Piemont

Eine schöne, genussreiche Woche Piemont liegt hinter mir. Mit Familie und Freunden. Unterkunft bot uns ein Agriturismo. Im Wechsel wanderten wir in den einmaligen Landschaften des Roero und der Langhe oder bummelten durch Städte.

Was für ein gesegnetes Land! Natürlich Weinberge. Nebbiolo (Babaresco und Barolo), Barbera, Dolcetto, Grignolino oder Moscato Bianco. Alles steht im Saft. Dazwischen: Pfirsiche, Haselnüsse (ein – DER – gattungsprägende Haselnussaufstrich Nutella wurde hier 1940 in Alba entwickelt), Birnen, Pflaumen, Äpfel, Kirschen, Kiwis, Feigen, Maulbeeren, Kartoffeln, Getreide, Tomaten, Zucchini – nicht vollzählig – nur was schnell erinnerlich ist. Alles geht immer wieder ineinander über und koexistiert besonders fruchtbringend. Weiße Tupfen auf den Wiesen: Piemonteser Rinder! Diese haben bei Slow Food Italien Presidio Status (Razza Piemontese).

Carne Cruda vom Piemonteser im Eataly.

In Turin besuchten wir das Eataly. Ein Gesamterlebnis! In einer wunderschön renovierten ehemaligen Wermut-Fabrik werden seit Januar 2007 italienische Lebensmittel angeboten. Der Anspruch besteht darin, einem breiten Käuferkreis erstklassige, regionale und handwerklich produzierte Nahrung zu vernünftigen Preisen anzubieten. Gleichzeitig wird fundiert über Herstellungsmethoden, Hintergrund und Geschichte der Produzenten informiert. Die Atmosphäre vor Ort ist überwältigend. Die Art wie die Waren präsentiert werden, dürfte nicht mehr steigerbar sein. Es gibt acht integrierte Restaurants. In den jeweiligen Abteilungen wird vor den Augen der Kunden alles frisch zubereitet. Fisch/Meeresfrüchte, Fleisch, Gemüse, Pasta/Pizza, Schinken/Salami, etc. Weiter erfreuen eine Weinstube, ein Bierlokal, eine Kaffeerösterei, eine Bäckerei, eine Eisdiele, eine Konditorei und eine Buchhandlung. Im Keller können die Reiferäume für Käse, Wurst und Schinken besichtigt werden. Slow Food ist von Anfang an beratend eng mit Eataly verbandelt. Das Konzept funktioniert! Eataly expandiert. Neben Turin gibt es zwischenzeitlich weitere sechs Filialen in Italien. Dazu Tokyo und seit Oktober 2010 New York. Gründer ist Oscar Farinetti. Dieser errichtete bis 2003 die größte italienische Elektromarktkette. Und verkaufte sie dann. Jedes Mal wenn ich im Eataly bin, denke ich mich in eine phantastische Ingolstädter Parallele hinein. Gibt es hier doch den Sitz der größten deutschen Elektromarktkette. Genügend Kleingeld bei den Gründern. Und das ehemalige Gießereigelände. Und – phantastisch – oder?!

Im Eataly hat Saisonales Vorrang. Bei Obst und Gemüse wie auch bei Fischen.

Empfehlen möchte ich auch Grom. Gelateria Grom. Die haben zwischenzeitlich (gegründet 2002) 34 Läden in Italien und weitere fünf weltweit (leider noch keinen in Deutschland). Ketten sind nicht so meine Sache. Ausnahmen bestätigen aber bekanntlich die Regel. Verarbeitet werden von besonders ausgewählten Lieferanten nur frische Früchte der Saison. Es gibt keine Farb- oder Zusatzstoffe. Nur Bio-Eier werden verwendet. Warum gibt es eigentlich Eis, das anders gemacht wird? In Turin und Asti haben wir es schmelzen lassen.

Ja, in Bra waren wir freilich auch. Zuvor, gleich um die Ecke kurz in Pollenzo. Hier befindet sich seit 2003 die Slow Food Universität der gastronomischen Wissenschaften. In Bra liegt die Zentrale von Slow Food Italien und Slow Food International. Alle zwei Jahre richtet die Stadt  die Slow Food Käsemesse Cheese aus (heuer wieder vom 16.–19.09.2011!). Als wir beim Slow Food Editore (Verlags- und Publikationsorgan) vorbeispazierten, saßen dort drei Männer und verkosteten Wein. Viel Wein. Vormittags. Genau so stellt man sich die „Arbeit“ dort vor… :-). Also gut – die Herren bereiteten den Slow Wine Führer 2012 vor. Nach einem kurzen Schwätzchen wurde ich mit einer Bitte konfrontiert. An der Grenze der Unverschämtheit. Man habe zu viel Wein. Gerade beim Barolo. Könnte, wollte ich nicht einige Flaschen mitnehmen? Es fehle nur der jeweilige Verkostungsschluck… Man hilft ja gerne! 12 Flaschen Barolo, Jahrgänge 2006 und 2007 (optimale trinkreife noch voraus) im Handgepäck ging es zurück zum Agriturismo.

Abends haben wir gerne den Osterie d`Italia Führer aufgeschlagen und drei Mal wunderbar gegessen (Garibaldi in Cisterna d`Asti, Osteria da Gemma in Roddino und Cascina Collavini in Costiglione d`Asti). Drei Mal durfte ich Markus beim selber kochen in unserer Unterkunft assistieren. Einmal fand dabei eine Barolo-Orgie statt…

In der Cascina Collavini war uns ein außergewöhnlich guter Barbera d`Asti aufgefallen (Barbera d`Asti Superiore “Vanet” 2003). Am nächsten Tag haben wir dann gleich den Winzer besucht und um einige Fläschchen erleichtert. Einkauftipp: Cascina Ferro di Ferro Matteo, Strada Nosserio 14, Costiglione d`Asti, Tel. +39/0141/966737.

Sehr sympathisch: Der Winzer Piero Ferro.

Es gab unendlich viele Gründe zu bleiben. Einer davon: Am 28.06. gibt Paolo Conte ein Konzert in Govone. Wir sind trotzdem wieder nach Hause gefahren.

Buchtipp: Neben gefälliger Belletristik gehören unbedingt in das Handgepäck des Italienfreunds: Osterie d`Italia (Gastroführer), Slow Food Editore, Hallwag Verlag, Aktuell 2011/12 und Locande d`Italia (Übernachtungsführer), Slow Food Editore, Hallwag Verlag, Aktuell 2010.

2 Gedanken zu “Piemont

  1. this blog should be printed out and installed on every bus in the city

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