Marginalie (56) – Oscar der Landwirtschaft

Bei so viel Lob und Superlativen hier im heutigen Donaukurier – dazu bei einem Leib- und Magenthema von mir, der Landwirtschaft – ist mir gleich richtig warm ums Herz geworden!

Ein Schweinehalter bei Eichstätt wird zitiert: „Das Tierwohl ist uns sehr wichtig“ … deshalb baute er einen Schweinestall „mit besonders artgerechter Tierhaltung“. Nun wurde er für „die bedeutendste Auszeichnung in der Landwirtschaft im deutschsprachigen Raum“ vorgeschlagen, den „Oscar der Landwirtschaft“ … „Schon die Nominierung gilt als so etwas wie ein Ritterschlag“ … und er „zählt damit schon jetzt ‚zu den 33 besten Landwirten im deutschsprachigen Raum‘, wie der Veranstalter mitteilt“. Die Rede ist vom sogennanten „CeresAward“. Vergeben wird dieser von „agrarheute“, einem Medium des Deutschen Landwirtschaftsverlags. Schirmherr der Geschichte ist Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes…

Ernüchterung kommt bereits bei den beiden den Artikel begleitenden Fotos auf. Spaltenböden. Kein Stroh. Kupierte Schwänze. Zur Meidung von Missverständnissen: Das ist hinlänglich praktizierte industrielle Landwirtschaft – nicht weniger aber auch nicht mehr! Der genannte Landwirt ist mit Sicherheit kein Negativbeispiel seiner Zunft. Wie man damit aber zu den handverlesen besten Landwirten im deutschsprachigen Raum aufsteigt, ist mir mehr als schleierhaft. So wie Loriot unnachahmlich feststellte „Ach das ist gestreift?!“ mag man sich sagen hören „Ach das ist besonders artgerechte Tierhaltung?!“

Es wäre schön gewesen, wenn der Donaukurier hier die PR-Kulissen für die schöngesprochene „Modere Landwirtschaft“ ein wenig zur Seite geschoben hätte. Dann wäre er der Frage nachgegangen, gemäß welchen Kriterien man für den „Oscar der Landwirtschaft“ vorgeschlagen wird. Von wem? Und wer überhaupt zum Auswahlkreis gehört. Ein zukunftsweisender, hoffnungsmachender Wettbewerb scheint es nicht wirklich zu sein. Ich bleibe zur Einfachheit gleich mal in der Region. Wann ist z.B. diese Bauernfamilie aus Thalhof bei Pfaffenhofen beim Rennen in der „Kategorie Schweinehalter“ ausgeschieden?

(55) – Marginalie – (57).

Marginalie (55) – Kompass und Leuchtturm

Eine wunderbare Weisheit ist mir dieser Tage (wieder) begegnet. Beim Blättern in einem Reisebuch. Auf einem Foto darin trug sie ein junger Mann auf seinem T-Shirt. Sie stammt von Robert Baden-Powell, dem Gründer der Pfadfinderbewegung. Manchmal braucht man einen Kompass, einen Leuchtturm. Hier ist einer:

Im Original lautet das Zitat: „But the real way to get happiness is by giving out happiness to other people. Try and leave this world a little better than you found it“. Ich habe es gleich mal auf der Seitenleiste (rechts) des Blogs festgenagelt.

Dieser Stunden hat der Weltbiodiversitätsrat der Vereinten Nationen einen Bericht zur globalen Artenvielfalt veröffentlicht. Sein Tenor: Die Zahl der Arten nimmt drastisch(!) ab – rund eine Million ist vom Aussterben bedroht. Schuld daran ist der Mensch.

(54) – Marginalie – (56).

Marginalie (54) – Bitte nennt es nicht Frankenstein!

1994 saß ich in einem Kino in New York. Es lief der Film „Mary Shelley’s Frankenstein“ (Regie: Keneth Branagh). Als die Handlung zum ersten Mal in eine kleine Stadt an der Donau führte, stand brettlbreit auf der Leinwand „Ingolstadt“. Wenn ich es auch nicht kontrollieren konnte, ich bin mir absolut sicher, ich hatte als einziger im Saal ein breites Grinsen im Gesicht. Für einen kurzen Moment fühlte ich mich ganz persönlich, selbst im Big Apple, sehr bedeutend.

Im Strafrecht gibt es die sogenannte Garantenpflicht. Sie bezeichnet die Verpflichtung, dafür einzustehen, dass ein bestimmter tatbestandlicher Erfolg nicht eintritt (§ 13 StGB). Sie ist Voraussetzung für eine Strafbarkeit wegen Unterlassens. Die verpflichtete Person heißt Garant. Jetzt lassen wir das Strafgesetzbuch einmal beiseite, halten aber die Idee der besonderen Pflichtenstellung weiter hoch. Sie trifft – wie ich finde – jeden Ingolstädter aus enger natürlicher Verbundenheit seiner Heimatstadt gegenüber und verdonnert ihn als Beschützergarant zum Einschreiten, zum Handeln, wenn er einer unreflektieren Verwurstelung gewahr wird.

Es gilt nämlich zwei verschiedene Figuren sauber auseinanderzuhalten (was an diesem Wochenende nicht einmal dem Donaukurier gelingt). So wie sie sich Mary Shelley – die Autorin des 1818 erschienenen Romans „Frankenstein oder der moderne Prometheus“ – erdachte: Einmal den jungen Schweizer Medizinstudenten Victor Frankenstein und zum anderen seine Schöpfung – das Ungeheuer, die Kreatur, den Unhold, das Monster. Einen Namen hat diese nicht und wird im englischen Original auch nur „creature“ oder „daemon“ genannt. Wenigstens der Ingolstädter sollte hier differenzieren, respektive unermüdlich aufklären (Garantenpflicht!). Frankenstein ist kein Synonym für ein Monster. Ein kleiner, wenn auch erster Fortschritt wäre es, wenn es Boris Karloff oder meinetwegen auch Victor Dornberger genannt würde…

Hier kann man das Gruseln lernen: Dr. Frankensteins Mystery Tour. Die Stadt Ingolstadt hat zum Jubiläum 200 Jahre (1818-2018) Frankenstein gleich zwei Broschüren am Start – hier und dort.

(53) – Marginalie – (55).