Zu Gast beim Biohof Mayer

Preith hat um die 900 Einwohner und liegt 5 km nördlich von Eichstätt. Ein gewöhnliches Dorf? Sicher nicht. Hier gibt es nämlich gleich zwei Bio-Bauernhöfe. Einmal den Moierhof der Familie Daum, den diese nach den Demeter Richtlinien bewirtschaftet. Und den Biohof Mayer, Mitglied im Bioland-Verband.

Seit 12 Jahren führen Andrea und Franz Josef Mayer den Hof. Die Eltern (Katharina und Johann) von Franz Josef hatten ihren Betrieb bereits 1988 auf die ökologische Landwirtschaft umgestellt.

Andrea und Franz Josef Mayer

Der erfreulicherweise immer mehr Menschen beschäftigenden Frage – Wo kommt unser Essen her? – folgend, verbunden mit dem schönen Vorsatz den Machern die Hand zu schütteln (Michael Pollan: “Shake the hand that feeds you”), trafen sich Ende Juli Mitglieder des Slow Food Conviviums Ingolstadt zum Hofbesuch bei den Mayers.

Ein großes Holzschiff fehlt. Damit – den Hofprodukten und tierischen Bewohnern an Bord – könnte die Sintflut kommen… Es mangelt ein wenig an Worten um zu beschreiben, was für eine unglaubliche Vielfalt wir hier vorgefunden haben.

Los ging es mit einem kurzen Stelldichein im Hofladen. Geführt von Katharina Mayer, hat dieser Mittwoch und Samstag ganztags geöffnet, an den übrigen Tagen jeweils von 17 bis 19 Uhr. Auch das Brotbacken (drei Mal pro Woche im Steinbackofen) obliegt der Senior-Chefin. Alle Backwaren sind ohne Weizenmehl und selbstredend ohne fertige Backmischungen. Es gibt Bauern- und Vollkornbrot aus Dinkel- und Roggenmehl, reines Dinkelbrot, Käsestangen, Semmeln und Baguette. Das Getreide stammt exklusiv von eigenen Feldern. Das Vollkornmehl ist sogar selbst vermahlen.

Raus aufs Feld. Im Blick Dinkel und Einkorn (grün):

Und einfach wunderschön – Schwarzer Emmer:

Die diesjährige (2012) Flächenbelegung der bewirtschafteten gut 50 ha gliedert sich auf in Dauergrünland, Senf, Wintergerste, Emmer, Einkorn, Speisekartoffeln, Roggen, Dinkel, Hafer, Triticale (Weizen-Roggenkreuzung), Wintererbsen, Luzernekleegras, Feldgemüse und Streuobstwiesen.

Auch die Hoffauna hat es in sich. Unter den Milchkühen sind Fleckvieh, gekreuzt mit fränkischem Gelbvieh, Rotbunte, Kreuzungen mit Allgäuer Braunvieh und eine reinrassige Schwarzbunte. Dazu weibliche Jungrinder. Schafe der Rassen Skudden und Shropshire. Legehennen (Eier) und Gockel (Fleisch). Und Schweinderl gibt es auch: Bunte-Bentheimer, Schwäbisch-Hällische und Pietrain.

Es lebe die Biodiversität! Nicht genug, betätigt sich Angelika (Schwester von Franz Josef) als Imkerin. Ca. 30 Völker beweiden die Preither Flur und die Streuobstwiesen.

Die Milch geht an Domspitz Regensburg. Außerdem wird aus ihr am Hof köstliches Eis gemacht. Wir probierten die Sorte Vollmilch mit frischer Minze und Schokosplittern. Und die Verkostung fand tatsächlich „nach acht“(…!) statt. Das ist echtes Bauernhofeis – ohne Fertigmischung. Immer noch nicht genug, ist Andrea auch ausgebildete Kräuterpädagogin. Ab Hof bietet sie jahreszeitlich passend Führungen an. So entstehen dann wiederum aus Holunder, Schlehe oder Gundermann spannende Eiskreationen.

Den Schlachttieren nimmt sich der den aufmerksamen extra prima good Lesern bereits bekannte Anton Fürsich aus Hausen bei Greding an. Biologisch von ihm verarbeitet und veredelt gibt es das Fleisch und die Würste im Mayer Hofladen.

Ein Geschwister der Mayers im Geiste ist der aus dem Allgäu stammende Jörg Christmann. Im Jahr 2006, nach dem agrarwissenschaftlichem Studium an der FH Weihenstephan, übernahm er den Gemüseanbau auf dem Hof und führt ihn seither in eigener Regie. Seine Leidenschaft gilt insbesondere den Tomaten. Immer (wenn Saison!) im Angebot hat er die Sorten Adlerschnabel, Ananas Noir, Taiwan Teardrop, Black Ethiopian, Black Russian und Black Plum. Und er experimentiert gerne. Aktuell mit Berner Rose, Orange Russian, Reisetomate oder Yellow Pearshaped. Machen nicht schon diese Namen Lust auf Notwehr gegen geschmacksfreie Supermarktkreationen? Gedanklich war ich dann auch gleich wieder bei meinem letztjährigen Besuch der Paradeiserinstanz Erich Stekovics im Burgenland.

Die Ananas Noir (Favorit von Christmann) wird – optisch das berühmte „Entlein“ – geschmacklich zum „Schwan“. Unbedingt probieren!

Zusammen mit den Tomaten erfreuen sich an pestizid-, herbizid-, fungizid- und kunstdüngerfreien Böden: Chili, Auberginen, Zucchini, Gurken, Minigurken, Fenchel, Zuckerhut, Chinakohl, schwarzer Rettich, Endivien, Feldsalat, Petersilie, Schnittlauch, Broccoli, Blumenkohl, Lauch, Sellerie, Rhabarber, Blaukraut, Weißkraut, Grünkohl, Rote Rüben, Gelbe Rüben, Bohnen, Mangold, Kohlrüben, Pastinaken, Petersilienwurzeln, Kohlrabi, Lauchzwiebeln, Wirsing, Rosenkohl, Blaubeeren, Himbeeren und verschiedene Melonen.

Wahrlich gut geführt, mit Extratouren – z. B. Vorführung der Entspelzungsmaschine mit der Mayer im Auftrag des Klosters Plankstetten auch deren Biogetreide säubert – wartete auf uns am Ende eine Brotzeit mit Hofprodukten. Wie es sich für Slow Food gehört, an einer gemeinsamen Tafel. Weil die Fotos davon leider nicht den Qualitätsanforderungen dieses Blogs genügen, muss/will ich hier passen. Im Jargon eines Arbeitszeugnisses gesprochen, mundete alles stets zu unserer vollsten Zufriedenheit. Oder etwas lebensnaher: Saugut wars!

Man kann sich annähernd vorstellen – kann man es wirklich? – was für Arbeit die Mayers und Christmann schon quantitativ durchs Jahr leisten. Und dabei strahlen sie eine Ruhe und Gelassenheit aus, die wirklich beachtlich ist. Letzteres mag auch daran liegen, dass hier Menschen wirklich ihr Ding machen… Das Ergebnis ist, um es im Slow Food Dreiklang zu sagen, nicht nur sauber und fair sondern auch gut. Sehr gut. Und drei Kinder haben sie auch noch.

Herzlichen Dank für die Gastfreundschaft! Schön Euch da draußen zu wissen!

Zwei gute Nachrichten für die Ingolstädter Leser des Blogs. Alle Hofprodukte gibt es nicht nur im Hofladen, sondern auch auf dem Eichstätter Wochenmarkt (Mittwoch) und eben dem Ingolstädter Wochenmarkt (Samstag). Obst und Gemüse von Christmann zusätzlich auf den Märkten in Treuchtlingen (Freitag) und Weißenburg (Samstag). Und die zweite gute Nachricht: Vorfreude ist die schönste Freude. Die nächsten Samstage machen die Mayers Pause. Ihr Stand steht erst wieder ab dem 15. September am Ingolstädter Theatervorplatz. Genug Zeit also, um Vorfreude zu pflegen. Und am 15. vielleicht einen zweiten Korb mitzunehmen… Der Hofladen macht keine Ferien. Wie die Kühe.

2 Gedanken zu “Zu Gast beim Biohof Mayer

  1. Lieber Michael,
    wenn es mit der Juristerei, warum auch immer, nicht mehr klappen sollte, gehst du in den schriftstellerischen Bereich. Der Text, aber auch die Fotos super!!!!!!!!!!!!

  2. Da kann ich nur zustimmen….so wie Michael das beschreibt und mit diesen stimmungsvollen Bildern wuerde man sich wuenschen, dass alle Hoefe so wirtschaften…

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