Der Wohlgeruch des Humulus lupulus

Sein Duft ist mir einer der Liebsten. Und das will für einen Nasenmenschen was heißen. Es geht um den Hopfen (Humulus lupulus). Als Schüler half ich einmal 10 Tage bei seiner Ernte. Der Grundstein war gelegt. Jedes Jahr bin ich wegen ihm zur Saison einmal in der Hallertau und hole mir einige feine Dolden. Ihr neues Zuhause, ein Weck-Glas, wird dann immer bei Gusto geöffnet und ich werde zum Schnüffler.

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Festigung. Einer meiner Onkel (der mit dem Bärlauch) zog in den 80er Jahren mit seiner Familie für einige Jahre nach Haunstetten (Hopfenanbaugebiet Spalt). Wir haben sie gerne besucht. Was stand unmittelbar in der Nachbarschaft? Eine Hopfendarre!

Anfang der 90er Jahre öffnete mir mein lieber Freund Bill in New York eine Flasche Samuel Adams Boston Lager. Die Nasenflügel weiteten sich. Gänsehaut! Der Trunk verströmte eine Hopfennote – schon aus dem engen Flaschenhals – eine solche Blume beim Bier war mir bis dahin unbekannt. Ein (weiterer) Anker fiel auf meinen Bulbus olfactorius und grub sich tief in den Grund meines Hippocampus.

En passant: In Wolnzach gibt es das Deutsche Hopfenmuseum. Das Slow Food Convivium Ingolstadt war dort – und beim Hopfenbauern.

Der nächste Baustein. Einem Tipp aus der Rubrik “Neulich im…” des Slow Food Conviviums München folgend, war ich letzten Dezember im Red Hot in München. Der “Pulled Pork Sandwich” dort ist spektakulär. Und erst die Bierkarte! Das Boston Lager von Samuel Adams steht auch drauf. Und – es lebe die Ostküste – das Brooklyn Lager der Brooklyn Brewery.

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Man wähnt sich mit ihm mitten in der Hopfendarre – sitzt man doch nur vor einem Glas Bier… In dieselbe Kerbe schlägt auch der Bräu der Kelheimer Schneider Weisse mit seinem “TAP5 Hopfenweisse” – ein in der Tat hopfiges Feuerwerk. Beim weiteren Stöbern fällt zum ersten Mal der Name Garrett Oliver – Brewmaster der Brooklyn Brewery und Meister, nein, einer der Instanzen seines Faches.

Dem Red Hot sei Dank, geht mir jetzt auch erstmals bewusst der Biertyp “India Pale Ale” (IPA) durchs Bild. In Form eines Münchener Kindls. Wo sich in Sachen Bier ja gerade eh einiges tut – Stichwort Giesinger Bräu. Es ist das IPA der Jungs von der CREW AleWerkstatt. Die Hopfenaromanoten sind bei ihm noch einmal intensiver… Ihnen sollte man Raum und Luft geben. Ein IPA aus der Flasche getrunken, wäre deshalb wirklich ein Frevel. Ein Weißweinglas ist hier eine gute Wahl.

In dieser seit Wochen bestehenden persönlichen Begeisterungslage schlägt folglich ein Info-Post von wurstsack Hendrik Haase bei mir ein wie der Blitz. Er ist auf der BIOFACH-Messe in Nürnberg und hatte gerade ein IPA des Riedenburger Brauhauses im Glas! Ahhh! Einer meiner absoluten Lieblingsbrauer widmet sich diesem Thema – in Bioland-Qualität  – vor meiner Haustüre!

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“Dolden Sud” – Guter Name, gute Arbeitsweise! Kein Extrakt, keine Pellets – Naturdolden. Damit wird ausschließlich dem Aroma, dem Geschmack gedient. Und sämtliche Bestandteile der Hopfendolde dürfen einen Beitrag zur Bekömmlichkeit leisten. Bin nämlich ein großer Anhänger der Idee, dass das Ganze mehr ist, als die Summe seiner Teile. Die ganz besondere Hopfenaromatik kommt dann (auch) durch das sogenannte Hopfenstopfen, der (weiteren) Hopfenzugabe zum fast oder bereits ganz vergorenen Bier.

War nicht vollends einfach, aber nach der Weltpremiere auf der Biofach am Mittwoch, hatte ich zum Wochenende einen Kasten davon am Haken. Und in der Nase? Betörend florale Noten, Zitrus, Pfirsich, Mango, feine Süße. Was sich zunächst geschmacklich im Mund fortsetzt, bevor die im hinteren Bereich der Zunge befindlichen Bitter-Rezeptoren deutlich zu Wort kommen.

Telefonisch befragt, gab mir der Riedenburger Chef-Bräu und Slow Food Unterstützer Michael Krieger noch folgende Infos auf den Weg: Die Idee zum IPA stammt von seinen beiden Söhnen Max (Braumeister, auf dem Elefanten vorne sitzend) und Tobias (dahinter sitzend). Beide waren die letzten Jahre auf der Walz. In Sachen Braukunst. Vor allem in Italien und den USA. In New York hatten sie intensiven Kontakt mit … Garrett Oliver! Die erste Charge der Hopfenhandwerker (“Sud 1″ – wird auf dem jeweiligen Etikett ab jetzt fortgeschrieben) umfasste 55 hl. Sud 2 ist ebenfalls bereits gebraut. Es findet sich eine Mischung von 10 verschiedenen Aromahopfen im Bier. Alle sind bio, aber noch nicht alle sind von Bioland zertifiziert. Dies wird im Laufe des Jahres aber der Fall sein.

Das grandios gelungene Etikett erklärt auf sehr kurzweilige Weise die allgemeine Geschichte des IPA und dieses wunderbaren Bavarian IPA im speziellen:

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Ein Bierstil, der dem grünen Gold der Brauer eine ihm standesgemäße Bühne gibt. An der Stellschraube Hopfen sollte und da bin ich mir sicher, wird noch viel gedreht werden. Kein Bier zum Saufen oder für jeden Tag. Ein besonderes Bier. Werde nach der Fastenzeit mal probieren, wie es mit einer Zigarre harmoniert – ich glaube, da treffen sich zwei gute Freunde.

Die Vielfalt des Weins ist (gerne) allgegenwärtig. Warum aber das Bier (immer noch) so unter seinen ureigenen Möglichkeiten bleibt, ist unverständlich. Den Biersommelier gibt es ja zurecht auch schon einige Zeit. Jedoch – es bewegt sich was. Und die Entwicklung spielt den handwerklich arbeitenden, kleinen Brauereien in die Karten. Noch besser!

Passgenauer Tipp zur Sache: Vom 08. – 10. März 2013 findet in München wieder die Braukunst Live! statt. Tolle Ausstellerliste! Die Riedenburger sind auch dabei. Interessante Vorträge im Begleitprogramm. Beispiel? “Aus alt mach neu – IPA: Ein Bierstil erobert die Welt”.