Erster Spargel 2012

Kleiner Einkaufsratgeber – Kategorie: Sehr wichtig und dabei erfreulicherweise ganz, ganz einfach. Kauft (nur) Essen, das Saison hat! Verabschiedet Euch vom Prinzip des globalen Lebensmittelhandels „Alles gibt es immer“ zugunsten eines „Alles zu seiner Zeit“. Essen im Lauf der Jahreszeiten. Von Vorfreude zu Vorfreude. Die Waren sind auf den Punkt reif, frisch und damit geschmacklich auch am besten. Durch das große Angebot sind sie sogar günstig(er).

Kauft (soweit möglich) Essen, das aus eurer Region kommt. Damit kauft man übrigens automatisch saisonal. Und hat die schöne Möglichkeit an der Quelle (Direktvermarkter/Wochenmarkt) zu agieren – Fragen, Antworten, Interaktion von Mensch zu Mensch. Das Essen bekommt ein Gesicht (zum tausendsten Mal: „Shake the hand that feeds you“). Lange Transporte werden vermieden. Die Wertschöpfung verbleibt in der Region.

Was geschieht, wenn Menschen nicht (mehr) saisonal und regional einkaufen, lässt sich sehr beeindruckend in Augenschein nehmen. Ich bin mir sicher, der ein oder andere wird dabei blass. Also: Google Maps einstellen. In die Suchzeile – El Ejido – eingeben. Das ist eine Stadt an der südspanischen Küste in der Provinz Almería. Besser bekannt als „Plastic-city“ oder „Mar del Plástico“. Jetzt die Maps-Funktion „Satellit“ aktivieren. Was ihr seht ist kein Schnee… viel „Spaß“ beim zoomen und entdecken… Es bedarf wohl keiner außergewöhnlichen Fantasie sich vorzustellen, was in der weltweit größten Anbaufläche unter Folie in Sachen Wasserknappheit, Düngung und Pestizideinsatz so abläuft. Hinzu kommen die transportnotwendig eingesetzten Fungizide.

Dieses Jahr schon „frische“ Tomaten gegessen? Oder „frische“ Erdbeeren? Alles klar?!

Beim Spargel bleibt die Sache – aus Ingolstädter Sicht – sehr einfach. Wir sind liebevoll umarmt von den beiden Spitzenanbaugebieten Abensberg und Schrobenhausen. Das zur Regionalität. Bei der Saison heißt es – wie immer – abwarten zu können. Ich habe dazu letztes Jahr im Artikel Spargelzeit meinen Gefühlen bereits freien Lauf gelassen…

Unseren Spargel beziehen wir von den Rehms. Seit dem 26. April diesen Jahres stechen die ihren folienfreien Freilandspargel. Er wächst plastikfrei langsamer und ist darum meiner Meinung nach geschmacklich intensiver. Für einen Slow Food Freund eine Steilvorlage. Und der Beweis, dass man aus dem Beschleunigungszirkus mit Gewinn aussteigen kann. Fast alle Spargelbauern arbeiten heute mit Folie. Den ersten reicht das schon wieder nicht mehr. Sie drehen die Schraube weiter an. Ihre Felder werden mit Rohrleitungssystemen versehen und bereits ab Mitte Januar beheizt… Maßloser Wahn! Gespürverlust für Natur und ihre feine Balance. Für was? Um mit griechischen oder gar peruanischen Spargelbauern, die mit ihren Produkten etwas früher am Markt sind, zu konkurrieren? Statt selbstbewusst seine Stärken (Heimat und Geschmack) zu stärken… Dem Kunden – der alles sofort will – mal eine klare Ansage zu machen… Rückgrat bräuchte man halt.

Es gibt schöne Gegenbewegungen. Hut ab z. B. vor den Starks, den Wirtsleuten vom gleichnamigen Gasthaus in Wolkertshofen! Sie haben nicht wenigen Anfragen widerstanden und auf die Rehms – besser auf die Natur – gewartet. Seit dem 27. April  haben sie Spargel auf ihrer Karte.

Moritz hat mich nach Linden bei Schrobenhausen begleitet. Zuerst sind wir kurz zum Rehm-Feld. Fürs Auge. So schön könnte ein Spargelfeld eigentlich aussehen – zum Spargeltanz schön:

Um die Ecke hat ein Bauer zwei junge Bunte-Bentheimer oder Schwäbisch-Hällische Ferkel im Freilauf. Sie sind für die korrekte Bestimmung und auch für die Kamera zu schnell in den Stall geflitzt. Beim nächsten Besuch kriege ich sie vor die Linse! Händeschütteln 🙂 mit Christine und Josef Rehm. Beuteschwer nach Hause.

Sauce Hollandaise gerührt. Schinken. Ein Aufheller aus Wien. Den guten, weil regionalen Spargel, beziehen die Wiener vom Marchfeld.

Spargel gibt es noch bis zum Johannistag (24. Juni). Auch wenn man unsinnigerweise schon im März mit seinem Verzehr angefangen hat…