Frascati? Frascati!

Eine kleine Geschichte. Am Anfang steht eine Klassenfahrt vor über 30 Jahren. Am Ende eine Weinverkostung am kommenden Samstag (15.06.19). Zu letzterer lade ich hiermit schon einmal herzlich ein!

In der 11. Klasse steht immer eine große Studienfahrt auf dem Programm. Damals, 1987 im Christoph-Scheiner-Gymnasium hatten wir die Wahl zwischen London und Paris. Ich weiß nicht mehr wie es dazu kam, aber wir – die Klasse 11b unter Leitung von Werner Kundmüller – fuhren vom 02. bis 10. April nach ……… Rom. Es war eine herrliche, eine wunderbare Zeit! An einem Tag besuchten wir die Sommerresidenz des Papstes in Castel Gandolfo und machten auch halt in Frascati. Dort gab es einen Stand mit Porchetta, gefüllt mit frischen Kräutern. Dazu ein Glas Frascati. Mir ist das bis heute in Erinnerung geblieben. Weil es köstlich schmeckte und weil es tatsächlich mein erster Wein war!

Zum echten Weinfreund bin ich dann aber erst während des Studiums in Würzburg geworden. Seither ist der Silvaner Bestandteil meines Geschmacksfundaments. Aber das ist bereits eine andere Geschichte. Der Frascati hingegen spielte keine, überhaupt keine Rolle mehr.

Eine Generation ging ins Land. Dann kam ein Abend im Vorfeld eines Slow Food Regionalleitertreffens in Baden-Baden. Das war im September 2017. Mit einigen Freunden kehrte ich in Karlsruhe im wirklich grandiose Restaurant Erasmus ein. Wer in der Gegend ist, geht dort bitte ein! Hier stimmt einfach alles. Beginnend bei der Architektur – historisches Bauhaus! – bis zur feinen Küche in bester Slow Food Manier von Andrea und Marcello Gallotti:

Marcello Gallotti – Restaurant Erasmus/Karlsruhe

Das weinbegleitete Menü wurde von Marcello so eröffnet: „Ich bin Römer. Also beginnen wir mit einem Frascati!“ Sodann servierte er von Casale Mattia (seit 1996 ökologisch arbeitend) deren 2015er Frascati (DOC) Terre Laviche. Er schmeckte fabelhaft! Und erweckte in mir eine tief schlummernde Erinnerung. Plötzlich war ich 18 und auf Klassenfahrt…

Wieder zu Hause versuchte ich gleich eine Bezugsquelle zu öffen. Vergeblich. Es gibt keinen Importeur. Mit dieser Nachricht beglückte ich dann Marianne und Rüdiger Ahnfeldt, die in Ingolstadt gleich nach dem Taschenturm das beachtliche Ars Vivendi führen. Es ging Hin und Her und Her und Hin. Im Ergebnis trafen wir uns im März vergangenes Jahr zu einem gepflegten Abendessen, begleitet von einem Probesortiment, das uns von Casale Mattia dafür erreichte:

Als Erster ging zu meiner Freude der schon bekannte Frascati – diesmal als 2016er – durch Ziel.

Dann geschah … nichts. Wobei – bei meiner Reiseplanung der Familie nach Rom Ende Oktober 2018 baute ich einen Platzhalter ein. Für einen Nachmittag sollte es nach Frascati gehen 😉 Und so kam es dann auch. Meine Empfehlung: Natürlich mit dem Zug! Roma Termini nach Frascati kostet 2,10 EUR(!) und es dauert gerade einmal 30 min:

Vor Ort sollte unbedingt Zeit für einen Besuch der Villa Aldobrandini (Parkanlage drum herum) eingeplant werden. Sie thront in Hügellage süd-östlich der Stadt und bietet einen fantastischen Blick auf Rom:

In der Altstadt – Via XX Settembre 48 – verabredete ich mich mit Lucia und Roberto Rotelli. Casale Mattia ist ihr Weingut. Ein sehr angenehmes Treffen – cari saluti e grazie mille! Und gut, dass ich mit dem Zug da war:

Roberto und Lucia Rotelli

Neben dem zwischenzeitlich gut bekannten Frascati (links), einer Cuvée u. a. aus Malvasia di Candia, Malvasia Bianca und Trebbiano Giallo, finden sich meine weiteren Favoriten hier:

Unbedingt möchte ich noch den schönen MISA I.G.T. Lazio Bianco (2017) hochhalten. Eine Cuvée aus Sauvignon Blanc und Malvasia Bianca:

Dann ging es für die Vorgeschichte doch recht zügig. Der Frascati – Jahrgang 2018 – ist tatsächlich im Ars Vivendi in Ingolstadt angekommen. Zur eingehenden Verkostung schnappte ich mir bereits eine Flasche. Dazu gab es Wachteleier, grünen Spargel und Kartoffeln:

Zur Vermeidung von Missverständnissen. Es ist natürlich kein großer Wein. Das kann und will er auch gar nicht. Wer hingegen einen leichten (trotz seiner 12,5 %), frischen und unaufgeregten Weggefährten sucht, idealerweise als Begleiter ebensolcher Speisen, dem streckt er ohne Capriolen die Hand aus. Und er ist ein sehr schönes Beispiel für gelungene Qualitätsbemühungen von engagierten Winzern, die versuchen Weinbauregionen, deren Ruf durch industrielle Massenplörre zu Recht ruiniert wurde, wieder ein markantes Profil zu geben (Lambrusco, Soave, Lugana, Frascati, etc.). Man muss nur die Augen richtig aufmachen.

Wir sind am Ende. Fast. Wer jetzt Lust bekommen hat, der möge bitte sehr gerne am kommenden Samstag (15.06.19) zwischen 10 und 14 Uhr ins Ars Vivendi (Taschenturmstraße 10, 85049 Ingolstadt) kommen und sich ein eigenes Bild machen. Ich hoffe die Ahnfeldts haben genug in die Kühlung gelegt (es sind 27 Grad angesagt). Ingolstadt braucht mehr Plätze zum genussvollen Schöppeln! Im Schatten des Taschenturms wäre ein solcher 🙂 Ich werde auch da sein – habe ich doch zugesagt beim Ausschank zu helfen.

Zum Stammtisch

Neben allerlei anderer Aktivitäten trifft sich Slow Food Ingolstadt regelmäßig (eigentlich monatlich – siehe Termine) zum Stammtisch. Dabei sind wir immer woanders zu Gast. Zumeist in „unseren“ Genussführer-Wirtshäusern. Letzte Woche zum Beispiel im Neuburger Neuwirt:

Hier pflegt man – unter anderem – die Kunst der Pause:

En passant erhielten Anke und Karl Deiml ihre Urkunde für 2019:

Ein Rind wird zerlegt

Drei Schritte vor einem ordentlichen Steak steht das Tier. Rasse, Haltung, Fütterung, Schlachtung. Diese Serie beschäftigt sich – Rinder betreffend – damit. Zwei Schritte davor kommt das Metzgerhandwerk. Reifung, Zuschnitt. Die Einkaufsquelle in Ingolstadt, um bis hierher nicht aus dem sicheren Tritt zu geraten, ist die Metzgerei Joseph Huber. Auf deren Einladung fand vor zwei Wochen ein ausgezeichnetes Seminar für Fleischzerlegung und Garmethoden – dem letzten Schritt zum Teller – statt. Zu Gast: Philipp Sontag:

Wie Joseph Huber ist Philipp Sontag Slow Food Unterstützer! Der Metzgermeister führt im Allgäu (Kissleg) in sechster Generation mit beachtlicher Leidenschaft seinen Betrieb – die Metzgerei Sontag. Daneben ist er Kolumnist für Fleischkunde des Grill-Magazins „Fire & Food“:

Abschweif: Gar nicht schlecht das Heft. Nach aufmerksamen Durchblättern fällt das Bemühen um artgerechte Tierhaltung und Nachhaltigkeit auf. Im Heft 3/18 geht es z. B. um Zweinutzungshühner und Bruderhähne. Im Heft 1/18 wird gar der „Fleischatlas 2018“ der Heinrich-Böll-Stiftung (Tipp: kostenloser Download hier) hochgehalten und positiv besprochen.

Zurück: In einer kurzweiligen Einführung gab Sontag – stets in kernigem schwäbisch – einen bereichernden Überblick zur Anatomie von Warmblütern, zu einzelnen Zuschnitten, zur Fleischreifung und insbesondere zu Gartechniken. Sein Aufhänger dabei: Er differenziert mit dem Bindegewebsanteil im Fleisch – wenig davon, dann ist es zum Kurzbraten geeignet; viel davon, dann sollte es geschmort werden.

Im Fortgang zelegte er mit traumwandlerischer Sicherheit ein Rinderhinterviertel (von der Färse, vor 14 Tagen geschlachtet). Und siehe da, vor uns „erschienen“ – wie in einem Explosionsmodell – Stück für Stück alle Teile die Rang und Namen haben. Der Rest (es wurde selbstverständlich alles verwertet) kam in die Wurst. Jetzt wird es fleischlastig:

Eine hochinteressante Demonstration. Und sicher hilfreich für den zukünftigen Blick in die Auslage beim Fleischhauer. Das ist auch bitte der Platz, bei dem man sich seinen Braten sichern sollte. Metzger wie Philipp Sontag und Joseph Huber können nämlich Rede und Antwort stehen, woher das Tier (ganz genau!) kommt und wie es dort (gut!) gehalten wurde. Beim Schwein kann ich nicht oft genug auf das in Ingolstadt erhältliche Naturschwein hinweisen.

Die Hubers hatten dann tatsächlich noch etwas vorbereitet… 😉

Die Porterhouse-Steaks (mit Knochen) stammen vom Simmentaler Fleckvieh und die Flank-Steaks vom Angus.

Danke fürs dabei sein dürfen!