Was man nicht alles macht. Heute Abend vor zwanzig Jahren (20. Dezember 2000) habe ich mit sechs Gleichgesinnten (§ 56 BGB: „Die Eintragung soll nur erfolgen, wenn die Zahl der Mitglieder mindestens sieben beträgt.“) einen Verein gegründet. Sein Name: Ingolstädter Cigarren Collegium „All that Cigar. Er existiert bis heute!

Es würde mir nicht im Traum einfallen, einem Klub beizutreten, der bereit wäre, jemanden wie mich als Mitglied aufzunehmen.“ Groucho Marx

Von links nach rechts: Yves, Helmut, Bernhard, Andreas, Michael, Thomas, Peter

Der Donaukurier berichtete darüber mit dem schönen Aufmacher „Im aufsteigenden Tabakrauch gemeinsam die Seele baumeln lassen“. Sogar der Bayerische Rundfunk (Bayern 1) sendete einen kleinen Beitrag.

„Auch der sinnloseste und unglückseligste Tag scheint am Ende gut verbracht, wenn man durch den blauen, wohlriechenden Rauch einer Havanna auf ihn zurückschaut.“ Evelyn Waugh

Es soll kein langer Beitrag werden. Aber ich will das Jubiläum keinesfalls einfach untergehen lassen. Leider war heute – in keiner Konstellation – an einen collegialen Smoke zu denken … Zur Gründung gönnten wir uns das feine Restaurant „Provinz“ in Wettstetten (mehr ging damals in der Region nicht; hat sich nicht viel geändert …). Glückliche Choreografie – Anfang 2001 machte das Audi-Forum auf. Im hinteren Bereich des Mövenpick-Restaurants gab es wunderbare Rastplätze. Unser erstes Domizil. Es folgten Umzüge. Mitglieder gingen und neue kamen. Das Gesetz zum Nichtraucherschutz wurde erlassen (ich will es trotzdem nicht missen). Traditionell feiern wir – neben den monatlichen Jour-fixes – Sommer- und Weihnachtsfeste. Dazu gab und gibt es unzählige (sehr lohnenswerte) Veranstaltungen. Zuletzt stand eine Ballonfahrt auf dem Programm. Der Virus hat sie abgeblasen.

„Der Genuß einer guten Cigarre läßt uns an Zeiten zurückerinnern, die es gar nicht gegeben hat.“ Oscar Wilde

Auszüge aus unserer Satzung: „Art. 1 … (1) Der Verein trägt den Namen „All that Cigar“ e.V. Ingolstädter Cigarren Collegium … Art. 2 … (1) Zweck des Vereins ist die Förderung der Cigarrenkultur, des offenen Dialogs und der gehobenen, genussorientierten Lebensart sowie die Pflege der Geselligkeit … Art. 3 … (1) Mitglied des Vereins kann jede natürliche Person (ordentliches Mitglied) … werden, die seine Ziele unterstützt. Herkunft und sozialer Status sind unbeachtlich, … Die Mitglieder sprechen sich untereinander mit „Du“ an. Sie sind sich durch ihr gemeinsames Interesse an der Cigarrenkultur verbunden … Art. 7 … (1) Der Vorstand besteht aus dem Vorsitzenden (Presidente) …“

Am Anfang versorgte ich mich bei Tabak Lanig in Neuburg mit Nachschub. Eine stete Offenbarung ist ein Besuch bei Urs Portmann im schweizerischen Kreuzlingen. Genuss im begehbaren Humidor:

2005

Vor Ort in Ingolstadt führt kein Weg an Cigar Malt & More vorbei.

Zum Zehnjährigen – im zeitigen Frühjahr 2010 – stand für echte Enthusiasten eine bis heute denkwürdige Unternehmung an: Kuba! Es gab keine Kompromisse 😉 Hotel Nacional de Cuba (Havanna). Besuch von El Laguito (Cohiba-Manufaktur). Tabak-Zentrallager. Anbau in Viñales (Provinz Pinar del Río). Besuch der Tabakpflanzer-Legende(!) Alejandro Robaina. Viele herzliche private Begegnungen … Nur Air France machte sich zum Gegner: Eine kurze Verspätung in München führte zu einer mühsamen Odyssee in Paris und kostete uns am Ende 1 1/2 Tage und eine Woche ohne Koffer …

Von links nach rechts: Thomas, Alexander, Ralph, Andreas, Michael, Anton
Von links nach rechts: Michael, Thomas, Andreas, Alejandro Robaina, Anton, Ralph, Alexander

„Ein Duft bringt Dich weiter als ein Flugzeug fort.“ Unbekannter Urheber

Zu guter Letzt. Bismarck berichtet über Verhandlungen mit Österreich 1851: „Bei den Sitzungen der Militärkommission hatte, als Rochow Preußen im Bundestage vertrat, Österreich allein geraucht. Rochow hätte es als leidenschaftlicher Raucher gewiss auch gerne getan, getraute sich aber nicht. Als ich nun hinkam, gelüstete michs ebenfalls nach einer Cigarre, und da ich nicht einsah, warum nicht, ließ ich mir von der Präsidialmacht (dem österreichischen Gesandten Thun, K. P.) Feuer geben, was von ihr und den anderen Herren mit Erstaunen und Missvergnügen bemerkt zu werden schien. Es war offenbar für sie ein Ereignis. Für diesmal rauchten nun bloß Österreich und Preußen. Aber die anderen Herren hielten das augenscheinlich für so wichtig, dass sie darüber nach Hause berichteten und um Verhaltungsbefehle baten. Die ließen auf sich warten. Die Sache erforderte reifliche Überlegung, und es dauerte wohl ein halbes Jahr, dass nur die beiden Großmächte rauchten. Darauf begann auch Schrenkh, der bayrische Gesandte, die Würde seiner Stellung durch Rauchen zu wahren. Der Sachse Nostitz hatte gewiss auch große Lust dazu, aber wohl noch keine Erlaubnis von seinem Minister. Als er indes das nächste Mal sah, dass der Hannoveraner Bothmer sich eine genehmigte, muss er, der eifrig österreichisch war – er hatte dort Söhne in der Armee -, sich mit Rechberg verständigt haben, denn er zog jetzt ebenfalls vom Leder und dampfte. Nun waren nur noch der Württemberger und der Darmstädter übrig, und die rauchten überhaupt nicht. Aber die Ehre und die Bedeutung ihrer Staaten erforderte es gebieterisch, und so langte richtig das folgende Mal der Württemberger eine Cigarre heraus – ich sehe sie noch, es war ein langes, dünnes, hellgelbes Ding, Couleur Roggenstroh – und rauchte sie als Brandopfer für das Vaterland wenigstens halb. Nur Hessen-Darmstadt enthielt sich, wahrscheinlich in dem Bewusstsein, zur Rivalität noch nicht groß genug zu sein.“ 

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