Das eine geht, das andere kommt

Morgen ist Johannistag. Damit findet die Spargelsaison 2013 ihr Ende. Wir hatten uns noch einmal eingedeckt, bei Familie Rehm – den Spargelbauern unseres Vertrauens. Diesmal stand er auch roh(!) auf dem Tisch. Blogger-Kollege Claudio gab den Tipp und erweiterte damit unseren Horizont. Die Variante wird bleiben:

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Das von Claudio hierzu empfohlene Olivenöl mit Amalfi-Zitronen (der Fürsprache schließe ich mich hiermit an) führt übrigens das Alnatura in der Schillerstraße. Ganz ohne Klassik gingen wir aber nicht aus der Jahreszeit:

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Der alles umfassende Kreislauf der Natur – dem man sich klugerweise bewusst(!) anschließen sollte – lässt in dieser wunderbaren Jahreszeit niemanden lange allein. Ein anderer höchst willkommener Besucher kündigt sich bereits an. Und wenn man wollte, ist er eigentlich schon ein bisserl da. Eine liebe Freundin hat uns Ende April sechs verschiedene junge Pflänzchen geschenkt – herzlichen Dank dafür Elisabeth! Denen geht es prächtig. Sie wachsen, knospen, blühen und tragen auch bereits – aktuelle Momentaufnahmen:

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Wohin das erfreulicherweise genau führt, zeigt der Blick zurück zum Jahrgang 2012. Damals lieferte uns Elisabeth noch Ergebnisse… Und 2014 wird sie uns – ich ahne es – einige Samen in die Hand drücken. Entwicklungshilfe wie sie sein soll! Spätestens 2015 nämlich, bekommt der ein oder andere Glückliche von uns einige Paradeiser… Wird der Tomate dieser Name nicht viel gerechter?

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Also, der Spargel ist fort. Der Paradeiser noch nicht da. Dazwischen – heute – vor der Türe kräftig am anklopfen: Die Erdbeere! Meine Empfehlung wo man sie in Ingolstadt bekommt – hier.

Beschriebene Produkte gibt es leider auch außerhalb der Saison. Sie sind bereits in Bezug auf saubere Herstellung und faire Arbeitsbedingungen sehr fragwürdig, immer sortenmonoton, stets von sehr weit her zu uns gekarrt und endlich geschmacklich mit reifen, gerade ihre Zeit habenden Waren nicht ansatzweise vergleichbar. Mir stellt sich deshalb immer aufs Neue die Frage, warum es trotzdem so viele Menschen gibt, die beim Einkaufen aus der Zeit und altmodisch sind. Dabei würden sie ohne Zweifel, genau so charakterisiert, lautstark protestieren… Gemüse und Obst sollte wie Kleidung erstanden werden.

Spargelzeit?

Mai. Spargelzeit. Du glückliches Ingolstadt! Eingerahmt von gleich zwei(!) Spitzenanbaugebieten – im Osten Abensberg und im Südwesten Schrobenhausen. Einkaufen direkt beim Erzeuger – besser, frischer geht es nicht. Wer hier nicht fündig wird, dem ist eigentlich nicht mehr zu helfen.

Weißer, violetter oder grüner Spargel? Ausprobieren! Es sind Spielarten derselben Pflanze. Kommt die (weiße) Stange aus der Erde, verfärbt sie sich durch die Sonneneinstrahlung zunächst violett, später dann grün.

Klassisch aufgetischt mit speckig-gelben Kartoffeln (z. B. Sorte Moor-Sieglinde aus dem Donaumoos – Einkaufstipp: Balthasar Hertl, Riederstraße 2, 86676 Schönesberg, Tel. 08435/703), Schinken, Sauce Hollandaise (selbstgemacht!) oder einfach „nur“ Butter. Einen Silvaner oder grünen Veltliner dazu würde ich nicht von der Tischplatte stoßen.

Für das Auge – ohne Plastik. Spargelfeld in Linden.

Die Spargelzeit hat Anlauf genommen. Nach dem Winter und dem häufig wechselhaften April wärmt die Maisonne die Gesichter und Herzen der Menschen – wie die locker, sandigen Böden der angesprochenen Anbauregionen. Lust kommt auf. Man ist füreinander bereit. Jetzt wächst der Spargel, der keine Plastikfolien braucht. Folienfrei. Saison! Dieser Spargel hatte und hat seine Zeit zum wachsen, zum reifen – Luftzirkulation, Regen und nun Wärme. Was macht denn eine Spargel-Anbauregion aus? Anders als beim Wein, bei dem Terrior und Keller zusammenkommen, bleibt dem Spargel „nur“ der Boden. Und dieser ist in den Regionen einmalig. Den haben Menschen im Sinn, wenn sie stolz von „ihrem“ Spargel als dem Besten sprechen. Hatte der Spargel ausreichend Zeit in diesem, seinem Element – dankt er es dem geduldigen Bauern und Genießer  auch mit einmaligem Geschmack. Zwei ganze Monate lang – bis zum Johannistag (24. Juni). Reicht das nicht? Zu alledem braucht es keine Plastikfolien. Im Gegenteil…

Die Folienverwendung hat den Spargelanbau beschleunigt. Meiner Meinung nach ein unnötiger Prozess. Aber der Zug hat Fahrt aufgenommen und beschleunigt – aus der Sicht der „Optimierer“ zugestandenermaßen in sich schlüssig und konsequent – weiter: Seit 14.01.2011(!!!) beheizt der Spargelhof Lohner in Inchenhofen mit einem insgesamt 300 km langen Rohrleitungssystem 30 Hektar Spargelfelder (Quelle: Artikel „Heizung für den Spargelacker“, Donau Kurier vom 14.01.2011) – zusätzlich zu den Folientunneln. In dem Artikel lässt sich der Geschäftsführer des Betriebs mit den Worten „Wir arbeiten mit der Natur…“ zitieren. Widerspruch! Mit der Natur ist das definitiv nicht. Großer Trost: Der Käufer hat es in der Hand, ob er in diesem Zug (weiter) mitfahren möchte.

Spargel vor Ende April ist wie Lebkuchen vor – sagen wir Ende Oktober…

Einkaufstipp für Freilandspargel: Spargelhof Rehm, Bachwiesenweg 1, 86529 Linden.