Marginalie (2) – Metropole

Ingolstadt ist 1989 von der Mittelstadt zur Großstadt geworden. Sie verdankt das 100.001 Einwohnern und einer Begriffsbestimmung der Internationalen Statistikkonferenz von 1887.

Nur 23 Jahre später hat sie es jetzt in die Champions League der Städte geschafft! Das proklamiert zumindest der Audi-Personalvorstand Thomas Sigi. Gegenüber dem Donaukurier sagte er nämlich gestern: „Als Heimatstandort von Audi ist Ingolstadt in die Weltliga der großen Metropolen aufgerückt. Das bedeutet, dass sich unsere Stadt auch an den Standards dieser Weltstädte orientieren muss. Ein wichtiger Faktor ist dabei das Angebot an Top-Gastronomie, Hotellerie und Kongresskapazität im 5-Sterne-Bereich.“

Aufgemerkt! Nicht nur Metropole, nein große Metropole, Weltliga, Weltstadt – vergessen den Arzt oder Apotheker zu fragen?

In einem hat er aber Recht. Ein „wichtiger Faktor“ ist die „Gastronomie“. Nicht „dabei“ und auch nicht „Top-„. Einfach nur gut. Und da würde es bereits reichen, wenn sich Ingolstadt z. B. am 13 km nördlich von Ingolstadt gelegenen Dorf Böhmfeld (1.619 Einwohner) orientieren würde. Der Schweinsbraten des dortigen Beckerwirts liegt in einer selbstgemachten, geschmacksverstärkerfreien Soße. Die Knödel sind hausgemacht. Der Salat saisonal. Und in der Karte stehen die Namen der regionalen Bio-Erzeuger der jeweiligen Köstlichkeiten. Das gibt es auf dem ganzen Stadtgebiet von Ingolstadt nirgends… leider auch nicht einmal annähernd. Weitere Orientierung in der Region könnten Wolkertshofen, Dietfurt und Neuburg bieten – sie alle beherbergen auch Genussführerwirte. Und haben weniger als 1.000.000 Einwohner…

Zwischen Provinz und Metropole gibt es also genug zu tun. Im Audi(!) Sportpark durfte ich vor zwei Wochen im Loungebereich einen vollkommen geschmacksfreien Kartoffelsalat essen. Kehrbedarf vor der eigenen Haustüre – bevor man sich New York und Tokio zur Brust nimmt.

Heimatstandort von Audi ist Ingolstadt übrigens seit dem 3. September 1949. Die Weltligastadt Ingolstadt steht demnach bereits kurz vor dem Rentenalter.

(1) – Marginalie – (3).

Ein Gedanke zu „Marginalie (2) – Metropole

  1. Der wieauchimmer-Gastronomiebereich des entstehenden *****-Hotels wird den Anspruch haben gut & teuer zu sein. Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass die Gastronomie als lästiges, eigenständiges ‚profit center‘ im Bereich der ****/***** gesehen wird. Slow food im Kongresshotel? Ich enttäusche nur ungern…

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