Von guten Geistern erfüllt

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Nach einer Weile braucht er einen Drink.“ (Woody Allen)

Beim Alkohol halte ich es gleichberechtigt mit Wein und Bier. Spirituosen spielen hingegen nur eine Nebenrolle. Freilich gilt es auch hier Sorgfalt walten zu lassen. Weiß man doch was einen richtig guten Film unter anderem ausmacht: Er ist bis in den Nebenrollen exzellent besetzt! Und so war ich vor einiger Zeit ganz aus dem Häuschen, als ich – noch dazu vor der regionalen Haustüre – die betörenden Destillate der Gebrüder Florian und Philipp Sochatzy entdeckte.

Ihre Manufaktur für Destillate So&So in Eichstätt gibt es seit 2015. Hier entstehen – ausschließlich in Handarbeit – Brände (vergorene Maischen aus Früchten werden destilliert) und Geiste (neutraler Alkohol mazeriert die Aromen aus unvergorenen Früchten).

Ende vergangenen Oktober kam es zu diesem schönen Dreiklang: So&So (Florian in Person, sein verhinderter Bruder Philipp makellos verteten durch seine Freundin Verena Grundler) traf im maletter (Slow Food Genussführer) auf Slow Food Ingolstadt.

Florian Sochatzy

Die offizielle Verkostungslinie bestand in dieser Reihenfolge aus: Dry Gin, Vogelbeere, Zwetschge, Quitte, Cacao und Moro Blutorange. Am Ende dürfte aber jeder glückliche Teilnehmer auch die weiteren Kreationen – So&So rückten mit dem gesamten Sortiment an – probiert haben.

Dry Gin: „Eichstätt ist umgeben von geschützten Wacholderheiden. Dazu gehört die Gungoldiger Heide, in der auf 72 Hektar neben den Wacholdersträuchern auch wilde Rosen, Schlehen und Deutscher Enzian wachsen. Um uns dieser wunderbar eigenwillig-kargen Landschaft auch kulinarisch anzunähern, haben wir einen Dry Gin kreiert, für den wir in Handarbeit die Wacholderbeeren von den gedrungen wachsenden Sträuchern der steilen Hänge ernten. Dieser Gin hat einen sehr langen Wacholder-Nachklang mit harzig-frischen Aromen, wie er nur mit diesen wildwachsenden Beeren entsteht.“ Quelle: www.destillat-manufaktur.de

Verena Grundler

Ich mache es kurz. Mit dem Dry Gin, der Vogelbeere, dem Cacao(!) und der Moro Blutorange hatte ich mit das Beste im Glas, was ich aus diesen Disziplinen kenne. Der Cacao eröffnete gar traumhaftes Geschmacks-Neuland. Sensationell was die Jungs in erst so kurzer Zeit da entwickelt haben! Und gar nicht auszudenken, wohin das noch führen kann. Da bleibe ich gerne dran.

Was gibt es noch zu berichten? Dieser Tage erblickte saisonal passend ein Weizenbock Brand (aus Weißbier der Brauerei Gutmann) das Licht der Welt. Liebe Sochatzy Brüder – ich bitte hiermit darum, mir einen (soweit noch vorhanden…bibber) zur Seite zu legen. Danke!

Demnächst werde ich wie versprochen im Ingolstädter Kapuzinerkloster zu den Quitten im Klostergarten nachfragen. Das wäre was – ein Quittenbrand aus dieser Quelle! Die rundum gelungenen Etiketten auf den Apothekerflaschen hat Cendra Polsner entworfen.

Quitte: „Dieser Obstbrand aus handverlesenen fränkischen Quitten betont die fruchttypischen zitrischen Geschmackseigenschaften. Die Quitten wurden einzeln von den Kernhäusern und Stielen befreit und mit einer Handmühle gemaischt, um jegliche Fehlaromen zu vermeiden. Auch der fruchttypische Flaum wird dabei entfernt, damit seine Bitterstoffe das Quitten-Aroma nicht verändern. Die Kombination aus Süße und Säure der intensiven Quitte verweilt im Gaumen und führt zu einem eleganten, lang anhaltenden Abgang.“ Quelle: www.destillat-manufaktur.de

Vogelbeere: „Ein Vogelbeer-Brand, entstanden aus Mazeration und Destillation im außergewöhnlichen Fruchtjahr 2018. Die Vogelbeeren haben wir auf dem Grundstück eines befreundeten Kochs im Vorarlberg mit der Hand geerntet und einzeln verlesen. Für den Rohverzehr sind die Beeren der Eberesche (Sorbus aucuparia) ungeeignet, destilliert offenbaren sie jedoch ihre charakteristischen Aromen nach Bittermandel und Marzipan. Unserem Vogelbeer-Brand ist es gelungen, diese Aromen in umfassender Milde und Eleganz zu präsentieren, die mit dem Alter noch zunehmen werden.“ Quelle: www.destillat-manufaktur.de

Was gab es zu Essen? Aus der Küche reichte Andreas Hofrichter: Kürbissuppe, Rote Bete Knödel mit Blauschimmelkäse, Walnuss, Blaukraut und Apfel sowie Rinderschulter (ein Traum!) mit Paprika und Fregola Sarda.

Andreas Hofrichter

Cacao Geist: „Auf einer Reise nach Lateinamerika bescherte uns der Zufall eine Begegnung, die uns zu einem neuen Destillat inspirierte. Wir waren beeindruckt von der Qualität eines Kakaos, der in einem sozialen Fairtrade-Projekt in Kolumbien hergestellt wird. So kamen wir auf den Gedanken, die komplexen Aromen der Kakaobohne zu destillieren. Die Idee reifte zu einem Geist mit einzigartig fruchtigen und blumigen Aromen, gepaart mit nussigen und malzigen Geschmacksnoten. Dies ist der charakteristische Geschmack von Fino de Aroma Edelkakao, der ihn von anderen Kakaos rund um die Welt unterscheidet. Die Bezeichnung “Fino de Aroma” ist eine offizielle Klassifizierung der International Cocoa Organization ICCO und beschreibt sein exquisites Aroma und Geschmack. Nur 8% der weltweiten Kakaoernte darf die Bezeichnung Fino de Aroma tragen.“ Quelle: www.destillat-manufaktur.de

Geist der Blutorange Moro: „Eine ganz besondere Art der Blutorange wird an den Hängen des Ätna in Sizilien angebaut und hat weltweite Berühmtheit aufgrund ihres außergewöhnlich ausgeprägten Aromas erlangt: die ‘Moro-Orange’.“ Durch eine glückliche Fügung beziehen wir diese Rarität von einem Biobauern, der uns direkt beliefert. Dadurch werden lange Reise- und Lagerzeiten vermieden. Die Frucht kann damit am Baum ausreifen und ihr volles Aroma entwickeln. Das Mazerat der frischen Zesten wird anschließend zusammen mit dem Saft sehr schonend zu einem klaren Geist gebrannt. Das Ergebnis ist eine üppige Aromenpalette mit fein-floraler Nase. Die ätherischen Öle der Blutorange legen sich sanft auf den Gaumen und entwickeln dadurch ein vollfruchtiges Geschmackserlebnis. Jeder Schluck besticht mit der enormen Aromenintensität und einem nicht enden wollenden Nachklang.“ Quelle: www.destillat-manufaktur.de

Zu guter Letzt: So&So ist der jüngste Slow Food Unterstützer bei Slow Food Ingolstadt. Herzlich willkommen!

Schnipsel 11 bis 15

SCHNIPSEL 11:
Die Wahrnehmung erfolgt im Vorbeifahren nur über die Augenwinkel. Das schöne Motto bliebt hängen. Wenigstens bei mir. Es könnte auch „Tits and Beer“ oder „Tits and Pizza“ lauten. Auf jeden Fall kommt es darauf an, was man daraus macht… Leider bin ich nächsten Freitag nicht in der Stadt.

Es handelt sich übrigens um die Anzeigentafel (schöne alte Schule) der Kunst- und Kulturwerkstatt KAP94 in Ingolstadt – Kaponniere 94, Jahnstraße 1a:

SCHNIPSEL 12:
Wie schlechter Atem verbreitet sich im Vorfeld der Kommunalwahl (15. März 2020) mal hier und mal da die aberwitzige Idee, im Westen von Ingolstadt durch den Donauauwald und/oder Gerolfinger Eichenwald eine Trasse für eine weitere Donauquerung oder Untertunnelung zu schlagen. Man muss diesen Wahn im Auge behalten – auch wenn es nur einige wenige sind, dier hier wieder mal Beton für das geliebte Automobil anrühren wollen:

Wenn das Auto (in Bewegung oder parkend) von etwas zu viel bekommen hat in den letzten Jahrzehnten, dann war das Raum und Platz. Fortbewegung – neben spazieren gehen oder wandern – hier, wo um ein Haar noch vor kurzem ein dritter bayerischer Nationalpark entstanden wäre, kann gerne weiter (nur!) so aussehen:

SCHNIPSEL 13:
Vor drei Jahren habe ich am Zaun der Thomas-Kindertagesstätte in Friedrichshofen diesen guten Rat gefunden. Jetzt gibt es stärkende Worte am Gotteshaus der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Johannes in der Ettinger Straße 47:

SCHNIPSEL 14:
Oide Wiesn München 2019. Im dortigen Museumszelt konnten alle ab 1952 Geborenen ihr Oktoberfestplakat ansehen. Meines (1969) ist so lala… das von 1957 gefällt mir sehr gut:

SCHNIPSEL 15:
Das einen Freud, des anderen End. The famous point of view. Dieses Jahr noch Kirchweih, Martini und Weihnachten… Heute auf dem Heindlhof in Gerolfing:

(6 bis 10) – Schnipsel – (16 bis 20).

Mission Bio-Hendl: Impossible for Ingolstadt

Vor einigen Stunden ging das Ingolstädter Herbstfest 2019 zu Ende. Eigentlich wollte ich dazu schon am Eröffnungswochenende so richtig auf die Pauke hauen. Aus Frust. Sie (da stehen viele Köche am Brei) haben es nämlich wieder einmal nicht geschafft! Eine Abwatschorgie von A bis Z sollte es werden. Allein – ich habe heute keine Lust mehr dazu. Es ist ja auch schon lange alles gesagt – man suche im Blog (rechts oben) nur mal nach „Bio-Hendl“.

Eines will ich mir aber nicht ersparen. Fürs Protokoll die kurze Dokumention des Status quo. Der beharrlichen Verweigerung, oder der schlichten Unfähigkeit – je nach Lesart. Leider macht es ja sonst keiner. Wie viele Schläge der OB beim Anzapfen braucht – das ist der Ingolstädter Presse berichtenswert …

In meiner Chronik gab es zum ersten Mal in Ingolstadt auf dem Pfingstvolksfest 2014 (in einem der beiden Zelte) Bio-Hendl. Beim Stiftl. Ausgerechnet! Ich gestehe – er führt Gastronomie nicht so wie ich es mir wünsche. Um so erstaunlicher, dass gerade er der einzige Lichtblick zum Thema in Ingolstadt ist. Und wohl auch bleibt. Dann war auch schon wieder Schluss mit Hendln, die ein würdiges, umweltverträgliches Leben vor dem Tod hatten. Für ganze vier(!) Jahre (Pfingst- und Herbstfest). Wer andere Information dazu hat – her damit. Zu Pfingsten 2019 war es dann noch einmal so weit – große Freude! Es gab gleich in beiden Zelten Bio-Hendl. Folgende Fragen blieben aber bei mir bis heute unbeantwortet: Warum wurde das von niemandem(!) angekündigt oder beworben? Warum war ein Anbieter (nicht der Stiftl) gar nicht berechtigt (zertifiziert) dazu? Und vor allem – warum gab es nach nur vier Tagen keine Bio-Hendl mehr?

Quelle: www.facebook.com/bioerlebnistage

Jetzt aktuell zum Herbstfest wieder Ingolstädter Tristesse: Keine Bio-Hendl. Beide Festwirte – Familie Lanzl (Herrnbräu-Zelt) und Familie Härteis (Nordbräu-Zelt) – bestätigten mir das im Vorfeld bereits auf meine Anfrage. Pikantes Detail am Rande: Im Herrnbräu-Zelt wurde „Gulasch vom schwäbischen Bio-Rind“ angeboten. Eine entsprechende Zertifizierung ist aber nicht zu finden (z.B. hier) …

Um was geht es mir? Um gutes, sauberes und faires Essen. Und dass das Ingolstädter Volksfest (endlich) seinem Namen gerecht wird. Als ein Volksfest! Als eine Festivität für alle. Ein solches Fest – auch noch von der Stadt(!) selbst veranstaltet – zeichnet sich wie z. B. auch ein bayerischer Biergarten unter anderem dadurch aus, dass Platz für alle ist. Für groß und klein. Arm und reich. Gescheit und nicht so hell. Jung und alt. Dick und dünn. Von hier oder zuagroast. Es sind im Ideal wunderbare Spiegel der Gesellschaft. Das ist hier – man sehe auf das Essensangebot (bei einem Fest nicht unwesentlich) – gerade nicht der Fall. Was ist das unbestritten klassische Getränk auf einem Volksfest? Eine Maß (Bier). Und bei der Brotzeit? Ein halbes Hendl natürlich! Und daran mache ich es nicht nur symbolisch fest. Wer ein konventionelles Huhn bestellen will, soll das weiter tun (wenn sich das auf Dauer die Gesellschaft auch nicht mehr wird leisten können – dazu ist Gesamtbilanz eines solchen Tieres einfach zu desaströs; was die seriöse Politik ganz genau weiß). Aber ist 2019(!) nun nicht endlich auch Platz für ein (ansatzweise) nachhaltig aufgezogenes Huhn? Offensichtlich – Stand heute – immer noch nicht in Ingolstadt. Welche Art von „Vorsprung durch“ soll das sein? Und jetzt komme man mir bitte nicht mit sozialen Fragen! Einmal soll es ja nur die Wahl zum Besseren geben. Und dann gehört Deutschland bekanntermaßen zu den wohlhabendsten fünf Ländern der Welt. Und ausgerechnet Ingolstadt hat in diesem reichen Deutschland nach aktuellen Daten (2019) der Bundesagentur für Arbeit den höchsten Verdienst der Arbeitnehmer im Lande. Man kann allerdings auch mit einem Q8 zum Discounter fahren und dort Bratwürste für den neuen High-End-Grill kaufen …

Wo fehlt der Mut? Ist es überhaupt Mut? Das immer wieder gehörte Argument gegen Bio-Hendl ist: Das bestellt keiner. Na ja – nach vier Tagen war es an Pfingsten bereits aus. Und das haben mir alles Leute gesagt, die danach eines haben wollten. Ganz entscheidend ist aber dieser Gedanke: Diejenigen, die gerne ein Bio-Hendl bestellen und essen wollen, sind in ihrer Mehrheit gar nicht erst vor Ort. Weil sie um das fehlende Angebot wissen. Diese sollten und müssten die Festwirte adressieren (was sie aberwitzigerweise nicht einmal tun, wenn sie eines im Angebot haben…. siehe Pfingsten). Frisches Blut würde dem Volksfest übrigens in jeder Hinsicht gut tun. Bitte dafür auch ein wenig Geduld einplanen. Das neue Angebot muss erst einmal ankommen (und dazu bekannt gemacht werden 😉

An mir soll es nicht liegen. So wie es aussieht, wird Pfingsten 2020 wieder der Stiftl ein Zelt bespielen. Und dort wird es dann wohl Bio-Hendl geben. Alle Hoffungen zum Thema ruhen – wer hätte es sich gedacht – nur auf ihm … Ich gehe in diesem Fall von mindestens drei Besuchen zum Hendl-Essen aus – mit Slow Food Ingolstadt (wie schon an Pfingsten), mit der Kanzlei und mit Familie und Freunden. Und so wie mir geht es nicht wenigen! Wo kann man denn (selbst gemacht mal dahingestellt) in der Region ein knuspriges Bio-Grill-Hendl essen? Das wäre – leider – faktisch ein Alleinstellungsangebot! Sieht das in der Marktwirtschaft denn keiner? Mut? Intelligenz!

Bis dahin geht es halt dorthin, wo man schon lange verstanden hat und wo man ein entsprechendes Angebot macht:

Nachtrag. Gerade gelesen, zum Ende der Wiesn in München: „Was die Speisen angeht, registrierte die städtische Festleitung einen „Trend nach qualitätsvollem Genuss“. Die Wirte stellten eine gesteigerte Nachfrage nach Biokost, regionalen Produkten und vegetarischen und veganen Speisen fest.“ (SZ 06.10.2019)

Nachtrag II. Weils gerade so schön passt! Am Wochenende (05./06.10.19) berichtete (hier) der Donaukurier vom Hagauer Bio-Landwirt (Naturland) Seitz, der die feine Ochsenbraterei auf dem Oktoberfest mit seinen Bio-Kartoffeln beliefert. Ach Ingolstadt …