Donaufisch im Weltenburger Kloster

Ingolstadt liegt an der Donau. Den Fluss der Stadt – oder umgekehrt? – und seinen Menschen näher zu bringen ist hier ein tagesaktuell viel diskutiertes Thema. Letztes Jahr habe ich am städtischen Nordufer diese schöne Installation zu Ehren seiner unmittelbaren Bewohner entdeckt. Ihnen galt jetzt auch eine sehr reizvolle Slow Food Veranstaltung

Unter dem Titel „Donaufisch und Weltenburger Enge“ trafen sich Anfang Oktober in Kelheim (Hafen) Mitglieder aus den beiden Convivien Niederbayern und Ingolstadt. Die Zusammenkunft war mit 70 Gästen sehr gut besucht. Goldenes Herbstwetter gesellte sich zur Freude aller auch hinzu.

Mit Fischen aus der Donau habe ich bereits früh meine Erfahrungen gemacht. Sie sind zweigeteilt. Großartig in Erinnerung habe ich die Nächte, in denen ich meinen Vater beim Aal-Angeln begleiten durfte. Nicht so toll waren (vereinzelte) Karpfenessen. Die Karpfen wurden vor der Zubereitung nicht in frischem Wasser gewässert. Sie schmeckten deshalb nach Schlamm und Moos. Erst diese Slow Food Reise vor einigen Jahren in den mittelfränkischen Aischgrund versöhnte mich wieder mit ihnen.

Slow Food schreibt die Verwendung regionaler Produkte groß. Als mich Georg Flingelli mit der Idee konfrontierte, unserem Donaufisch nachzuspüren, war ich deshalb davon sofort sehr angetan. Und ich darf es vorwegnehmen: als Kelheimer spielte er seinen Heimvorteil voll aus und stellte eine wirklich erstklassige Veranstaltung auf die Beine. Noch einmal lieben Dank dafür!

Georg Flingelli – stellvertretender Slow Food Conviviumleiter Niederbayern

Zu Beginn empfing uns Lothar Ziegler. Er ist Berufsfischer bei der Fischereigenossenschaft Kelheim (der Link beinhaltet auch Verkaufsstellen). Sie wurde 1472(!) gegründet und ist damit die älteste Deutschlands. Auf einer Länge von 50 km – Donauabschnitt zwischen Neustadt und dem Naabspitz – hält sie das Fischereirecht. Von ihm erfuhren wir viel Wissenswertes zum Thema Fisch und Fang in der überwältigenden Flusslandschaft der sogenannten „Weltenburger Enge“. Viele kennen diesen Flussabschnitt auch unter der Bezeichnung „Donaudurchbruch“.

Die Fische werden mit Spiegel- und Stellnetz, sowie mit Reusen gefangen. Den Tagesfang bekamen wir erfreulicherweise zu Gesicht: Hecht, Barbe, Brachse, Flussbarsch, Rotauge, und Aitel. Ein Waller wäre eigentlich auch dabei gewesen. Der hatte allerdings nach einem persönlich mühsamen Tagesbeginn noch richtig Glück und konnte Ziegler wieder von Bord entwischen.

Zur zweiten Station ging es in den Garten des Gasthauses Schwan. Das Haus – direkt an der Donau gelegen – gehört der Familie Aumer. Markus Aumer, ebenfalls Mitglied der Fischereigenossenschaft, gab uns einen kurzweiligen Einblick in die Geschichte seiner Fischerzunft.

Zuvor allerdings besserte sich Sohn Max sein Taschengeld durch den Verkauf von selbst gemostetem Apfelsaft auf. Mein Bub Moritz half ihm dabei. Das ganze verlief ohne Streich.

Mit Franziska Jäger wanderten wir donauaufwärts. Schritt für Schritt offerierte sie uns lehrreiches zur lokalen Fauna und Flora. Auch zum Meister Bockert (Biber):

Frau Jäger ist Gebietsbetreuerin des Naturschutzgebiets der Weltenburger Enge. Bereits 1840 wies der bayerische König Ludwig I. dieses atemberaubende Fleckchen Erde als Naturdenkmal aus.

Bei einem Zwischenstopp in der Einsiedelei Klösterl führte uns Eigentümer Hermann Riemann durch die Felsenkirche. Zu Kaffee und hausgemachten Apfelkuchen erfrischten wir uns am Kastanienfall. Fällt eine solche aus stattlicher Höhe auf den Blechtisch vor einem ist man (wieder) sehr präsent.

Noch ein Stück flussaufwärts bestiegen wir dann mehrere Zillen, die uns durch den eigentlichen Donaudurchbruch schifften.

Traumhaft perfekt gelegen tauchte an dessen Ende das Ziel unseres Ausflugs auf – die Benediktinerabtei Weltenburg.

Ein Kraftplatz! Im seichten Donauwasser herumplanscheln. Kieselsteine ditschen lassen. Seit Jahren nehme ich mir immer genau von hier einige mit besonders schön durchzogenen weißen Adern mit nach Hause. Sie liegen in einem Weidenkorb und dienen als Handschmeichler. Oder einfach nur auf dem langen Kiesstrand liegend in den Sonnenuntergang blinzeln. Man kann hier im wahrsten Wortsinn problemfrei einen Tag verbringen. Eine ernsthafte Hilfestellung dabei leisten freilich die Klosterschenke und natürlich die Klosterbrauerei. Letztere ist seit 1050(!) am Start. Erzählt das mal einem Amerikaner.

Das wirklich hervorragende Weltenburger Kloster Barock Dunkel wurde 2004, 2008 und aktuell 2012 mit dem „World Beer Award“ als bestes Dunkelbier der Welt ausgezeichnet. In der Klosterschenke läuft es aus dem Fass. Das ist natürlich noch mal ein Zuckerl zum (gewöhnlichen) Genuss aus der Flasche!

Für uns war der feine Barocksaal reserviert. Nach einer Begrüßung durch die Wirtsleute Gabi und Anton Röhrl (die Familie bewirtschaftet seit 1934, jetzt in der 4. Generation, die Schenke) sowie Küchenchef Hans-Jürgen Ruf ließen wir uns ein fünfgängiges Menü rund um den Donaufisch gefallen. Die Fische dazu stammten selbstredend von der Fischereigenossenschaft Kelheim. Die Speisenfolge:

  • Donaufisch-Terrine mit Schnittlauch-Crème-Fraîche und gartenfrischen Blattsalaten
  • Weltenburger Donaufischtopf mit Wurzelgemüse im Safransud
  • Hechtnockerl in Dillsoße mit Reisrand
  • Donau-Fischpflanzerl mit Kartoffel-Gurkensalat und Remoulade
  • Ofenwarmer Apfelstrudel mit Äpfeln vom Geigerhof in Ihrlerstein und hausgemachtes Vanilleeis

Die köstlichen Hechtnockerl waren für mich der Gipfel.

Die Zeit – was leider auch für Veranstaltungen einer Slow Bewegung gilt – verging wie im Flug. Ein sehr schöner Tag! Selbst an die Taschenlampen für den Weg zum Bus, der uns alle zurück zum Kelheimer Hafen brachte, hat Organisator Flingelli gedacht. Bei dem Mann kann man loslassen! Er ist übrigens Psychotherapeut…

Ich empfehle die Gegend unbedingt zum Wandern. Entlang der Donau – ein Erlebnis. Oder diese bereits in Kelheim überqueren und dann über den Weltenburger Höhenweg auf der Donau-Südseite von oben kommend zum Kloster Weltenburg. Diese gute Wanderkarte hilft.

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