Stirnrunzeln am Futternapf

Ihr habt weder Hund noch Katz. Was fällt Euch dann zu Haustierfutter ein? Mich beschäftigt das Thema auch nicht täglich. Und meine Antwort wäre „wenig“. Als Bub hatten wir einen Familienhund. Einen Irish Setter – Nero. War ein prächtiger Kerl! Das ist sehr lange her. War er hungrig, hat er gefressen. Was? Hundefutter. Mein Wellensittich hingegen bevorzugte Kolbenhirse. Und da fällt mir dann doch noch was ein: Jod – S 11 – Körnchen… (Spotklassiker). Es ist unglaublich wie sich sowas im Kopf verankert. Damit scheint zum Thema alles gesagt.

Arglos schlenderte ich dieser Tage durch einen Drogeriemarkt. Und ich weiß nicht wirklich warum, jedenfalls landete ich bei der Tiernahrung. Vielleicht lag es daran, dass wir aktuell mal wieder etwas intensiver überlegen, ob uns ein Hund fehlt. Ein Gedankengebäude, insbesondere mit einem achtjährigen Buben betreten, das schöne und schwierige Stockwerke hat… Meiner Arglosigkeit geschuldet, machte ich dann auf einmal große Augen. Katzen- oder Hundefutter – im Sinne von „Fleischstückchen“, meinetwegen auch „saftige“ – kauft heute kein Mensch mehr! Und wenn jemand nicht schläft, dann sind das Industrie und Werbung. Schaut mal:

Ganz aufgeräumt bin ich immer noch nicht. Die Frage, was ich davon halten soll, bedrängte mich durchaus heftig. Gleich mal zum ganz großen Besteck: Nach Zahlen der Vereinten Nationen hungern fast 900 Millionen Menschen auf unserem Planeten. Und die Miezi vom Nachbarn lässt sich bei ihrer Länderreise nach Griechenland heute Mittag mal Calamares in Joghurt-Sauce schmecken. Vielleicht legt ihr Frauchen auch noch ein Petersilienröschen dazu… Schneller Konter: Verhungert auch nur ein Mensch weniger, wenn Miezi das nicht tut? Wohl kaum.

Für ältere Semester gibt es „Senior 8+“. Und „Sensitive & Lecker“ sollte es schon sein. Nach dem Zuviel davon bietet sich ja ein um 20% fettreduziertes „light“ an. Kaufentscheidungen werden mit dem Schlüsselwort „Omega 3“ richtiggehend geölt. Und Katzen schnurren nach Gabe von Q10, Zink und Traubenkernextrakt besonders schön.

Viele Tiere sind echte Familienmitglieder. Oder müssen eine solche sogar ganz ersetzen. Diese wichtige und schöne Rolle dürfte unbestritten sein. Zurecht lieben sie die Menschen dafür. Und dieses Gefühl geht bekanntlich durch den Magen. Vor allem durch die der Frauchen und Herrchen.

Es sind Bauchentscheidungen der Menschen, wenn sie ihren  vierbeinigen Lieblingen „Grill-Aroma“ bieten, himmlischen Genuss, eine „Traumbäckerei“ („mit Liebe handgemacht“ – davon träumen Menschen vor Discounter-Backautomaten), Knabber-Plätzchen Verwöhn-Kollektionen, „Strandspaß“ und natürlich „Träum-Süß Kissen“. Ich bezweifele, dass das Katzen kaufen würden… Ist die Katze gesund, freut sich der Mensch. Oder freut sich die Katze wenn der Mensch (ein bisserl) krank ist?

Auf der Karte stehen nämlich noch „Pasteten Zauber“ mit Julienne Karotten, „Herzklopfen mit Schinken & Ananas in Käsesauce“, die Gans selbstredend „nach traditioneller Art“, die „Ente an Karotten-Creme“ und das Hühnchen, ganz „Koch-Couture“, wahlweise mit Rosmarin und Walnussöl oder Thymian und Honig. Mal aus dem Stehgreif liebe Leser – was habt Ihr eigentlich zuletzt gegessen?

Aber warum nicht? Schadet es jemandem? Gesehen? Der Lachs ist sogar vom Marine Stewardship Council als aus nachhaltiger Fischerei stammend zertifiziert! Da kommen viele Fischstäbchen aus der Tiefkühltruhe auf den mühsamen Piratenteller, die diesen Vorzug nicht bieten. Naturverliebt mit Distelöl, „Wellness-Pause“ und „Luxus-Verwöhn-Dinner“ – Garanten für „Glücksmomente“. Die Märchenschiene gefällig?

Hänsel und Gretel – „Waldpilze“ – OK. Rumpelstilzchen – „Wild“ – einverstanden. Der gestiefelte Kater – Huhn, Truthahn und leckere(!) Birne – ich weiß nicht. Froschkönig – Kalb & Pute auf Frühlingsgemüse – wird der Geschmack von Froschschenkeln nicht immer mit dem von Hühnchen verglichen? An die Wand damit!

Zu guter Letzt die Nachspeise:

Kleinnager schätzen Bärchenformen – gewusst? Bären sind nämlich auf Waldbeerensuche und mit ihrer Honiglust Nahrungskonkurrenten. Und diese gilt es klein zu halten. Dagegen würde ein Goldhamster niemals eine bunte Knabber-Kuh fressen. Hier gibt es vielmehr eine Abhängigkeit. Braucht er für seinen „Drops-Mix“ doch ihre Milch.

Irgendwie verstehe ich die Käufer dieser ganzen Kreationen. Und dann aber wahlweise auch wieder nicht. Die schöne Universalfrage Gerhard Polts „Braucht’s des?“ würde ich in diesem Kontext jedenfalls ansatzlos verneinen. Es gab mal, vor 1989, im Westen diesen Witz: „Was kann man mit unseren Kochbüchern im Ostblock machen? Antwort: Als Science-Fiction verkaufen.“ You got it?

In jedem Fall der dm-Drogeriemarktkette (Zentrale Karlsruhe und Filiale Ludwigstraße Ingolstadt) ein liebes Dankeschön für die Fotoerlaubnis!

7 Gedanken zu „Stirnrunzeln am Futternapf

  1. Dafür gibts einen ganzen Petersilienstrauss, Michael, nicht nur ein Röschen! Ganz schön auf den Hund gekommen. Danke für den Ausflug. Es sind vor allem die Texte, die sind schon schlimm – schleimiger als der Inhalt der LÄNDERREISEN.

  2. Ich bin mir nicht mal sicher ob das dargestellte Futter überhaupt gesund ist für die Haustiere. Da ist viel Abfall drin, glaube ich. Die Werbung ist ja wohl auch für Herrchen oder Frauchen gedacht. Ich weiß nicht, ob meinen Katzen Oliven in der Nahrung fehlen. Der Hund würde eh alles fressen, besonders gerne frische (aus dem Gemüsegarten gestohlene) Karotten! Ich achte beim Tierfutter Einkauf schon auch drauf was drin ist, frage auch Tierarzt oder Tierzüchter was gesund ist. Weil wir hier gar so weit weg von Schuss sind, achte ich auch auf „food miles“, zumindest hier im Land produziert. Übrigens denke ich, dass 8- jährige Jungs ganz dringend einen Hund brauchen, oder war das eine rein rhetorische Frage von Dir? 😉 .

  3. Zum Thema Haustierfutter kann ich nur einen Hersteller empfehlen! Anifit! Wird durch Tanja Lewandowski bei uns in der Gegend vertrieben! Über lewandowski-ernaerung.de kann man mit ihr in Kontakt treten und darüber hinaus noch gleich an eurer eigenen Ernährung arbeiten (lassen)!

  4. Ich denke auch, daß diese Tiernahrung weniger den Bedürfnissen der Tiere als vielmehr den Wertevorstellungen der Tierhalter geschuldet sind. Das sind vor allem Menschen, die tatsächlich meinen, daß Tiere die besseren Menschen seien. Wie auf alles, wo es Geld zu holen ist, hat sich die Industrie gierig auf diese Klientel geschmissen, die keinen Widerspruch darin sieht, daß die Zweidrittelwelt hungert, während das liebe Haustier beileibe nicht hungern muß.
    Wenn man sieht, daß Hunde auch allzu gerne Gammelfleisch fressen, welche Verschwendung.

    Und ja: Wir leben mit unserem Fleischkonsum auch auf Kosten der Hungernden; und das gilt auch für unsere „Luxustiere“ (das ist der juristische Fachausdruck – nie war ein Begriff wahrhafter).
    Das wird sich die Menschheit nicht mehr lange leisten können.

    Und das werden sich die Hungernden nicht mehr lange gefallen lassen.

  5. Schon mal den Preis von Katzenfutter in Schalen mit dem Preis für Dosenfleisch (Frühstücksfleisch, Corned Beef,…) verglichen? Man könnte meinen, die Leute fressen Katzenfutter… oder doch umgekehrt?

  6. Fressverhalten meines Katers!
    Das Futter einiger Hersteller, mit wohlklingenden Bezeichnungen, beschnüffelt mein Kater und dreht sich um. Miaut den Kühlschrank an, hofft etwas Fleisch oder Fisch zu bekommen. Wenn nicht, geht’s bei Mutter Natur auf Mäusejagd.

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