Fingerzeig (41) – Golden Facelift

Nach knapp sieben Jahren gönnte sich das Golden ein zartes Facelift. Seit einer guten Woche ist der Ingolstädter Oberburgermeister wieder im Amt. Frisch und aufgeräumt. Es gibt ein paar neue Blickfänge. Die wirklich wichtigen Dinge sind geblieben. Gott sei Dank!

(40) – Fingerzeig – (42).

Einsam aber goldrichtig unterwegs

An nicht wenigen der sprichwörtlichen Ecken gibt es zwischenzeitlich Burger in Ingolstadt. Man möchte daher meinen, es wäre jetzt ein Leichtes, auf diesem schmackhaften Feld begeisterter Zeuge intelligenter und feiner Spielzüge zu werden. Leider weit gefehlt. Statt sich gegenseitig im lässigen Auskontern der maroden Systemgastronomie-Aufstellung zu übertreffen, setzt man unisono auf die gleiche traurige Behandlung der Spielgeräte. Zwischenfazit: Das Endspiel um die besten Burger der Stadt bleibt eine einsame, weil bereits gegnerlose Angelegenheit. Selbstverständlich ist die fehlende Satisfaktionsfähigkeit

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der Konkurrenz dem Oberburgermeister nicht vorzuwerfen. Goldrichtig geht dieser seinen Weg. Zwischenzeitlich sogar – goes vegan – beidbeinig anspielbar.

go hu 1Ganz aktuell erfuhr der Fleischeinkauf im Golden eine Modifikation zu noch mehr Regionalität. Kam das Bio-Rindfleisch bisher aus dem Allgäu, liefert nunmehr – täglich frisch – die biozertifizierte Ingolstädter Metzgerei Joseph Huber das Fleisch (gewolft sowie am Stück) und den Speck. An ihren Zutaten sollt ihr sie erkennen…

go hu 3Update (11.12.2014).

Ingolstädter Oberburgermeister: Golden!

Die besten Burger in Ingolstadt, so habe ich im Sommer 2011 hier geschrieben, gibt es im Golden. Davon ist nichts zu revidieren. Im Gegenteil! Das Golden hat sich kulinarisch in eine Richtung (weiter)-entwickelt, die beachtlich ist. Wir haben hier ein Musterbeispiel dafür, wie es Schritt für Schritt möglich ist, das Gastro-Elend der Stadt hinter sich zu lassen.

Zur Erinnerung: Im November 2010 eröffnete Wolfgang Kratzer in der Kupferstraße 28 sein Golden. Von Beginn an, setzte er zwei Schwerpunkte. Das Ambiente.

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Und die ausschließliche Verwendung von Bio-Rindfleisch für die Burger. Sehr positiv ist mir ebenfalls gleich aufgefallen (der Slow Foodler kann nicht anders), dass er die Burger-Brötchen von der kleinen familiengeführten Bäckerei Mirz in Zuchering fertigen lässt. Wer so was macht, ist eh auf dem Weg…

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In der Folgezeit sind wir oft zusammen gesessen. Und Freunde geworden. Immer wenn ich Wolfgang mein Herz in Sachen gutes Essen ausschüttete, hat er sehr aufmerksam zugehört und viele, viele Fragen gestellt. Von Zeit zu Zeit konfrontierte er mich dann mit hocherfreulichen Neuerungen. So flog relativ bald das Fernsehbier Heineken (kalt, gelb und nass reichen einfach nicht) aus dem ansonsten feinen Biersortiment des Golden. Zum Bio-Rindfleisch Discounter-Speck? Nicht mehr. Der Speck hat zwischenzeitlich, wie das Fleisch, eine Bio- oder Naturlandzertifizierung. Auch das Palmöl zum frittieren blieb auf der Strecke. Die Kartoffelstifte brutzeln seitdem in Sonnenblumenöl.

Und dann ging es Schlag auf Schlag. Ich möchte dabei keinesfalls unerwähnt lassen, dass hierzu der äußerst positive Einfluss von Gisela (Gisi) Braun – sie ist dem Golden in besonderer Form verbunden –  ebenfalls Wirkung zeitigte. Die Currywürste kommen nunmehr vom Ingolstädter Metzgermeister Joseph Huber. Die Eier, das Gemüse (soweit saisonal irgendwie möglich) und – was mich besonders freut – das Huhn vom Heindl-Hof aus Gerolfing. Applaus, Applaus! Am kommenden Freitag (23.08.) ist die kurze Sommerpause im Golden zu Ende. Dann erwarten den Gast (endlich) Informationen, die den Unterschied ausmachen:

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Neben dem in jeder Hinsicht konkurrenzlosen „Krabby Patty“ von Mr. Krabs (in SpongeBob) hat in unseren Breiten ein Crab-Burger (bisher auf der Golden Tafel) wenig Sinn. Wolfgang Kratzer bastelt deshalb derzeit mit Hochdruck an einem Fisch-Burger. Ein Prototyp mit geräucherten Forellen- und Saiblingsfilets (Aquakultur aus der unmittelbaren Region) hat mir schon mal ausgezeichnet gemundet – wir dürfen gespannt sein…

Nennen wir sie Baustellen. Produkte im Golden mit noch Luft nach oben; z. B. der Käse…

Das Golden ist inzwischen – wahrscheinlich aber schon immer – ein Gesamtkunstwerk. Aber seht selbst:

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Aus den USA hat sich Wolfgang Kratzer dieses Jahr zwei Army-Trucks organisiert und mit viel Einfallsreichtum und in akribischer (eigener) Kleinstarbeit zu Golden-Food-Trucks umgebaut. In voller Montur war der erste beim vergangenen Bürgerfest im Einsatz:

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Wer nach sich keine Sintflut ausmacht und noch dazu ein Stück Selbstachtung hat, wird zum Ergebnis kommen (müssen), dass es in Ingolstadt nur einen Burger-Laden gibt. Bei solchen Sätzen irre ich mich übrigens wahnsinnig gerne! Allein schon der lieben Vielfalt wegen. Wer also außer dem Golden noch einen kennt, möge ihn mir bitte, bitte mitteilen.

Für bald drei Jahre goldene Zeiten ein sehr herzliches Dankeschön!

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Golden. Kupferstraße 28, 85049 Ingolstadt. Tel: 0841-95399877.

Update (12.09.13): Und endlich gibt es jetzt auch eine Website. Gleich zwei! Zum Lokal und zu den Burger-Bussen.

Update (07.03.14).

Die besten Burger der Stadt? Golden!

Nach Umsatzzahlen in der Gastronomie steht McDonald´s auf Platz eins und Burger King auf Platz zwei in Deutschland. Beide verkaufen insbesondere – Burger. Ein Burger wird also immer gerne genommen. Soviel zur Quantität.

Jetzt wäre es freilich sehr traurig, würde man den Damen und Herren der Systemgastronomie dieses schmackhafte Feld widerstandslos überlassen. Wenden wir uns also der Qualität zu. Jeder der schon mal einen mit frischen, guten Zutaten handgemachten Burger gegessen hat, weiß wie ein solcher Widerstand schmeckt. Das Problem: Ganz Ingolstadt ist von uniformen, vollkommen genussfreien Standardbratlingen der Lebensmittelindustrie besetzt… Ganz Ingolstadt? Nein! Es gibt tatsächlich Gegenwehr. Hier:

Ich sitze im Golden. Kupferstraße 28 in der Altstadt von Ingolstadt. Mir gegenüber: Wolfgang Kratzer – der Chef.

Seit wann gibt es das Golden? Eröffnung war am 11.11.2010.

Das erste halbe Jahr ist also schon vorbei. Zwischenbilanz. Bist Du zufrieden? Wie läuft es? Es läuft super! Super anstrengend…

Golden. Der Name. Warum? Der Name passt gut für Kartoffelstifte, Champagner, Burger-Brötchen und unsere Mitarbeiter. Alle sind golden!

Wie kam es zu der Idee hier Burger zu brutzeln? Ich war mit einem Kumpel zusammen in Tokio. Wir haben dort oft geil Burger gegessen. Alle handgemacht. Das gibt es bei uns ja so gar nicht. Und dann war in der Kupferstraße der Laden frei. Am Anfang waren wir zu dritt. Im Laufe der eigenhändigen Renovierung des Ladens – das hat drei Monate gebraucht – sind die beiden dann leider abgesprungen.

Hast du Erfahrung in der Gastronomie? Vor 10 Jahren hatte ich in Neumarkt mal einen Club. Zusammen mit einem Partner. Er hat die gastronomische Seite verantwortet, ich habe die Organisation gemacht. Also nicht so wirklich. Ich bin eigentlich gelernter Automechaniker. Bin zur See gefahren. Hatte eine Spedition. Einen Autohandel. Zuletzt betreute ich eine Bauleitung in München. Ich war eigentlich immer selbstständig.

Bist Du aus der Region? Aus Beilngries. Ich wohne in Ingolstadt.

Gibt es ein Zielpublikum? Jeder der Essen kann. Tagsüber sind viele junge Leute da. Abends kommen auch ältere. 60 ist auch kein Thema. Zuletzt hat eine Gruppe den Laden für einen 50ten Geburtstag reserviert. Ich will eine gute Mischung. Bei uns in Deutschland ist das leider immer sehr gruppen- und altersbezogen. Jeder hockt nur mit seinesgleichen zusammen. Und langweilt sich dann oft.

Kommen wir zum Burger! Der ist unser Aushängeschild! Handgemacht. Sieben Sorten. Frisch! Zum Verzehr im Golden oder to go. Es gibt ihn von 11 bis 23 Uhr. Der wird aus 100% Bio-Rindfleisch gemacht. Das Fleisch kommt von der Bio-Metzgerei Bühler aus Kempten (der padrone hat auf die Website geschaut: Die Metzgerei ist demnach sogar von Bioland und Naturland zertifiziert). Wir wolfen das Fleisch dann hier im Haus selbst. Die Brötchen werden speziell für uns gemacht. Sie kommen von der Bäckerei Mirz in Zuchering. Die verschiedenen Soßen werden nicht fertig gekauft, sondern im Haus nach eigenen Rezepturen gemischt. Der Salat kommt vom Großhändler. Ich will aber demnächst hier umstellen. Da gibt es in der Münchener Straße einen Bauernhof. Mit dem will ich mal sprechen.

Meinst Du den Gemüsehof Wöhrl? Ja genau.

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Die Pommes? Kartoffelstifte! Am Anfang haben wir die selber gemacht. Kartoffeln hier im Haus eigenhändig durchgedrückt. Das war uns dann aber zu aufwendig. Jetzt beziehe ich die Kartoffelstifte von einem speziellen Großhändler. Die Leute lieben sie.

Was ist mit den Hähnchen? Da steht nicht 100% bio auf der Tafel. Großhandel.

Wäre es da nicht konsequenter hier… Unbezahlbar!

Es gäbe in der Region Bio-Puten. Hähnchen ist zarter und saftiger.

Ich glaube viele junge Leute, die sich z.B. für artgerechte Tierhaltung engagieren, wären sicher bereit diese Qualität auch preislich zu würdigen. Ich lasse mir das mal durch den Kopf gehen.

Versprochen? Versprochen!

Eure Currywurst? Großhandel. Wird aber im Finish in einzelnen Scheiben gebrutzelt.

Es gibt keine Bratwürste. Würde das nicht auch gut passen? Von einem guten Metzger in der Region? Vielleich mal ein Bratwurst-Burger. Zur Saison haben wir gerade als Spezial Spargel-Burger.

Ich sehe schon. Beim Burger mit Rindfleisch gibt es keine Kompromisse. Der Rest ist im Fluss? Das Konzept war und ist hier Bio-Burger. Das ist der Kern. Fertigware kommt hier nicht in Frage.

Wie schaut es bei den Getränken aus? Beim Bier? Wir sind brauereifrei. Deshalb kann ich hier frei anbieten. Es gibt Schwalbenbräu, Tannenzäpfle, und Tegernseer Hell. Desperados und Corona werde ich auslisten. Das Tequila-Bier will ich selber machen. Ein guter Tequila gemischt mit Tegernseer Hell. Das wird besser schmecken als die Fertigen.

Der Laden ist sehr stylish. Die Stufen zum Sitzen ungewöhnlich. Eine Idee aus der Champagneria in Barcelona. Dort werden verschiedene Cava-Sorten angeboten. Und es gibt dort Holzstufen. Unser Raum ist sehr lang. Ich dachte mir, das könnte hier passen. Betonstufen aber sind zu kalt. Wir haben daher die oberste Stufe und die Wand mit einer Heizung versehen. Und wir haben auch eine Cava-Bar.

Es gibt einen gemütlichen Innenhof. Hier war früher ein großer Taubenschlag. Jetzt haben wir einen chilligen Biergarten.

Dolce? Eine Angestellte backt jede Woche einen Kuchen. Zuhause. Den gibt es dann hier. Very hausgemacht.

Mir gefallen der Laden und das Konzept. Sehr angetan bin ich von den Burgern. Nach meinem Gaumen – die Besten der Stadt!

Golden. Kupferstraße 28, 85049 Ingolstadt. Öffnungszeiten: Mo – Mi/11 – 23 Uhr. Do – Fr/11 Uhr – open end. Sa 15 Uhr – open end. So 15 – 23 Uhr. Tel: 0841-95399877.

Nachtrag (24.05.12): Über Mittag hat das Golden derzeit nur am Donnerstag offen.

Update (20.08.13) – Fast drei Jahre goldene Zeiten.