„Den Zuschlag bekam die Ingolstädter Baumannschaft.“ So stand es Mitte März im Donaukurier. Mit Zuschlag ist ein Verkauf der Stadt Ingolstadt angesprochen. Veräußert wurde das Mooshäusl. Eine gute Nachricht. Gehören das Wirtshaus und sein Biergarten lokal doch seit Generationen zu den wertvollsten Orten der vielfältigen Stärkung. Nunmehr bereits 15 Monaten ist diese aber leider geschlossen. Letztes Jahr fiel deshalb gar unser Radifest aus! Bewegung – ein Kauf – darf also erst einmal positiv vermerkt werden.

Wer ist der Käufer? Was ist die Baumannschaft? Das hat mich sogleich beschäftigt. Sie ist alt. Bereits 1594 führte sie einen Prozess mit dem Jesuitenkolleg. Er endete mit einem Vergleich. 1823 klagte sie gegen die Schwabenbräu- und Hahnenhofbesitzer wegen Einstellung der Schafweide auf deren Klee- und Stoppelfeldern. Ihre Vorstände sind seit 1840 erwähnt. Josef Zötl war es bis 1842. Seit 2022 ist es Martin Schlagbauer.

Zweck des Vereins ist es, „die Bauernschaft Ingolstadts zusammenzuschließen zur Wahrung ihrer gemeinsamen Interessen, zur Vertretung gegenüber öffentlichen Körperschaften und zur Erhaltung herkömmlicher Sitten und Gebräuche […] Weitere Aufgaben waren Gailviehhaltung, Schäferei, Scharwerk und gemeinsame Maschinenhaltung.“ Gailvieh? Ein überlieferter Begriff für männliche Zuchttiere. Der Eber – bei den Schweinen also – wurde Gailbär genannt. Ja – da werden die Dinge gleich ganz klar und zweifelsfrei …

Bekannt war mir die Baumannschaft bereits durch deren Flur- oder Feldkreuze. Es gibt mehrere auf dem Stadtgebiet. Alle mit dem Zusatz „Errichtet von der Baumannschaft“. Rund ums Mooshäusl kenne ich diese drei:

„Daß du die Früchte der Erde geben u. erhalten wollest. Wir bitten dich erhöre uns“ (1878) | „Unser tägliches Brot gib uns heute“ (1950) und unterhalb des Windrades „Vor jähem u. unvorhergesehenen Tode bewahre uns o Herr“ (1879). Letztere Aufschrift ist nur noch schwer zu entziffern.

Die Leute von der Baumannschaft – davon gehe ich fest aus – wissen was sie tun. Vor allem dürften sie nicht kurzfristig orientiert sein. Man hört, dass sie für die laufende Sanierung vom Mooshäusl ordentlich Geld in die Hand genommen haben. Ab Mai 2026 ist die Wiedereröffnung mit dem neuen Pächter und Wirt Gianluca Cota geplant. Sein Konzept soll ein Miteinander von „Bavarian Barbecue“ (mit eigenem Smoker, ganz slow) und traditionellen Biergartenklassikern (leider ohne Mooshäuslbrot) sein. Sogar hausgemachte Bratwürste sind angekündigt. Das reicht für ordentlich Vorfreude! Das Wirtshaus soll den Namen Wolpertinger bekommen … keine Suppe ohne Haar …

Ich bin sehr gespannt, ob wir alle am 26. Juli (= letzter Sonntag im Juli, so der Brauch seit 1921) das Radifest feiern können. Hach!

4 Kommentare

  1. Author

    @ Michael Stark. Wolpertinger ist wirklich sehr mühsam! Aber – ich bin mir 100% sicher – (fast) kein Mensch wird diese Umbenennung mit Leben füllen. Es wird im sprichwörtlichen „Volksmund“ das Mooshäusl bleiben.

  2. Author

    Thomas – dabei hätte DIESES Windrad sein Cover deutlich nach oben gebracht …

  3. Oh nein – bitte nicht das Mooshäusl in den xbeliebigen Wolpertinger umbenennen!

    Liebe Leser von extraprimagood, schreibt den Vorstand der Baumannschaft Martin Schlagbauer:
    vorstand@baumannschaft.de
    xbeliebiges haben wir in IN wahrlich genug !

  4. Beim Foto vom Windrad fällt mir eine Geschichte ein: Der amerikanische Rockmusiker Steve Wynn hat mal in Ingolstadt gespielt und während der Tour anscheinend Fotos für sein kommendes Album gemacht. Das fürs Album „Sweetness & Light“ wurde wohl auf dem Feld um das Windrad herum gemacht.
    https://www.discogs.com/release/13457345-Steve-Wynn-Sweetness-And-Light
    Auf den Fotos im Internet finde ich das Windrad nicht (ein Feld schon, aber das kann überall sein). Vielleicht weiß Woidl Haber mehr, der damals die Neue Welt geführt hat?

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