Paradeiser. Jetzt!

Tomaten – Selbstverständlichkeiten in unseren Küchen und auf unseren Tellern. Willkommen und köstlich. Ausländer – die einmal auf Schiffen zu uns nach Europa kamen… 😉

Treffender finde ich bei meiner ihnen gegenüber gepflegten Wertschätzung (siehe exemplarisch hier, da und dort) übrigens die Bezeichnungen Paradeiser oder Goldäpfel (pomodoro). Gute Saisonkalender (ein Beispiel) rufen für sie die Monate Juli bis Oktober auf. Daran sollte man von November bis Juni denken! Mitte August habt Ihr also noch nichts versäumt. Im Gegenteil. Wer sie isst, weil sie einem schmecken :-), freut sich jetzt auf die sogenannten alten Sorten.

tomaten preith (4)tomaten preith (5)Jörg Christmann, der auf dem Preither Biohof Mayer (Bioland) den Gemüseanbau kuliviert, hat gerade die Geschmacksbomben Adlerschnabel, Orange Russian, Purple Calabash, Ananas Noir, Feuerwerk, Banana Legs, Black Ethiopian, Black Plum und Ochsenherz im Angebot:

tomaten preith (1)Wir finden ihn auf den Wochenmärkten Treuchtlingen (Freitag) und Weißenburg (Samstag). Seine Köstlichkeiten gibt es natürlich auch am Stand der Mayers (Eichstätt und Ingolstadt, jeweils Mittwoch und Samstag; aktuell aber Sommerpause bis Mitte September!).

Wir haben uns letzten Donnerstag eingedeckt:

tomaten preith (3)Unter anderem um endlich(!) einmal Katharina Seisers Pfirsich-Paradeiser-Salat zu probieren. Süß-sauer-salzig – ein Traum. Dazu ein kongenialer 2012er Berg Eisenhut Roter Veltliner Reserve von Söllner. Et voilà:

tomaten preith (7)tomaten preith (6)

Zu Gast bei der Gärtnerei Ziegler

An der frischen Luft sein. In der Regel auf einem schönen, oft gar historischen Platz. Menschen beobachten. Kleine Schwätzchen halten. Körbe statt Tüten. Mit einem Einkaufszettel in der Hand? Oder sich vom jeweiligen Angebot inspirieren lassen? Den Machern die Hand schütteln. Infos von der Quelle. Riechen, kosten, schmecken. Wo bin ich? Auf einem Wochenmarkt natürlich. Die Märkte unserer Region hatte ich hier schon einmal aufgelistet.

Geht man über den Ingolstädter Wochenmarkt fällt ein Anbieter von Gemüse und Obst besonders ins Auge. Er findet sich zur Rückseite des Herzogskasten, zwischen den Käsehändlern Mooser und Winter. Da ist erst einmal die Standgröße. Ich glaube es ist der größte am Platz. Und dann der Warenreichtum. Der Stand quillt an prächtiger Üppigkeit förmlich über. Dabei ist das gesamte Angebot sehr ansprechend und gefällig präsentiert. Und das allerschönste: es ist ein Gärtner aus dem nahe gelegenen Geisenfeld der hier seine vornehmlich – je nach Saison – selbst gezogenen Waren feilbietet. Ich habe Euch zum Stand der Gärtnerei Ziegler geführt.

Ende letzten Jahres, bei einem Stammtisch des Slow Food Conviviums Ingolstadt, kam ich mit Slow Food-Mitglied Klaus Ziegler zum Thema Tomaten tiefer ins Gespräch. Mein dabei gemachter Vorschlag, sein Tomatensortiment 2012 mit einigen alten Sorten zu bereichern, wurde von ihm interessiert vermerkt. Einige Mails später stand bereits vorfreudebreitend fest, dass wir bei einem Besuch der Gärtnerei mit dem Convivium die Ergebnisse dieses Versuchs würden verkosten können. Es wurde Winter, Frühling und Sommer. Anfang August dann begrüßten uns Inge und Klaus Ziegler in ihrem Betrieb. Es war ein sehr herzlicher Empfang! Und sie hatten alles wunderschön vorbereitet:

Die Zieglers stammen aus dem Allgäu – man hört es. In der vierten Generation betrieben sie dort das Gärtnerhandwerk. 1993 übernahmen sie in Geisenfeld den Betrieb der Familie Probst. Diese wiederum gründete hier 1948 ihr Unternehmen. Als wären alle eine große Familie – Frau Emma Probst war ebenfalls anwesend:

Nach einer Erfrischung führte uns Herr Ziegler durch die Gärtnerei. Diese umfasst 12.000 qm. 2.400 qm davon sind unter Glas. Angebaut werden mit großer Sortenvielfalt Tomaten, Bohnen, Auberginen, Gurken, Paprika, Wurzelgemüse, Kräuter und Salate. Eine Spezialität des Hauses sind die Wildkräuter.

Sehr erfreulich ist die in den Gewächshäusern praktizierte Arbeit mit Nützlingen (z. B. Schlupfwespen oder Raubmilben). Damit sind Insektizide hier nicht mehr einsetzbar:

Vom späten Frühling bis zum Herbst können die Zieglers ihr Angebot zu gut 70 % selbst in der Region erzeugen. Im Winter verkehren sich die Zahlen annähernd. Dann wird vom Münchener Großmarkt zugekauft.

Gemäß der Betriebsphilosophie der Gärtnerei soll den Kunden das ganze Jahr über das komplette Angebot an Obst und Gemüse zur Verfügung stehen.

Eine Steilvorlage für den engagierten Slow Foodler zur Diskussion! Hält dieser die Saisonalität doch für ein sehr hohes Gut. Bananen gedeihen bei uns nicht. Es verblieben hier erwünschte Gedanken zu nachhaltiger Bewirtschaftung im Anbauland und Fair Trade. Am Transport kommen wir aber nicht vorbei. Wie auch beim Kakao, beim Pfeffer, beim Tee, beim Kaffee, etc.

Tomaten oder Erdbeeren hingegen wachsen hier. Haben eine Saison. In der sie – die richtige Sorte gewählt – köstlich schmecken. Ich darf dazu aus meinem Post „Erster Spargel 2012“ zitieren: „Was geschieht, wenn Menschen nicht (mehr) saisonal und regional einkaufen, lässt sich sehr beeindruckend in Augenschein nehmen. Ich bin mir sicher, der ein oder andere wird dabei blass. Also: Google Maps einstellen. In die Suchzeile – El Ejido – eingeben. Das ist eine Stadt an der südspanischen Küste in der Provinz Almería. Besser bekannt als “Plastic-city” oder „Mar del Plástico“. Jetzt die Maps-Funktion “Satellit” aktivieren. Was ihr seht ist kein Schnee… viel “Spaß” beim zoomen und entdecken… Es bedarf wohl keiner außergewöhnlichen Fantasie sich vorzustellen, was in der weltweit größten Anbaufläche unter Folie in Sachen Wasserknappheit, Düngung und Pestizideinsatz so abläuft. Hinzu kommen die transportnotwendig eingesetzten Fungizide“.

Das Thema ist mehr als abendfüllend. Soll, darf, muss der Händler seine Kunden erziehen? Wie weit geht ein gegen den Markt stellen betriebswirtschaftlich gut? Was will der Markt 2012 in Ingolstadt eigentlich wirklich? Gehen (Wochenmarkt-)kunden woanders hin wenn sie – aus welchen Gründen auch immer – ihre gewünschte Ware nicht (mehr) bekommen? Macht Gelegenheit Diebe – kaufen also die Menschen, weil sie das Angebot vor Augen haben? Wie auch immer – die Zieglers machen (auch hier) ihr Ding – sind aber für andere Meinungen offen und diskussionsfreudig. Ich ziehe mich hier auf ein „panta rhei“ zurück.

Nach der erkenntnisreichen Tour steht die angekündigte Verkostung der Tomaten an. Und wieder setzen die Zieglers in Sachen Vorbereitung und Präsentation Zeichen – Respekt! Es wird jetzt richtig tomatig:

Zunächst dürfen wir die acht eigens 2012 angebauten alten Sorten probieren. Darunter waren die Sorten Hungarian Heart (ursprüngl. Herkunft Ungarn) und Feuerwerk (ursprüngl. Herkunft Russland):

Striped Roman (ursprüngl. Herkunft USA) und Persimmon (ursprüngl. Herkunft Russland):

Green Sausage (ursprüngl. Herkunft USA) und Opalka (ursprüngl. Herkunft Polen):

Sowie Azoychka (ursprüngl. Herkunft Russland) und Red Pear (ursprüngl. Herkunft USA):

Feuerwerk und Persimmon waren die eindeutigen Favoriten der Verkostung. Danach versuchten wir die fest im Ziegler-Programm laufenden Sorten. Am Start Tropical F1 und Zebrino F1:

Santorange F1 und Datterini (ursprüngl. Herkunft Sizilien):

Savantas F1 und Corianne F1:

Und zum Schluss Organza F1 und Foose F1:

F1 steht für die erste Generation einer Hybrid-Sorte. Hybride sind vielfach nicht oder nur verringert fertil – der Gärtner muss also im Gegensatz zu samenechten Sorten immer neues Saatgut kaufen.

Klarer Gewinner der zweiten Teststrecke: Datterini.

Nicht genug der vorbildlichen Gastfreundschaft wurde uns zum Abschluss eine sehr zünftige Brotzeit (Schinken, Wurst, selbstgemachte Aufstriche, Käse und verschiedene Brote) aufgetischt. Mit dieser standesgemäßen Nachspeise:

Die Zieglers wollen weiter mit alten Tomatensorten experimentieren. Die größte Sorge die sie hier aber beschäftigt, ist die Optik der Früchte – oder konkreter formuliert – ob der Kunde diese annimmt. Vor die Wahl gestellt – ich nehme Wetten an – ziehen 9 von 10 dem Aussehen den Geschmack vor. Es gilt also neugierig zu machen und probieren zu lassen…

An den Früchten sollt ihr sie erkennen. Bei der Gärtnerei Ziegler nicht schwer. Engagiertes Handwerk in der Region. Klare Empfehlung! Jeden Mittwoch und Samstag von 8-13 Uhr auf dem Ingolstädter Wochenmarkt und jeden Dienstag und Freitag von 8-18 Uhr direkt in der Gärtnerei, Am Fall 7 in Geisenfeld.

Zu Gast beim Biohof Mayer

Preith hat um die 900 Einwohner und liegt 5 km nördlich von Eichstätt. Ein gewöhnliches Dorf? Sicher nicht! Hier gibt es nämlich gleich zwei Bio-Bauernhöfe. Einmal den Moierhof der Familie Daum, den diese nach den Demeter Richtlinien bewirtschaftet. Und den Biohof Mayer, Mitglied im Bioland-Verband.

Seit 12 Jahren führen Andrea und Franz Josef Mayer den Hof. Die Eltern (Katharina und Johann) von Franz Josef hatten ihren Betrieb bereits 1988 auf die ökologische Landwirtschaft umgestellt.

Andrea und Franz Josef Mayer

Der erfreulicherweise immer mehr Menschen beschäftigenden Frage – Wo kommt unser Essen her? – folgend, verbunden mit dem schönen Vorsatz den Machern die Hand zu schütteln (Michael Pollan: “Shake the hand that feeds you”), trafen sich Ende Juli Mitglieder des Slow Food Conviviums Ingolstadt zum Hofbesuch bei den Mayers.

Ein großes Holzschiff fehlt. Damit – den Hofprodukten und tierischen Bewohnern an Bord – könnte die Sintflut kommen… Es mangelt ein wenig an Worten um zu beschreiben, was für eine unglaubliche Vielfalt wir hier vorgefunden haben.

Los ging es mit einem kurzen Stelldichein im Hofladen. Geführt von Katharina Mayer, hat dieser Mittwoch und Samstag ganztags geöffnet, an den übrigen Tagen jeweils von 17 bis 19 Uhr. Auch das Brotbacken (drei Mal pro Woche im Steinbackofen) obliegt der Senior-Chefin. Alle Backwaren sind ohne Weizenmehl und selbstredend ohne fertige Backmischungen. Es gibt Bauern- und Vollkornbrot aus Dinkel- und Roggenmehl, reines Dinkelbrot, Käsestangen, Semmeln und Baguette. Das Getreide stammt exklusiv von eigenen Feldern. Das Vollkornmehl ist sogar selbst vermahlen.

Raus aufs Feld. Im Blick Dinkel und Einkorn (grün):

Und einfach wunderschön – Schwarzer Emmer:

Die diesjährige (2012) Flächenbelegung der bewirtschafteten gut 50 ha gliedert sich auf in Dauergrünland, Senf, Wintergerste, Emmer, Einkorn, Speisekartoffeln, Roggen, Dinkel, Hafer, Triticale (Weizen-Roggenkreuzung), Wintererbsen, Luzernekleegras, Feldgemüse und Streuobstwiesen.

Auch die Hoffauna hat es in sich. Unter den Milchkühen sind Fleckvieh, gekreuzt mit fränkischem Gelbvieh, Rotbunte, Kreuzungen mit Allgäuer Braunvieh und eine reinrassige Schwarzbunte. Dazu weibliche Jungrinder. Schafe der Rassen Skudden und Shropshire. Legehennen (Eier) und Gockel (Fleisch). Und Schweinderl gibt es auch: Bunte-Bentheimer, Schwäbisch-Hällische und Pietrain.

Es lebe die Biodiversität! Nicht genug, betätigt sich Angelika (Schwester von Franz Josef) als Imkerin. Ca. 30 Völker beweiden die Preither Flur und die Streuobstwiesen.

Die Milch geht an Domspitz Regensburg. Außerdem wird aus ihr am Hof köstliches Eis gemacht. Wir probierten die Sorte Vollmilch mit frischer Minze und Schokosplittern. Und die Verkostung fand tatsächlich „nach acht“(…!) statt. Das ist echtes Bauernhofeis – ohne Fertigmischung. Immer noch nicht genug, ist Andrea auch ausgebildete Kräuterpädagogin. Ab Hof bietet sie jahreszeitlich passend Führungen an. So entstehen dann wiederum aus Holunder, Schlehe oder Gundermann spannende Eiskreationen.

Den Schlachttieren nimmt sich der den aufmerksamen extra prima good Lesern bereits bekannte Anton Fürsich aus Hausen bei Greding an. Biologisch von ihm verarbeitet und veredelt gibt es das Fleisch und die Würste im Mayer Hofladen.

Ein Geschwister der Mayers im Geiste ist der aus dem Allgäu stammende Jörg Christmann. Im Jahr 2006, nach dem agrarwissenschaftlichem Studium an der FH Weihenstephan, übernahm er den Gemüseanbau auf dem Hof und führt ihn seither in eigener Regie. Seine Leidenschaft gilt insbesondere den Tomaten. Immer (wenn Saison!) im Angebot hat er die Sorten Adlerschnabel, Ananas Noir, Taiwan Teardrop, Black Ethiopian, Black Russian und Black Plum. Und er experimentiert gerne. Aktuell mit Berner Rose, Orange Russian, Reisetomate oder Yellow Pearshaped. Machen nicht schon diese Namen Lust auf Notwehr gegen geschmacksfreie Supermarktkreationen? Gedanklich war ich dann auch gleich wieder bei meinem letztjährigen Besuch der Paradeiserinstanz Erich Stekovics im Burgenland.

Die Ananas Noir (Favorit von Christmann) wird – optisch das berühmte „Entlein“ – geschmacklich zum „Schwan“. Unbedingt probieren!

Zusammen mit den Tomaten erfreuen sich an pestizid-, herbizid-, fungizid- und kunstdüngerfreien Böden: Chili, Auberginen, Zucchini, Gurken, Minigurken, Fenchel, Zuckerhut, Chinakohl, schwarzer Rettich, Endivien, Feldsalat, Petersilie, Schnittlauch, Broccoli, Blumenkohl, Lauch, Sellerie, Rhabarber, Blaukraut, Weißkraut, Grünkohl, Rote Rüben, Gelbe Rüben, Bohnen, Mangold, Kohlrüben, Pastinaken, Petersilienwurzeln, Kohlrabi, Lauchzwiebeln, Wirsing, Rosenkohl, Blaubeeren, Himbeeren und verschiedene Melonen.

Wahrlich gut geführt, mit Extratouren – z. B. Vorführung der Entspelzungsmaschine mit der Mayer im Auftrag des Klosters Plankstetten auch deren Biogetreide säubert – wartete auf uns am Ende eine Brotzeit mit Hofprodukten. Wie es sich für Slow Food gehört, an einer gemeinsamen Tafel. Weil die Fotos davon leider nicht den Qualitätsanforderungen dieses Blogs genügen, muss/will ich hier passen. Im Jargon eines Arbeitszeugnisses gesprochen, mundete alles stets zu unserer vollsten Zufriedenheit. Oder etwas lebensnaher: Saugut wars!

Man kann sich annähernd vorstellen – kann man es wirklich? – was für Arbeit die Mayers und Christmann schon quantitativ durchs Jahr leisten. Und dabei strahlen sie eine Ruhe und Gelassenheit aus, die wirklich beachtlich ist. Letzteres mag auch daran liegen, dass hier Menschen wirklich ihr Ding machen… Das Ergebnis ist, um es im Slow Food Dreiklang zu sagen, nicht nur sauber und fair sondern auch gut. Sehr gut. Und drei Kinder haben sie auch noch.

Herzlichen Dank für die Gastfreundschaft! Schön Euch da draußen zu wissen!

Zwei gute Nachrichten für die Ingolstädter Leser des Blogs. Alle Hofprodukte gibt es nicht nur im Hofladen, sondern auch auf dem Eichstätter Wochenmarkt (Mittwoch) und eben dem Ingolstädter Wochenmarkt (Samstag). Obst und Gemüse von Christmann zusätzlich auf den Märkten in Treuchtlingen (Freitag) und Weißenburg (Samstag). Und die zweite gute Nachricht: Vorfreude ist die schönste Freude. Die nächsten Samstage machen die Mayers Pause. Ihr Stand steht erst wieder ab dem 15. September am Ingolstädter Theatervorplatz. Genug Zeit also, um Vorfreude zu pflegen. Und am 15. vielleicht einen zweiten Korb mitzunehmen… Der Hofladen macht keine Ferien. Wie die Kühe.