Ostern 2013. Und Bayern liegt am Meer.

Für die Jahreszeit zu kalt – ach was! (im Sinne Loriots). Auch als Bärlauch-Getreuer blicke ich trotz Frühlingsanfang und Sommerzeitumstellung mit Gram auf die gegenwärtige Großwetterlage. Hat er doch auf unserer Ostertafel ein kleines, aber sicheres Plätzchen. Und was wären wir ohne die bedachtsamen Details im Leben? Auf meine lose Frage in die Facebook-Runde gab es durchaus ermutigende Wasserstandsmeldungen. Im Schneeregen ging es also mit Moritz in die bewährten Lesegründe in den Wald westlich des Gerolfinger Wasserwerks. Schon von weitem lässt mich ein feiner grüner Film auf dem ansonsten vegetationslosen Flurboden schmunzeln. Der taufrische 2013er ist da!

bärlauch 2013

Ein Mixer und die Zugabe von Ölen (Oliven- und Rapsöl jeweils zur Hälfte), Salz, Zitronensaft, Käse (diesmal Pecorino) und Nüssen (diesmal Hasel- und Walnuss, Pinienkern und Mandel – in der Pfanne angeröstet) lassen ein Pesto entstehen:

bärlauch pesto

Während meiner Referendarstation am Zivilgericht erzählte mir einmal mein Ausbildungsrichter, dass er in der gesamten Fastenzeit keinen Alkohol trinkt. Das imponierte mir. Einige Jahre darauf führte ich dieses Entkupplungs-Ritual dann auch für mich ein. Zwischen Aschermittwoch und Osternacht dürfen neben dem Alkohol ferner Fleisch und Süßigkeiten draußen bleiben. Da ich am 17. Februar Geburtstag habe und der Aschermittwoch +/- immer um diesen Tag fällt, erfuhr dieses Manöver heuer erstmals die Modifikation, dass meine Fastenzeit am 18.02. beginnt. Und weil ich schon auf der BIOFACH-Messe (die ebenfalls sehr häufig in diese Zeit fällt) in der Weinhalle gestanden bin und nur an den Gläsern geschnuppert habe, kam es irgendwann auf dieser saisonalen Wegstrecke zur Einführung einer „Wildcard“: Einmal darf ich von der Abstinenz eine Ausnahme machen – das aber nur beim Alkohol. Die letzten beiden Maßnahmen beugen klug, ohne den Sinn der Sache zu verwässern, der Verbissenheit vor. Dem Faust retteten die Osterglocken das Leben (Der Tragödie erster Teil, Szene „Nacht“). Soweit will ich bei Weitem nicht gehen – aber der Beginn der Osternacht ist voller Erwartung. Gestriges Ende und Anfang:

breakfast bier

En passant. Werde mir nächste Woche ein Foto von Papst Franziskus organisieren. Seine rituelle Fußwaschung am Gründonnerstag in einem römischen Jugendgefängnis (auch bei jungen Frauen!), seine sehr persönliche Ansprache, seine einfachen, klaren Worte tun gut. Seine Aufforderung an den Klerus sich als Hirten mitten unter die Herde zu mischen und den „Geruch der Schafe“ anzunehmen – wunderbar! In der Gaststube vom Ingolstädter „Daniel“ (mit dem Eröffnungsjahr 1471 das älteste Wirtshaus der Stadt) hängt, wenn man den großen Gastraum betritt rechter Hand, im Herrgottswinkel auch immer ein Papstbild. Muss jetzt mal wieder hingehen und kucken, ob sie dort schon reagiert haben. Die Papstwahl war ja während der Fastenzeit und die fleischlose Küche im Daniel, im Gegensatz zu dessen bewusstseinserweiternden Schäufele, zieht mich nicht wirklich an.

Zurück zu den körperlichen Genüssen. Im Fortgang versuchte ich mich erstmals an Katharina Seisers Familienrezept für gefüllte Eier. Deliziös! Ein weiterer Kandidat für ein kleines aber zukünftig sicheres Plätzchen an unserer Ostertafel.

gefüllte eier

Auf den größeren Plätzen finden sich Altbekannte:

eier

Da war noch was, gell? Bayern am Meer.

Dass der konventionelle Lebensmittel-Einzelhandel (insbesondere EDEKA) seit einiger Zeit regionale Produkte besonders listet und ausweist, begrüße ich natürlich. Was dabei aber manchmal als Regionalität definiert wird, ist im wahrsten Sinne häufig ein sehr, sehr weites Feld…

Bayern ist eigentlich nicht zu verbessern. Ludwig Ganghofers „Wen Gott liebt, den lässt er fallen in dieses Land“ trifft es ganz gut. Wenn überhaupt irgendetwas fehlt, dann wäre das ein Meerzugang. Und was soll ich sagen – wir haben ihn! Wenigstens für EDEKA in der Frühlingstraße. Beim Einkaufen am Karsamstag habe ich mich davon überzeugen können. Ich höre Euch schon. Das „bayerische Meer“. Der Chiemsee natürlich. Nix da – zu kurz gesprungen! Hat der vielleicht Salzwasser? Seht ihr – das braucht es nämlich. Für dieses schöne Produkt „Aus Bayern“:

meersalz1

meersalz2

Für die historisch Interessierten. 952 hatte das „Herzogtum Baiern“ seine größte Ausdehnung. Da wurden ihm die Markgrafschaften Istrien, Aquileia, Verona und Trient angegliedert. Adriazugang! 976 waren die aber leider schon wieder weg. Andererseits… Salz ist lange haltbar. Sehr lange. Am Ende tue ich EDEKA vielleicht ein Unrecht?

Frohe Ostern!