Weißbiertest: Die Alkoholfreien

In der traditionell vom padrone gepflegten Fastenzeit bleibt von Aschermittwoch bis zur Osternacht auch der Alkohol aus dem Spiel. Die Starkbierzeit muss also stetig gut ohne mich auskommen. Eine klitzekleine Ausnahme gab es vor fünf Wochen.

Neben den „normal“ konditionierten Bieren, habe ich an leichten Weißbieren großen Gefallen gefunden. Und nach einem Zieleinlauf beim Halbmarathon hatte ich mein Erweckungserlebnis mit alkoholfreiem Weißbier. Noch ist Fastenzeit, vorletzte Woche wurden die Sonnenstrahlen länger – ideale Bedingungen für einen Vergleichstest des wunderbaren Durstlöschers.

Wie immer will ich anregen solche Tests selbst zu machen – seinen eigenen Geschmack zu finden!

Bei der Vorbereitung nehme ich interessiert zwei Vergleiche alkoholfreier Weißbiere zur Kenntnis. Im Mai 2010 testete (hier) die Stiftung Warentest 20 Biere. Gewonnen hat das TAP 3 von Schneider. Im Juni 2011 verglich die WISO Redaktion des ZDF 12 Biere. Gewonnen hat hier das alkoholfreie von Riegele.

Eingekauft habe ich beim Getränkemarkt Hörl im Unterlettenweg 1 in Ingolstadt. Dieser Markt ist gerade bei Klein- und Regionalbrauereien sehr gut sortiert. Lob! Das Riegele hat nicht nur den ZDF-Test gewonnen. 2010 wurde vom sehr empfehlenswerten ProBier-Club die Auszeichnung „Bier des Jahrzehnts“ dem „Commerzienrat Riegele Privat“ verliehen. Gründe also genug mir deren alkoholfreies Weißbier aus Augsburg zu organisieren. Danke Hugo! Am Start waren damit elf Kandidaten – alle aus Bayern:

Brauerei Typ EUR/Flasche
1 Erdinger Erdinger alkoholfrei 0,75
2 Franziskaner Franziskaner alkoholfrei 0,80
3 Gutmann Alkoholfreies Hefeweizen 0,70
4 Herrnbräu Hefe Weißbier alkoholfrei 0,72
5 Hofmühl Weissbier alkoholfrei 0,70
6 Lammsbräu Weisse alkoholfrei 0,80
7 Nordbräu 93’er alkoholfrei 0,65
8 Oettinger Alkoholfreies Weißbier 0,45
9 Paulaner Hefe-Weißbier alkoholfrei 0,80
10 Riegele Hefe-Weissbier alkoholfrei nicht bekannt
11 Schneider TAP 3 0,75

Die Preisspanne pro Flasche lag zwischen 0,45 und 0,80 EUR. Die Etiketten-Deklaration beziffert die kcal pro 100 ml zwischen 15 (Hofmühl) bis 27 (Oettinger). Nur (gut!) drei Brauereien benutzen Hopfenextrakt (Franziskaner, Oettinger und Hofmühl). Bei allen war Hefe in der Flasche. Das Lammsbräu stellte das einzige Bio-Weißbier.

Meine Frau Petra und ich. Eine sehr kleine, aber ausgesprochen feine Testgruppe… Das Kriterium (stabiler) Schaum ließen wir aus und konzentrierten uns voll und ganz auf Geruch (30%) und Geschmack (70%). Wir machten im Ergebnis dabei zwei Grund-Geschmacksgruppen aus. Biere mit einer eher süßlichen Note und solche, die ins säuerliche tendieren. Hopfigkeit und Bitternoten waren nicht wirklich repräsentiert.

Der fehlende Alkohol macht sich bemerkbar. Es fehlt an einem Geschmackträger. Ein alkoholfreies Weißbier hat (sehr) deutlich weniger Fülle und Körper als seine leichten oder gar schweren (normalen) Verwandten. Ich glaube man wird ihm nur gerecht, wenn man von ihm nicht erwartet diese zu ersetzen. Es ist etwas anderes. Dabei aber in der Spitze durchaus wohlschmeckend und in jedem Fall herrlich durstlöschend.

Wir führten die Verkostung (natürlich) als Blindprobe durch. Rauf und runter der Testreihe, dann kreuz und quer – ähnliche Kandidaten immer wieder unmittelbar miteinander vergleichend. Die Spannung war enorm, als wir am Ende den Ergebnissen endlich die Brauer zuordneten.

Zunächst einmal waren wir uns einig, dass der säuerlich-wässrige Typ nicht der unsere ist. Mit dem Hofmühl (gutes Helles!) und dem Herrnbräu (gutes leichtes Weißbier!) wurden wir beide deshalb nicht warm. Es folgte das Mittelfeld … darunter die beiden angesprochenen Testsieger … und schließlich zwei Spitzengruppen mit großer Übereinstimmung: Jeweils viermal derselbe Brauer unter den ersten fünf Plätzen. Konkret:

Petra Erdinger/Lammsbräu/Gutmann/Franziskaner/Oettinger
padrone Gutmann/Erdinger/Lammsbräu/Oettinger/Nordbräu

Das Lammsbräu hatte eine feine honigsüße Note. Das Erdinger (tick ins hopfige) und das Gutmann (tick ins süße) waren die geschmacklich ausgewogensten Kandidaten. Man muss sich kritisch an die eigene Nase fassen: Wäre das billigste Bier im Feld, das Oettinger, bei einer offenen Verkostung unter die ersten fünf gekommen?

Zum Ende stellten wir übrigens übereinstimmend fest, den fehlenden(!) Alkohol – ganz leicht, aber immerhin doch – zu spüren. Die Auflösung: Der Gesetzgeber akzeptiert eine „alkoholfrei“-Kennzeichnung für Bier unter 0,5 Volumenprozent. Erstaunlich. Wie so vieles im Lebensmittelkennzeichnungsrecht…

Morgen – Karfreitag. Dann am späten Samstagnachmittag, sagen wir so gegen 17 Uhr, winkt der padrone ein leichtes Weißbier von der Seitenauslinie ins Spiel…

Update (01.06.2013): Zwei weitere Kandidaten.

6 Gedanken zu „Weißbiertest: Die Alkoholfreien

  1. In unserem Freundes-und Bekanntenkreis ist das Lammsbräu Alkoholfrei das absolute Lieblingsbier. Nach dem Sport ist es bei unseren Tennis- und Fitnessfreaks
    der Durstlöscher. Es kam sogar schon zu Lieferschwierigkeiten bei unserem Getränke-
    händler.

  2. Tip: Oettinger sagt überhaupt nichts über den Inhalt aus, da Oettinger in Ingolstadt und Umgebung Marke X abholt und 50 km weiter südlich Marke Y, Marke Z weiter östlich usw. (Prinzip ist das sortenreine Abfüllen aus Überproduktion div. Brauereien)
    So kann es kommen, dass einem Oettinger Weisse in München spitzenmässig schmeckt, das scheinbar gleiche Bier in Ingolstadt aber eben nicht und umgekehrt…

    probieren geht über studieren – Prost!
    Gruß
    Rolo

  3. Hallo und Kompliment für den Bericht,
    ich suche eine alkoholfreie „Berliner Weisse“ für die Herstellung einer alkfreien Berliner Weisse mit Schuss. Meiner Kenntnis nach gibt es aber keine alkoholfreie Berliner Weisse, also muss es ein Standard-Alkoholfreies-Weissbier tun, nur möglichst sauer sollte es aber dann schmecken. Welches der getesteten Biere hat bei Euch am sauersten geschmeckt?
    Danke für die Antwort und Gruss.

  4. Kann jedem nur raten, mal Maisels Weisse alkoholfrei zu probieren. Für mich eine echte Offenbarung…

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