Ingolstadt hat ein neues Druckerzeugnis

Wir sprechen dabei von der Spielklasse der monatlich erscheinenden Stadt- und Regionalmagazine. Meist führen sie noch den Zusatz „Lifestyle“ oder „Trend“. Sie liegen hier und da kostenfrei aus und finanzieren sich über Anzeigen und Werbung. Und genau an diesem Punkt erfolgt auch der Qualitätstest. Wie viel Fleisch, sprich redaktioneller Inhalt, hängt an den Reklameknochen? Und – ich bleibe weiter im Bild – ist dieses schmackhaft oder genussfreier Junk Food? Grundsätzlich bin ich für jede Publikation dankbar – liebe ich doch die Vielfalt! Aber nicht jede schmeckt mir.

Auf dem Spielfeld tummeln sich derzeit: Das megazin. Friede, Freude, Party. Sehe mich nicht in der Zielgruppe, durchblättere es deshalb selten. Respekt zolle ich dem Umstand, dass es seit 1995 – länger als die gesamte Konkurrenz – auf dem Platz ist.

Das Citicon. Da bin ich befangen. Meine Schwester schreibt darin seit der ersten Ausgabe (wie ich finde sehr erfrischend) über ihren Japanaufenthalt. Und außerdem finden hier seit einiger Zeit Gedanken aus diesem meinen Blog eine Printexistenz. Genau das ist aber beides kein Zufall. Hier gibt es was zum beißen. Citicon schmeckt mir.

Das hugo. Schmeckt mir nicht wirklich. Der Mantel kommt aus Regensburg. Er ist blass und vollkommen austauschbar und wird gerade deshalb weitgehend in jeder Regionalausgabe (neben Ingolstadt derzeit in sieben weiteren bayerischen Städten) verwendet. Die Ingolstadt-Themen reißen es dann nicht mehr raus. Es fehlt der Schanzer Stallgeruch. Und der wird konzeptionell auch nicht entstehen können. Am Beginn der Hefte findet sich immer die Rubrik „Besondere Adressen im Herzen von Ingolstadt“. Das Herz. Also die Innenstadt. Warum dann Adressen von außerhalb? Die Werbekeule natürlich! In der aktuellen Ausgabe 3 Ziele in der Altstadt und gleich 4(!) aus der Peripherie. Kleinigkeit. Vielleicht. Aber da zeigt sich fehlende Sensibilität und der Mangel an Gespür halt am deutlichsten. Ein glückliches Händchen der Macher konstatiere ich aber für die vorletzte Seite. Hier stehen unter „Spruchreif“ immer Zitate. Die Auswahl ist stets gut.

Das espresso Magazin. Macher Hermann Käbisch ist ein alter Ingolstädter Medienfuchs (INTV, stattZeitung, Blickpunkt, Buchverlag, etc.). Das espresso-Motto: „Wer war wo“? Jetzt habe ich länger überlegen müssen. Sagen wir 75% der abgebildeten Personen und aufgesuchten Orte interessieren mich nicht. Und wie für gewöhnlich gerne die üblichen Verdächtigen verhaftet werden, grüßen hier monatlich die gleichen Murmeltiere. Aber trotzdem erwische ich mich regelmäßig doch beim Blättern genau in diesem Heft, ja ich freue mich, wenn ich es liegen sehe und noch nicht gecheckt habe. Das darf als Kompliment verstanden werden. Es ist auf seine ganz eigene Art kurzweilig. Hingegen absolut nervig und überflüssig darin ist das Boulevard-Geschnatter aus München – meist schon auf der Titelseite. Da bricht ein (eigentlich überwunden geglaubter) Minderwertigkeitskomplex des Ingolstädters auf. Punxsutawney ist überall.

So und jetzt: Wir! in Ingolstadt und Region. Untertitel: Ingolstädter Kulturmagazin. Offiziell ab morgen am Start:

Es wurde vorab bei der gestrigen Versammlung der Bürgergemeinschaft Ingolstadt in der Fronte 79 an die Besucher verteilt.

Schaut gut aus! Bestechend zunächst einmal die Fotos. Kein Wunder – Ritchie Herbert ist am Auslöser. Und dann habe ich vor allem geschmökert – kein Durchblättern, ein Umblättern, dem lesenden Fortkommen dienend. Feines Fleisch an den (wenigen) Knochen. Man spürt, da sind Leute am Werk, denen es wirklich um Ingolstadt geht. Paradebeispiel – Michael Klarner. Und noch jemand ist dabei. Die Person hält sich bedeckt und ich werde sie deshalb nicht enttarnen. Dass sie dabei ist freut mich sehr – lieben Gruß! Die zweite Ausgabe gibt es leider erst am 16. Februar 2013. Ich wünsche viel Erfolg!

4 Gedanken zu „Ingolstadt hat ein neues Druckerzeugnis

  1. Hallo nach Ingolstadt,
    gerade erst habe ich das ZEIT Magazin vom 06.12.2012 gelesen. Dort geht es um Konkurrenz. Das Magazin duelliert sich mit dem Süddeutsche Zeitung Magazin – und umgekehrt.
    Sehr erfrischend und mutig wie ich finde. Konkurrenz belebt nicht nur das Geschäft am Knochen, nein sie ist ein Gradmesser und Tempomacher. Es darf nicht geschlafen werden, sonst wird das Kalb woanders geschlachtet (um bei Michaels Sprache zu bleiben …).
    Ich breche hier natürlich eine Lanze für Citicon und bin der Meinung, dass gut gemachte Konkurrenz keine Bedrohung ist, sondern immer eine Chance.
    Citicon läuft schon ein Jahr und hat einige Hürden klasse genommen, mal schauen wie sich der neue junge Läufer im Rennen hält :-).

    Mit Grüßen aus der Metropole Tokio nach Ingolstadt
    Christine

  2. Hallo
    Ich freu mich schon sehr darauf, es zu lesen…nachdem ich ja schon seit Wochen weiß – das dieses Magazin kommen wird…;-)) von sagen wir wahrscheinlich der gleichen Person, die Herr Michael Olma noch bedeckt hält….Finde es wunderbar, dass in diesem Heft auch Personen Raum zum Schreiben finden dürfen, die im Künstlerischen und kulturellen Ingolstädter Metier angesiedelt sind.
    Ich sehe das auch nicht als Konkurrenz zu anderen, jede unserer „Hausmagazine“ deckt einen Bereich ab….bzw. ein bestimmtest Klientel ab.
    Und wenn ich ehrlich bin, ich sehe sie mir alle an und freu mich wenn ich diese irgendwo ausgelegt erwische. Außerdem benötige ich dann gleich immer zwei Exemplare, um eine davon gleich immer meiner Mutter zu geben, die auch gerne darin blättert und schmöckert. ;-))

    Ich drück die Daumen für das neue Heft…und wünsche allen daran Beteiligten viel Erfolg, jede Menge Leser und Interessierte und toi toi toi….für die Zukunft..

    Alexandra

  3. Es ist die Zeitverschiebung – die das eine Jahr unterschlagen hat 🙂 ! Natürlich sind es 2 Jahre – Hurra !

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