Lieblingskoch II

Heute also die hier versprochene Fortsetzung: Slow Food Messe. Genuss mit Herz und Verstand. Stuttgart. Eigentlich sollte es nicht schwierig sein zu wissen, wen ich angerufen habe… Bereits gute 14 Tage nach Geburt des Blogs hat sich extra prima good seiner schon angenommen. Wer es gar nicht aushält – schaut hier.

Ein Bilderrätsel gefällig? Hätte nicht gedacht, dass Hans Rosenthal hier mal durch die Zeilen geht… Also gut. Da ist er:

Ein Mann mit Standpunkt. Mit beiden Beinen auf dem Boden. Seeehr geerdet.

In der Bildmitte das Schienenbett der “Zacke”. So heißt im Volksmund die 128-jährige Zahnradbahn Stuttgart. Diese überwindet auf einer Streckenlänge von 2,2 km – Haltestelle Marienplatz bis zur Haltestelle Degerloch – knapp über 200 Höhenmeter. Wer zu ihm will, muss sich nach oben begeben.

Termin für 12:15 Uhr. Noch etwas hin. Zusammen mit Matthias, der mich zur Slow Food Messe und zum Bloggertreffen begleitete, stiefeln wir den Streckenverlauf der Bahn erst einmal hinunter. In weiten Teilen hat man dabei rechterhand einen herrlichen Blick auf Stuttgart. Die Sonne scheint. Unten angekommen, erkunden wir mit wachsender Vorfreude das kurzweilige Heusteigviertel. Gegen 12 Uhr steigen wir dann am Marienplatz in die Zacke. War klar, dass wir die ausprobieren! Ich nenne jetzt mal unsere Zielhaltestelle und zeige das zweite Bild. Wielandshöhe:

Noch jemand nicht im Bilde?

Er ist es jedenfalls. Und wie! Er kocht, metzgert, backt, imkert, schreibt, verlegt, studiert (immatrikuliert an der Hochschule für Musik Stuttgart), musiziert natürlich, bloggt, schießt Bogen, motorradelt, paddelt – ein wunderbarer Gedankengang des Schriftstellers Robert A. Heinlein kommt mir in den Sinn. Dieser schließt nach einer Aufzählung von Fertigkeiten, zu denen ein Mensch in der Lage sein sollte, mit den Worten “Spezialisierung ist etwas für Insekten”…

Wir steigen aus, atmen noch einmal durch. Der Blick von hier oben ist wirklich schön. Die Kirschbäume blühen. Dann betreten wir in angenehmer Spannung und mit einem Lächeln das feine, weiße Gebäude gegenüber der Haltestelle. Seit 1991 residiert er hier. Es ist 12:15 Uhr. Wir sind zu Gast bei:

Vincent Klink

Es gibt Essplätze, da bin ich mit dem fotographieren mehr als sparsam. Es ist ein Gefühl, dass es gerade nicht passen würde… Zuletzt hatte ich es hier. Und auch heute gab ich dem Gefühl nach. Gerne verrate ich aber, was uns gereicht wurde:

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Zweierlei Sorten frisches, warmes Brot/leicht gesalzene Butter (wohl Rohmilchbutter)

Lauch-Quiche - Gruß aus der Küche (Hausklassiker)

Hausgemachte Lammbratwurst (nach Art einer Merguez) auf Fregola Sarda - 2. Gruß aus der Küche

Salat vom Kalbskopf/Bordeaux-Vinaigrette/Grüner Salat
2010/Der Löwe von Schaubeck, Weingut Graf Adelmann/Kleinbottwar, Württemberg

Velouté von Brunnenkresse/Geräucherte Bachforelle

Gebratenes Schwarzfederhuhn/Amalfi-Zitronensauce/Glasiertes Gemüse/Butternudeln
2008/Viré Clessés, Domaine Valette/Burgund

Geeistes Basilikum mit Zitrus - 3. Gruß aus der Küche

Valrhona Schokoladentarte/Mangosalat/Mangogranité
1991/Banyuls Grand Cru, Cuvée Réservée/Domaine Létoile, Frankreich

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Es gibt schlechtere Tage… Im hellen, zeitlos frisch wirkenden Restaurant herrscht eine angenehm unaufgeregte Atmosphäre. Alles geckenfrei. Drei Stunden waren wir da. Das Essen? Appetitlich, wohlschmeckend, vorzüglich! Und ausgezeichnet. Seit 1998 – im Jahr 2001 pausierend – mit einem Michelin-Stern.

Das mit den Sternen ist sicher keine einfache Sache. Da gibt es Gäste, die sich einfach am Leben erfreuen wollen – und es tun. Getreu dem weisen Satz von Lawrence Durrell: “Das Glück beruht oft nur auf dem Entschluss, glücklich zu sein”. Weiter gibt es Gäste, die sich einschränken (müssen) um sich dann etwas Besonderes zu leisten. Und welche mit Wertschätzung für gute, saubere und faire Produkte und echtes Küchenhandwerk. Schließlich Genießer, die auch mal auf ein Opfer verzichten können…

Es tummeln sich aber in diesem Umfeld eben auch andere. Mühsame Zeitgenossen. Kenner und Schmecker (gern selbsternannt) fahren lange Strecken auf der Suche nach dem Haar in der Suppe oder der Hoffnung nach Korkgeruch. Dann die Sorte der Wellenreiter. Diese haben gerade kollektiv das Reagenzglas wieder in den Schrank gestellt. Die Totalsaturierten, denen nur noch Provokationen (kurzfristig) helfen. Und am liebsten habe ich jene, die beim Essen “herausgefordert” werden möchten. Vielfach auch Anhänger von Arnold Schönberg, der Zwölftonmusik…

Ach was solls – es lebe die Vielfalt! Auf der anderen Seite der Fahnenstange lauert schließlich die uniformiert, industrielle Systemgastronomie… In der guten Mitte, gerade auch in der eigenen Mitte, ruht Vincent Klink mit seiner schönen Philosophie: ” Vom Einfachen das Beschte.” Ich mag den Typen. Und wie! Slow Food Mitglied ist er auch noch…

Habt ihr das kleine Foto oben mit ihm vor seinem Rechner gesehen? Es gibt es wirklich – das kleine Kabuff am Ende seiner Küche. Hier sitzt er und befüllt seinen Blog/sein Tagebuch, das zu meinen regelmäßigen Pflichtlektüren gehört. Bei seinem zweiten Rundgang durch sein Reich kamen wir an unserem Tisch ins Gespräch. Wohl von Blogger zu Blogger :-) hat er mir dazu Zutritt gewährt. Dabei erwähnte er auch ein beabsichtigtes Konzert zum Jahresende hin – im hoch geschätzten Neuburger Jazzclub Birdland. Erst ab 47 Grad Fieber werde ich an diesem Abend zu Hause bleiben…

Mit einem sehr breiten Grinsen haben wir die Wielandshöhe verlassen. Um wieder zu kommen.

Klink regt an. So veranstaltet Petra Hildebrandt in ihrem Blog Foodfreak das Jahresprojekt “Koch den Vinz“. Klasse!

Nehme mir hiermit fest vor, auch (wenigstens) ein Rezept nachzukochen und hier darüber zu berichten. Meine einschlägige Literatursammlung habe ich mir dazu schon mal hingelegt:

Übrigens – nach diesem Wochenende hat mein Begleiter Matthias endgültig beschlossen auch einen Blog zu starten. Gut so – bin sehr gespannt!

Restaurant Wielandshöhe
Inhaber: Vincent Klink
Alte Weinsteige 71 , 70597 Stuttgart

Lieblingskoch

Er hat noch nie für mich gekocht. Trotzdem hat er mich schon unzählige Male aufs befriedigendste gesättigt. Der Mann macht Musik, er jazzt mit dem Flügelhorn, schreibt Bücher – auch Kochbücher – verlegt eine Zeitschrift „Häuptling Eigener Herd“, gartelt, imkert, lebt angenehm intensiv.

Ja und natürlich kocht er. In seinem Laden, dem “Restaurant Wielandshöhe“ in Stuttgart. Sein Name: Vincent Klink. Er wird für mich kochen. Ganz sicher. Bis dahin labe ich mich an einer meiner Lieblingswasserstellen im Netz – seinem Online-Tagebuch. Wunderbarer Stoff. Immer wieder.

Nachtrag (26.04.2012): Es ist geschehen.