Auf Bamberger Kellern

Ich will kurz vom weiteren Tagesverlauf – der im Weißwurst-Mekka so schön begonnen hatte – berichten. Wo geht man “auf den Keller”? Und wo ist es so schön, dass gleich die ganze Altstadt UNESCO Kulturerbe ist? In Oberfranken, in Bamberg natürlich! Was die Altstädte in Deutschland angeht, haben auch die von Lübeck, Goslar, Quedlinburg, Stralsund, Wismar und Regensburg Kulturerbestatus – aber eben keine Keller.

Die Bamberger Universität hat keine Juristische Fakultät. Anderenfalls wäre es für meine nährende, gütige Mutter (Alma Mater) in Würzburg womöglich noch einmal eng geworden…

Unser – mein Vater begleitete mich (dringende Empfehlung für Vater-Sohn-Tage!) – erster Weg führte uns zum Mahr´s Bräu, das rechts der Regnitz liegt. Ich schuldete der Brauerei noch die Rückgabe eines leeren Biertragels. Lastenfrei ließen wir uns auf dem ersten Keller nieder und pflegten ein E. T. A. Hoffmann Dunkles Lager. Der Schriftsteller wirkte von 1808-1813 in der Stadt – vornehmlich als Musiker.

Danach galt es einen geeigneten Parkplatz zu finden. Dieser sollte in der Nähe unserer Tagesendstationen liegen – dem Stephansberg in der südlichen Stadt. Die Straßenzüge um die Brauerei Greifenklau bieten sich dafür gut an. Sicher haben wir ihr Unrecht getan, da wir hier kein Bier probierten. Der ungetrübte Blick hatte Vorrang. Einen solchen gibt es vom Keller nach Westen, auf die ehemalige Residenz der Bamberger Fürstbischöfe, die Altenburg. Das nächste Mal.

Zu Fuß ging es bergab zum Dom. Kontemplation. Alte Hofhaltung. Neue Residenz. Barocker Rosengarten. Weit und breit keine Schneerose! Ich weiß schon – diese gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse. Aber gerade sie gefällt mir halt sehr… Dafür Rosengewächse satt.

Selbstredend durfte für mich ein Blick auf meinen Namenspatron im ehemaligen Benediktinerkloster Michelsberg nicht fehlen. Also erneut bergauf.

Zurück in der unteren Altstadt betreten wir den wohl berühmtesten Schankplatz der Stadt: Schlenkerla in der Dominikanerstraße 6.

Was soll ich machen? Rauchbier ist einfach nicht meins. Mit dem Kopf bin ich dabei – alleine schon aufgrund der einmaligen Tradition und Besonderheit – die Slow Food Nähe kommt dazu. Aber Körper und Seele verschließen sich dem flüssigen Geräucherten.

Wir lassen uns durch die Stadt treiben. Haben Zeit für dies und das. Ihr erinnert Euch an die „Ewige Liebe“ in Ingolstadt? An der Kettenbrücke über der Regnitz gibt es auch unzählige Zeugen für das weltschönste Gefühl.

Die zwei besten Keller – stete Aussage für gewöhnlich gut unterrichteter Kreise – der Stadt liegen auf dem schon angesprochenen Stephansberg. Der Spezi-Keller der Brauerei Spezial und der Wilde-Rose-Keller. Die haben wir uns für den Schluss aufgehoben.

Ein letztes Mal geht es bergauf. Von der Straße Oberer Stephansberg kommend, findet sich linker Hand die Sternwartstraße. Am Hauseck müssen sich die Geister scheiden. Die Schilder zu den jeweiligen Kellern weisen in entgegengesetzte Richtungen. Links. Wir beginnen mit dem Spezi-Keller.

Am Eingang ein Anschlag. Ein Mal, ein einziges Mal habe ich im Rahmen dieser, in meinen Augen sehr mühsamen Tradition des Junggesellenabschieds, einen Aufheller erlebt. Auf der Toilette für Männer stand eine Vase mit roten Rosen. Dazu ein Schild mit der Erklärung, dass an Tisch xy eine namentlich genannte Dame ihren Junggesellenabschied begeht. Und schließlich die schöne Aufforderung, bei Lust und Laune mit einer Rose an den Tisch zu treten und der Zukünftigen ein Kompliment zu machen. Eine gute Idee! Die gewöhnlich bekannten Abschiede hingegen, insbesondere unter Männern, sind für unbeteiligte Dritte…  Kurz – ich verstehe die Wirtsleut – ich begrüße ihr Ansinnen ausdrücklich.

Ahhh… Das wollte ich schon lange einmal loswerden. Wie gut einen eigenen Blog zu haben!

Zurück zum Genuss. Panoramafreunde knien auf diesem Keller. Der Blick auf die Altstadt ist ein Traum.

Und wieder gebe ich dem Rauchbier eine Chance. Als Weißbier habe ich es noch nicht probiert. Nein, wir kommen nicht zusammen. Trinkt man aus einem Steingutkrug, besagt die Hausregel bei Lust auf Nachschub, diesen auf dem Tisch umzulegen. Der Service weiß dann Bescheid. Dem Keller vorgelagert gibt es eine große Wiese. Darauf ein kleiner Kinderspielplatz. Brotzeiten dürfen mitgebracht werden.

Nach dem Keller ist vor dem Keller. Steil hinauf geht es zur Wilden Rose. Dieser kann sicher nicht mit dem Ausblick seines Nachbarn punkten – macht aber gar nichts. Die Rose wäre, vor die Auswahl gestellt – mein Keller. Die Fläche ist deutlich größer und mit altem Baumbestand, vornehmlich Kastanien gesegnet. Am Kopfende steht ein prächtiger Musikpavillion. Im hinteren Bereich gibt es einen großen Kinderspielplatz. Es herrscht Selbstbedienung. Brotzeiten dürfen auch hier mitgebracht werden.

Es ist Abend geworden. Sommerabend. Die letzten direkten Sonnenstrahlen, gefiltert von großen Blättern, kleiden das Idyll in ein warm, luftig, weiches Lichtkleid. Menschen in augenscheinlicher Vorfreude auf das bevorstehende Wochenende begehen den schönsten Abend der Woche, den Freitagabend. Kommen mit Tischdecken und Körben voll mit feinen Spezereien. Viele, sehr viele Lächeln.

Manchmal gelingt es sich den Flow den eine besondere Umgebung ausströmt, einem Greifvogel ähnlich, der die Thermik gut erwischt, zu eigen zu machen. Das sind dann richtig wertvolle Stunden. Ich beobachte einen älteren Mann am Nebentisch bei der achtsamen Bereitung seiner Vesper. Eine gute halbe Stunde legt er sich Teller, Besteck, Serviette, Salz und Pfeffer zurecht. Befreit einen mittelgroßen Radi vom Grün und schneidet ihn zunächst im rechten Winkel zur Längsachse scheibenweise und auf der anderen Seite schräg ein. Salzen. Innehalten. Brot herrichten. Butter. Der erste Bissen. Ein Tisch weiter spielt sich eine Frau unter dem Tisch mit ihrem Schuh. Er wippt an ihren Zehen auf und ab. Gefallen Frau, Fuß und Schuh ist eine solche Beobachtung nicht unangenehm. Unsere Nationalelf befindet sich noch ungeschlagen im EM-Turnier. Kinder mit rot glühenden Backen vom hingebungsvollen Spielen kommen an die Tische ihrer Eltern um etwas zu trinken. Sind noch schneller weg als sie gekommen sind. Wenn jetzt der Pavillion noch mit Musikanten besetzt wäre… Biergartenzeit.

Ich lasse mir ein rauchfreies Wilde-Rose-Kellerbier schmecken. In weiser Voraussicht habe ich eine Zigarre dabei. Doch Rauch – CubaFränkische Rauchzeichen. Die Altstadt von Havanna gehört übrigens auch zum UNESCO Kulturerbe. Ich schaue meinen Vater an. Wir verstehen uns. Das Leben ist schön!

Der guten Ordnung halber seien weitere, diesmal nicht besuchte, Bierziele der Stadt erwähnt: Ambräusianum, Brauerei Fässla, Brauerei Kaiserdom, Brauerei Keesmann, das Klosterbräu und natürlich die Brau-, Röst- und Caramelmalzfabrik Weyermann.

6 Gedanken zu „Auf Bamberger Kellern

  1. Und wenn du dich kompetent über Bamberger Bier und Bier im speziellen austauschen magst, mach dir bitte die Mühe und besuche den Gerhard Schoolmann in seinem Cafe Abseits in Bamberg! Ihr beide werdet gut mit einander klar kommen :-9
    http://blog.abseits.de/

  2. ….und wenn du partout nicht auf den Rauchgeschmack kommst, probier doch den neuen Wein vom Michelsberg – der erste nach 175 Jahren Pause. Solange der Vorrat reicht … ansonsten im nächsten Jahr 🙂

  3. Also ich habe über 17 Jahre in Bamberg gelebt die Kellertradition in Bamberg ist einfach toll der schönste Keller ist für mich der Spezialkeller, schon alleine die Aussicht auf die fränkische Schweiz oder dann der 4 Kirchenblick über Bamberg ist einmalig. Die Küche ist gut bürgerlich und zu günstigen Preisen. Im Winter kann man auch auf den Spezialkeller gehen, der Wirt hat vor 13 Jahren oben so ausgebaut, so dass man auch im Winter oben auf dem Keller sein kann und hat den Ausblick wie im Sommer, manchmal dann mit Schnee, dieser Keller ist nur zu empfehlen, auch wenn der Wirt etwas kauzig ist, er ist in Ordnung, er sagt halt seine Meinung offen und ehrlich und das finde ich gut, aber er verträgt auch Kritik. Ich kann nur sagen der Berg ruft!

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