Entdeckung! Altmühltaler Kürbiskernöl

Schöner monatlicher Stammtisch von Slow Food Ingolstadt. Wir sind dafür mal hier, mal dort zu Besuch. Gestern Abend im köstlichen Gasthaus Stark in Wolkertshofen (gelistet im Slow Food Genussführer). Diesmal mit dabei: Sylvia und Markus Hiermeier aus Wellheim:

Eine Volltrefferentdeckung! Was ich bisher nur in der Steiermark fand (hier), wächst seit letztem Jahr auch bei uns im Altmühltal: Der schalenlose Ölkürbis! Die Hiermeiers sind schuld. Seht selbst:

Wenn man sich vor Augen führt, dass das ihre erste Ernte ist, die wir verkosten durften – das Öl mundet bereits ausgezeichnet! – wo soll denn das hinführen mit einigen Jahren Erfahrung?! Peak Oil im Altmühltal ist weit, weit weg…

Nicht zu verachten sind auch die ganzen Kerne. Es gibt sie in Natur und veredelt (mit Zimt, Chili-Kakao, Kaffee, Sesam sowie geröstet und gezalzen). Habe Sylvia Hiermeier gleich eine kleine Liste von Bäckern gemacht, bei denen ich mir die Kerne gut vorstellen kann…

Und natürlich gab es die – immer noch erstaunlich unbekannte – Vermählung von Kürbiskernöl und Vanilleeis. Ein Traumpaar:

Ein Hofbesuch in Wellheim ist fest eingeplant. Vielleicht schon zur Blütezeit. Sie soll eine Augenweide sein. Und damit auch eine Festivität für Bienen und Hummeln – ein weiterer Grund den Ölkürbis bei uns herzlich willkommen zu heißen!

Wo einkaufen? Vor Ort ab Hof – und dabei den hochsympathischen Landwirten gleich die Hand schütteln (shake the hand that feeds you), in ausgewählten Hofläden der Region und im eigenen Online-Shop.

Familie Hiermeier. Marktstraße 1, 91809 Wellheim, Altmühltaler Kürbiskernöl.

Holledauer Haselnuss

„Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah“. Wissen muss man es halt. Zur heutigen Erhellung sei deshalb erklärt: In Bayern wird seit 2001 landwirtschaftlich der Haselnussanbau kultiviert. 2004 pflanzte in (unserer) Hallertau die Familie Neumeier ihre ersten Büsche. Die ehemaligen Hopfenbauern erkannten die besondere Geeignetheit des Regionalklimas auch für die Haselnuss und nahmen sich dieser vielseitigen wie wohlschmeckenden Köstlichkeit an. Mit Leib und Seele. Von Beginn an arbeiten sie mit einer Bio-Zertifizierung! Die unterschiedlichen Produkte der „Holledauer Haselnuss“ werden seit 3 Jahren unter der Marke „Eichhörnchen“ vertrieben.

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Ihren Ursprung hat die zu den Birkengewächsen gehörende Haselnusspflanze (Lambertshasel) an der türkischen Schwarzmeerküste. Noch heute kommen ca. drei Viertel der weltweiten Ernte von hier.

In freudiger Erwartung einer frischen, regionalen Alternative machte sich Slow Food Ingolstadt im vergangenen Oktober zu einem Hofbesuch nach Rudelzhausen auf. In der großen Wohnküche seiner Mutter, am holzbefeuerten Ofen (zur gänzlichen Verwertung der Nuss wird an einem Brikett aus Nussschalen gearbeitet), gab uns Josef Neumeier eine fundierte, sehr persönliche Einführung ins Thema. Danach ging es, gleich über die Straße, auf die jüngste Pflanzung.

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Alle Schritte, vom Anbau über die Pflege bis zur Ernte, wurden kurzweilig erläutert. Bei der anschließenden Weiterverarbeitung der Haselnuss spielt Neumeier als gelernter Flugzeugbauer seine technischen Fertigkeiten voll aus. Das Ergebnis: Die eigenständige Konstruktion und der Bau von Maschinen zur Reinigung, Trocknung, Sortierung und zum Knacken der Nüsse.

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Im täglich von 8-19 Uhr geöffneten Hofladen konnten wir dann endlich die verschiedenen Erzeugnisse verkosten. Die Produktpalette umfasst die Nüsse mit und ohne Schale, Kerne mit Zimt-Zuckerüberzug, Haselnussöl, -mehl, in Alkohol eingelegte Kerne (betrunkene Haselnüsse), Hopfen-Haselnussmus (fein!) und drei verschiedene Alkoholika: Zwei Liköre und einen Haselnussgeist. Letzterer wird – die regionale Slow Food Familie lässt grüßen – von Albert Pausch (Bienenhof Pausch) destilliert. Ein süßer Haselnussbrotaufstrich ist in Arbeit …

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Eine Erfahrung die jeder, der Haselnüsse frisch gepflückt und gleich gegessen hat, sicher kennt – aber ob der vielen staubtrockenen Kerne (notwendig starke Trocknung für Transport und lange Lagerung) aus dem Handel fast vergessen hat: Die natürliche Saftigkeit der Haselnuss in der Schale!

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Ein herzliches Dankeschön an die Neumeiers für die uns heute gewährten interessanten und schmackhaften Entdeckungen! Wer es gerade nicht in den Hofladen schafft, findet Eichhörnchen-Waren auch auf den bevorstehenden Weihnachtsmärkten in Au und Abensberg, sowie im Dezember auf dem Münchner Viktualienmarkt.

Ein kleiner (hungriger) Kreis fand sich im Anschluss noch zum Mittagessen im Schlossbräukeller im benachbarten Au ein. Die Schlossbrauerei Au ist verantwortlich für ganz ausgezeichnete Biere. Ganz aktuell haben sie mit dem „Hopfull“ sogar ein India Pale Ale am Start (leider noch nicht probiert). Vor Ort gibt es einen wunderschönen Biergarten (Kastanienallee). Allein – die Saison ist vorbei (keine Chance dem Heizpilz!).

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Das alte Sudhaus (echtes Trostpflaster für den Biergarten) beherbergt eine sehr beachtliche Sammlung von Brauereischildern aus Emaille. Ein Augenschmaus. Warum hat man heute eigentlich auf Blech, gar Plastik umgestellt?

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Leider wurde das dargebotene Essen weder dieser prächtigen Umgebung, noch dem herrlichen Bier gerecht. Schade.

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Marginalie (14) – Fischöl in der Wurst

Im aktuellen Wir! in Ingolstadt und Region, einer Publikation der ich sehr geneigt gegenüber stehe, schreibt ein Heilpraktiker: „Eine gesunde Ernährung setzt sich aus vielen Bestandteilen zusammen, die wiederum in perfekter Qualität und Ausgewogenheit zueinander zur Verfügung stehen sollten, um dem Organismus sein gesundes Funktionieren zu ermöglichen“.

Es folgt (zurecht) ein Loblied auf die Omega-3-Fettsäuren. Da sind sie wieder: Die ALA (Alpha-Linolensäure), die EPA (Eicosapentaensäure) und die DHA (Docosahexaensäure). Die beiden letzten finden sich reichlich in fettreichem Kaltwasserfisch, die erste insbesondere im Lein (der Körper bildet aus der ALA die EPA und/oder DHA – gleichzeitig anwesende Omega-6-Fettsäuren können das aber blockieren). Seht dazu meinen Bericht zum Leinsamenöl und die Feststellung, dass Omega-3-Fettsäuren in der Milch und ihren Veredelungen unbedingt eine Gras(!)fütterung der Kühe voraussetzt.

Der angesprochene Heilpraktiker sprengt meiner Meinung nach den Rahmen jedes Ganzheitlichkeitsanspruchs, wenn er im Fortgang seines Berichts wahlweise zum Fisch den Segnungen einer mühsamen Industrie huldigt: „Eine Alternative hierzu bietet nun die Lebensmittelindustrie mit Produkten, die mit Omega-3-Fettsäuren angereichert sind“. Auf der nächsten Seite findet sich „überraschend“ gleich eine Reklame: Unter Mitwirkung des Fraunhofer Instituts wird bei einer neuen Produktlinie von EDEKA in Weißwurst, Leberkäse, Paprika-Lyoner, Lyoner, Bierschinken, Gourmet-Trio, Wiener und gebrühte Bratwurst Fischöl gegeben. „Functional Food“ nennt sich das. Ist weltweit ein Milliardengeschäft. Gesunde Vitamine naschen und so… Bisher größter Clou – das Abwehrkräftemärchen von Danone.

Der Heilpraktiker bekommt mit seinem Schlusssatz ansatzweise noch die Kurve. „Gesund ernährt sich, wer sich vielseitig und abwechslungsreich ernährt“. Und genau dafür, braucht es aber keine Lebensmittelindustrie! Im Gegenteil – gehört sie doch mit zu den größten Gefahren für die essbare Biodiversität.

(13) – Marginalie – (15).

Weineinkauf in Ingolstadt (3): Santa Croce

Puristischer und unmittelbarer wird es in meiner Serie zum lokalen Weineinkauf nicht werden. Jedenfalls solange uns der Klimawandel nicht Reben auf dem Scherbelberg beschert. In Neuburg gibt es mit Josef Tremml ja bereits einen Winzer.

Der erste Schauplatz liegt heute zunächst in Umbrien, gute 10 km westlich der wunderschönen Stadt Orvieto. Durchaus unzugänglich liegt hier das Anwesen Santa Croce. Das Drehbuch bietet einen Traum, der in vielen Herzen lebt: Mann entdeckt 1985 auf Reisen ein ehemaliges kleines Kloster. Er verliebt sich in den Ort und kauft ihn. Macht sich die Stätte wahrlich zu Eigen, indem er sie durch eigene Hände Arbeit renoviert und restauriert. Der Fotografenberuf landet am Nagel.  Der Mann – Hermann Anton Baur – wird Winzer.

Der zweite Schauplatz findet sich dann natürlich in Ingolstadt. Auf der Website des Weinguts ist zu erfahren: „Wir haben ein kleines Weinlager in Bayern und versenden unseren Wein von dort aus innerhalb Deutschlands“. Der informierte Ingolstädter greift hingegen direkt zu!

Rosato 2012 aus 70 % Montepulciano und 30 % Sangiovese. Fruchtig, gut. Mit leichter (nicht unangenehmer) Bitternote.

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2010 war ich mit meiner Familie in der südlichen Toskana. Kurzerhand machten wir einen Tagesausflug zur Tenuta Santa Croce. Baur kultiviert 4 ha Rebfläche und baut – antizyklisch zum dominierenden Weißwein in der Region – ausschließlich rote Sorten an: Sangiovese, Montepulciano und Cabernet Sauvignon (Rosso Orvietano D.O.C). Der Ausbau erfolgt in der ehemaligen Klosterkirche.

Dorato 2012 aus 100 % Sangiovese. Kirsche. Gut.

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Besonders schön und löblich: Es wird unter Verzicht auf Herbizide, Pestizide und Kunstdünger ausschließlich ökologisch gearbeitet (Azienda agricola biologica). Die Lese erfolgt von Hand.

Tut mir leid Anton, aber der Rosvita 2012 (100% Cabernet Sauvignon) ist für mich das Streichergebnis Deiner ansonsten sehr feinen Kollektion. Obwohl der Rosato und der Dorato jeweils bereits 13,5 % Alkohol (für einen Rosé wirklich grenzwertig) haben, gelingt es Dir diesen harmonisch einzubauen. Die 14 % beim Rosvita sind nur noch Wucht und Last… Diese Dissonanz bebildere ich elegant mit der einzig nicht stimmigen Mitte zwischen den Münstertürmen 😉

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Warum kommt nun der Wein des Münchners Baur von Umbrien zu uns? Wie so oft hat eine Frau ihre Hände im Spiel. Und wie meistens tut das gut. Seine Lebensgefährtin Petra Regensburger. Der Familienname hat Klang in Ingolstadt. Der Vater ist Ehrenbürger, die Mutter Künstlerin. Über deren Atelier (Terminvereinbarung unter 0173-5801490) können die Weine in der Hohe-Schul-Straße 8 bezogen werden.

Die beiden reinsortig ausgebauten Cabernet Sauvignons, der Klassiker 2010

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und der kräftigere Papavero 2011

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sind beide sehr ordentlich. Ich favorisiere den Klassiker. Er ist (bereits) ausgewogener. Der 2011er braucht noch etwas Zeit. Anton – was unterscheidet die beiden vom Gut her? Die Lage? Die Zeit im Barrique?

Wer Lust bekommen hat wirft jetzt noch einen Blick in diesen Film. Die Sprecherstimme dürfte in Ingolstadt zum kollektiven Bewusstsein gehören:

Jeden Dezember gibt es von Anton Baur noch etwas ganz feines. Sein selbst produziertes umbrisches Bio-Olivenöl (Natives Olivenöl Extra) geht in den Verkauf. Wohl dem, der auf die Zuteilungsliste kommt!

Fortsetzung.

Slow Food und Hellas im Artusiana

Seit Mitte März letzten Jahres gibt es in Ingolstadt das Artusiana – Katia und Gott sei Dank! Ich hatte das Glück noch am Wochenbett stehen zu können und natürlich sofort darüber berichtet. Jetzt ist Frau Garelli Slow Food Mitglied geworden. Und Unterstützerin gleich dazu. Die dazugehörigen Logos gibt es in vier Ausführungen. Mit „… weil Verantwortung und Genuss zusammengehören“ hat sie die gewählt, welche auch meine Präferenz hat:

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Der kleine Innenhof, gleich rechts neben dem Laden, wird nun (endlich) auch bespielt. So wunderbar verstärkt – ein doppelter Grund also für das Convivium Ingolstadt sich feierlich hier einzufinden.

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Und wenns mal läuft, dann läufts halt! Wir hatten noch einen besonderen Gast. Pavlos Georgiadis, der Leiter des griechischen Slow Food Convivium Thrakien bereicherte uns an diesem Abend mit seiner Anwesenheit. Der studierte Ethnobotaniker hält derzeit Vorträge zur aktuellen Lage in Griechenland. Dabei konzentriert er sich auf die Bedingungen für junge Menschen und die Situation der Landwirtschaft seiner Heimat. Beides kombiniert er – sieht in der Krise eine Chance und macht Mut.

Er ist dabei kein Sprücheklopfer. Zusammen mit vier Freunden gründete er unlängst in Amsterdam ein Startup: We Deliver Taste. Hier gibt es ausgesuchte Spezialitäten aus dem gesamten Mittelmeerraum – von handwerklich und nachhaltig arbeitenden Kleinbetrieben.

Außerdem ist Georgiadis Olivenölbauer. Nachdem er den Hain seiner Familie übernommen hatte, stellte er auf biologischen Anbau um. Unter dem Namen „Calypso“ (sie bezirzte bekanntlich Odysseus, ist aber, und darauf kommt es hier alleine an, der Name seiner Großmutter) werden pro Jahr ca. 2.000 Liter hochwertiges Öl gepresst – Single Varietal Extra Virgin Olive Oil (= natives Olivenöl extra). Die Olivensorte heißt „Makri“.

Vieles ist gesagt, wenn man sich seine vier feinen Kurzfilme angesehen hat. Episode eins (Food Security):

Olivenhain seiner Familie übernommen und ihn zu einem Olivenhain mit biologischem Anbau umgewandelt. Er verkauft jetzt ein hochwertiges, biologisch angebautes, griechisches Olivenöl.

Neuburg-Zell: Pavlos Georgiadis zu Gast bei Rupert Ebner und den Grünen – Lesen Sie mehr auf:
http://www.donaukurier.de/lokales/neuburg/Neuburg-Zell-Frustrierende-Klischees;art1763,2776870#520142650

Olivenhain seiner Familie übernommen und ihn zu einem Olivenhain mit biologischem Anbau umgewandelt. Er verkauft jetzt ein hochwertiges, biologisch angebautes, griechisches Olivenöl.

Neuburg-Zell: Pavlos Georgiadis zu Gast bei Rupert Ebner und den Grünen – Lesen Sie mehr auf:
http://www.donaukurier.de/lokales/neuburg/Neuburg-Zell-Frustrierende-Klischees;art1763,2776870#520142650

Weiter geht es – der Einspieler voran ist jeweils der gleiche – mit den Episoden zwei (Young Farmers), drei (Environment) und vier (Epilogue).

Die Zukunft liegt in der Jugend. Eigentlich eine Binsenweisheit. Bei über 62,5 %(!) Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland (April 2013) gleichwohl eine fast unvorstellbare Herausforderung. Um so beeindruckender zu erleben, wie Georgiadis anpackt.

Pavlos besuchte uns nicht mit leeren Händen. Wir verkosteten zunächst sein beachtliches Olivenöl. Es ist eher mild und hat eine Artischockennote:

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Außerdem hatte er dabei: Passierte Tomaten der Sorte „Miracolo di San Gennaro“ (Slow Food Presidio – sehr fein!) mit sizilianischen Kapern, Pistazienpesto (ebenfalls Sizilien) und Bottarga (Meeräschenrogen) von Trikalinos.

Die Hausherrin steuerte verschiedene Antipasti und ihre bewährten hausgemachten Gnocchi und Nudeln bei.

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Das Gelbe in der Hand von Pavlos ist das Bienenwachs, mit dem der Bottarga zur Konservierung überzogen ist.

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Zur rechten Zeit am richtigen Ort… Danke Katia und Pavlos – Salute und Jamas!