Eine von mir regelmäßig aufgesuchte Wasserstelle im Internet ist das Tagebuch von Vincent Klink. Eine Empfehlung von ihm brachte mich zu den großartigen(!) Kochgenossen. Und bei diesen sprang mich dann das Estragon-Henderl an. Und wie! Man kennt das gelegentlich ja. Aus dem Nichts heraus entsteht ein Bedürfnis, das hartnäckigst nach Stillung verlangt. In meinem Fall übermannte mich sogar eine wahrliche Sehnsucht nach Estragon. Durchaus überraschend, hatte ich doch das frische Kraut bisher nicht wirklich auf dem Schirm.

Ans Werk also. Gutes Huhn aus dieser Quelle. Eine Flasche Noilly Prat (Original Dry). Den Rest der Rezeptur dürfte jeder Koch-Haushalt in Griffnähe haben. Den frischen Estragon schließlich wollte ich en passant besorgen … Haha! Kein Markttag. Stauden Haid hat Betriebsurlaub. Das Obstkistl auch. Die Gärtnereien Trögl und Zitzelsberger haben keinen. Drei türkische Händler können nicht weiterhelfen. In zwei Bio-Supermärkten Fehlanzeige. Ebenso im Selgros. Telefonat mit Richard von der Feinschmeckerei – er könnte mir nächste Woche einen vom Großmarkt aus München mitbringen …

Passt jetzt ganz wunderbar. Genau so beginnt der Artikel „Ein Joint heute gleich drei Joints in den Siebzigern“ in DIE ZEIT am 30.09.21: „Im Juli 2021 haben wir in ein paar deutschen Großstädten Gras gekauft. Gras im Sinne von Marihuana, Weed, Dope, Pot. Zehnmal haben wir bei verschiedenen Dealern also die hochberühmte, verbotene, allgegenwärtige Droge Cannabis erstanden, was übrigens nicht besonders schwer war – frischen Estragon zu finden kann deutlich mühsamer sein.“

Ich aktivierte über facebook meinen Schwarm: „Wo bekomme ich heute frischen Estragon (französischen)?“ Antworten: „Gute Frage! Den suche ich auch“„Schwierig in IN“. Dann Michael Wagner vom Landgasthof Wagner: „Bei mir“ und eine Freundin (ich nenne sie jetzt so): „Michael, ich bin zwar nicht zu Hause, habe aber im Garten … ist aus der Südpfalz (ein bisschen an der franz. Grenze) … könnte meinem Sohn Bescheid geben, dann kannst du dir etwas holen“. Ich bediente mich an beiden Beständen. Danke euch beiden!

Was für ein köstliches Gewürz – mmmhhh. Bleibt mir bitte mit Joints vom Leibe – Estragon ist der echte Shit! Die Familie war ebenfalls angetan. „Gemischter Satz“ von Gottfried Lamprecht (Herrenhof) und „Rosé Marie“ vom Tröpfltalhof harmonierten ausgezeichnet.

Was ich mir gemerkt habe: Estragon ist eng mit dem Wermut verwandt (deshalb passt der Noilly Prat auch so gut dazu)| er hat ein feines Anisaroma|unbedingt den französischen Estragon (statt den russischen) verwenden – er hat einen viel höheren Gehalt an ätherischem Öl|als Nächstes mache ich das klassische „Poulet à l’estragon“|sollte auch sehr gut zum Spargel passen|in Georgien gibt es eine Estragonlimonade (= Tarchuna) – muss ich mal die Georgier vom Kammerorchester fragen

Heute an morgen denken. Vor allem bei dieser Versorgungslage. Habe mir zwischenzeilich bei der Familie Haid (Stauden Haid|Naturland zertifiziert!) drei Pflänzchen geholt:

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