Hallertauer Teigknödel

Letzter Septembertag. Ausflug von Slow Food Ingolstadt in die Hallertau. Nach Larsbach (bei Wolnzach). Der 2017er Hopfen ist eingebracht. Nachzügler lassen es vereinzelt noch einmal duften:

Zu Besuch hatte zunächst Braumeister Gerhard Stanglmayr geladen. 1998 gründete er sein „Lampl Bräu“. Benannt nach dem Hausnamen des Bründlweg 1.

Es werden vornehmlich – zumeist mit Naturdolden – Helles, Dunkles, Weißbier und Pils gebraut. Handwerklich versteht sich. Die Gärung erfolgt in offenen Bottichen. Eine Führung gab uns Einblick in alle Bereiche.

Es gibt auch Experimente. So verkosteten wir neben einem ordentlichen Dunklen ein zwei Jahre gelagertes Helles (inklusive Milchsäuregärung!). Und im Kühlraum steht ein gebrauchtes Slyrs Whisky Fass. Darin ein Brauversuch mit erntefrischem Grünhopfen. Er reift noch. Bier gibt es ab Rampe. Vorher anrufen (08442-2068) und fragen, was verfügbar ist.

Dann näherten wir uns freudig dem tieferen Grund unserer Exkursion. Weniger als 200 m sind es zum Bründlweg 4. Hier findet sich die Gaststätte „Zum Alten Wirt“ – genannt „Huberwirt“:

Jetzt muss ich kurz ausholen. Mit dem wichtigen und zugleich schmackhaften Projekt Arche des Geschmacks will Slow Food die biologische Vielfalt und das kulinarische Erbe bewahren. Passagiere der Arche sind vorwiegend Nutztierarten und Kulturpflanzen. Dazu wird Slow Food Ingolstadt wohl (beim Spargel möchte ich das noch offen lassen) nichts beitragen können. Es gibt aber auch Passagiere, die traditionell handwerklich hergestellte Spezialitäten sind. Da könnte (vielleicht) was gehen. In mehreren Gesprächen wurde nämlich für Teile unserer Region von einigen sachkundigen Mitgliedern (Daniela, Helga und Brigitte) der Teigknödel (Doagknedl) genannt. Dieser wird aus alten Semmeln und Pfannkuchenteig (Mehl, Eiern, Milch und Salz) hergestellt. Unsere Freunde von Slow Food Niederbayern haben hier ein Rezept veröffentlicht. Mir war jener Knödel bis dato gänzlich unbekannt.

Zurück zum Huberwirt. Hier sollen der Wirtin Rita Hölzl besonders gute Doagknedl gelingen. Brigitte (Danke!) organisierte deshalb ein Essen. In diesem Fall mit einem Schweinsbraten als Beilage. Das Wirtshaus ist sehr ursprünglich und sehr speziell – was der Slow Foodler für gewöhnlich schätzt. Montags gibt es zum Karteln nur Getränke. Mittwochs die Knödel. Ohne Reservierung (08442-3954) läuft aber nichts! Dann ist noch ein oder zweimal Richtung Wochenende (aber ohne Essen) geöffnet. Und es gibt die Knödel gegen Vorbestellung (wie bei uns). Gekocht wird mit dem Holzofen!

Ich finde den luftigen Knödel herrlich! Er erinnert an eine Mischung aus Serviettenknödel (freilich ohne Petersilie und Zwiebel) und Böhmischen Knödel (die mit Hefe). Soßenhungrig ohne Ende. Und sicherlich auch ein Gedicht zu Pilzen mit süß-saurer Rahmsoße, als Resteessen vom Vortag in der Pfanne abgebräunt mit verschlagenem Ei, oder im Sommer kalt mit Zwiebeln, Essig, Öl und Salz.

Mit unseren niederbayerischen Slow Food Freunden pflegen wir eine besondere Nachbarschaft. Siehe hier. Und zu den Doagknedln hat sich tatsächlich ein beherzter Disput entwickelt – siehe dokumentiert hier. Eigentlich wollte ich deshalb jetzt Belegstellen für deren oberbayerische Herkunft und Verbreitung auflisten. Was für ein Unsinn. Ich habe bei der Recherche etwas viel Besseres gefunden! Die alles einende Bezeichnung für den Knödel ist nämlich „Hallertauer Teigknödel“ (Weilacher, Regionaltypische Spezialitäten aus Bayern, Seite 62). Und was ist die Hallertau? Eine Kulturlandschaft, die sich über die bayerischen Regierungsbezirke Oberbayern (Landkreise Pfaffenhofen, Eichstätt und Freising) und Niederbayern (Landkreise Kelheim und Landshut) erstreckt…! Einverstanden Georg?

Mich würde interessieren, wo diese Teigknödel in unserer Region (noch) auf den Tisch kommen. Zu Hause und im Wirtshaus. Bitte unbedingt kommentieren! Dann werde ich bei der Arche-Kommission (gerne zusammen mit den Niederbayern) mal anklopfen. Es wird aber wahrscheinlich schwierig werden, da es wohl (nur) eine Rezeptur ist… Aber wie sollen diese sonst praktisch bewahrt werden?! Im Bayerischen Kochbuch (dem Klassiker von Maria Hofmann) findet sich das Rezept noch am ehesten unter Nr. 915 – Fränkische Mehlknödel oder Mehlklöße.