Wein zwischen Krampf und Entspannung

Das Deutsche Weininstitut berichtet aktuell zum Jahr 2013: Der Durchschnittspreis des gesamten in Deutschland verkauften Weins lag bei 2,84 EUR pro Liter. Fast jede zweite Flasche Wein wurde im Discounter gekauft. Größter deutscher Weinhändler ist inzwischen Aldi.

Verlierer dieser Entwicklung sind Fachhandel, Winzer und die Natur. Und selbstverständlich der Weintrinker selbst. Ehrgeiziges sich ins Knie schießen ist weiterhin geil. Letzteres ist beachtlich – grassiert doch ringsum der Selbstoptimierungswahn… Ich hatte hier zu den fast identischen Zahlen für 2011 mal eine einfache Rechnung aufgemacht:

Nach Zahlen des Deutschen Weininstituts (DWI) kostete 2011 im Lebensmitteleinzelhandel der Liter Wein ungeachtet der Herkunft im Schnitt 2,63 EUR. Das sind für die klassische 0,75 Liter Flasche 1,97 EUR! Zieht man die darin enthalten 19% Umsatzsteuer ab, verbleiben 1,66 EUR. Abzüglich der Marge des Einzelhandels, der Kosten für Flasche/Karton, Verschluss, Etikett, Verpackung, Werbung, Transport (viele Tropfen kommen von sehr weit her), Lagerung, Verarbeitung, Ernte, Anbau, etc. verbleibt… ja was denn? Das Ganze hat nur ein einziges Mal zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligter wirklich funktioniert. Nachzulesen im Johannesevangelium, dort 2,1 – 12: Die Hochzeit zu Kana.

Es leitet sich jetzt fein über. Termin 2 (Termin 1) im MVG Museum: Die Slow Wine Degustation 2014. Im Mittelpunkt der aktuelle Slow Wine Führer – demnächst gibt es die aktuelle Ausgabe im Buchhandel (in deutscher Übersetzung).

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Exemplarisch waren insgesamt 60 Winzer (alle im Buch gelistet) aus sämtlichen Regionen Italiens mit jeweils drei ihrer Weine vor Ort. Eine sehr hochwertige und gleichzeitig erfreulich unaufgeregte Veranstaltung. Weil so gut bestückt fallen Herausstellungen schwer. Was solls. Zwei Tropfen halte ich mal hoch:

Der Majoli, ein 2012er Ruchè di Castagnole Monferrato von dacapo. Die rare rote Rebsorte Ruchè ist eine autochthone Sorte des Monferrato. Das kleine Weingut (7,5 Hektar/50.000 Flaschen/Jahr/biologische Bewirtschaftung) liegt südlich von Asti (Piemont). Ein unbeschwerter, ehrlicher Tischwein mit sowohl floralen als auch würzigen Noten. Bin gerade dabei mir einige Fläschchen zu organisieren.

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Paolo Dania und Gerhard Förstl

Der 2012er Nessuno von der Azienda Agraria Omero Moretti in Umbrien. Auch dieses Weingut ist klein und fein (11,0 Hektar/45.000 Flaschen/Jahr/ebenfalls biologische Bewirtschaftung). 75% des autochthonen Grechetto und 25% Malvasia sind in der Flasche. Frische pur – ein Blumenstrauß. Den könnte man vielleicht sogar dieses Jahr vor Ort trinken… Im Weingut gibt es Übernachtungsmöglichkeiten.

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Giusy Moretti

Noch mehr Entspannung? Auf nach Stuttgart!

messe 2014

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