Es gab Zeiten, da dampften in fast jeder Gasse der Ingolstädter Altstadt die Braukessel – schaut hier. Oder in Hans Fegerts hilfreiches Buch „Alte Ingolstädter Brauereien und Wirtshäuser – Ein historischer Lokalbummel“. Es listet zwischen 1860 und 1898 innerhalb der Stadtmauer alleine 32 (!) Standorte.

Das ist lange her. Und fand im Dezember 2007 ein tatsächliches Ende mit dem letzten Sud vom Ingobräu (Harderstraße). Erst im März 2016 ging es wieder los. Im prächtigen Gasthaus Daniel. Dort im 1. Stock wird seitdem das „Daniel Hell“ gebraut. Die Regie dabei führt Herrnbräu.

Und endlich komme ich zum eigentlichen Grund dieser Geschichte. Wären Altar und Apsis des Ingolstädter Liebfrauenmünsters durchsichtig – man hätte einen direkten Blick darauf:

Seit vorletztem Monat – es war am 24. Juli – gibt es in der Ingolstädter Schulstraße 19 Griesmüllers Altstadtbrauerei. Sehr große Freude!

Es gibt einen temporären Schönheitsfehler. Das gleich vorweg – sonst macht der schöne Titel meiner Notiz keinen Sinn. Das Bier wird noch in der Nähe von München gebraut. Aber in wenigen Wochen kesselt es dann ausschließlich vor Ort!

Chef vom Ganzen ist Franz Rottenkolber. 24 Jahre jung. Ausbildung zum Brauer und Mälzer beim Augustiner Bräu in München. Dann Abschluss der Meisterschule. Hat die Ruhe weg:

Franz Rottenkolber

Rottenkolber ist Schanzer. Durch und durch. Dort wo es in der Griesmühlstraße steil bergauf geht – am sogenannten Postbergl – stand eine Mühle: „Die Griesmühle ist seit über 150 Jahren in unserem Familienbesitz und gibt uns somit von Alters her den Haus- & Hofnamen „Griesmüller“. Einst von der Schutter angetrieben, versorgte die Mühle seit dem 13. Jahrhundert die Altstadtbewohner mit Schrot, Grieß und Mehl … 1962 wurde der Mahlbetrieb eingestellt. Doch heute verbindet das Handwerk ein paar Straßen weiter Tradition und Moderne in Griesmüllers Altstadtbrauerei.“

Kleine Welt! Im Schuljahr 1986/87 – 11. Klasse|Christoph-Scheiner-Gymnasium – hatte ich in Mathematik Franz Rottenkolber. Es ist der Vater des heutigen Bräus. Er gab mir einen Spick-Sechser – den einzigen in der ganzen Schulzeit! Ich habe mir fest vorgenommen, wenn ich ihn (den Senior) das nächste Mal in der Altstadtbrauerei treffe, von ihm eine Halbe ausgeben zu lassen. Mindestens eine! Dieser Sechser hat ganz schön reingehauen … Die Mutter von Franz Junior – Simona Rottenkolber – war Stadträtin. Der Kenner weiß damit bereits Bescheid. Franz ist der Enkel von Peter Schnell – dem Ingolstädter Oberbürgermeister (1972 – 2002).

Zurück zur Brauerei. An Bieren gibt es „Schanzer Hell“, „Schutter Export“, „Donau Weisse“ und derzeit saisonal „Fruchtkorb Juicy IPA“ und „Melon Lager“ sowie einen Eisbock. Alle gut bis sehr gut. Mein Favorit: Das „Schutter Export“ – schon der Name! Mit einem „Probier Brettl“ kann man sich vier verschiedene Verkostungsproben genehmigen.

Man kommt ja des Biers wegen. Dabei gibt es einen sehr speziellen Wein – „Vinum vernaculum“. Aus Neuburg! Von Winzer Josef Tremml. Slow Food Ingolstadt hat ihn bereits 2010 besucht.

Überhaupt ist gute Regionalität für Franz Rottenkolber ein Anliegen: „Bei der größtenteils selbst hergestellten Gaststätteneinrichtung und der Brauereiausstattung haben wir bereits möglichst auf gebrauchte und restaurierte Teile gesetzt. Außerdem benutzen wir in der Speisen- und Bierherstellung weitestgehend nachhaltige Mehrwegverpackungen. Sowohl der Bezug aus der Region als auch der ausschließliche Verkauf in die Region gewährleisten kurze Lieferwege und ein frisches Produkt. Dazu kommt, dass wir die Malzreste aus dem Brauprozess, die sogenannten „Trebern“, zur Weiterverarbeitung zu schmackhaftem Trebernbrot an unseren lokalen Bäcker Sengl, oder als Futtermittel an Ingolstädter Landwirte weitergeben.“

Ich war jetzt schon x-mal dort. Die Räumlichkeiten, der Chef, das Personal – alles strahlt eine wunderbare, ansteckende Gelassenheit und Natürlichkeit aus. Die Verschiedenheit der Gäste ist beachtlich – verträgt sich aber ganz ausgezeichnet. Da ist einem jungen Kerl etwas Herausragendes gelungen. Mein Kompliment – und mein Dank! Ich habe es erst kürzlich geschrieben: Es sind solche Dienstleistungen und Orte die Innenstädte „retten“ …

Montag ist Ruhetag. Geöffnet ist Dienstag bis Donnerstag von 16:00 bis 24:00 Uhr, Freitag von 16:00 bis 01:00 Uhr, Samstag von 10:00 bis 01:00 Uhr und Sonntag von 10:00 bis 21:00 Uhr.

Hingehen. Prost!

Der Einstieg zu diesem Bericht erfolgte über einen kleinen Umweg. Der Ausstieg soll auch darüber hinauszeigen. Weil wir schon so schön beim Bier sind. Da gibt es weitere hocherfreuliche Bewegung. Ebenfalls in der Ingolstädter Altstadt! Schaut mal hier:

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