Buchempfehlung: „Auf der Suche nach dem verlorenen Geschmack“

Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer sind als Autoren von Büchern, die sich mit Essen und Trinken beschäftigen, wahrlich keine Unbekannten. Außerdem bewirtschaften sie im Nordschwarzwald ein Apfelgut und kochen beim WDR im Fernsehen. Auf der jährlich stattfindenden Slow Food Messe „Markt des guten Geschmacks“ in Stuttgart (nächster Termin 12. – 15.04. 2012) hatte ich einmal die Freude bei Neuner-Duttenhofer ein Verkostungsseminar zum Thema Apfelsaft mitzumachen.

Die Liste der bisherigen Veröffentlichungen der beiden Slow Food Mitglieder besticht durch ihre Themenvielfalt. Wobei alle mir bekannten Werke auch Tiefe haben. Das gilt für viele Rezeptbücher, über die (2010) für die Stiftung Warentest geschriebene „Kochwerkstatt – Küchentechnik, Handwerkszeug, 1000 Tipps & Tricks“ bis zu der Serie „Kulinarische Landschaften“. Letztere ist mit dem Untertitel „Küche, Land und Leute“ eine sehr gut gelungene Kombination eben dieser drei Elemente, die sich doch gegenseitig so sehr bedingen und befruchten. Die Serie ist (man sieht das immer zuerst den Fotos besonders an) in die Jahre gekommen. Trotzdem haben sie in meiner Kulinariabuchsammlung ein Ehrenplätzchen.

Kurz zur heutigen Empfehlung: „Auf der Suche nach dem verlorenen Geschmack – Vom Glück kulinarischer Entdeckungen“:

Das Buch ist soeben im Lübbe-Verlag erschienen und begreift sich als Fortsetzung des wunderbaren 2008 veröffentlichten „Wo die glücklichen Hühner wohnen – Vom richtigen und vom falschen Essen“. Beiden Bücher schätze ich außerordentlich! Es sind Füllhörner an Wissen, das man benötigt um wirklich gute Lebensmittel zu erkennen, zu erfahren wie sie erzeugt werden, wie man mit ihnen umgeht und wo man sie bekommt.

Der erste Band beschreibt dazu die gesamte Bandbreite unseres Essens von pflanzlichen Lebensmitteln, über Fleisch, Geflügel und Fisch bis zu veredelten tierischen Produkten (Wurst, Schinken, Joghurt, Käse, Eier, etc.). Der (neue) zweite Band widmet sich einer Vielzahl von Einzelthemen. Die Bandbreite ist (wieder) bestechend. Unter Überschriften wie „Kann Bratwurst eine Delikatesse sein?“, „Das Dorschwunder“, Gute Fertiggerichte – gibt es die überhaupt?“, „Zu viel Hygiene“, „Kochen mit Kindern statt Kochen für Kinder“, „Landwirtschaft: Bio contra konventionell“, „Wer rettet das Mittagessen?“, „Vom Rind: Bio-Fleisch und Knochenreife“, „Weingenuss statt Sauferei“, „Wer gibt seinen Senf dazu?“, oder „Supermarkt: Architektur oder Schuhschachtel“ gibt es viel, sehr viel wertvolle Information.

Der Leser kann vertrauensvoll nach den Händen der Autoren greifen. Diese führen ihn unaufgeregt (bei aller Subjektivität) und vor allem ohne plumpe Gut-Böse-Dogmatik durch dieses so wichtige und gleichsam schöne Thema. Sehr viel praktische Erfahrung, Leidenschaft und vor allem Offenheit helfen hier wirklich weiter. Die beiden sind dem Geschmack – und keiner Weltanschauung – verpflichtet. In meinem Kopf sind Zimmer aufgesperrt worden, die ich zuvor gar nicht kannte und jetzt gerne bewohne.

Ein Gedanke zu „Buchempfehlung: „Auf der Suche nach dem verlorenen Geschmack“

  1. Sehr schön geschrieben! Warum essen nicht mehr nach Martina und Moritz Empfehlungen? Es kostet sicherlich nicht mehr und unter Umständen macht mehr aus jeden Tag!

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