Das neue Jahr hat bei mir gut angefangen. Eine kleine Geschichte von Bier, Glück und Vorfreude. Und der Erkenntnis was eine „Glumpgruam“ ist.

Die Reihe „Unter unserem Himmel“ ist eine (von mehreren) Perlen des Bayerischen Rundfunks. Gerne(!) entrichte ich dafür einen Obolus in Form meines Rundfunkbeitrags. In der Folge „Vom handwerklichen Brauen in Oberbayern“ (Erstausstrahlung März 2016) machte ich im letzten Jahr Bekanntschaft mit dem Baderbräu in Schnaitsee. Wunderbar slow. Schaut am besten hier (Minuten 17:10 bis 32:40) gleich selbst mal rein. Anmerkung – die im Film noch verwendeten Einliter-Bügelverschlußflaschen wurden 2018 gegen Halbliter-Euroflaschen ausgetauscht. Wenn das Baderbräu-Bier nur halb so gut schmeckt, wie es seither sehnsüchtig in meinem Kopf eingelagert schlummert – es wäre sehr, sehr gut …

Logo des Baderbräus

Probiert habe ich es nämlich tatsächlich noch nicht. Aber ich bin dieser Tage diesem Genuss entscheidend näher gekommen. Und das ergab sich so:

Auf der Facebook-Seite des Baderbräus gibt Edmund Ernst (der Spiritus Rector des Bräus – wir kennen ihn vom Film, den ja jeder hoffentlich angesehen hat …) am ersten Sonntag im Monat ein Rätsel auf. Die Lösung ist für Normalsterbliche faktisch nicht zu machen. Insbesondere wenn sie nicht aus der Region stammen. Darin kann aber auch ein besonderer Reiz liegen, sich reinzuknien. Ich erliege ihm seit ich davon weiß. Und es gibt noch eine schöne Motivation. Als Preis winkt regelmäßig ein 40-EUR Gutschein fürs Baderbräu-Stüberl/Biergarten. Gerhard Polt hat es schon lange auf den Punkt gebracht: “The idea of Freibier in Bavaria is deeply religious.”

Am 2. Januar 2022 gab es diese Lage:

Die Internetsuche nach „Weissbierbrauerei B. Müller & Sohn“ brachte recht zügig die erste Erkenntnis – wohl den Ort der Brauerei: „Rott am Inn“. Das wars dann aber auch. Die Konkurrenz tat sich offensichtlich ebenfalls schwer. Dann ein kleiner Lichtblick. Jemand warf „Rott am Inn“ offiziell in den Topf. Edmund Ernst bestätigte mit der Bemerkung „Strasse und Hausnummer sind gefragt!“ immerhin den Landgewinn. Ich fand heraus, dass es vor Ort die „Kaiser-Brauerei“ gab. Mit vollem Wissen einen untauglichen Versuch zu unternehmen, gab ich deren Adresse an. Ich wollte wenigstens Präsenz zeigen … Als Reaktion gab es eine kleine Streicheleinheit: „Heiß, heiß aber nicht richtig!“

Ich betrachtete das Luftbild von Rott am Inn. Erkennt man darauf eine stillgelegte Brauerei? Nicht wirklich. Allerlei aktive Gewerbebetriebe wurden angezeigt. Unter anderem der des Getränkehändlers Georg Neumeier. Er führt auch Craftbeer. Ich kapitulierte … Und wenn ich den mal anrufe? Eine Mobilfunknummer war vorhanden. Am Sonntag? Krullemuck! Einmal möchte ich das Rätsel knacken … und die Konkurrenz schläft gerade … Ich rief ihn an. Er ging ran. Unbekannte wünschten sich ein gutes neues Jahr. Er hatte von der „Weissbierbrauerei B. Müller & Sohn“ – als vor Ort Geborener! – noch nie gehört … Na servus! Wie schon gesagt, die Lösung ist für Normalsterbliche faktisch nicht zu machen. Nach dem Telefonat hatte ich trotzdem noch etwas Hoffnung. Eine solche Anfrage würde ihn nicht in Ruhe lassen … Und tatsächlich – nach einer Stunde rief er mich an. Also – er sei gleich zu einem Stammtisch gegangen. Dort wo die Älteren sitzen! Und tatsächlich war die Weissbierbrauerei einigen ein Begriff – das Haus war schließlich schnell ausgemacht. Dort wolle er jetzt hingehen und mich dann noch einmal wegen der Hausnummer anrufen. Nach weiteren 10 Minuten war ich am Ziel. Herzlichen Dank Georg Neumeier!!! Die Konkurrenz schlief immer noch. Nicht aber Edmund Ernst – Tata!

Gestern im Briefkasten:
„Als Gewinner/in des Baderbräu Rätselspiels kann ich in Höhe des oben genannten Betrags im Baderbräu Stüberl oder im Baderbräu Kulturbiergarten im Pschorrhof zechen und muss nix zahlen! Das bestätigt der Chef mit seiner Unterschrift“ 🙂

Jetzt warte ich den Sommer ab. Vorfreude. Dann geht es nach Schnaitsee! Ich freue mich wirklich sakrisch! Auf die Biere, vor allem aber auf den Chef, auf die Stimmung, auf einen Sprung in den Chiemsee. Wie sagte Coco Chanel so schön: „Die besten Dinge im Leben sind kostenlos. Die zweitbesten sind sehr teuer.“ Konzentrieren wir uns also auf die besten Dinge. Wer einen gut gelegenen Übernachtungstipp vor Ort hat – ich nehme ihn gerne entgegen. Und beim Georg Neumeier schaue ich natürlich auch vorbei. Ich war noch nie in Rott am Inn.

Ingolstädter aufgepasst! Das war das Baderbräu Oktober-Rätsel. Da habe ich geschlafen …

1 Kommentar

  1. Tolle Story! Liest sich wie ein Krimi. Ich überlege ja auch immer, wie diese Rätsel gelöst werden können. Dass man über die Internetsuche relativ schnell auf den Ort kommt, ist klar. Aber das wäre zu einfach gewesen. Die Rätsel sollen über das Internetwissen hinaus gehen. Deswegen die Frage nach Strasse und Hausnummer. Und da dachte ich mir schon, dass die Lösung nur über das Erinnerungsvermögen eines alten Rotters zu erzielen sein wird. Und das hat ja funktioniert! Ich freue mich auf Deinen Besuch!

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