Der 8. Mai 1985 war ein Mittwoch. Ich habe gerade nachgesehen. Bis zur Stunde dachte ich immer, dass er auf ein Wochenende fiel. Oder es waren Schulferien? Auch nicht. Das ist merkwürdig, denn ich war sicher nicht in der Schule, sondern lag während des Vormittags im Bett … Es muss so gewesen sein, weil mich irgendwann das bis dahin lediglich dahinplätschernde Radioprogramm begann in seinen Bann zu ziehen. Ich lauschte mit zunehmender Ergriffenheit den Worten von Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Er hielt zur Stunde im Bundestag (Bonn!) eine Rede, die – in jeder Hinsicht zu Recht – in die Geschichte einging. Danach habe ich mir sogar deren Text organisiert. Das kleine Heftchen habe ich noch heute:

Die Rede ist ein Gesamtkunstwerk (nachlesen). Folgende Passagen will ich trotzdem herausstellen:

„was es heute für uns alle gemeinsam zu sagen gilt: Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“

„Aber wir dürfen nicht im Ende des Krieges die Ursache für Flucht, Vertreibung und Unfreiheit sehen. Sie liegt vielmehr in seinem Anfang und im Beginn jener Gewaltherrschaft, die zum Krieg führte. Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen.“

„Es geht nicht darum, Vergangenheit zu bewältigen. Das kann man gar nicht. Sie läßt sich ja nicht nachträglich ändern oder ungeschehen machen. Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren.“

„Die Bitte an die jungen Menschen lautet: Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Haß gegen andere Menschen, gegen Russen oder Amerikaner, gegen Juden oder Türken, gegen Alternative oder Konservative, gegen Schwarz oder Weiß. Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander.“ … „Ehren wir die Freiheit. Arbeiten wir für den Frieden. Halten wir uns an das Recht. Dienen wir unseren inneren Maßstäben der Gerechtigkeit. Schauen wir am heutigen 8. Mai, so gut wir es können, der Wahrheit ins Auge.“

Der 8. Mai 1945 war übrigens ein Dienstag.


Mehr als 500 Jahre zurück. 23. April 1516 (ein Sonntag) – das Bayerische Reinheitsgebot für Bier wird erlassen. Seit 1994 gilt der 23. April als „Tag des Bieres“. Er führte mich heurig nach Regensburg. Zunächst zu einer Strafverteidigung vor dem Amtsgericht.

Danach begab ich mich an einen Ort, der seit über einem halben Jahrtausend Erfahrung im Straßenverkauf (Bratwurstkipferl – mit und ohne Kraut) hat. Und damit heute dem Virus eine lange Nase machen kann. Die Historische Wurstkuchl an der Steinernen Brücke:

Sie haben jetzt auch ein „eigenes“ (Brauerei Jakob) Bier.

Der Altstadt gegenüber, nach der Steinernen Brücke gleich links, liegt die Spitalbrauerei. Deren Maibock wurde mir bereits mehrfach ans Herz gelegt. Mir kommt ein Mann entgegen. Ich frage ihn nach dem Weg zum Brauereiladen. Er grinst breit: „Folgen Sie mir, dahin gehe ich auch!“ Auf meine Frage, wer er ist, grinst er noch breiter: „Der Chef-Chef“. Ich habe Wolfgang Lindner getroffen. Er ist der „Spitalmeister“ der St. Katharinenspitalstiftung:

Wolfgang Lindner

Der Maibock hat eine Süffigkeit, die eine Dehydratation in seiner Gegenwart gänzlich ausschließt.

Auf dem Heimweg. In den Hopfengärten steht das An- und Nachleiten der Triebspitzen auf dem Programm. Auch dazu – „O`Drahts“ – gibt es das passende Bier (Urban Chestnut):


Ein letzter Jahrestag. Es hätte ihn nicht gebraucht. Heute vor zwei Jahren verunglückte mein Freund Wolfi.

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