Es gibt eine Nachspeise, zu der ich ein ganz besonderes Verhältnis habe. Sie ist Bestandteil meines Geschmacksfundaments – Apfelkompott. Im Garten meiner Großeltern gab es vier Apfelbäume. Der einzig sicher bestimmbare stand vor dem Gartenhaus und trug Jakobiäpfel (weißer Klarapfel). Die waren mir als Bub, frisch gepflückt, immer viel zu sauer. Hinter dem Haus befand sich ein Baum mit großen gelben Äpfeln. Wir nannten diese Champagneräpfel. Bei der Lagerung bildete sich eine beachtliche Wachsschicht. Nach ihnen duftete im Winter der ganze Keller. Und in der Gartenmitte standen zwei gleiche Bäume, deren Früchte in der Familie schlicht unter Winteräpfel liefen. Aus ihnen allen bereitete meine Oma Kompott. Sie weckte auch Kirschen und Zwetschgen ein. Zimt kam aber nur zu den Äpfeln ins Glas. Diese Kombination verzauberte mich. Unzähligen Festessen setzte das abschließende erfrischende Schälchen mit kühlem (das ist wichtig, ich bin kein Freund von warmen Fruchtsäuren) Apfelkompott die Krone auf. Unerlässlich ist schließlich noch seine Konstizenz. Mus muss ich nicht haben – Biss statt Brei.

Letztes Jahr entdeckte ich im Umland eine feine Streuobstwiese. Sie wurde vor gut 30 Jahren angelegt und besteht aus 71 Obstbäumen (Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen und Quitten). Die Bilder sind von Mitte November 2020:

Nachdem ich meine Quelle an der Ingolstädter Altstadt wieder einmal nicht auf der Rechnung hatte, zog es mich am vergangenen Wochenende zur Neuentdeckung. Das Ernten vom Baum ist dort Dritten ausdrücklich untersagt. Daran halte ich mich selbstredend. Abgesehen davon – die Natur hat jedes Jahr ihr eigenes Drehbuch – sind die Pflanzungen heuer bereits ratzeputz von ihren Schätzen befreit. Trotzdem erbückte ich mir eine prächtige Ernte – ein beachtlicher gemischter Satz:

Dazu fanden sich noch einige weitere Birnen ein. Aus dem Nachbargarten (Danke Annemarie) und von der Schwester (Danke Christine und Josef):

Ans Werk! Schälen, Ausschneiden, Schippeln. Netto verblieben 4,5 kg Äpfel und 1,6 kg Birnen (die jeweils separat verarbeitet wurden). Dazu Zitronenschalen und Zitronensaft, Zimtstangen, Zucker und Wasser.

Mit Ressourcen gut umgehen: dafür gab es satte Punktzahlen. Neben der ausschließlichen Verwendung von Fallobst fanden sich bei den Gläsern nur Zweit-, Dritt-, etc. Belegungen:

Jetzt ein bisserl ruhen lassen. Sie werden nicht lange halten …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.