Zum Anfassen!

Die Digitalisierung wird irgendwann (wohl aber doch schneller als erwartet … befürchtet?) einem ganz besonderen Ereignis die Bühne nehmen. Ich spreche genau von dem Moment, wenn ein Autor das letzte Ziel seines ganzen Ringens und Schaffens erreicht hat: Die physische Inbesitznahme, das Anfassen, das Angreifen seines fertigen, druckfrischen Buches. Es muss ein wahrhaft magischer Moment sein! Eine Art Geburtserlebnis… Am vergangenen Wochenende war es für meine Schwester so weit. Dazu kam, dass es auch noch das Erstgeborene ist. Sehr her!

Sie hat die besondere Stimmung mit uns geteilt. Nach einem Fototermin mit dem Donaukurier zwischen Kartoffeln auf dem Wochenmarkt – der Artikel kommt noch diese Woche (da ist er) – haben wir zusammen gefrühstückt. Und geblättert. Gerochen. Und geblättert. Man kann Papier streicheln… wer Bücher liebt, weiß das eh!

Nicht vergessen: Die Vorstellung mit Lesung findet am 23. März 2018 um 18:30 Uhr in der Harderbastei (Oberer Graben 55, 85049 Ingolstadt) statt.

58 Jahre nach Großvater – meine Schwester

1960 veröffentlichte mein Großvater Karl Olma unter dem Pseudonym Michael Zöllner sein erstes Buch. Der Titel: „Pflüger im Nebel“. Ein Roman über Flucht und Vertreibung aus Oberschlesien. Ein sehr vielschichtiges Thema. Ein Stück Familiengeschichte.

Trotz bitterster persönlicher Erfahrungen hielt mein Opa dabei stets mit Bestimmtheit jene Haltung hoch, die Richard von Weizsäcker als Bundespräsident in seiner grandiosen Rede am 8. Mai 1985 (die man nicht oft genug nachlesen kann) so treffend formulierte: „Aber wir dürfen nicht im Ende des Krieges die Ursache für Flucht, Vertreibung und Unfreiheit sehen. Sie liegt vielmehr in seinem Anfang und im Beginn jener Gewaltherrschaft, die zum Krieg führte. Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen.“

Die Erzählung beginnt wie folgt: „Wie eine große Hostie schwebte die Oktobersonne hinter dünnen Nebelschwaden. Ferne und nahe Schreie aus unsichtbaren Krähenschwärmen, ein gelegentliches Schnauben der dampfenden Ackergäule, aufmunternde Zurufe des Pflügers und der beständige matte Singlaut der brechenden Schollen, hie und da von helleren Knirschtönen der an die Pflugschar schleifenden Steinchen unterbrochen, drangen durch die diesige Luft des frühen Vormittags.“

2018. Ein großer Kreis schließt sich. Ich komme zum guten Grund dieser Ausführung. Nach 58 Jahren greift ein weiteres Familienmitglied zur Feder. Die Enkelin, meine Schwester. Sie hat ihr erstes Buch geschrieben! Ebenfalls ein Roman – „Anton und der Geheimbund der Tiere“:

So geht es los: „Mama, ich schwitz so!“ „Moritz, komm her, gib mir deine Jacke. Heute ist wirklich ein warmer Tag.“ Der Bub zerrt sofort die dicke Daunenjacke von seinen Schultern und wirft sie seiner Mutter zu. Befreit vom lästigen Kleidungsstück rennt er ungestüm zu dem Stand mit den leckeren Wienern – angeblich den besten auf dem Wochenmarkt. Es ist der letzte schöne Samstag im November und die prächtigen Bäume rings um das Treiben zeigen ihr schönstes Blätterkleid in rot und gelb.“

Olma-Prosa beginnt offensichtlich stets an Vormittagen… Und es geht – zumindest in den Erstlingswerken – um die unfreiwillige Ortsveränderung. Seht selbst (Handlungsabriss):

Anton die Waldmaus begeht eine große Dummheit! Unfreiwillig landet er, weit von seinem Dorf im Altmühltal entfernt, in Ingolstadt auf dem Wochenmarkt und kann sich dort gerade noch bei Franz in Sicherheit bringen…. Doch die Sicherheit hat ihren Preis! Franz die grantige Wühlmaus lässt Anton unerbittlich für ihn schuften und droht, falls er weg laufen sollte, immer wieder mit dem geheimnisvollen Tauron! Antons Heimweh wird von Tag zu Tag größer und seine Lage scheint aussichtslos… Bis plötzlich Marijke, die pfiffige Honigbiene aus den Niederlanden, auftaucht und ihm von dem Geheimbund der Tiere erzählt. Eine Gruppe von mutigen kleinen Tieren aus verschiedenen Orten und Ländern, die auch unfreiwillig in Ingolstadt gelandet sind und sich als Gemeinschaft gegenseitig helfen wieder nach Hause zu kommen. Wird Anton es mit Unterstützung von Marijke schaffen auch in dem Geheimbund aufgenommen zu werden? Nicht alle Tiere wollen Anton als neues Mitglied…. ein heimtückischer Plan soll seine Aufnahme verhindern… Anton und der Geheimbund der Tiere ist eine spannende und humorvolle Tiergeschichte über Freundschaft, Intrigen, Zusammenhalt, Erwachsen werden und einer Mäuseliebe. Für Kinder ab 8 Jahren und alle Junggebliebenen die Freude an mutigen Mäusen, einer modebewussten französischen Eidechse, einem vergnügt-verfressenen Hamster, einem theatralischen Bockkäfer und vielen weiteren außergewöhnlichen kleinen Tier-Persönlichkeiten haben. Die Handlung spielt in Ingolstadt und dem Altmühltal.

Das Buch ist gerade im Druck (in der Region versteht sich!). Christine: „… der Kuchen ist noch im Ofen… aber die Wohnung duftet schon verheißungsvoll.“ Ab 24. März beginnt der offizielle Verkauf. Die Vorstellung mit Lesung findet am 23. März 2018 um 18:30 Uhr in der Harderbastei (Oberer Graben 55, 85049 Ingolstadt) statt. Im Namen meiner Schwester setzt ich hiermit meine Leser auf die Gästeliste – kommet zuhauf! Christine: „Noch nie in meinem Leben war ich vor einem Termin aufgeregter.“ Das dürfte sich auf diese Weise nicht gemildert haben 😉

Die Zeichnungen im Buch stammen von der Illustratorin Dominika Hladik. Im Uhrzeigersinn sehen wir Lorenz, Manfred, Anton, Marijke, Henry und Franz:

Unser Opa wäre sehr stolz auf Dich Christine. Und ich bin es auch!

Loivt nicht mehr

Es spricht der Chronist: Das „Loivt“ in der Gaimersheimer Strasse 15 (Ingolstadt) hat seit dem 02.10.16 geschlossen. Für immer. Das „Loivt“? Das da, hier und dort.

loivt-ende-3Es spricht der Bruder der Wirtin: Christine, Du hast da mit Lust und Mut einen ganz eigenen Ort geschaffen. Mit einer sehr beachtlichen Atmosphäre. Respekt! Ich war immer sehr gerne hier. Danke für dieses besondere Zeitfenster!

Wer gibt darf auch wieder nehmen. Die Gründe, dass es lediglich (ich kenne nicht wenige Leute, die jetzt endlich mal vorbeischauen wollen…) zwölf Monate wurden, sind nachzulesen. Im Donaukurier (Ausgabe Sa/So/Mo 01.-03.10.16, Seite 31)

loivt-ende-2und im Citicon, Ausgabe 62, Seite 38/39, hier.

Bei der Abschiedfeier wurde bis weit nach Mitternacht auch dem besonderen Mobiliar Rechnung getragen:

loivt-ende-1Anfang und Ende sind Geschwister. Ich bin gespannt was jetzt kommt Christine!

Nachtrag zum Loivt

Das Loivt macht zur Stunde, bis einschließlich Mittwoch (slow!), seine ersten Ruhetage. Die hat es sich aber durchaus schon verdient. So fand sich am Samstagabend – wir hatten leichtfertig nicht reserviert – gerade noch so ein Plätzchen für uns!

Die noch nicht fertigen Speisekarten werden – so meine Information aus allererster Hand 🙂 – eine Lieferantenliste beinhalten (eh klar, oder?!). Die bisherige Auswahl ist schon sehr löblich. So backt das Brot der Wolfgang Erhard. Den Käse bringt der Robert Winter und die Kartoffeln kommen vom Gemüsehof Niederfeld. So darf das gerne fort- und weitergehen!

Hiermit reiche ich einige, in meinem ersten Bericht schuldig gebliebene, Speisebilder nach.

loivt2 (3)loivt2 (6)loivt2 (2)loivt2 (1)loivt2 (4)loivt2 (7)loivt2 (8)loivt2 (10)loivt2 (11)Und dann gab es noch etwas, das die Speisetafel nicht ankündigte. Ich liebe diese Unwägbarkeiten in einem Wirtshaus. Übrigens in beide Richtungen. Wenn etwas aus ist, ist es aus (und auf der Tafel durchgestrichen). Beides wird einem in einer Gastronomie, in der überwiegend Tütchen und Beutel aufgeschnitten und deren Inhalt dann nur noch erwärmt werden muss, nie geschehen…

Zurück zum plötzlichen Angebot: Von einer mir (noch!!!) unbekannten Quelle – alles was ich weiß, sie heißt Anne – stammt nachfolgender Apfelkuchen. Die Äpfel dafür kommen aus ihrem Garten:

loivt2 (5)loivt2 (9)Der Kuchen geht glatt als Gottesbeweis durch.

Fingerzeig (26) – Loivt für meine Schwester

Ich will es kurz machen: Meine (stolz!) Schwester – leibhaftig ja Fotografin – hat gerade etwas vollbracht, das ich schon sehr lange im Kopf hin- und herschiebe, mich aber nicht ansatzweise traue es tatsächlich anzupacken: Sie sperrte heute um 12:00 Uhr in Ingolstadt ihr eigenes Wirtshaus auf! Es heißt Loivt und man findet es in der Gaimersheimer Strasse 15.

logo loivtloivt (3)Freudig dürfen wir erwarten, was die Küche uns bescheren wird. Fleisch jedenfalls, da hat sich Vegetarierin Christine auf jeden Fall festgelegt, wird es nicht auf die große Tafel schaffen. Der Einstand sah so aus:

loivt (5)Ein gutes Beispiel für richtiges Timing gefällig? Heute – 1. Oktober – ist „Weltvegetariertag“… was, es folgt ein Insider-Verrat, meine Schwester gar nicht wusste… dies wiederum ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass sie die Geschichte unaufgeregt angeht.

Dazu passt dann auch das Motto (Tafel oben) „Das Loivt lernt laufen“. Der gewogene Gast mag es bei seinen ersten Besuchen bitte im Auge haben. Zur Planung dieser: Donnerstag und Freitag 12.00 – 14.00 Uhr und 17.30 – 22.30 Uhr, Samstag 17.30 – 23.00 Uhr, Sonntag (Brunch) 09.30 – 13.30 Uhr, Montag bis Mittwoch geschlossen.

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Christine Olma und Köchin Moana

Beim berühmten Satz von Hermann Hesse „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben“ besteht manchmal Inflationsgefahr. Heute und hier sicher nicht – erlebt es einfach selbst. Man beachte das ausgeschenkte Bier!

loivt (6)loivt (8)loivt (7)loivt (9)loivt (10)loivt (11)loivt (12)loivt (13)loivt (14)Und wenn es einmal Loivt… einen Biergarten gibt es auch! Er wird nächstes Jahr bespielt. Ich bin mir sicher – ohne Heizpilze

loivt (1)loivt (2)Es existiert ein ungeschriebenes Grundrecht auf ein anständiges Wirtshaus. Alles spricht dafür, dass dieser wichtige Anspruch hier erfüllt werden wird. Ich bin jedenfalls sehr angetan. Respekt und alles, alles Gute Christine! Habe das Loivt auch schon mal in meine Schafkopfen erlaubt-Liste aufgenommen 😉

(25) – Fingerzeig – (27).