkt Ingolstadt. Altmühltaler Lamm von der Schäferei Wörlein. 5 Stelzen:

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Das Rezept kommt aus Wien. Von einer Metzgerei, die ihre eigene Grillkohle hat und ihre Kunden darüber informiert, was das für eine Kohle ist, woher sie kommt und wer sie gemacht hat!

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Wenig(er) Fleisch essen. Gutes Fleisch essen.

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Am 13.09.2014 besucht Slow Food Ingolstadt übrigens einen Hüteschäfer. Wer Lust hat dabei zu sein: Die aktuellen Termine des Conviviums.

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Wie geschaffen für geschmortes Lamm – Giordanos Barbaresco Cavenna (Einkaufsquelle).

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Heute Abend gibt es Resteessen – ein Haxl ist noch da. Freu.

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Wein zwischen Krampf und Entspannung

Das Deutsche Weininstitut berichtet aktuell zum Jahr 2013: Der Durchschnittspreis des gesamten in Deutschland verkauften Weins lag bei 2,84 EUR pro Liter. Fast jede zweite Flasche Wein wurde im Discounter gekauft. Größter deutscher Weinhändler ist inzwischen Aldi.

Verlierer dieser Entwicklung sind Fachhandel, Winzer und die Natur. Und selbstverständlich der Weintrinker selbst. Ehrgeiziges sich ins Knie schießen ist weiterhin geil. Letzteres ist beachtlich – grassiert doch ringsum der Selbstoptimierungswahn… Ich hatte hier zu den fast identischen Zahlen für 2011 mal eine einfache Rechnung aufgemacht:

Nach Zahlen des Deutschen Weininstituts (DWI) kostete 2011 im Lebensmitteleinzelhandel der Liter Wein ungeachtet der Herkunft im Schnitt 2,63 EUR. Das sind für die klassische 0,75 Liter Flasche 1,97 EUR! Zieht man die darin enthalten 19% Umsatzsteuer ab, verbleiben 1,66 EUR. Abzüglich der Marge des Einzelhandels, der Kosten für Flasche/Karton, Verschluss, Etikett, Verpackung, Werbung, Transport (viele Tropfen kommen von sehr weit her), Lagerung, Verarbeitung, Ernte, Anbau, etc. verbleibt… ja was denn? Das Ganze hat nur ein einziges Mal zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligter wirklich funktioniert. Nachzulesen im Johannesevangelium, dort 2,1 – 12: Die Hochzeit zu Kana.

Es leitet sich jetzt fein über. Termin 2 (Termin 1) im MVG Museum: Die Slow Wine Degustation 2014. Im Mittelpunkt der aktuelle Slow Wine Führer – demnächst gibt es die aktuelle Ausgabe im Buchhandel (in deutscher Übersetzung).

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Exemplarisch waren insgesamt 60 Winzer (alle im Buch gelistet) aus sämtlichen Regionen Italiens mit jeweils drei ihrer Weine vor Ort. Eine sehr hochwertige und gleichzeitig erfreulich unaufgeregte Veranstaltung. Weil so gut bestückt fallen Herausstellungen schwer. Was solls. Zwei Tropfen halte ich mal hoch:

Der Majoli, ein 2012er Ruchè di Castagnole Monferrato von dacapo. Die rare rote Rebsorte Ruchè ist eine autochthone Sorte des Monferrato. Das kleine Weingut (7,5 Hektar/50.000 Flaschen/Jahr/biologische Bewirtschaftung) liegt südlich von Asti (Piemont). Ein unbeschwerter, ehrlicher Tischwein mit sowohl floralen als auch würzigen Noten. Bin gerade dabei mir einige Fläschchen zu organisieren.

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Paolo Dania und Gerhard Förstl

Der 2012er Nessuno von der Azienda Agraria Omero Moretti in Umbrien. Auch dieses Weingut ist klein und fein (11,0 Hektar/45.000 Flaschen/Jahr/ebenfalls biologische Bewirtschaftung). 75% des autochthonen Grechetto und 25% Malvasia sind in der Flasche. Frische pur – ein Blumenstrauß. Den könnte man vielleicht sogar dieses Jahr vor Ort trinken… Im Weingut gibt es Übernachtungsmöglichkeiten.

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Giusy Moretti

Noch mehr Entspannung? Auf nach Stuttgart!

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Weineinkauf in Ingolstadt (4): Santa Croce Zugabe

Über Anton Baur und seine umbrischen Weine habe ich bereits hier berichtet. Dieser Tage durfte ich seine jüngste Kreation probieren. Er hat ihr den Namen “Perbacco” gegeben.

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Ich spreche von einem sortenreinen 2011er Cabernet Sauvignon. Die Trauben dieses außergewöhnlichen Jahrgangs stammen vollständig von einer südwestlich ausgerichteten Steillage. Das kleine (ca. 15.000 Flaschen/Jahr) Weingut Santa Croce hat sich ganz der ökologischen Bewirtschaftung verschrieben – im Weinberg und im Keller. Der Perbacco ruhte auf dem Weg seiner Weinwerdung nach dem Stahltank noch sechs Monate im Barrique (Zweitbelegung). Weil Baur wie der Weinkritiker Andreas März (Merum), von dem der Ausdruck stammt, keine “Biberweine” (holzverseuchte Tropfen) schätzt, hat ihm das nicht geschadet.

Im Gegenteil. Er schmeckt mir bereits heute ausgesprochen gut. Saftig-volle Fruchtigkeit. Die Tannine schon fast ganz eingefangen (aber noch nicht gebändigt). Das Beste, was ich jemals von diesem Weingut im Glas hatte! Und deshalb wird es nicht leicht sein. Nicht leicht sich zu beherrschen und ein Kistchen im Keller einfach zu “vergessen”. In einigen Jahren ist der Wein dann ein Naturereignis. Das wusste Baur. Deshalb hat er ihn auch Perbacco genannt. Übersetzt heißt das nämlich so viel wie “Donnerwetter” oder “Potzblitz”!

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Weiß ich meine Bestellung bereits sicher notiert, schreibe ich diese letzte Nachricht vollkommen entspannt: Vor Weihnachten kommt noch eine Nachschublieferung nach Ingolstadt. Es gibt insgesamt nur ca. 3.300 Flaschen…

Slow Wine

Seit der 3. Auflage (2013) gibt es vom italienischen Weinführer “Slow Wine” (Slow Food Editore) eine Ausgabe in deutscher Übersetzung (Hallwag Verlag):

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Den italienischen Wirtshausführer “Osterie d`Italia” (Slow Food Editore) gibt es bereits seit 1990 und ab 1993 in deutscher Übersetzung. Bekanntlich kam vor 3 Wochen mit dem “Genussführer” erstmals ein von Slow Food Deutschland (oekom Verlag) erstelltes Verzeichnis von anständigen Wirtshäusern hierzulande auf den Markt. Getreu dem schönen Satz im Vorwort “Die Schnecke hält ihre Fühler ausgestreckt“ gilt es jetzt weitere Schätze zu heben (300 Empfehlungen in Deutschland zu über 1.700 in Italien!). Die Ingolstädter Testgruppe jedenfalls hat für die zweite Auflage den ein oder anderen hoffnungsvollen Kandidaten bereits ausgemacht…

Und ich vertraue darauf, dass es jetzt nicht auch 20 Jahre dauert, bis es einen “Slow Wine Führer Deutschland” gibt. Der Anfang ist nämlich schon gemacht! Ulrich Steger und Kai Wagner haben sich in ihrem Buch “Die Avantgarde der deutschen Winzer” (2013/oekom Verlag) zum Thema Slow Wine ausführlich gute Gedanken gemacht. Herausgekommen ist – so habe ich das Buch aufgenommen – eine Diskussionsvorlage. Zum Beweis der Tatsache, dass Qualität (insbesondere) Zeit braucht, werden 44 deutsche Winzerpersönlichkeiten in den Zeugenstand gerufen:

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Weil man sie an ihren Früchten erkennen soll, hat sich der Weinstammtisch des Slow Food Conviviums Ingolstadt bei seinem letzten Treffen einige Gewächse von Slow Wine Erzeugern hingelegt:

Wagner-Stempel: Siefersheimer Riesling vom Porphyr 2011 und Scheurebe Trocken 2011, A. Christmann: Riesling Reiterpfad GG 2008, Danner: Grauburgunder Typ zwei 2010, Corvers-Kauter: Riesling Vom Schiefer-Berg Rottland, 2011, Fürst: Riesling Centgrafenberg 2008 und Seeger: Weisser Burgunder 2012.

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Es war ein langer Abend. Will sagen, auch wir haben uns Zeit gelassen…