Einfach und köstlich – Chioggia Rübe

Wunderbar inspiriert von diesem feinen Bericht ging es sogleich ans Werk. Die Beschaffung der Tondo di Chioggia gestaltete sich aber überraschend schwierig. Meine Bio-Gemüsegärtner in der Region winkten leider ab – „diesjährig nicht im Anbau“ – war die mehrfach gehörte Antwort. Eine Fahrt nach Moosinning – so wie im Film – war mir dafür zu weit (steht aber demnächst an – am 17.03.18 ist dort ein Hoffest). Schließlich wurde ich beim Obstkistl (Slow Food Unterstützer!) fündig. Wenn auch die Rüben aus konventionellem Anbau in den Niederlanden stammten:

Ziegenfrischkäse. Da gibt es eine grandiose regionale Quelle: Den Hallertauer Ziegenhof! Unter anderem erhältlich auf dem samstäglichen Wochenmarkt in Pfaffenhofen:

Dann verlegte sich die Handlung – bei steigendem Spannungsbogen – in die Küche:

Wie sagte der Schmidt Max so schön? „Des is ja unfassbar guad.“ Stimmt!

Von Haus- und Hoflieferanten

Ich behaupte, die Mehrzahl der Wirte schieben mit dem Wägelchen durch die unendlichen Hochregalreihen der Großhändler, oder lassen sich gleich von diesen beliefern. Wer so die Speisekarte befüllt, kennt die Bauern oder handwerklichen Veredler seiner Lebensmittel natürlich nicht. Wobei – so viele Hände gäbe es da auch gar nicht mehr zu schütteln. Befüllt doch vornehmlich die Lebensmittelindustrie solcherlei Orte.

Auf der anderen Seite gibt es Wirte – sie gilt es zu besuchen – die mit Wertgefühl ihre feinen Lieferanten in der Speisekarte benennen. Und auch andersherum schwingt Stolz mit, wenn man gerade dort steht. So entstand einmal die geschätzte Auszeichnung „Haus- und Hoflieferant“.

Und es gibt Wirte, die bringen nicht nur bestimmte Lebensmittel ins Haus, sondern auch gleich deren Schöpfer! Stefan Spitzer vom Gasthaus Spitzer (gelistet im Slow Food Genussführer) ist ein solcher. Am vergangenen Donnerstag war Premiere seiner neuen Reihe „Meet & Eat“. Sein (würdiger) erster Gast – Hans Kellner vom Hallertauer Ziegenhof (Besuch von Slow Food Ingolstadt 2009). Was für eine schöne Idee! Zwischen vier köstlichen Gängen mit Produkten von Kellners Ziegenhof (Bioland) gab es Geschichten und Informationen aus dem Leben und Alltag eines Ziegenbauers:

Hier der Beleg – beim Spitzer steht Viva con Agua auf dem Tisch:

Die lobenswerte Reihe wird fortgesetzt. Am 01. Juni 2017 mit Josef Neumeier/Holledauer Haselnuss (Besuch von Slow Food Ingolstadt 2013), am 19. Oktober 2017 mit Theresa Lehner/Hallertauer Angus-Rind und (voraussichtlich) am 02. November 2017 mit Martin Hofmeir/Kunstmühle Hofmeir.

Slow Food Convivium Ingolstadt 2009 (2)

Weiter geht es mit dem Rest des Jahres 2009. Teil 1 findet sich hier.

17.10.2009 – Hallertauer Ziegenhof und Kirchweih-Gansessen

Am Kirchweihsamstag besuchten wir den Hallertauer Ziegenhof. Im Anschluss gab es ein Kirchweih-Gansessen im Huberhof.

Zunächst trafen wir uns um 15:30 Uhr beim Huberhof der Familie Selmayer in Airischwand 5, 85405 Nandelstadt. Zu Fuß geht es dann ca. 2 km über Feldwege zum Hallertauer Ziegenhof, Nandlstädterstraße 37, in 84104 Tegernbach. Wir wurden bereits von Herrn Hans Kellner erwartet. Mit dem angenehmen Selbstverständnis von Menschen, die ganz bei sich sind bei dem was sie machen, stellte er uns seinen Bioland zertifizierten Ziegenhof vor. Während einer Australienreise, bei der er Ziegenkäse kennenlernte, kam die Idee. Zurück von der Reise, tauschte er eine Sau mit Ferkeln aus dem elterlichen Betrieb gegen eine Goaß mit drei Kitzen. Der Grundstein war gelegt. Heute leben ca. 140 Ziegen der Rasse – Bunte Deutsche Edelziege – auf dem Hof.

Mit „Überschuhen“ betraten wir die Manufakturräume und erkundeten den Weg von der Goaßmilch zum Käse, lernten Geräte zur Käseherstellung sowie Reife- und Lagerraum kennen.

Verkostung a la Slow Food! Frische Ziegenmilch, eine große Auswahl von hausgemachten Käsespezialitäten und Ziegenwürsten.

An der Melkanlage vorbei (gerade in vollem Betrieb!) ging es zum Ziegenstall. Wir erfuhren was die gschleckerten Goaßn an Futter bekommen, wie viel Milch sie geben, wann sie raus dürfen, etc.

Gegen 19:00 Uhr waren wir wieder zurück in Airischwand. Im Huberhof erwartete uns ein Hallertauer Kirchweih-Gansessen mit schöner Nachspeis. Der Huberhof ist ein Familienbetrieb, Sohn und Tochter haben Ausbildung und Wanderjahre in der Gastronomie hinter sich und arbeiten jetzt mit den Eltern im eigenen Betrieb. Regelmäßige Betriebszeiten gibt es nicht. Geöffnet wird nach Vorbestellung.

Zur Gans gab es traditionell zweierlei Knödel (Kartoffelknödel, Semmelknödel) und Blaukraut. Die Schüsseln kamen auf den Tisch und es nahm sich jeder nach Lust und Laune. Dazu Rote Bete, Sellerie-, Kartoffel- und Endiviensalat vom frischen Salatbuffet. Als Vorspeise standen Kürbissuppe und ein wunderbares saures Gänseklein („Schlachtschüssel“ von der Gans mit Hals, Magen, Herz und Flügeln) bereit. Als Nachtisch gab es einen Zwetschgen-Ziegenkäse(Kellner!)strudel mit gefrorenem Kletzenparfait.

 In der tiefsten Hallertau begleiteten uns die Hofmanns vom Convivium Hamburg! Getreu dem Motto des Slow Food Präsidenten Carlo Petrini „Ich möchte die Geschichte einer Speise kennen. Ich möchte wissen, woher die Nahrung kommt. Ich stelle mir gerne die Hände derer vor, die das, was ich esse, angebaut, verarbeitet und gekocht haben“ hat Ziegenkäse jetzt ein „Gesicht“. Lieben Dank an Frau Renate G. für Idee und perfekte Organisation der Veranstaltung!

P.S. Die Gänse der Selmayers stammen (wünschenswert selbstverständlich) von der grünen Wiese hinterm Haus.

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25.10.2009 – Weißwurstseminar mit Metzgermeister Hafner

Frau Brüderle, Frau Hauptmann und Herr Hafner vom Hofladen im Moos haben Wort gehalten! Am 25.10.2009 trafen wir uns, wie beim letzten Besuch im Februar verabredet, um zwei Wurstklassikern – Weißwurst und Wiener –  auf die Pelle zu gehen.

Am früheren Morgen konnte bereits erlebt werden, wie Frau Hauptmann frische Brezen im Holzofen knusperte. Herr Hafner begann mit einer historischen Einführung über die Zufallserfindung der bayerischen Nationalwurst durch den Wirt vom Gasthaus „Zum ewigen Licht“ am Münchener Marienplatz, Sepp Moser am Faschingssonntag den 22.02.1857. Moser sollen die Schafsdärme für die Kalbsbratwürstchen ausgegangen sein, während schon die Gäste warteten. Der losgeschickte Lehrling kam aber mit Schweinedärmen zurück, die zu zäh und zu groß für Bratwürste sind. In der Not füllte er sie trotzdem mit der fertigen Masse, briet die Würste jedoch nicht, sondern brühte sie in heißem Wasser.

Bekanntlich werden im Hofladen nur Tiere aus kleinbäuerlicher Haltung der direkten Umgebung hausgeschlachtet. Kälber stehen erst wieder zu Weihnachten zur Verfügung, sodass die heute produzierten Weißwürste aus 100% Schweinefleisch bestehen. Für gewöhnlich werden die Weißen aus einer variablen Mischung beider Fleischarten gefertigt. Die wohl als Münchner Referenzweißwürste geltenden des Metzgers und Gastwirts Heinz Wallner (Gaststätte in der Großmarkthalle) sind rein kälbern. Herr Hafner erläuterte detailliert die bevorstehenden einzelnen Arbeitsschritte.

Mit „Überschuhen“ ging es dann in die Manufaktur. Nach dem Fleischwolf kam der Kutter zum Einsatz. Um die optimale Arbeitstemperatur zu halten wird Eis zugegeben. Kurz vor Ende kommt frische Petersilie in den Wurstbrät.

Schließlich wird das Brät in einen Schweinedarm gefüllt und die Würste portioniert, bevor es für sie in den Kessel ging. Zwischenzeitlich waren auch die Wiener fertig und kamen „aus dem Rauch“.

Gutmann Weißbier, Händlmaier Senf (Hausmacher und Mittelscharf), resche Brezen und Weißwürste – ein geniales Quartett! Es wurde „Gezuzzelt“ und „Gehäutet“ – je nach Gusto.

Lieben Dank an das Team vom Hofladen für die perfekte Organisation, gute Nahrung für Kopf und Bauch, vor allem aber für die herzliche Gastfreundschaft!

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29.10.2009 – Kochgruppe

Wieder waren wir an den Töpfen. Diesmal starteten wir mit einem perfekten Steinpilz-Risotto von Moni.

Als Zwischengang gab es einen regionalen Feldsalat mit Walnüssen aus unserem Garten. Hauptgang war eine Lammschulter aus dem Altmühltal mit herbstlichem Wurzelgemüse von Moni und mir.

Zum süßen Abschluss gab es dann ein feines Zitronenmousse.

Es hat auch diesmal wieder richtig Spaß gemacht und es war vor allen ein sehr genussreicher Abend. Ihr schmeckt es ja durch die super Fotos von Michael. Ich freue mich jetzt schon auf ein nächstes Mal in 2010 (Text: Markus Mende, Leiter Kochgruppe).

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 06.11.2009 – Genussführer gestartet

Das Convivium Ingolstadt beteiligt sich ab sofort beim Genussführer-Projekt von Slow Food Deutschland.

Sepp Hierl (Stirzer), Andrea Ponschab (Beckerwirt), Josef Stark (Stark), Karl und Anke Deiml (Neuwirt)

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Zivil Courage gegen Grüne Gentechnik

Zivil Courage wurde als Arbeitsgruppe am 14. Januar 2006 in Halfing im Landkreis Rosenheim gegründet. Zivil Courage will mithelfen, einer breiten Basis von Landwirten und Verbrauchern Informationen und Hintergründe der Agro-Gentechnik zugänglich zu machen. Es geht darum, sich selbst über die Nachteile der Agro-Gentechnik und deren nicht mehr revidierbaren Folgen zu informieren und dieses Wissen im eigenen Umfeld weiter zu vermitteln.

Zunehmend tauchen Feldtafeln der Zivil Courage auch auf Wiesen, Äckern, Gartenzäunen und Hausmauern in unserer Region auf. Auf der Tafel für Ingolstadt findet sich unten links unser Slow Food Convivium Logo. Auch die Landkreise Neuburg-Schrobenhausen und Pfaffenhofen sind dabei. Leider fehlt bis heute Eichstätt.

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Die Fortsetzung für das Jahr 2010.