Rosaroter Abend

Die Weingruppe von Slow Food Ingolstadt hat sich versammelt. Es ist Anfang Juni. Umgeben von frisch aufblühendem Lavendel harren wir gespannt der Dinge die da kommen. Und das sind sechs verschiedene, gut gekühlte Flaschen Roséwein. Passt! Ausgewählt und von außen unkenntlich gemacht, wurden sie von Slow Food Frankfurt schon vor einigen Wochen verschickt. Eine schöne Idee – begründet 2012 – hat endlich ihre Fortsetzung gefunden: Alle Slow Food Convivien Deutschlands sind eingeladen gleichzeitig sechs verschiedene Weine – diesmal eben Rosés – blind zu verkosten und zu bewerten.

18 Gruppen hatten sich angemeldet. Und wie schon vor fünf Jahren – damals gab es zwei Mal Riesling (siehe Verkostung1 und Verkostung2) – war Slow Food Ingolstadt sehr gerne mit von der Partie.

Bereits hier ein herzliches Dankeschön an Heike und Daniel Engstler für die perfekte Vorbereitung des Tests und die schon legendäre Gastfreundschaft!

Ich gebe es gleich zu – zwei, drei Bilder hätten sicher auch gereicht. Andererseits sollte man richtigem Flow den nötigen Raum geben. Und – die ideale Zeit für Rosé ist kurz genug…

Ab 21 Uhr konnten die Erkenntnisse der Runde in die Auswertungsseite im Netz eingegeben werden:

Gegen 22 Uhr stand dann das Ergebnis fest. Die ersten drei Weine der landesweiten Gesamtwertung: Blau, gelb und rot. Der Zieleinlauf unseres Conviviums: Rot, weiß und blau:

Mit gelüftetem Schleier wissen wir, es waren drei Deutsche (blau, gelb und weiß) und drei Italiener (rot, schwarz und grün):

blau – Deep Blue, Pinot Noir, Dr. Martin Tesch, Langenlonsheim/Nahe, 13% Alkohol – Preis: 11,01 EUR

gelb – Spätburgunder Rosé, Joachim Flick, Flörsheim-Wicker/Rheingau, 11,5% Alkohol – Preis: 7,49 EUR

rot – Chiaretto Miti, DOC Garda Classico, Tenuta Roveglia, Pozzolengo/Lombardei/Italien, 12,5% Alkohol – Preis: 8,98 EUR

schwarz – Pipoli, IGP Basilicata, Vígneti del Vulture, Acerenza (PZ)/Basilicata/Italien, 12% Alkohol – Preis: 6,50 EUR

weiss – Rosé feinherb, biowein demeter, Weingut Feth, Flörsheim-Dahlsheim/Rheinhessen 12% Alkohol – Preis: 6,28 EUR

grün – Sagaris, IGT Basilicata, cantine Madonna delle Grazie, Ventosa (PZ)/Basilicata/Italien, 13,5% Alkohol – Preis: 7,90 EUR.

Fürs Protokoll: Ich gab rot, schwarz und weiß jeweils 2 Punkte.

An die Freunde nach Frankfurt: Danke und bitte weitere Proben! Sie sind sehr kurzweilig. Braucht ihr eine Anregung? Spätburgunder!

Slow Wine

Seit der 3. Auflage (2013) gibt es vom italienischen Weinführer „Slow Wine“ (Slow Food Editore) eine Ausgabe in deutscher Übersetzung (Hallwag Verlag):

wine3

Den italienischen Wirtshausführer „Osterie d`Italia“ (Slow Food Editore) gibt es bereits seit 1990 und ab 1993 in deutscher Übersetzung. Bekanntlich kam vor 3 Wochen mit dem „Genussführer“ erstmals ein von Slow Food Deutschland (oekom Verlag) erstelltes Verzeichnis von anständigen Wirtshäusern hierzulande auf den Markt. Getreu dem schönen Satz im Vorwort „Die Schnecke hält ihre Fühler ausgestreckt“ gilt es jetzt weitere Schätze zu heben (300 Empfehlungen in Deutschland zu über 1.700 in Italien!). Die Ingolstädter Testgruppe jedenfalls hat für die zweite Auflage den ein oder anderen hoffnungsvollen Kandidaten bereits ausgemacht…

Und ich vertraue darauf, dass es jetzt nicht auch 20 Jahre dauert, bis es einen „Slow Wine Führer Deutschland“ gibt. Der Anfang ist nämlich schon gemacht! Ulrich Steger und Kai Wagner haben sich in ihrem Buch „Die Avantgarde der deutschen Winzer“ (2013/oekom Verlag) zum Thema Slow Wine ausführlich gute Gedanken gemacht. Herausgekommen ist – so habe ich das Buch aufgenommen – eine Diskussionsvorlage. Zum Beweis der Tatsache, dass Qualität (insbesondere) Zeit braucht, werden 44 deutsche Winzerpersönlichkeiten in den Zeugenstand gerufen:

wine1

Weil man sie an ihren Früchten erkennen soll, hat sich der Weinstammtisch des Slow Food Conviviums Ingolstadt bei seinem letzten Treffen einige Gewächse von Slow Wine Erzeugern hingelegt:

Wagner-Stempel: Siefersheimer Riesling vom Porphyr 2011 und Scheurebe Trocken 2011, A. Christmann: Riesling Reiterpfad GG 2008, Danner: Grauburgunder Typ zwei 2010, Corvers-Kauter: Riesling Vom Schiefer-Berg Rottland, 2011, Fürst: Riesling Centgrafenberg 2008 und Seeger: Weisser Burgunder 2012.

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Es war ein langer Abend. Will sagen, auch wir haben uns Zeit gelassen…

Slow Food Convivium Ingolstadt 2011

Es fehlt noch ein bisserl aus dem Jahr 2011. Unser Tatendrang 2010 ist hier dokumentiert.

Kochen am 18.03.2011.

Vorspeise:

Hühnchenleber (von Schönacher/Ingolstadt) auf geröstetem Weißbrot

Hauptgang:

Forelle (von Lang/Regelmannsbrunn) im Salzteig mit Pesto und Fenchel

Nachspeise:

Birnen mit Honig, Ziegenfrischkäse und Pecorino

Weine:

  • Furstentum 2002, Gewürztraminer, Andre Blanck, Elsass und
  • Patergarten 2002, Riesling, Paul Blanck, Elsass

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21.01.2011 – Weinstammtisch – Thema Spätburgunder in Rheinhessen (Gegenprobe Baden/Burgund)

  • Battenfeld-Spanier, Hohen-Sülzen: Spätburger „Holzfass“ 2007
  • Battenfeld-Spanier, Hohen-Sülzen: Kirchenstück 2007 GG
  • Weingut Kühling-Gillot, Bodenheim: Oppenheim Kreuz 2007 GG
  • Weingut Ludi Neiss, Kindenheim: Glockenseil 2008 GG
  • Weingut Keller Flörsheim-Dalsheim: Spätburgunder trocken „S“ 2006 GG
  • Weingut Bernhard Huber, Malterdingen: Bombacher Spätburgunder trocken 2007
  • Domaine Dupont-Tisserandot, Cote-D´Òr: Gevrey-Chambertin 2000

 25.03.2011 – Thema Lieblingsweine

Weinstammtisch am 25.03.2011. Thema: Persönliche Empfehlungen!

Zu Gast waren wir bei Ulla und Franz in Neuburg. Es gab Rinderzuge vom Murnau-Werdenfelser mit Bärlauchpesto (erste Ernte 2011), Nudeln mit Hackfleisch- und/oder Bärlauchsugo, Käse, Schokoladen von Zotter und Schwarze Nüsse.

Alle waren zur richtigen Zeit am richtigen Platz – ein wunderschöner Abend. Herzlichen Dank an Ulla und Franz!

Getrunken wurden – in dieser Reihenfolge:

  • Ruinart, Champagner brut, Champagne
  • Vinchio – Vaglio Serra, Langhe Nebbiolo, Piemont
  • Fontanafredda, Dolcetto d’Alba, 2009, Piemont
  • Rivetto, Dolcetto d’Alba Ercolino, Piemont
  • Hannes Reeh, Zweigelt Unplugged, 2009, Burgenland
  • Domaine Clos Marie, Cuvée Simon, 2002, Languedoc-Roussillon
  • Au Bon Climat Pinot Noir Santa Maria Valley „La Bauge Au-dessus“, 2006, Kalifornien
  • Fattoria di Milziade Antano, Montefalco Sagrantino Colleallodole, 2003, Umbrien
  • Tschida Angerhof, Beerenauslese Sämling 2006, Burgenland

01.07.2011 – Thema Chardonnay

Weinstammtisch am 01.07.2011. Thema Chardonnay Frankreich und Kalifornien.

Gastgeber: Die Olmas. Getrunken wurden:

  • Tinaquaic Vineyard, Foxen 2009, Kalifornien
  • Domaine Bugude, L ‚Etoile 2007, Languedoc Roussillon
  • Four Wines Naked, Chardonnay 2009, Kalifornien
  • Domaine de Valensac, Cuvée Lafon 2009, Languedoc Roussillon
  • Stépane Tissot, Les Graviers 2006, Jura
  • Au Bon Climat, Chardonnay 2007, Kalifornien

25.11.2011 – Thema Chenin Blanc

Weinstammtisch am 25.11.2011 mit Rohmilchkäse aus London.

Verkostet wurden folgende Weine:

  • Spier Stellenbosch: Inspire 2010
  • Domaine Touchais: Coteaux du Layon
  • Domaine de Belliviere: Les Rosiers 2006 und Calligramme 2006
  • Domaine Huet, Vouvray: Clos du Bourg Sec 2010 und Le Mont Sec 2010

30.06.2012 – Thema Roséweine

Verkostet wurden folgende Weine:

  • Chateau de Roquefort, Corail, Cotes de Provence, 2011
  • Manincor, La Rose de Manincor, 2011
  • Fred Loimer, Rose Zweigelt, 2011
  • Sven Leiner, Fusion Rose, 2011
  • Domaine la Courtade, Rose Alycastre, Cotes de Provence, 2011
  • Zenato, Chiaretto, 2011

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So – geschafft!  Was auch immer jetzt mit der Slow Food Deutschland Website geschieht – die Chronik ist gerettet. Alle Berichte zu den weiteren Aktivitäten des Slow Food Conviviums Ingolstadt wurden vom padrone zugleich auch hier auf dem Blog extra prima good veröffentlicht. Es sind dies zur Stunde: Kochen Reh, Weinstammtisch Riesling-Blindverkostung, Südliche Rhône, Riesling-Blindverkostung (2) und die Veranstaltungen Hopfen, Juliusbräu, Lehenmühle, Biohof Mayer, Gärtnerei Ziegler, Tafelrunde und zuletzt Donaufisch.

Slow Food Convivium Ingolstadt 2010

Der Rettungsschirm spannt sich jetzt über das Jahr 2010. Rettungsschirm? Also:

02.05.2010 – Besuch Chocolaterie „mundgerecht“

Seit Mitte März 2010 hat mundgerecht, eine kleine Patisserie und Chocolaterie im Zehenthof zwischen Viktualienmarkt und Fußgängerzone in Ingolstadt geöffnet.

In der kleinen Erlebniswelt des Genusses trifft man auf unwiderstehliche, kleine aber feine Köstlichkeiten. Handgefertigte Einzelstücke in exzellenter Qualität – direkt vor Ort hergestellt. Süß, salzig, schokoladig – mundgerecht(e) Köstlichkeiten. Das wollten wir uns am 02.05.2010 genauer ansehen.

Frau Katrin Elsler, die Inhaberin der Manufaktur, führte uns zu Beginn in die Grundsätze von „mundgerecht“ ein und präsentierte uns dazu die Köstlichkeiten die ihr Vater Ernst – gelernter  Meister seines Fachs – hergestellt hatte. Zuerst waren salzige Kleinigkeiten wie Käsestangen, Käseschwäne (auch mit Meerrettich), Blätterteig-Pasteten, Tarteletts mit Ziegenkäse an der Reihe bevor wir das hauseigene gebackene Müsli mit Dinkelflocken und allerlei leckeren Zutaten testeten. Alle Produkte (auch alle Teigsorten) werden selbst hergestellt und Ernst Elsler verriet uns das ein oder andere Rezept.

Dann wurde es „schokoladig“ und wir erfuhren viel über die köstliche Kuvertüre (Grundschokolade). Herr Elsler verwendet ausschließlich reinsortige Grand Cru Schokoladen der Schweizer Firma Felchlin, vor allem die Sorte Criollo aus Venezuela. Diese verarbeitet er dann zu allerlei Kreationen. Es gab eine heiße Schokolade, die gerade deshalb so gut schmeckte, weil sie nicht so süß war; Zitat: „Wir arbeiten nicht so süß, dass es im Hals schmerzt…“ Dann durften wir zusehen, wie er die Hüllen für die Muttertagsherzen mit der Temperier-Überziehungsmaschine herstellte. Für die Füllungen hat er sich auch etliches ausgedacht, so wird es z.B. eine Chilifüllung für die „scharfe“ Mama geben und eine Grand Marnier Füllung für die „lustige“ Mama.

Anschließend schwelgten wir im Genuss von Eclairs, Petit Fours, Französischen Fours, Trüffeln, Pralinés, Mandelsplittern, Mandelgebäckspezialitäten, Cantuccini, Gewürzplätzchen aus Dinkelmehl (nach Hildegard von Bingen), Teegebäck und vielem mehr. Viele Zutaten und Produkte, die im „mundgerecht“ verarbeitet und verkauft werden, haben eine regionale Herkunft. Das Mehl z. b. kommt ausschließlich von der Hainmühle im Altmühltal.

Schöne Veranstaltung – Danke den Elslers! Wir können jedem empfehlen hier einmal Station zu machen (Sitzplätze vorhanden) und vor Ort bei der Herstellung zuzusehen; dann beginnt die (genussvolle) Qual der Wahl…

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 12.06.2010 – Kräuterwanderung

Seit Mitte April 2010 gibt es in Böhmfeld den ersten (!)  bayerischen Kräuterweg. Initiatorin ist unter anderem die Wirtin des Beckerwirts Frau Andrea Ponschab.

Der Kräuterweg führt in die nördliche Flur von Böhmfeld. Der Besucher kann einen kurzen Weg (1,5 km) oder eine längere Route (5,7 km) auswählen. Beide Strecken führen wieder nach Böhmfeld zurück. Entlang das Wegs befinden sich 5 Tafeln mit Informationen:

Tafel 1: Mediterrane Kräuter und andere Sonnenanbeter
Tafel 2: Kräuter mit Zaubermächten
Tafel 3: Hecken und Gehölze
Tafel 4: Hausapotheke vor der Tür
Tafel 5: Böhmfeld und seine Wege durch die Zeit

Am 12.05.2010 trafen wir uns beim Beckerwirt und begingen unter der fachkundigen Begleitung der Kräuterpädagogin Johanna Schneider den Weg.

Die Brachflächen im Bereich des Kräuterweges werden einmal jährlich mit Schafen beweidet. Diese Maßnahme führt dazu, dass viele in unserer Region selten gewordene Wildkräuter auf den nun wieder freien Trockenhängen zurückkehren.

Frau Schneider gab uns zu einer Vielzahl von vermeintlichen „Unkräutern“ am Wegesrand interessante Informationen über deren Verwendung in der Küche aber auch in der Kräuterheilkunde bis hin zur Mythologie. Im Besonderen widmeten (= ansehen, anfassen, riechen, schmecken) wir uns den Kräutern Giersch, Wiesensalbei, Wilder Thymian, Holunder und Wiesen-Labkraut (Fotos oben – von oben nach unten, von links nach rechts).

Weiter ging es mit den Kräutern Schafgarbe, Brennnessel, Gundermann, Wiesen-Bärenklau und Wilder Majoran (Fotos oben – von oben nach unten, von links nach rechts).

Nach unserer Wanderung wartete der gemütliche Beckerwirt-Biergarten auf uns. An einer langen Tafel (:-)) verkosteten wir u. a. spritzig-frische Kräuterlimonade, die legendäre Unkrautsuppe des Hauses, köstliche Hollerkücherl und eine wunderbare Lasagne mit Salbeichip, Gemüse und frischen Wildkräutern. Saisonalität und Regionalität waren heute nicht zu steigern… Geführte Wanderungen können über den Beckerwirt gebucht werden – sehr empfehlenswert!

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02.07.2010 – Start des Weinstammtischs

Einführungstreffen:

  • Weingut von Racknitz: Nahe, Riesling trocken von 2008
  • Fred Loimer: Kamptal, Muskateller „Kamptal“ von 2009
  • Heymann-Löwenstein: Mosel, Schieferterrassen, Riesling von 2006
  • Schloß Proschwitz: Sachsen, Riesling Spätlese von 2002

27.08.2010 – Thema Silvaner

Castell (Franken):

  • Kugelspiel, Edition Graf Ferdinand, trocken, 2009
  • Schlossberg Spätlese GG, trocken, 2008
  • Apriles Anno 1659, 2008

Horst Sauer (Franken):

  • Escherndorfer Fürstenberg, Kabinett trocken, 2009
  • Escherndorfer Lump, Spätlese trocken, 2009

Rudolf Fürst (Franken):

  • Centgrafenberg, 2009

Wittmann (Rheinhessen):

  • Silvaner trocken, 2009

 10.11.2010 – Thema alte Reben

  • Weingut Seeger, badische Bergstraße, Leimen/Heidelberg: Oberklamm 2007 „Oberklamm“ GG, Weißer Riesling
  • Van Volxem, Wiltingen: „Altenberg Alte Reben“ 2006 GG, Saar Riesling
  • Heymann-Löwenstein, Mosel, : „Uhlen R (Rothlay)“ GG 2006. GG, Riesling
  • Uwe Schiefer, Südburgenland: „Pala“ Blaufränkisch 2008
  • Soula Rouge, Fenouilledes: „Soula“ 2001, Roussillon

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 01.08.2010 – Besuch bei Winzer Tremml

Weinbau in unserer Region?! Die Römer kultivierten ab 276 als erste den Weinbau in Neuburg an der Donau. Dieser ist dann durchgehend bis 1780 nachgewiesen. Seit 1991 betreibt nunmehr der sehr sympathische und hellwache Weinbauer Josef Tremml das Winzerhandwerk auf seinem Weinberg im Eulatal auf einer Fläche von 340 qm. Ziel: Den historischen Weinbau in Neuburg wieder zu beleben!

Treffunkt war am Sonntag, 01.08.2010 um 10:00 Uhr an der Kirche in Bittenbrunn. Zusammen ging es zum ca. 20 min entfernten Weinberg, wo wir von Herrn Tremml bereits erwartet wurden.

In entspannter Runde mit wunderbarem Blick auf die im Tal fließende Donau lauschten wir Herrn Tremml. Und dieser hatte viel Interessantes zu erzählen. Schwierigkeiten vor Ort seiner Leidenschaft nachzugehen machen ihm weder geografische noch klimatische Bedingungen – im Gegenteil wie wir im Glas schmecken konnten. Die Probleme sind bürokratischer Natur. Da gibt es Kompetenzstreitigkeiten zwischen den Behörden und eine wohl sehr starke Lobby aus Unterfranken/“Weinfranken“…

Mit welchen Rebsorten hat er angefangen? Welche sind heute im Berg? Was hat er in den letzten zehn Jahren an Erfahrungen mit Anbau, Pflege, Ernte und Kellertechnik gemacht? Diese und ähnliche Fragen wurden kurzweilig bei verschiedenen Kostproben seiner Weine und beim Gang durch die Rebzeilen beantwortet. Neben seinem oberbayerischen Weinberg bewirtschaftet Herr Tremml auch Flächen in Volkach.

Verkostet wurden Secco trocken aus der Müller-Thurgau-Traube, Anbau Franken mit natürlicher Kohlensäure angereichert, Müller-Thurgau halbtrocken, Anbau Neuburg, Müller Thurgau trocken, Anbau Franken, Rotling halbtrocken, Anbau Franken, Rotwein Cuvée, Anbau Franken und Regent trocken, Anbau Neuburg.

Zwischendrin gab es eine fantastische Brotzeit: Roggenmischbrot mit Wildschweinschinken, geräucherte Rehbeißer, Rehsalami und Wildschweinpastete mit Preiselbeeren – das Wild stammt aus eigener Jagd. Obazda, Frischkäse eingelegt in Rapsöl mit Knoblauch, Hartkäse mit Pfefferrinde und Hartkäse mit Bockshornkleeblüten aus der Schmalzmühle der Familie König in Röcklingen. Nachspeise: Eigene Weinschokolade.

Im Mikroklima des Weinbergs vor Ort gedeihen neben dem Wein auch noch Grünspargel und 30 verschiedene Obstsorten –  außer den verschiedensten Apfel-, Birnen-, Zwetschgen- und Kirschsorten auch Edelkastanien, Walnuss, Kiwi, Quitte, Mispel, Maulbeeren, Pfirsich und Oliven.

Hintergründe, Projekte und Veranstaltungshinweise finden sich auf der sehr informativen Homepage des Winzers. Nach eigener Aussage treffen Sie Herrn Tremml persönlich auf seinem Weinberg im Eulatal bei schönem Wetter von Mai bis Oktober sonntags ab 14 Uhr. Diese Begegnung sollten Sie unbedingt machen!

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25.09.2010 – Besuch Obstbau Canisiushof

13 km nordöstlich von Ingolstadt – zwischen Theißing und Kasing – liegt der Obstbaubetrieb Canisiushof. Seit 1919 wird hier durchgehend Obst erzeugt – bis 1956 sogar als staatlich Bayerischer Landesobstgarten. Davon gab es landesweit lediglich drei. Immer wieder überraschend was unsere Region doch so alles bereithält… Seit 1978 führt nunmehr die Familie Schmid das Ruder. Johannes Schmid folgt in der zweiten Generation seine Eltern Johann und Maria nach. Auf ca. 10 ha wird Obst im integriert, kontrollierten Anbau kultiviert. Die Kernkompetenz liegt beim Apfel. Zwölf Sorten wachsen hier. Dazu kommen Erd- und Himbeeren, Birnen (drei Sorten), Süß- und Sauerkirschen, Birnen und Zwetschgen.

Eine Woche vor dem jährlichen Apfelfest besuchten wir den Betrieb am 25.09.2010. Im Mittelpunkt stand (natürlich) der Apfel.

Bei einem Rundgang durch die Obstgärten ließen Vater, Mutter und Sohn Schmid keine Frage offen. Betriebsphilosophie, Auswahl der angebauten Sorten, Pflanzung, Schnitt, Ernte, Lagerung und Reife, Saftpressung, Sortenwahl zum Backen, etc. wurden besprochen. Erdbeeren können Anfang/Mitte Juni vor Ort auch selbst gepflückt werden. Zitat: „Unsere alleinige Priorität bei den Erdbeeren ist der Geschmack – nicht die Transport- und Lagerfähigkeit“. Das ist leider (bleibend ärgerlich) die Ausnahme im Handel.

Die Schmids sind reine Direktvermarkter. Obst und Apfelsaft (frisch gepresst oder haltbar) können im eigenen Hofladen und auf den Wochenmärkten in Kösching, Ingolstadt und Pfaffenhofen gekauft werden. Äpfel gibt es bis Mai.

Nach der Verkostung verschiedener Apfelsorten und frisch gepresstem Apfelsaft im Hofladen saßen wir in gemütlicher Runde mit Kaffee und wunderbarem Selbstgebackenem – Apfelstrudel, Apfel-Bienenstich und Apfel-Nuss mit Rahmguss.

Ein weiteres Mal kamen wir zur Erkenntnis – nicht wirklich überraschend aber immer wieder beruhigend – dass es gut wird, wenn Menschen mit Leidenschaft ihr Ding machen. Das tun die Schmids – der Apfel in unserer Region hat jetzt eine Geschichte, ein Gesicht. Ein Werbespruch von „Apple“ heißt übrigens „Think Different“. Genau.

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Die Aktivitäten 2009. Die Fortsetzung 2011.

Slow Food Riesling-Blindverkostung (2)

14.11.2012. Zweite Runde (hier die erste) einer besonderen Weinprobe. Der Weinstammtisch des Conviviums Ingolstadt war sehr gerne wieder dabei. Zum Projekt „Die Vielfalt des deutschen Rieslings“: Das Convivium Frankfurt hatte die Idee, alle Slow Food Convivien Deutschlands einzuladen, gleichzeitig sechs verschiedene Rieslinge blind zu verkosten und zu bewerten.

Die Weine – allesamt aus dem Jahr 2010 und für jeweils unter 13 Euro die Flasche – stammten diesmal aus den Anbaugebieten Ahr, Franken, Hessische Bergstraße, Mittelrhein, Nahe und Württemberg. Das war bei der Verkostung natürlich noch unbekannt.

15 Gruppen hatten sich für die zweite Runde angemeldet. Darunter diese 13 Slow Food Convivien: Berlin I, Bonn, Chiemgau/Rosenheimer Land, Dortmund, Frankfurt, Freiburg, Hamburg, Hannover, Ingolstadt, Pfalz, Rostock, Stuttgart, Tübingen/Neckar-Alb.

In Ingolstadt waren wir heute zu siebt. Gastgeber Thomas (Häuptling unserer Weingruppe) hatte den Tisch bei unserem Eintreffen bereits reichlich gedeckt. Allgegenwärtig der Duft einer frischen Trüffelsalami aus Alba. Die Vorfreude darauf blieb, die Wurst aber musste zur Weinverkostung den Raum verlassen.

4 Schraubverschlüsse, ein Kunststoffkorken und ein Glasverschluss später, ging es dann los. Farbe, Geruch, Mundgefühl, Geschmack, Abgang. Einmal durch und wieder zurück. Hin und her. In sich gehen. Wasser trinken. Eindrücke zu Papier bringen. Ein Bissen Brot. Zaghafte Stellungnahmen in die Runde. Diskussion. Widerspruch. Gemeinsamkeit. Die Weine hatten Luft, die Temperatur veränderte sich – damit hier und da auch die Wertungen.

Ab 21 Uhr konnten die Erkenntnisse der Runde in die Auswertungsseite im Netz eingegeben werden. Gegen 22 Uhr stand das Ergebnis fest. Die ersten drei Weine der landesweiten Gesamtwertung: Blau, rot und schwarz. Der Zieleinlauf unseres Conviviums: Grün, blau, sowie gleichauf braun mit rot.

Die Zuordnung:

blau = Mittelrhein: Toni Jöst, Bacheracher Hahn Riesling Spätlese trocken, 12,80 EUR, meistgenannte Typizität: mineralisch/fruchtig
rot = Nahe: Von Racknitz, Riesling trocken vom Schieferboden, 13,00 EUR, mineralisch/fruchtig
schwarz = Hessische Bergstraße: Simon-Bürkle, Granit Riesling trocken, 7,50 EUR, sauer/grüner Apfel/jugendlich/knackig
grün = Ahr: Mayschoß-Altenahr, Ahr Riesling Spätlese trocken, 7,70 EUR, fruchtig/flach
braun = Franken: Egon Schäffer , Escherndorfer Lump Riesling Spätlese trocken, 13,00 EUR, chemisch/alkoholisch

Mit signifikanter Lücke der Kandidat weiß = Württemberg: Beurer, Stettener Pulvermächer Riesling trocken, 9,80 EUR, sauer/flach

grün/Ahr: Mayschoß-Altenahr war (eindeutig) mein persönlicher Favorit des Abends. Flaschen leer (schwarz und weiß ausgenommen), Comeback der Trüffelsalami. Käseteller. Ein solcher Test macht einfach Spaß! Warum machen von über 80 Slow Food Convivien in Deutschland nicht einmal 20% mit?

Respekt und ein dickes Dankeschön nach Frankfurt! Sollte die Fahrt (gerne auch mit anderen Rebsorten) weitergehen – wir bleiben genüsslich an Bord. Weitere Infos zur Veranstaltung auf der Seite von Slow Food Deutschland.

Nachtrag (05.06.17): Fortsetzung.