Ach Regensburg!

Geht es abwärts ist das häufig ein Grund zur Klage. Donauabwärts, von Ingolstadt aus, ist das nicht so. Kloster Weltenburg, Regensburg, gar Wien. Was für ein flow! Mich hat es dieser Tage nach Regensburg getrieben. Hier war ich zunächst mit Christoph Hauser verabredet. Hauser ist Koch und frisch gewählter Leiter von Slow Food Regensburg-Oberpfalz. Wir haben uns, einer riesigen gemeinsamen Schnittmenge gehorchend, gleich zum Mittagessen getroffen. Sein Vorschlag: Caroline Gmachls Hexerei.

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Die gebürtige Salzburgerin kocht – hoch Slow Food affin – seit Ende März 2013 für ihre Gäste täglich (Dienstag bis Samstag) eine Suppe und ein Hauptgericht. Es gab (köstliche!) Kaspressknödel mit Salat.

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Der feine Laden befindet sich im Obermünsterviertel, das südlich vom Neupfarrplatz liegt. Dieses Viertel wird derzeit saniert. Dabei gibt es beachtliche Möglichkeiten zur Bürgerbeteiligung – seht selbst.

Schon bemerkt? Der (gute!) Filterkaffee ist wieder da. Auch in der Hexerei:

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Anstoß ausgerechnet dieser Tage in Regensburg zu sein gab ein Fernsehbericht. Ich sehe nicht viel fern. Und wenn, dann habe ich meine festen Wasserstellen. Diese plätschern überdurchschnittlich häufig im Bayerischen Rundfunk. Abschweif – und faktisch niemals bei den Privaten. Allein der Zumutung, Filme mit Werbung zu unterbrechen, werde ich mich in diesem Leben nicht beugen. Und sollte ich jemals Unrat wie „Dschungelcamp“, „Die Geissens“, etc. nachfragen, bitte ich beherzte Mitmenschen schon heute um den Fangschuss. Zurück zum BR und seinen Perlen wie quer, Unter unserem Himmel, stationen, Unkraut oder Capriccio. Im vorletzten Letzteren war ein Portrait des Malers Heinz Braun (1938-1986). Seine Bilder berührten mich sofort. Und weil ihm der Kunst- und Gewerbeverein Regensburg bis vergangenen Sonntag eine Ausstellung widmete …

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Danach machte ich einen kurzen Abstecher ins Orphée. Endlich taucht es hier in extra prima good mal auf! Wer dieses phantastische Gesamtkunstwerk aus Kaffeehaus, Restaurant und Hotel nicht kennen sollte, dem steht eine wunderbare Offenbarung – der er sich unbedingt zeitnah hingeben sollte – bevor. Den Kenner weiß ich bei meiner Begeisterung mit mir.

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In der Merian-Ausgabe 08/2009 über Regensburg las ich in diesem Orphée-Bericht über die Bestuhlung dort. Die Kaffeehausstühle sind mit der Aufschrift „Josef Hofmann Succ. Bielitz Austria“ versehen. Da hatte ich aufgemerkt. Stammt doch meine väterliche Familie aus der unmittelbaren Nähe von Bielitz-Biala im damaligen Österreich-Schlesien, heutiges Südpolen (Bielsko-Biala). Man liest den Stadtnamen nicht so oft … Und tatsächlich! Einer der Orphée-Gründer, Cornelius Färber, tat mir den Gefallen und nahm auf einem der Stühle vor seinem Haus Platz:

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Zurück ins Obermünsterviertel. Auf dem Weg ein Metzger, der sein Handwerk offensichtlich schätzt:

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Vorbei am schau hi, einem famosen Laden für „PapierSachen“ in der Oberen Bachgasse 19. Die Karte mit dem legendären Polt-Ausruf „Öha!“ fiel mir sofort ins Auge. Und nicht nur die.

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Appetitliche Bandbreiten:

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Zurück auf Anfang. Christoph Hauser. Das ist der extra prima sympathische Mann:

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Und das ein Einblick in das Programm 10/2013 bis 03/2014 seiner Kochschule Hausers Kochlust. Sehr, sehr gelungen:

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Alles schon vorbei. Gemein. Aber am kommenden Montag vielleicht? Die Location ist spektakulär. Ein weiteres Regensburger Pfund zum Wuchern – die Historische Wurstkuchl.

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Ich weiß um die Sinnlosigkeit meiner Sehnsucht nach Dependancen der angesprochenen Läden in Ingolstadt. Es ist ja gerade auch ihre Einmaligkeit, die sie zu etwas ganz besonderem macht. Obwohl. Eine Außenstelle von Hausers Kochlust – das könnte sich ausgehen!

5 Gedanken zu „Ach Regensburg!

  1. „Ach Regensburg!“ Auch nach vielen Jahren zurück auf der Schanz wird mir bei dergleichen schön formulierten Fundstücken (Kompliment!) aus meiner Studentenstadt warm ums Herz. Dankeschön!

  2. Danke für dieses Portrait meiner geliebten Stadt. Eine Dependance in Ingolstadt sehe ich nicht, den „Schuster bleib bei deinen Leisten“. Aber für eine Tourneestation 2014 mit dem Kochschulbus bin ich immer zu haben. Auf bald an den Töpfen.

  3. Tja, der Profi studiert in Regensburg und hat es 10 Jahre genossen, aber umso stärker ausgeprägt sind dann auch die Sehnsüchte. Während der eine sich noch auf Entdeckertour befindet, hadert der andere schon seit Jahren mit den unerfüllten Sehnsüchten und den Begebenheiten, die nie mehr zurückkommen….Du hast den Würstl Toni vergessen, aber Du warst ja wahrscheinlich um 5:00 Uhr morgens schon wieder weg. Schönes Portrait…Danke

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