Einsam aber goldrichtig unterwegs

An nicht wenigen der sprichwörtlichen Ecken gibt es zwischenzeitlich Burger in Ingolstadt. Man möchte daher meinen, es wäre jetzt ein Leichtes, auf diesem schmackhaften Feld begeisterter Zeuge intelligenter und feiner Spielzüge zu werden. Leider weit gefehlt. Statt sich gegenseitig im lässigen Auskontern der maroden Systemgastronomie-Aufstellung zu übertreffen, setzt man unisono auf die gleiche traurige Behandlung der Spielgeräte. Zwischenfazit: Das Endspiel um die besten Burger der Stadt bleibt eine einsame, weil bereits gegnerlose Angelegenheit. Selbstverständlich ist die fehlende Satisfaktionsfähigkeit

go hu 2

der Konkurrenz dem Oberburgermeister nicht vorzuwerfen. Goldrichtig geht dieser seinen Weg. Zwischenzeitlich sogar - goes vegan – beidbeinig anspielbar.

go hu 1Ganz aktuell erfuhr der Fleischeinkauf im Golden eine Modifikation zu noch mehr Regionalität. Kam das Bio-Rindfleisch bisher aus dem Allgäu, liefert nunmehr – täglich frisch – die biozertifizierte Ingolstädter Metzgerei Joseph Huber das Fleisch (gewolft sowie am Stück) und den Speck. An ihren Zutaten sollt ihr sie erkennen…

go hu 3

23.04.1516: “dan allain Gersten/Hopfen/un wasser/genomen”

Segel setzen in Sachen Bier. Der Wind steht günstig. Die feine Braukunst Live! 2014 in München hat in dritter Auflage einen weiteren Besucherrekord verzeichnet – das Thema schäumt über!

Ingolstadt fängt an, die Signale zu hören. Ingolstadt? Hier wurde die weltweit älteste bis heute gültige lebensmittelrechtliche Bestimmung erlassen: Das Bayerische Reinheitsgebot für Bier! So geschehen auf dem Landständetag an Georgi, dem 23. April 1516, durch den damals Bayern regierenden Herzog Wilhelm IV. Und vor den Stadttoren liegt das größte Hopfenanbaugebiet der Welt. Was für Steilvorlagen! Diese Umstände würdig und wertig in Szene zu setzen, gelang aber bis heute leider nicht wirklich. Das “Georgi-Fest” war nicht mehr als ein viertelherziger Versuch. Fast bezeichnend wurde dann auch das Rennen um die Landesausstellung 2016 (500 Jahre Reinheitsgebot!) an das niederbayerische Aldersbach verloren…

Heuer (25.04. -27.04) nun nimmt die Stadt die Sache selbst in die Hand – Titel: „1516 – Fest zum Reinen Bier“. Marktmeister Marcus Jaud:

1516c

Bespielt wird unter anderem der wunderbare Platz vor der Hohen Schule. Und als Zuckerl öffnet nach über 10 Jahren des Leerstandes die Fasshalle des Georgianums ihre Tore. Unsere Kanzlei  liegt – freilich ohne daran teilzunehmen – im Zentrum (man beachte die gelungene Animation) des Geschehens. Ich erwähne das, weil ich seit Wochen tagtäglich erleben darf, mit wie viel Mühe und Aufwand das Fest vorbereitet wird. Respekt.

Am Freitag um 15:16 (!) Uhr wurde das Reinheitsgebot verkündet:

1516a1516b

Diese Protagonisten seien hiermit und unabhängig der tagenden Festivität wärmstens zu empfehlen. Zum Thema (Schanzer Biertour) und überhaupt (Frankenstein!).

1516i

Die Bäckerei Erhard legt mit dem “1516″ (über das Fest hinaus) ein spezielles Natursauerteigbrot (u. a. mit Einkorn, Emmer und dunklem Weißbier von Herrnbräu) auf. Die beiden Platzhirsch-Brauer Nordbräu und Herrnbräu haben den eigens in gemeinsamer Rezeptur entwickelten Georgi Sud im Tank.

1516f

Sehr angetan bin ich von der Idee, weitere regionale Brauer in die Geschichte mit einzubinden. Gut so! Mit ihren Ausschänken erfreuen uns deshalb auch Schwalbenbräu (Impresario Marco Dombek himself am Zapfhahn – es läuft das Unfiltrierte):

1516k

Gutmann:

1516e

Graf Toerring/Hofbräuhaus Freising:

1516g

Und das Riedenburger Brauhaus:

1516d

Die Verköstigung hat u. a. die Familie Mödl (Schutterhof) übernommen. Fleisch und Wurstwaren kommen von der Metzgerei Joseph Huber:

1516j

Viel Qualität vor der sattsam bekannten Quantität… Danke. Für mich ist es ein Anfang. Ein gelungener! Nun bin ich gespannt wie es weitergeht. So gibt es viele weitere wunderbare Brauereien im Umfeld (Juliusbräu, Schneider, Lammsbräu, Schattenhofer, Otten, etc.)…

Und es pulsiert eine über das Mittelalter, Gauckler-Tralala hinausgehende, spannende Bierszene (siehe oben den Hinweis auf die Braukunst Live!). Biervielfalt in allen Facetten (aber ohne Fernsehbiere) wünsche ich mir für meine Geburtsstadt und die des Gebots von 1516.

Mit einem Blick auf z. B. die fantastischen Hausbiere von Stiegl darf, soll und muss man (aber) auch das Gebot selbst diskutieren… Die löblich gemachte slowbier dümpelt in Oberfranken vor sich hin – eine 5. Auflage steht in den Sternen. Fortsetzung, Einbindung in Ingolstadt…?

Wisst Ihr was ich jetzt mache? Ich gehe noch auf eine Halbe rüber!

Golden goes vegan

Das Golden – Ingolstadts Nabel der Burger in der Kupferstraße 28 – liegt mir bekanntlich am Herzen (guckst Du hier und da).

Spätestens in der Fastenzeit könnte man doch mal die köstlichen Kreationen mit Bio-Rindfleisch an der Seitenauslinie belassen und mit den feinen Veggie-Varianten Italy (Mozzarella, Basilikum, Tomate und Sonnenblumenkerne) oder Cheesy (Halloumi, Avocado, Rucola und Tomate) trotzdem in Ballbesitz bleiben?!

vegan

Seit heute Abend ist die Mannschaft nun endgültig unschlagbar. Auf dem Platz steht nämlich mit dem Green der erste vegane Burger des Hauses!

vegan3

Die handgemachten, frischen Patties bestehen u. a. aus Grünkernschrot, Sellerie, Gelben Rüben, Zucchinis, Zwiebeln, Sonnenblumenkernen, Haferflocken, frischen Kräutern (Basilikum, Petersilie) und getrockneten Tomaten.

vegan4

Zwischen die angerösteten Brotscheiben (mit Olivenöl bestrichen) kommt Eisbergsalat, Rucola, Tomaten und – für mich die Krönung der Veranstaltung – Rote Rüben.

vegan5

Schmeckt exzellent – probierts es, dann spürts es!

By the way. Nimmt man sich im Golden was mit, gerät man mit sämtlichen Verpackungen nicht ins Abseits:

vegan2

Goldene Zeiten!

Ingolstädter Oberburgermeister: Golden!

Die besten Burger in Ingolstadt, so habe ich im Sommer 2011 hier geschrieben, gibt es im Golden. Davon ist nichts zu revidieren. Im Gegenteil! Das Golden hat sich kulinarisch in eine Richtung (weiter)-entwickelt, die beachtlich ist. Wir haben hier ein Musterbeispiel dafür, wie es Schritt für Schritt möglich ist, das Gastro-Elend der Stadt hinter sich zu lassen.

Zur Erinnerung: Im November 2010 eröffnete Wolfgang Kratzer in der Kupferstraße 28 sein Golden. Von Beginn an, setzte er zwei Schwerpunkte. Das Ambiente.

burger2

Und die ausschließliche Verwendung von Bio-Rindfleisch für die Burger. Sehr positiv ist mir ebenfalls gleich aufgefallen (der Slow Foodler kann nicht anders), dass er die Burger-Brötchen von der kleinen familiengeführten Bäckerei Mirz in Zuchering fertigen lässt. Wer so was macht, ist eh auf dem Weg…

burger1

In der Folgezeit sind wir oft zusammen gesessen. Und Freunde geworden. Immer wenn ich Wolfgang mein Herz in Sachen gutes Essen ausschüttete, hat er sehr aufmerksam zugehört und viele, viele Fragen gestellt. Von Zeit zu Zeit konfrontierte er mich dann mit hocherfreulichen Neuerungen. So flog relativ bald das Fernsehbier Heineken (kalt, gelb und nass reichen einfach nicht) aus dem ansonsten feinen Biersortiment des Golden. Zum Bio-Rindfleisch Discounter-Speck? Nicht mehr. Der Speck hat zwischenzeitlich, wie das Fleisch, eine Bio- oder Naturlandzertifizierung. Auch das Palmöl zum frittieren blieb auf der Strecke. Die Kartoffelstifte brutzeln seitdem in Sonnenblumenöl.

Und dann ging es Schlag auf Schlag. Ich möchte dabei keinesfalls unerwähnt lassen, dass hierzu der äußerst positive Einfluss von Gisela (Gisi) Braun – sie ist dem Golden in besonderer Form verbunden -  ebenfalls Wirkung zeitigte. Die Currywürste kommen nunmehr vom Ingolstädter Metzgermeister Joseph Huber. Die Eier, das Gemüse (soweit saisonal irgendwie möglich) und – was mich besonders freut – das Huhn vom Heindl-Hof aus Gerolfing. Applaus, Applaus! Am kommenden Freitag (23.08.) ist die kurze Sommerpause im Golden zu Ende. Dann erwarten den Gast (endlich) Informationen, die den Unterschied ausmachen:

burger11

Neben dem in jeder Hinsicht konkurrenzlosen “Krabby Patty” von Mr. Krabs (in SpongeBob) hat in unseren Breiten ein Crab-Burger (bisher auf der Golden Tafel) wenig Sinn. Wolfgang Kratzer bastelt deshalb derzeit mit Hochdruck an einem Fisch-Burger. Ein Prototyp mit geräucherten Forellen- und Saiblingsfilets (Aquakultur aus der unmittelbaren Region) hat mir schon mal ausgezeichnet gemundet – wir dürfen gespannt sein…

Nennen wir sie Baustellen. Produkte im Golden mit noch Luft nach oben; z. B. der Käse…

Das Golden ist inzwischen – wahrscheinlich aber schon immer – ein Gesamtkunstwerk. Aber seht selbst:

burger3

***

burger6

***

burger4

***

burger9

***

burger5

***

burger7

***

burger10

***

burger8

Aus den USA hat sich Wolfgang Kratzer dieses Jahr zwei Army-Trucks organisiert und mit viel Einfallsreichtum und in akribischer (eigener) Kleinstarbeit zu Golden-Food-Trucks umgebaut. In voller Montur war der erste beim vergangenen Bürgerfest im Einsatz:

fest6

***

fest3

***

fest1

***

fest2

***

fest5

***

fest4

Wer nach sich keine Sintflut ausmacht und noch dazu ein Stück Selbstachtung hat, wird zum Ergebnis kommen (müssen), dass es in Ingolstadt nur einen Burger-Laden gibt. Bei solchen Sätzen irre ich mich übrigens wahnsinnig gerne! Allein schon der lieben Vielfalt wegen. Wer also außer dem Golden noch einen kennt, möge ihn mir bitte, bitte mitteilen.

Für bald drei Jahre goldene Zeiten ein sehr herzliches Dankeschön!

fest7

Golden. Kupferstraße 28, 85049 Ingolstadt. Tel: 0841-95399877.

Update (12.09.13): Und endlich gibt es jetzt auch eine Website. Gleich zwei! Zum Lokal und zu den Burger-Bussen.

Update (07.03.14).

Springinkerl – die erste Installation

Danke Donaukurier! Im heutigen Lokalteil berichtet (“Ein Herz von Schwirbel”) Michael Brandl von einem neuen Auftritt des Springinkerls (ich bleibe bei meinem Namen für das Kerlchen).

Einem gänzlich Neuen. Die mögliche Transformation zu seiner Dreidimensionalität wäre damit eingeläutet. Als Untergrund dient eine herzförmige Leinwand. Die so gewonnene Mobilität lässt ihn den ältesten Brunnen der Stadt besteigen. Dort thront er aufgespießt am Schwert von Kaiser Ludwig dem Bayern. Sehr viel Platz für Interpretationen!

Er bekommt in meinem Werkverzeichnis (alle von extra prima good dokumentierten Erscheinungen in Ingolstadt) die Nr. 132:

herzspring2

132 “Paradeplatz”

herzspring1

Ein Blick nach Leipzig zeigt, dass er auch dort weiter aktiv ist. Die entsprechende Facebook-Seite zeigt ein Update vom vergangenen Samstag. Das beflügelt die Nachahmer-Theorie. Oder ist es doch ein Pendlerschicksal?

Die bemerkenswerte Vorstellung vom Ludwigsbrunnen lässt aus meinem Archiv die bisher unveröffentlichten drei Auftritte 129-131 purzeln:

129-130 Sauerstraße

129-130 “Sauerstraße”

131 Schloßlände

131 “Schloßlände”

Und es gibt einen zweiten Indoor-Auftritt. Ein Zutrag von Olli (Danke!) – gefunden in der Herrentoilette des Swept away:

swept away

Mehr Installationen bitte!