Burger in Ingolstadt? Postwagen!

Wo gibt es in Ingolstadt richtig gute Burger? Zwischen dem 11. November 2010 und dem 7. Mai 2019 war die Frage einfach zu beantworten: Im Golden! Das ist leider Geschichte. Die aber wohl ein neues Kapitel aufschlagen könnte. In der Kupferstraße 28 wird nämlich nach Monaten des Stillstands kräftig renoviert. Eine „Neueröffnung“ ist bereits angekündigt. Wir werden sehen…

Oft verhält es sich im Leben wie in einer Schleuse. Erst wenn eine Türe wirklich geschlossen ist, geht eine andere auf. Das ist dann sehr tröstlich. Bei der eingangs gestellten Burgerfrage ist es genau so gekommen. Nach nur drei Tagen ohne Golden, öffnete in der Milchstraße 15 der Postwagen seine Tür. Und ich lege mich gleich mal fest: Genau hier ist seitdem die Quelle für die besten Burger in Ingolstadt. Es ist deshalb wahrlich an der Zeit, dass der Postwagen im Blog Einzug hält. Und für viele da draußen dürfte es sich eh noch um einen Geheimtipp handeln.

Kurz zur Historie. Die Lokalität befindet sich im 1390(!) erbauten und denkmalgeschützten ehemaligen Seelhaus. Seit 1967 gibt es den Postwagen. Legendär – freilich ein gewisses Alter vorausgesetzt – waren sicher die Jahre 1974 bis 2012 unter den Wirtsleuten Horst Guliewicz und Ewald Nigl (hausgemachtes Tatar!). Dann folgte von 2015 bis 2018 ein südamerikanisches Intermezzo.

Hinter dem Postwagen steht Familie: Die Brüder Alex und Kosta Mantopoulos (beide in Ingolstadt geboren), zusammen mit ihrer Mutter Sylvia:

Alex, Sylvia und Kosta Mantopoulos

Die besten Burger der Stadt? Nun – sie schmecken köstlich! Und die Aufzählung ihrer inneren Werte verweist halt alles, was in Ingolstadt so als Burger daherkommt auf die Plätze. Zum Beispiel beim „Classic“: Frisches Fleisch vom Bio-Weiderind aus der Region (über Metzgerei Joseph Huber). Vor Ort gewolft. Bio-Cheddar. Selbst gebackenes Brot.

Die Bierauswahl (immer wieder auch Sonderbiere) lässt sich ebenfalls sehen:

Das Logo erfreut sicher jeden Quentin Tarantino Fan … Dr. King Schultz … Christoph Waltz … alles klar?!

Quelle: www.facebook.com/derpostwagen

Alex hat mir noch einige Fragen beantwortet. Auch dazu, was es sonst so Gutes gibt. Wann war Eröffnung? Ganz offiziell am 10.05.2019 – nach fünf Monaten Umbau.

Öffnungszeiten? Di bis Do ab 17:00 bis 0:00 Uhr, Fr bis Sa ab 17:00 bis 02:00 Uhr. Vielleicht nehmen wir bald den Sonntag mit rein. Auch mal über mittags? Ist in Planung. Meine Empfehlung: Donnerstag!

Kann man sich Burger auch mitnehmen (to go)? Natürlich. Burger to go gibt es in kompostierbaren Verpackungen.

Habt ihr Erfahrung in der Gastronomie? Kosta hat viele Jahre in diversen Bars, Spezialitäten-Cafés und Küchen gearbeitet. Und ich habe ein Jahr im Golden die Bar gemacht.

Wie kam es zur Idee den Postwagen wiederzubeleben? Wir sind beide Burger-Fanatiker. 2012 haben wir in Australien den Entschluss gefasst, irgendwann selber einen Laden zu machen, nachdem wir dort in mehreren Lokalitäten Burger mit sehr hochwertigen Produkten gegessen haben. Zusätzlich wollten wir Ingolstadt mit qualitativem Essen bereichern. Uns fehlten hier auch die Läden in denen man tolle Musik hat und dazu einen gut gemixten Drink genießen kann.

Gibt es eine Philosophie? Unsere Idee ist, dass wir eine kleine Küche sowie Bar mit hochwertigen Zutaten anbieten wollen. Deshalb gibt es z.B. unsere Burger eher in klassischen Varianten mit wenigen Zutaten, weil allein das für uns schon einen sehr guten Burger ausmacht. Wir versuchen auch so viel wie möglich selber zu produzieren, z.B. unser Falafel aus angekeimten Kichererbsen, die Burgerbrote & Focaccias backen wir im Haus, sowie einige Säfte und Sirups an der Bar machen wir auch selber. Außerdem wolfen wir unser Fleisch aus ausgewählten Fleischteilen vom Bio-Rind im Haus. Auch den Käse schneiden wir selber vom ganzen Bio-Cheddarleib ab. Wir binden uns weder an eine Brauerei, noch an einen Lebensmittellieferanten und können deshalb frei unsere Produkte rein nach Qualität auswählen und beziehen.

Wer ist die Zielgruppe? Es gibt keine spezielle Zielgruppe. Wir haben bisher eine tolle Kundschaft von ganz jung bis ganz alt und das finden wir auch gut so, weil es sonst zu eintönig ist.

Warum habt ihr den alten Namen belassen (Postwagen)? Weil der Laden und der Name Kult sind und es für uns eine Schande wäre ihn umzubenennen.

Wie kam es zur Idee des Logos? Eine Freundin von uns hatte die Idee und wir fanden sie ziemlich witzig.

Wer sind eure Lieferanten? Fleisch: Metzgerei Joseph Huber. Die meisten anderen Produkte: Alnatura und Landmann (= Biomärkte). Getränke: Leimi und Korn.

Was macht ihr selbst? Fleisch wolfen, Brote und Focaccias backen, Kichererbsen keimen lassen für Falafel und dann wolfen. Hähnchenbrust schneiden, marinieren, panieren. Manche Säfte und Sirups, Eiswürfel für ausgewählte Drinks.

Wie wichtig sind euch die Herkunft und die Qualität der Rohstoffe? Sehr wichtig, vor allem natürlich bei den Tierprodukten.

Ein paar Worte zur Bar? Unsere Bar kann alles bieten. Bevorzugt möchten wir klassische und einfache Drinks in hoher Qualität anbieten. Wir selber stehen nicht auf moderne Cocktails mit viel Sirup, Saft und Fusel. Wir pressen Zitronen, Limetten und Orangensaft frisch aus unbehandelten Früchten und machen manche Sirups selber. So haben wir einen besseren Geschmack, eine feinere Abstimmung und eine höhere Qualität.

Wird es Veranstaltungen (was auch immer) in den Räumlichkeiten geben? Ja auf jeden Fall. Wir versuchen alle paar Wochen etwas auf die Beine zu stellen.

Gibt es eine Website? Noch nicht, wird aber auch noch kommen. Bisher haben wir nur Facebook, Instagram und man findet uns über Google. Auch da sind wir noch im Aufbau.

Postwagen. Milchstraße 15, 85049 Ingolstadt.

Schnipsel 11 bis 15

SCHNIPSEL 11:
Die Wahrnehmung erfolgt im Vorbeifahren nur über die Augenwinkel. Das schöne Motto bliebt hängen. Wenigstens bei mir. Es könnte auch „Tits and Beer“ oder „Tits and Pizza“ lauten. Auf jeden Fall kommt es darauf an, was man daraus macht… Leider bin ich nächsten Freitag nicht in der Stadt.

Es handelt sich übrigens um die Anzeigentafel (schöne alte Schule) der Kunst- und Kulturwerkstatt KAP94 in Ingolstadt – Kaponniere 94, Jahnstraße 1a:

SCHNIPSEL 12:
Wie schlechter Atem verbreitet sich im Vorfeld der Kommunalwahl (15. März 2020) mal hier und mal da die aberwitzige Idee, im Westen von Ingolstadt durch den Donauauwald und/oder Gerolfinger Eichenwald eine Trasse für eine weitere Donauquerung oder Untertunnelung zu schlagen. Man muss diesen Wahn im Auge behalten – auch wenn es nur einige wenige sind, dier hier wieder mal Beton für das geliebte Automobil anrühren wollen:

Wenn das Auto (in Bewegung oder parkend) von etwas zu viel bekommen hat in den letzten Jahrzehnten, dann war das Raum und Platz. Fortbewegung – neben spazieren gehen oder wandern – hier, wo um ein Haar noch vor kurzem ein dritter bayerischer Nationalpark entstanden wäre, kann gerne weiter (nur!) so aussehen:

SCHNIPSEL 13:
Vor drei Jahren habe ich am Zaun der Thomas-Kindertagesstätte in Friedrichshofen diesen guten Rat gefunden. Jetzt gibt es stärkende Worte am Gotteshaus der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Johannes in der Ettinger Straße 47:

SCHNIPSEL 14:
Oide Wiesn München 2019. Im dortigen Museumszelt konnten alle ab 1952 Geborenen ihr Oktoberfestplakat ansehen. Meines (1969) ist so lala… das von 1957 gefällt mir sehr gut:

SCHNIPSEL 15:
Das einen Freud, des anderen End. The famous point of view. Dieses Jahr noch Kirchweih, Martini und Weihnachten… Heute auf dem Heindlhof in Gerolfing:

(6 bis 10) – Schnipsel – (16 bis 20).

Mission Bio-Hendl: Impossible for Ingolstadt

Vor einigen Stunden ging das Ingolstädter Herbstfest 2019 zu Ende. Eigentlich wollte ich dazu schon am Eröffnungswochenende so richtig auf die Pauke hauen. Aus Frust. Sie (da stehen viele Köche am Brei) haben es nämlich wieder einmal nicht geschafft! Eine Abwatschorgie von A bis Z sollte es werden. Allein – ich habe heute keine Lust mehr dazu. Es ist ja auch schon lange alles gesagt – man suche im Blog (rechts oben) nur mal nach „Bio-Hendl“.

Eines will ich mir aber nicht ersparen. Fürs Protokoll die kurze Dokumention des Status quo. Der beharrlichen Verweigerung, oder der schlichten Unfähigkeit – je nach Lesart. Leider macht es ja sonst keiner. Wie viele Schläge der OB beim Anzapfen braucht – das ist der Ingolstädter Presse berichtenswert …

In meiner Chronik gab es zum ersten Mal in Ingolstadt auf dem Pfingstvolksfest 2014 (in einem der beiden Zelte) Bio-Hendl. Beim Stiftl. Ausgerechnet! Ich gestehe – er führt Gastronomie nicht so wie ich es mir wünsche. Um so erstaunlicher, dass gerade er der einzige Lichtblick zum Thema in Ingolstadt ist. Und wohl auch bleibt. Dann war auch schon wieder Schluss mit Hendln, die ein würdiges, umweltverträgliches Leben vor dem Tod hatten. Für ganze vier(!) Jahre (Pfingst- und Herbstfest). Wer andere Information dazu hat – her damit. Zu Pfingsten 2019 war es dann noch einmal so weit – große Freude! Es gab gleich in beiden Zelten Bio-Hendl. Folgende Fragen blieben aber bei mir bis heute unbeantwortet: Warum wurde das von niemandem(!) angekündigt oder beworben? Warum war ein Anbieter (nicht der Stiftl) gar nicht berechtigt (zertifiziert) dazu? Und vor allem – warum gab es nach nur vier Tagen keine Bio-Hendl mehr?

Quelle: www.facebook.com/bioerlebnistage

Jetzt aktuell zum Herbstfest wieder Ingolstädter Tristesse: Keine Bio-Hendl. Beide Festwirte – Familie Lanzl (Herrnbräu-Zelt) und Familie Härteis (Nordbräu-Zelt) – bestätigten mir das im Vorfeld bereits auf meine Anfrage. Pikantes Detail am Rande: Im Herrnbräu-Zelt wurde „Gulasch vom schwäbischen Bio-Rind“ angeboten. Eine entsprechende Zertifizierung ist aber nicht zu finden (z.B. hier) …

Um was geht es mir? Um gutes, sauberes und faires Essen. Und dass das Ingolstädter Volksfest (endlich) seinem Namen gerecht wird. Als ein Volksfest! Als eine Festivität für alle. Ein solches Fest – auch noch von der Stadt(!) selbst veranstaltet – zeichnet sich wie z. B. auch ein bayerischer Biergarten unter anderem dadurch aus, dass Platz für alle ist. Für groß und klein. Arm und reich. Gescheit und nicht so hell. Jung und alt. Dick und dünn. Von hier oder zuagroast. Es sind im Ideal wunderbare Spiegel der Gesellschaft. Das ist hier – man sehe auf das Essensangebot (bei einem Fest nicht unwesentlich) – gerade nicht der Fall. Was ist das unbestritten klassische Getränk auf einem Volksfest? Eine Maß (Bier). Und bei der Brotzeit? Ein halbes Hendl natürlich! Und daran mache ich es nicht nur symbolisch fest. Wer ein konventionelles Huhn bestellen will, soll das weiter tun (wenn sich das auf Dauer die Gesellschaft auch nicht mehr wird leisten können – dazu ist Gesamtbilanz eines solchen Tieres einfach zu desaströs; was die seriöse Politik ganz genau weiß). Aber ist 2019(!) nun nicht endlich auch Platz für ein (ansatzweise) nachhaltig aufgezogenes Huhn? Offensichtlich – Stand heute – immer noch nicht in Ingolstadt. Welche Art von „Vorsprung durch“ soll das sein? Und jetzt komme man mir bitte nicht mit sozialen Fragen! Einmal soll es ja nur die Wahl zum Besseren geben. Und dann gehört Deutschland bekanntermaßen zu den wohlhabendsten fünf Ländern der Welt. Und ausgerechnet Ingolstadt hat in diesem reichen Deutschland nach aktuellen Daten (2019) der Bundesagentur für Arbeit den höchsten Verdienst der Arbeitnehmer im Lande. Man kann allerdings auch mit einem Q8 zum Discounter fahren und dort Bratwürste für den neuen High-End-Grill kaufen …

Wo fehlt der Mut? Ist es überhaupt Mut? Das immer wieder gehörte Argument gegen Bio-Hendl ist: Das bestellt keiner. Na ja – nach vier Tagen war es an Pfingsten bereits aus. Und das haben mir alles Leute gesagt, die danach eines haben wollten. Ganz entscheidend ist aber dieser Gedanke: Diejenigen, die gerne ein Bio-Hendl bestellen und essen wollen, sind in ihrer Mehrheit gar nicht erst vor Ort. Weil sie um das fehlende Angebot wissen. Diese sollten und müssten die Festwirte adressieren (was sie aberwitzigerweise nicht einmal tun, wenn sie eines im Angebot haben…. siehe Pfingsten). Frisches Blut würde dem Volksfest übrigens in jeder Hinsicht gut tun. Bitte dafür auch ein wenig Geduld einplanen. Das neue Angebot muss erst einmal ankommen (und dazu bekannt gemacht werden 😉

An mir soll es nicht liegen. So wie es aussieht, wird Pfingsten 2020 wieder der Stiftl ein Zelt bespielen. Und dort wird es dann wohl Bio-Hendl geben. Alle Hoffungen zum Thema ruhen – wer hätte es sich gedacht – nur auf ihm … Ich gehe in diesem Fall von mindestens drei Besuchen zum Hendl-Essen aus – mit Slow Food Ingolstadt (wie schon an Pfingsten), mit der Kanzlei und mit Familie und Freunden. Und so wie mir geht es nicht wenigen! Wo kann man denn (selbst gemacht mal dahingestellt) in der Region ein knuspriges Bio-Grill-Hendl essen? Das wäre – leider – faktisch ein Alleinstellungsangebot! Sieht das in der Marktwirtschaft denn keiner? Mut? Intelligenz!

Bis dahin geht es halt dorthin, wo man schon lange verstanden hat und wo man ein entsprechendes Angebot macht:

Nachtrag. Gerade gelesen, zum Ende der Wiesn in München: „Was die Speisen angeht, registrierte die städtische Festleitung einen „Trend nach qualitätsvollem Genuss“. Die Wirte stellten eine gesteigerte Nachfrage nach Biokost, regionalen Produkten und vegetarischen und veganen Speisen fest.“ (SZ 06.10.2019)

Nachtrag II. Weils gerade so schön passt! Am Wochenende (05./06.10.19) berichtete (hier) der Donaukurier vom Hagauer Bio-Landwirt (Naturland) Seitz, der die feine Ochsenbraterei auf dem Oktoberfest mit seinen Bio-Kartoffeln beliefert. Ach Ingolstadt …