Aus Weißkohl …

Was wächst auf den Feldern in und um Ingolstadt? Südlich der Donau jedenfalls Kohl, insbesondere Weißkohl. Und das nicht zu knapp. Dazu gibt es in Ingolstadt seit 1921 einen Spezialisten für die Sauerkrautproduktion. Hatte das jetzt jeder auf der Rechnung? Es dürfte sich tatsächlich wohl eher in Richtung „Prophet im eigenen Land“ verhalten. Also aufgemerkt! Der padrone wirft einen Blick darauf. Heute geht es zunächst um den Weißkohl.

Weißkohlfeld bei Unsernherrn

Und da führt in unserer Region kein Weg an der Familie Wöhrl (Gemüsehof Wöhrl) vorbei. Ca. 2/3 seiner 100 Hektar Betriebsfläche hat Bauer Franz Wöhrl dem Weißkohl gewidmet. Es gibt einen schönen Hofladen. Und im Ingolstädter Stadtrat sitzt er auch. Bauer im Stadtparlament einer Autostadt. Das gefällt mir!

Wir sitzen am Küchentisch und Wöhrl erzählt: In der 14. und 16. Jahreswoche bringt er die Weißkohlpflänzlinge aufs Feld. Diese bezieht er aus Neufahrn bei München. Durch die Setzlinge hat er einen Zeitvorteil gegenüber dem gesäten Kohl. Letzterer kommt bei ihm erst Mitte bis Ende April zur Aussaat. Ab Anfang Juni kann er dann bereits den ersten Kohl des Jahres – den Frühkohl – ernten.

Weißkohl

Die weitere Erntezeit ist dann sorten- und gruppenabhängig und bis zu Temperaturen von ca. minus 7 Grad möglich. Dies ist in der Regel Mitte bis Ende November der Fall. In Summe hat er um die 8 Sorten auf  seinen Feldern. Auch ein kleiner Anteil des (geschmacklich) sehr feinen Spitzkohls. Die Gruppen unterteilt er in Frühkohl, Sorten zur Haupterntezeit (insbesondere Oktober) und Lagerkohl. Im Gros liefert er für die Sauerkrautproduktion. Hierfür kann er maschinell ernten. Dabei verursachte kleinere Verletzungen des Kohlkopfs fallen nicht ins Gewicht, weil der Kohl dort gleich verarbeitet wird. Lagerkohl hingegen wird genau deshalb immer von Hand geerntet. Er muss entsprechend eingelagert bis April die Nachfrage bedienen. Damit ist der Mai der einzige Jahresmonat, in dem es bei den Wöhrls keine (ganzen) Kohlköpfe gibt.

Die Handernte habe ich mir gleich angesehen.

Hier wird Rotkohl eingebracht. Im Einsatz sind Saisonarbeitskräfte.

Rotkohlernte bei Unsernherrn

Seit über 100 Jahren ist auf den sandigen Lehmböden der Region der Kohlanbau üblich. In den Fluren Hagau/Weichering, Unsernherrn und Oberstimm/Ebenhausen wachsen seine Köpfe. Die hier vorherrschende hohe Kalkhaltigkeit ist für das Gemüse sehr wichtig, so Wöhrl. Über Bio-Anbau (den er nicht betreibt) habe er immer wieder nachgedacht. Und tut das weiter…

Die größte Kohl-Anbauregion in Bayern findet sich in Niederbayern. In Deutschland ist mit Abstand Schleswig-Holstein das wichtigste Anbaugebiet.

Im Hofladen gibt es in diesen Wochen exklusiv frisch geschnittenen Kohl. Frau Wöhrl erklärt mir, dass er hier weit überwiegend so nachgefragt wird.

Weißkohl: Strunkentfernung und Streifenschnitt

Siebenbürger kaufen ihn häufig ganz. Sie bohren ihn selbst aus, befüllen ihn dann mit Salz und machen ihn als Sauerkohl (ganz) ein. Größere Nachfrage nach Kohl gibt es auch bei Türken, Griechen und Landsleuten aus den Balkanländern. Außer im Hofladen wird der Kohl (ganze Köpfe) der Wöhrls auch im regionalen EDEKA-Einzelhandel angeboten.

kohl6

Anfang Oktober organisieren die Wöhrls federführend das Ingolstädter Krautfest. Dieses Jahr fand es zum neunten Mal statt. 2009 war das Slow Food Convivium Ingolstadt mit einem Infostand (Bilder hier) dabei.

Franz Wöhrl

Unter Bezug auf die Überschrift „Aus Weißkohl …“ folgt (hier) der zweite Teil des Berichts „… macht man Sauerkraut“. Der padrone ist zu Gast bei der Landes Feinsaure Delikatessen OHG.

Ein Gedanke zu „Aus Weißkohl …

  1. fliegende Kohlköpfe….
    der Padrone hat mal wieder den Blick fürs Wesentliche!

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