Fingerzeig (50) – „Ganz Nah“

Nach ewigen Zeiten war ich mal wieder im „Mo“. Die „Neue Galerie“ in der Ingolstädter Bergbräustraße 7 diente in den Jahren rund um mein Abitur – wir schreiben das historische Jahr 1989 – zeitweise als Wohnzimmer für mich (neben Café Melange, Neuer Welt, Eierschale, Cho oder Why Not). Der Kenner nickt, wenn ich jetzt die Liesl Kraus oder den Hundsdorfer Franz nenne. Oder den Karambolagetisch im dortigen Hinterzimmer. Das war mein „Mo“…

Heute Vormittag hatte hier meine Schwester geladen. Zu ihrer aktuellen Fotoausstellung „Ganz Nah“:

In den Kreis „Ingolstädter Persönlichkeiten“ zu gelangen ist – wenn die eigene Schwester darüber befindet – ganz einfach, oder sauschwer. Sucht Euch was aus. Wir beide haben uns jedenfalls das Bild Nr. 17 der Hängung gemeinsam erarbeitet. Es ist uns keinesfalls zugefallen! Ich fühle mich getroffen – äußerlich und in der Selbstbegegnung. „Ganz Nah“ ist hier nicht bloßer Spruch… Danke Christine! Das gestanden mir im heutigen Gespräch auch andere ein, die jetzt bis zum 19. Januar 2019 dort die Wände zieren. Es sind knapp 30. Am Ende des Projekts steht ein gemeinsames Abendessen. Die beiden, die sich dazu begegnen werden, gilt es noch zu finden. Neugierig? Schaut mal nach!

Bild Nr. 17

(49) – Fingerzeig – (51).

Nackte Tatsachen – nurINpur

Was ist wichtiger? Inhalt oder Verpackung? … Ich nehme auch den Inhalt! Insbesondere seit die Verpackung und der daraus zumeist entstehende Plastik(!)müll zu einer immer größeren Belastung für die Umwelt, ja zum eigenen (globalen) Problemthema geworden ist. Die Idee des Unverpackten rückt deshalb stetig weiter nach vorne. Marktbesucher wissen eh wovon ich rede. Seit gestern hat Ingolstadt nun rechtzeitig auch einen Laden, in dem verpackungsfreie Lebensmittel (sowie Drogerieartikel) im Mittelpunkt stehen: Er heißt nurINpur.

Als die Macher, merkt euch bitte ihre Namen, wir dürfen ihnen dankbar sein – Kathrin Mantel, Barbara Cremerius, Simon Stapf und Andreas Kuhn – im Januar 2018 für ihr gutes Projekt zum Crowdfunding aufriefen, war ich (wie erfreulicherweise viele weitere Ingolstädter) natürlich sofort dabei. Das Startkapital konnte schnell eingesammelt werden. Die anschließende Suche nach einem geeigneten Standort gestaltete sich hingegen schwierig. Als dieser endlich gefunden war, verlangte eine notwendige Komplettsanierung der Örtlichkeit den Jungunternehmern wohl mehr ab, als ursprünglich geplant… Aber sie haben es geschafft! Und durch den Sondereinsatz dürfte ihnen ihr Baby noch einmal ganz besonders ans Herz gewachsen sein:

Simon Stapf, Kathrin Mantel, Barbara Cremerius und Andreas Kuhn

nurINpur finden wir hier: Am Pulverl 13, 85051 Ingolstadt – geöffnet Montag bis Mittwoch, sowie Freitag von 9 bis 18:30 Uhr, Donnerstag von 13 bis 18:30 Uhr und Samstag von 9 bis 14 Uhr. Früher residierte unter dieser Adresse übrigens das Schwalbenbräu. Seine Spuren sind leider(!) seit dem Auszug arg verweht…

Was mich an der Geschichte begeistert ist, dass es nach der weitgehenden Verpackungsfreiheit nicht heißt, Sie haben ihr Ziel erreicht. Die Betriebsphilosophie ruft nämlich jetzt zum (ja wichtigeren) Inhalt die Positionen biologischer Anbau, Transparenz und faires Handeln auf! In wunderbarer Harmonie zum Slow Food Dreiklang gut, sauber und fair 🙂 Der weit überwiegende Teil des Sortiments ist tatsächlich biozertifiziert (wie der Laden selbst), die Herkunft wird beleuchtet (Regionalität ist Trumpf mit tollen Produzenten auch aus dem Umland) und entlang der Liefer- und Wertschöpfungskette achtet man auf ein gerechtes Auskommen aller Beteiligter. Ich bin wirklich begeistert!

Die Warenauswahl wird sich noch erweitern – geplant ist ein regelmäßiger Marktplatz für Angebote auch von sehr kleinen Lokal- und Nischenproduzenten. Dazu kommt die Saisonalität bestimmter Produkte. Das Geschäftskonzept von nurINpur ist gerade für solche Gelegenheiten herrlich flexibel und praktisch.

Was es jetzt schon gibt, ist ein gemütliches Café im Nebenraum (eine vernünftige Kaffeemaschine habe ich gesichtet).

Es existieren eigene PKW-Parkplätze vor der Tür – wobei ich die meisten Kunden auf Fahrrädern sehe 😉 Die Terrasse linker Hand vom Eingang wird im nächsten Frühjahr Freude machen – und ganz großen Kino schlummert hinter dem Haus – ein feiner Garten mit sommerlichem Schatten unter Obstbäumen!

Jetzt lassen wir sie mal machen – und vergessen dabei aber bitte nicht, welch wesentliche Rolle uns dabei zukommt. Immer wieder wird leidenschaftlich diskutiert, ob es in Ingolstadt am guten Angebot oder an der richtigen Nachfrage fehlt. Nun – dieser Fall liegt sehr klar – belohnen wir also den Mut und füllen wir dort unseren Einkaufskorb!

Ich wünsche für den Start von Herzen alles Gute!

Mia ham’s satt!

6. Oktober 2018 – Demo in München – 18.000 Menschen (+/-) haben sich auf dem Königsplatz versammelt – ihr Begehren: Mia ham’s satt! Aufstehen für „eine ökologische, tiergerechte und bäuerliche Landwirtschaft und gesundes Essen. Für saubere Luft, lebenswerte Städte und den Erhalt unserer wunderschönen, vielfältigen Kultur- und Naturlandschaft.“

Veranstaltungen wie diese, noch dazu zu solchen Themen, haben in Bayern eigentlich Seltenheitswert. Dazu kommt: Für Menschen wie mich und für nicht wenige, die ich dabei getroffen habe, gehört die Teilnahme an Demonstrationen nicht zum Alltag. Da ist einiges leider notwendigerweise in Bewegung gekommen… Ministerpräsident Markus Söder pflegte erst kürzlich 20.000 Demonstranten in München im Vergleich mit den 13 Millionen Einwohnern Bayerns als „relativ gering“ abzutun. Er hat nicht nur thematisch nichts, er hat absolut nichts verstanden…

Leider ganz aktuell:

Fünf Jahre hatten sie dafür Zeit. Nichts(!) ist geschehen. Jetzt sollen als Belohnung einfach zwei weitere Jahre oben drauf kommen. Wofür? CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt (übrigens mein absoluter Lieblingspolitiker) sagte, mit dem Kompromiss sei nun auch in Zukunft Ferkelzucht in Deutschland möglich. Über was reden wir hier? Die Kosten der Kastraktion mit Injektionsanästhesie belaufen sich umgerechnet auf einen einstelligen Centbetrag pro kg Fleisch…! Und unabhängig davon müsste man doch nur das Fleisch von schmerzfrei kastrierten Schweinen klar für den Verbraucher kennzeichnen – auch in Wurstwaren und Fertiggerichten – dann löst sich das „Problem“ mit Sicherheit ganz schnell. Siehe das Schicksal der Eier aus Käfighaltung.

Danke dieser Demonstantin:

Man sollte diese ungeheuerliche Geschichte nämlich immer wieder hochhalten und vor dem Vergessen bewahren: Im November 2017 stimmte der ehemalige Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (Überraschung: CSU) im angeblichen Alleingang (offensichtlich wusste aber Host Seehofer davon) für eine Verlängerung der EU-weiten Zulassung von Glyphosat um weitere fünf Jahre. Themaverfehlung. Und stilistisch ein Bruch der Koalitionsspielregel, da er zuvor mit Bundesumweltministerin Barbara Hendricks eine Enthaltung abgesprochen hatte.

Aus Ingolstadt war nicht nur Slow Food vertreten. Michael Würflein – Vorsitzender der Bund Naturschutz Kreisgruppe Ingolstadt:

Demnächst dazu mehr 😉

Am kommenden Sonntag nehme ich an meiner siebten Landtagswahl (selbstredend wurde keine ausgelassen) teil. Noch nie habe ich mich darauf so gefreut!