Schnecken auf der Rennstrecke

Entschleunigung: Die AVUS (Automobil-Verkehrs- und Übungs-Straße) in Berlin – konzipiert als Rennstrecke – wurde 1921 für den Verkehr freigegeben. In den 30er Jahren duellierten sich hier die berühmten Silberpfeile von Mercedes-Benz und Auto Union. 1959 wurde auf der Strecke der Große Preis von Deutschland ausgetragen. Seit Mai 1989 gilt auf der AVUS ein Tempolimit von 100 km/h. Schließlich bevölkerten am vergangenen Samstag wieder die Schnecken das Restaurant AVUS im Ingolstädter Audi Forum. Die Schnecke ist Sinnbild der Slow Food-Bewegung. Wieder? Unter dem Titel „Die Region zu Gast“ waren sie schon einmal im Mai (Spielplan) da.

avus1avus2Zu köstlichen Brotschmankerln mit Fisch (Fisch Jakob/Mühlhausen) und Wild (Köschinger Waldhaus), sowie einem ausgezeichneten Weißwein-Aperitif mit Wermut (Brennerei Kramlich/Königsmoos), gab es am Beginn des Abends kurzweilige Informationen von Klaus Kürzinger und Thomas von Großmann (Convivium Ingolstadt) zu den Ideen von Slow Food.

avus3Dies setzte sich zwischen den einzelnen Gängen fort – mit Wissenswertem zu den Erzeugern, zu den Produkten und den sie korrespondierenden Weinen.

avus4Küchenchef Michael Russ ist ein wunderbares Menü gelungen! Ente, Kartoffel (Bamberger Hörnchen), Zwiebel, Kürbis und Quitte kamen vom Heindl Hof/Ingolstadt. Der Honig vom Bienenhof Pausch/Scheyern.

Besonders genehm empfand ich die wohltuende Anwesenheit von Marianne (mit stilgemäßer Halskette!) und Walter Jakob – den Karpfenzüchtern aus dem Aischgrund. Vom Anbau des Futtergetreides bis zum Verkauf der Fischspezialitäten wird die gesamte Wertschöpfungskette der köstlichen Produkte von den Jakobs im eigenen Betrieb erledigt.

Bereits 2008 besuchte Slow Food Ingolstadt (Bericht) die mittelfränkische Teichlandschaft und widmete sich ausgiebig deren (heillos unterschätzten!) Brotfisch.

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von links nach rechts: Uwe Seifert (Gastronomy Director), Walter Jakob (Fisch Jakob), Thomas von Großmann (Slow Food Convivium Ingolstadt), Marianne Jakob (Fisch Jakob), Klaus Kürzinger (Slow Food Convivium Ingolstadt), Michael Russ (Küchenchef) und Anja Taube (Leiterin Restaurant).

Ob es eine dritte Ausgabe „Die Region zu Gast“ geben wird, steht für mich außer Frage – was dabei aufgetischt wird? Das bleibt spannend. In jedem Fall aber gutes Essen!

Slow Wine

Seit der 3. Auflage (2013) gibt es vom italienischen Weinführer „Slow Wine“ (Slow Food Editore) eine Ausgabe in deutscher Übersetzung (Hallwag Verlag):

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Den italienischen Wirtshausführer „Osterie d`Italia“ (Slow Food Editore) gibt es bereits seit 1990 und ab 1993 in deutscher Übersetzung. Bekanntlich kam vor 3 Wochen mit dem „Genussführer“ erstmals ein von Slow Food Deutschland (oekom Verlag) erstelltes Verzeichnis von anständigen Wirtshäusern hierzulande auf den Markt. Getreu dem schönen Satz im Vorwort „Die Schnecke hält ihre Fühler ausgestreckt“ gilt es jetzt weitere Schätze zu heben (300 Empfehlungen in Deutschland zu über 1.700 in Italien!). Die Ingolstädter Testgruppe jedenfalls hat für die zweite Auflage den ein oder anderen hoffnungsvollen Kandidaten bereits ausgemacht…

Und ich vertraue darauf, dass es jetzt nicht auch 20 Jahre dauert, bis es einen „Slow Wine Führer Deutschland“ gibt. Der Anfang ist nämlich schon gemacht! Ulrich Steger und Kai Wagner haben sich in ihrem Buch „Die Avantgarde der deutschen Winzer“ (2013/oekom Verlag) zum Thema Slow Wine ausführlich gute Gedanken gemacht. Herausgekommen ist – so habe ich das Buch aufgenommen – eine Diskussionsvorlage. Zum Beweis der Tatsache, dass Qualität (insbesondere) Zeit braucht, werden 44 deutsche Winzerpersönlichkeiten in den Zeugenstand gerufen:

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Weil man sie an ihren Früchten erkennen soll, hat sich der Weinstammtisch des Slow Food Conviviums Ingolstadt bei seinem letzten Treffen einige Gewächse von Slow Wine Erzeugern hingelegt:

Wagner-Stempel: Siefersheimer Riesling vom Porphyr 2011 und Scheurebe Trocken 2011, A. Christmann: Riesling Reiterpfad GG 2008, Danner: Grauburgunder Typ zwei 2010, Corvers-Kauter: Riesling Vom Schiefer-Berg Rottland, 2011, Fürst: Riesling Centgrafenberg 2008 und Seeger: Weisser Burgunder 2012.

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Es war ein langer Abend. Will sagen, auch wir haben uns Zeit gelassen…

Gute Karten muss man haben

Heißt es eigentlich Speisekarte oder Speisenkarte? Beide werden einem vorgelegt. Es ist häufig eine Freude zu erfahren wie Menschen sich in Dinge (gerade auch in jene) reinknien können. So finden dieserlei Fragen für gewöhnlich bei „Bellles Lettres – Deutsch für Dichter und Denker“ gute Antworten. Zur Ausgangsfrage lautet sie – Speisekarte – seht und hört selbst.

Nach der Bestellung wird einem – meine persönliche Beobachtungsquote dazu liegt deutlich über 95 % – die Karte akut(!) wieder weggenommen. Warum eigentlich? Ich habe das nie verstanden, empfinde es zumeist sogar als störend. Von wo sind noch einmal die Kartoffeln? Wie heißt der Winzer? Welches Bier könnte mir jetzt noch schmecken? Man denke alleine an den Nachtisch… gerne habe deshalb die Karte in Griffweite.

Kommen wir zum alles entscheidenden bei der Speisekarte. Der darin getroffenen und gebotenen Auswahl. Wohl dem, der wie ich am vergangenen Mittwoch in so etwas blicken durfte:

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Alleine dafür sollte eine Kniebeuge drin sein!

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beckerwirt III

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So zieht der Böhmfelder Beckerwirt seine Fahne hoch! Er gehört zur grundanständigen, feinen Gemeinschaft der Wirtshäuser, die Slow Food Deutschland in sein Genussführerprojekt aufgenommen hat. Gute Nachrichten: Dieses wird am 30.09.2013 erstmals als Buch im Handel zu haben sein!

Das Convivium Ingolstadt hat bisher vier Häuser – leider keines aus Ingolstadt selbst – dazu empfohlen. Seit letzter Woche sind es jetzt fünf. Neu aufgenommen das – von Alexandra und Uwe Rühl bewirtschaftete – Köschinger Waldhaus. Herzlich willkommen und Respekt für Euer Schaffen!

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Eine Kritik zum Waldhaus findet sich auch in der Genussführer-Datenbank. Diese wird aber nach Erscheinen der Buchausgabe, zumindest in dieser Form, vom Netz genommen. Wenn ich demnächst den Genussführer-Aufkleber den Rühls vorbeibringe, werde ich hier weitere Eindrücke loslassen.

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