Holledauer Haselnuss

“Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah”. Wissen muss man es halt. Zur heutigen Erhellung sei deshalb erklärt: In Bayern wird seit 2001 landwirtschaftlich der Haselnussanbau kultiviert. 2004 pflanzte in (unserer) Hallertau die Familie Neumeier ihre ersten Büsche. Die ehemaligen Hopfenbauern erkannten die besondere Geeignetheit des Regionalklimas auch für die Haselnuss und nahmen sich dieser vielseitigen wie wohlschmeckenden Köstlichkeit an. Mit Leib und Seele. Von Beginn an arbeiten sie mit einer Bio-Zertifizierung! Die unterschiedlichen Produkte der „Holledauer Haselnuss“ werden seit 3 Jahren unter der Marke „Eichhörnchen” vertrieben.

hasel1

Ihren Ursprung hat die zu den Birkengewächsen gehörende Haselnusspflanze (Lambertshasel) an der türkischen Schwarzmeerküste. Noch heute kommen ca. drei Viertel der weltweiten Ernte von hier.

In freudiger Erwartung einer frischen, regionalen Alternative machte sich Slow Food Ingolstadt im vergangenen Oktober zu einem Hofbesuch nach Rudelzhausen auf. In der großen Wohnküche seiner Mutter, am holzbefeuerten Ofen (zur gänzlichen Verwertung der Nuss wird an einem Brikett aus Nussschalen gearbeitet), gab uns Josef Neumeier eine fundierte, sehr persönliche Einführung ins Thema. Danach ging es, gleich über die Straße, auf die jüngste Pflanzung.

hasel2

Alle Schritte, vom Anbau über die Pflege bis zur Ernte, wurden kurzweilig erläutert. Bei der anschließenden Weiterverarbeitung der Haselnuss spielt Neumeier als gelernter Flugzeugbauer seine technischen Fertigkeiten voll aus. Das Ergebnis: Die eigenständige Konstruktion und der Bau von Maschinen zur Reinigung, Trocknung, Sortierung und zum Knacken der Nüsse.

hasel3

Im täglich von 8-19 Uhr geöffneten Hofladen konnten wir dann endlich die verschiedenen Erzeugnisse verkosten. Die Produktpalette umfasst die Nüsse mit und ohne Schale, Kerne mit Zimt-Zuckerüberzug, Haselnussöl, -mehl, in Alkohol eingelegte Kerne (betrunkene Haselnüsse), Hopfen-Haselnussmus (Klasse!) und drei verschiedene Alkoholika: Zwei Liköre und einen Haselnussgeist. Letzterer wird – die regionale Slow Food Familie lässt grüßen – von Albert Pausch (Bienenhof Pausch) destilliert. Ein süßer Haselnussbrotaufstrich ist in Arbeit …

hasel4

Eine Erfahrung die jeder, der Haselnüsse frisch gepflückt und gleich gegessen hat, sicher kennt – aber ob der vielen staubtrockenen Kerne (notwendig starke Trocknung für Transport und lange Lagerung) aus dem Handel fast vergessen hat: Die natürliche Saftigkeit der Haselnuss in der Schale!

hasel5

Ein herzliches Dankeschön an die Neumeiers für die uns heute gewährten interessanten und schmackhaften Entdeckungen! Wer es gerade nicht in den Hofladen schafft, findet Eichhörnchen-Waren auch auf den bevorstehenden Weihnachtsmärkten in Au und Abensberg, sowie im Dezember auf dem Münchner Viktualienmarkt.

Ein kleiner (hungriger) Kreis fand sich im Anschluss noch zum Mittagessen im Schlossbräukeller im benachbarten Au ein. Die Schlossbrauerei Au ist verantwortlich für ganz ausgezeichnete Biere. Ganz aktuell haben sie mit dem „Hopfull” sogar ein India Pale Ale am Start (leider noch nicht probiert). Vor Ort gibt es einen wunderschönen Biergarten (Kastanienallee). Allein – die Saison ist vorbei (keine Chance dem Heizpilz!).

hasel8

Das alte Sudhaus (echtes Trostpflaster für den Biergarten) beherbergt eine sehr beachtliche Sammlung von Brauereischildern aus Emaille. Ein Augenschmaus. Warum hat man heute eigentlich auf Blech, gar Plastik umgestellt?

hasel6

Leider wurde das dargebotene Essen weder dieser prächtigen Umgebung, noch dem herrlichen Bier gerecht. Schade.

hasel7

Marginalie (14) – Fischöl in der Wurst

Im aktuellen Wir! in Ingolstadt und Region, einer Publikation der ich sehr geneigt gegenüber stehe, schreibt ein Heilpraktiker: “Eine gesunde Ernährung setzt sich aus vielen Bestandteilen zusammen, die wiederum in perfekter Qualität und Ausgewogenheit zueinander zur Verfügung stehen sollten, um dem Organismus sein gesundes Funktionieren zu ermöglichen”.

Es folgt (zurecht) ein Loblied auf die Omega-3-Fettsäuren. Da sind sie wieder: Die ALA (Alpha-Linolensäure), die EPA (Eicosapentaensäure) und die DHA (Docosahexaensäure). Die beiden letzten finden sich reichlich in fettreichem Kaltwasserfisch, die erste insbesondere im Lein (der Körper bildet aus der ALA die EPA und/oder DHA – gleichzeitig anwesende Omega-6-Fettsäuren können das aber blockieren). Seht dazu meinen Bericht zum Leinsamenöl und die Feststellung, dass Omega-3-Fettsäuren in der Milch und ihren Veredelungen unbedingt eine Gras(!)fütterung der Kühe voraussetzt.

Der angesprochene Heilpraktiker sprengt meiner Meinung nach den Rahmen jedes Ganzheitlichkeitsanspruchs, wenn er im Fortgang seines Berichts wahlweise zum Fisch den Segnungen einer mühsamen Industrie huldigt: “Eine Alternative hierzu bietet nun die Lebensmittelindustrie mit Produkten, die mit Omega-3-Fettsäuren angereichert sind”. Auf der nächsten Seite findet sich “überraschend” gleich eine Reklame: Unter Mitwirkung des Fraunhofer Instituts wird bei einer neuen Produktlinie von EDEKA in Weißwurst, Leberkäse, Paprika-Lyoner, Lyoner, Bierschinken, Gourmet-Trio, Wiener und gebrühte Bratwurst Fischöl gegeben. “Functional Food” nennt sich das. Ist weltweit ein Milliardengeschäft. Gesunde Vitamine naschen und so… Bisher größter Clou – das Abwehrkräftemärchen von Danone.

Der Heilpraktiker bekommt mit seinem Schlusssatz ansatzweise noch die Kurve. “Gesund ernährt sich, wer sich vielseitig und abwechslungsreich ernährt”. Und genau dafür, braucht es aber keine Lebensmittelindustrie! Im Gegenteil – gehört sie doch mit zu den größten Gefahren für die essbare Biodiversität.

(13) – Marginalie – (15).

Weineinkauf in Ingolstadt (3): Santa Croce

Puristischer und unmittelbarer wird es in meiner Serie zum lokalen Weineinkauf nicht werden. Jedenfalls solange uns der Klimawandel nicht Reben auf dem Scherbelberg beschert. In Neuburg gibt es mit Josef Tremml ja bereits einen Winzer.

Der erste Schauplatz liegt heute zunächst in Umbrien, gute 10 km westlich der wunderschönen Stadt Orvieto. Durchaus unzugänglich liegt hier das Anwesen Santa Croce. Das Drehbuch bietet einen Traum, der in vielen Herzen lebt: Mann entdeckt 1985 auf Reisen ein ehemaliges kleines Kloster. Er verliebt sich in den Ort und kauft ihn. Macht sich die Stätte wahrlich zu Eigen, indem er sie durch eigene Hände Arbeit renoviert und restauriert. Der Fotografenberuf landet am Nagel.  Der Mann – Hermann Anton Baur – wird Winzer.

Der zweite Schauplatz findet sich dann natürlich in Ingolstadt. Auf der Website des Weinguts ist zu erfahren: “Wir haben ein kleines Weinlager in Bayern und versenden unseren Wein von dort aus innerhalb Deutschlands”. Der informierte Ingolstädter greift hingegen direkt zu!

Rosato 2012 aus 70 % Montepulciano und 30 % Sangiovese. Fruchtig, gut. Mit leichter (nicht unangenehmer) Bitternote.

r1

2010 war ich mit meiner Familie in der südlichen Toskana. Kurzerhand machten wir einen Tagesausflug zur Tenuta Santa Croce. Baur kultiviert 4 ha Rebfläche und baut – antizyklisch zum dominierenden Weißwein in der Region – ausschließlich rote Sorten an: Sangiovese, Montepulciano und Cabernet Sauvignon (Rosso Orvietano D.O.C). Der Ausbau erfolgt in der ehemaligen Klosterkirche.

Dorato 2012 aus 100 % Sangiovese. Kirsche. Gut.

r2

Besonders schön und löblich: Es wird unter Verzicht auf Herbizide, Pestizide und Kunstdünger ausschließlich ökologisch gearbeitet (Azienda agricola biologica). Die Lese erfolgt von Hand.

Tut mir leid Anton, aber der Rosvita 2012 (100% Cabernet Sauvignon) ist für mich das Streichergebnis Deiner ansonsten sehr feinen Kollektion. Obwohl der Rosato und der Dorato jeweils bereits 13,5 % Alkohol (für einen Rosé wirklich grenzwertig) haben, gelingt es Dir diesen harmonisch einzubauen. Die 14 % beim Rosvita sind nur noch Wucht und Last… Diese Dissonanz bebildere ich elegant mit der einzig nicht stimmigen Mitte zwischen den Münstertürmen ;-)

r3

Warum kommt nun der Wein des Münchners Baur von Umbrien zu uns? Wie so oft hat eine Frau ihre Hände im Spiel. Und wie meistens tut das gut. Seine Lebensgefährtin Petra Regensburger. Der Familienname hat Klang in Ingolstadt. Der Vater ist Ehrenbürger, die Mutter Künstlerin. Über deren Atelier (Terminvereinbarung unter 0173-5801490) können die Weine in der Hohe-Schul-Straße 8 bezogen werden.

Die beiden reinsortig ausgebauten Cabernet Sauvignons, der Klassiker 2010

r5

und der kräftigere Papavero 2011

r4

sind beide sehr ordentlich. Ich favorisiere den Klassiker. Er ist (bereits) ausgewogener. Der 2011er braucht noch etwas Zeit. Anton – was unterscheidet die beiden vom Gut her? Die Lage? Die Zeit im Barrique?

Wer Lust bekommen hat wirft jetzt noch einen Blick in diesen Film. Die Sprecherstimme dürfte in Ingolstadt zum kollektiven Bewusstsein gehören:

Jeden Dezember gibt es von Anton Baur noch etwas ganz feines. Sein selbst produziertes umbrisches Bio-Olivenöl (Natives Olivenöl Extra) geht in den Verkauf. Wohl dem, der auf die Zuteilungsliste kommt!

Fortsetzung.

Slow Food und Hellas im Artusiana

Seit Mitte März letzten Jahres gibt es in Ingolstadt das Artusiana – Katia und Gott sei Dank! Ich hatte das Glück noch am Wochenbett stehen zu können und natürlich sofort darüber berichtet. Jetzt ist Frau Garelli Slow Food Mitglied geworden. Und Unterstützerin gleich dazu. Die dazugehörigen Logos gibt es in vier Ausführungen. Mit “… weil Verantwortung und Genuss zusammengehören” hat sie die gewählt, welche auch meine Präferenz hat:

artu1

Der kleine Innenhof, gleich rechts neben dem Laden, wird nun (endlich) auch bespielt. So wunderbar verstärkt – ein doppelter Grund also für das Convivium Ingolstadt sich feierlich hier einzufinden.

artu2

Und wenns mal läuft, dann läufts halt! Wir hatten noch einen besonderen Gast. Pavlos Georgiadis, der Leiter des griechischen Slow Food Convivium Thrakien bereicherte uns an diesem Abend mit seiner Anwesenheit. Der studierte Ethnobotaniker hält derzeit Vorträge zur aktuellen Lage in Griechenland. Dabei konzentriert er sich auf die Bedingungen für junge Menschen und die Situation der Landwirtschaft seiner Heimat. Beides kombiniert er – sieht in der Krise eine Chance und macht Mut.

Er ist dabei kein Sprücheklopfer. Zusammen mit vier Freunden gründete er unlängst in Amsterdam ein Startup: We Deliver Taste. Hier gibt es ausgesuchte Spezialitäten aus dem gesamten Mittelmeerraum – von handwerklich und nachhaltig arbeitenden Kleinbetrieben.

Außerdem ist Georgiadis Olivenölbauer. Nachdem er den Hain seiner Familie übernommen hatte, stellte er auf biologischen Anbau um. Unter dem Namen Calypso (sie bezirzte bekanntlich Odysseus, ist aber, und darauf kommt es hier alleine an, der Name seiner Großmutter) werden pro Jahr ca. 2.000 Liter hochwertiges Öl gepresst – Single Varietal Extra Virgin Olive Oil (= natives Olivenöl extra). Die Olivensorte heißt “Makri”.

Vieles ist gesagt, wenn man sich seine vier feinen Kurzfilme angesehen hat. Episode eins (Food Security):

Olivenhain seiner Familie übernommen und ihn zu einem Olivenhain mit biologischem Anbau umgewandelt. Er verkauft jetzt ein hochwertiges, biologisch angebautes, griechisches Olivenöl.

Neuburg-Zell: Pavlos Georgiadis zu Gast bei Rupert Ebner und den Grünen – Lesen Sie mehr auf:

http://www.donaukurier.de/lokales/neuburg/Neuburg-Zell-Frustrierende-Klischees;art1763,2776870#520142650

Olivenhain seiner Familie übernommen und ihn zu einem Olivenhain mit biologischem Anbau umgewandelt. Er verkauft jetzt ein hochwertiges, biologisch angebautes, griechisches Olivenöl.

Neuburg-Zell: Pavlos Georgiadis zu Gast bei Rupert Ebner und den Grünen – Lesen Sie mehr auf:

http://www.donaukurier.de/lokales/neuburg/Neuburg-Zell-Frustrierende-Klischees;art1763,2776870#520142650

Weiter geht es – der Einspieler voran ist jeweils der gleiche – mit den Episoden zwei (Young Farmers), drei (Environment) und vier (Epilogue).

Die Zukunft liegt in der Jugend. Eigentlich eine Binsenweisheit. Bei über 62,5 %(!) Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland (April 2013) gleichwohl eine fast unvorstellbare Herausforderung. Um so beeindruckender zu erleben, wie Georgiadis anpackt.

Pavlos besuchte uns nicht mit leeren Händen. Wir verkosteten zunächst sein beachtliches Olivenöl. Es ist eher mild und hat eine Artischockennote:

artu3

Außerdem hatte er dabei: Passierte Tomaten der Sorte Miracolo di San Gennaro (Slow Food Presidio – sehr fein! – Video) mit sizilianischen Kapern, Pistazienpesto (ebenfalls Sizilien) und Bottarga (Meeräschenrogen) von Trikalinos.

Die Hausherrin steuerte verschiedene Antipasti und ihre bewährten hausgemachten Gnocchi und Nudeln bei.

artu4

Das Gelbe in der Hand von Pavlos ist das Bienenwachs, mit dem der Bottarga zur Konservierung überzogen ist.

artu5

Zur rechten Zeit am richtigen Ort… Danke Katia und Pavlos – Salute und Jamas!

Schlaraffenland Südsteiermark

Felix Austria! Heute: Die Südsteiermark. Gerade beglückt mit einer Influenza und des Winters langsam müde, blicke ich zur Stützung und Erbauung zurück:

Mein Langstreckenradar hatte schnell ein Domizil für die Familie ausgemacht. Die kurze Rückversicherungnachfrage – ein Hoch auf für gewöhnlich gut unterrichtete Kreise – bei Katharina Seiser wurde so beantwortet: “du wirst’s nicht glauben, aber wir waren letzte woche von di bis sa im…weingut tauss!” Sagenhaft. Selten habe ich schneller gebucht.

steier3

August 2012. Volltreffer! Alice und Roland Tauss waren feine Gastgeber und setzen damit meine großartigen Erfahrungen mit BIO-Hotels nahtlos fort.

steier2

Das biologisch-dynamisch bewirtschaftete Weingut ist Mitglied der zukunftweisenden Wertegemeinschaft Schmecke das Leben von fünf steirischen Bio-Winzerfamilien. Darunter ist auch Sepp Muster – zuletzt gesehen auf der Messe der K&U Weinhalle.

steier1

Morgenstund hat Gold im Mund – dem Frühstücksangebot sei Dank: Vom selbstgemachten Brot, über eigentlich jede Teesorte von Sonnentor, bis zu Wurst vom Labonca-Biohof. Jeweils Montag, Mittwoch und Freitag wird für die Hausgäste ein schmackhaftes Abendessen gekocht. Und hier kocht die Chefin!

Echte Nachhaltigkeit beginnt jenseits des Spruchs “Wissen Sie wie viele Tonnen Handtücher täglich weltweit in allen Hotels und Pensionen gewaschen werden?” Wir finden deshalb geölte Holzböden, geölte Vollholzmöbel sowie Textilien der Grünen Erde.

Und es sind die vielen kleinen Details, die das Gesamtbild strahlen lassen. Ein Beispiel. Gegen Mitternacht mache ich noch einen kurzen Gang zu einer Anhöhe, etwas oberhalb des Weinguts. Windgeschützt in kleinen Gläsern brennen dort Kerzen und machen aus der Stelle einen wahren Kraftplatz. Schön so was.

steier4

Mit der hügeligen Landschaft und ihrer reichen, vielfältigen Fruchtbarkeit steht die Südsteiermark für mich auf Augenhöhe mit dem Piemont.

steier10

Eine Art Wahrzeichen der Gegend ist der Klapotetz. Man gewinnt ihn schnell lieb. Das charakteristische Windrad dient in den Weinbergen als Vogelscheuche. Traditionell von Jakobi (25.07.) bis Allerheiligen (01.11.).

steier7

steier9

Bei den Tauss gibt es wahrlich mehr als genug Rückzugsplätze zum entschleunigen. Und einen Pool. Am Morgen, nach der Wanderung und überhaupt – der Pool! Macht man sich hingegen auf den Weg, ist es wirklich egal wohin man sich begibt. Vielleicht ein guter Ratschlag bei der Qual der Wahl an herrlicher Natur, Kultur und Kulinarik ringsum.

steier5

Gleich um die Ecke, schön zu Fuß zu erwandern, z. B. der oberGuess Buschenschank. Meine ersten Käferbohnen. So heißen hier die Feuerbohnen. Schöne steirische Extrawürste. Der Chardonnay z. B. heißt Morillon.

steier6

Die Steiermark grenzt an Slowenien. Einmal sind wir nach Maribor. 2012 immerhin Kulturhauptstadt Europas! War recht ernüchternd. In jeder Hinsicht. Gut, es hatte Dauerregen. Trotzdem.

steier8

Nach einem Almausflug (Grenzgebiet Weststeiermark/Slowenien) kehrten wir in das sehr, sehr(!) abgelegene Gasthaus Strutz ein. Das Reich von Maria Strutz. Öffnungszeiten nach Vereinbarung – es gibt keine Speisekarte… Strutz verarbeitet nur Produkte vom eigenen Hof. Spezialität: Forellen. Nach unserer Bestellung griff sie zum Kescher – “Das Fischlein zappelt dran; Und ich, mit regem Blute, Sah die Betrogne an.” Auch beim schmurgeln in der Pfanne.

steier11

Hier die Adresse: Laaken 21, 8554 Soboth, Österreich, Tel. +43(0)3460248. Im Gastraum steht noch eine Wurlitzer. Er nimmt Schillinge oder 2 EUR Stücke.

steier12

Es war köstlich! Wo findet man solche Adressen? Einmal im Buch “Slow Food – Gasthäuser in Österreich”. Gerade ist die Ausgabe 2013 erschienen. Und im “Slow Food Styria Guide” des Slow Food Conviviums Styria. 2013 ebenfalls druckfrisch.

steier13

Das grüne Gold der Steiermark: Kürbiskernöl. Wie lange schon, wollte ich mir das genauer ansehen. Die Erntemaschine – der “Igel” – sammelt die Kerne vom Steirischen Ölkürbis und spuckt dessen nicht verwertbares Fruchtfleisch wieder aus. Seine Samenkerne haben im Gegensatz zu anderen Arten keine verholzte Samenschale, sondern sind nur durch ein dünnes Silberhäutchen geschützt.

steier14

Genau das ermöglicht in der Mühle dann die Ölgewinnung. Wer macht es besonders gut? Blätter, blätter im Slow Food Styria Guide: Die Ölmühle Hartlieb in Heimschuh:

steier15

Marillenkern-, Mohn-, Traubenkern-, Raps-, Sonnenblumen-, Mandel-, Erdmandel-, Argan-, Walnuss- oder Haselnussöl. Alles auch in der Pressung.

steier17

Der Chef – Thomas Hartlieb:

steier16

Ich kann es in unseren Breiten nicht oft genug empfehlen: Kürbiskernöl mit Vanilleeis. Probieren – das Leben ist schön!

Wir blieben in Heimschuh. Beim ersten Besuch gab es Backhendl. Dabei bestellten wir dann für diesen Mittag etwa ganz besonderes – Kapaun vom legendären Sulmtaler – in der klassischen Zubereitung mit Semmelfülle. Wir sind zu Gast im Wirtshaus der Familie Koschak:

steier19

Das optimale Schlachtalter der Sulmtaler (Huhn, Hahn, Kapaun) liegt zwischen 24 und 32 Wochen bei extensiver Freilandhaltung. Donnerwetter! Zum Vergleich: Das Schlachtalter eines Huhns aus industrieller Quälhaltung liegt bei maximal 5 Wochen…

Es hat gemundet! Wenngleich ich einräumen will, dass es zum Vergleich mit den eigenen Geschmackserfahrungen gescheiter gewesen wäre, (zunächst) ein Huhn zu probieren.

Seniorchef Toni Koschak, der sich wie kein Zweiter um den Erhalt und die Zucht der Rasse engagiert, zeigte uns voller Stolz seine Tiere. Moritz in der Wahl seines Shirts sehr sicher:

steier18

Es sind Protagonisten wie Koschak, die Eingang in das empfohlene Buch von Dominik Flammer “Das kulinarische Erbe der Alpen”, gefunden haben.

Angelika Gsellmann, die bei den Herrmanndorfer Landwerkstätten das wunderbare Landhuhn-Projekt betreut, kommt passend auch aus der Steiermark.

Gibt es ein würdiges Leben ohne Schokolade? Nicht für mich! Georg Bernardini hat dazu ein wunderbares Buch geschrieben: Der Schokoladentester. Nach seinem Testmarathon kommt er in seinem Gesamtfazit der weltbesten Schokoladenhersteller zu dieser Rangliste: Zotter vor Domori, Pierre Marcolini, Vestri, Soma und Valrhona. Josef Zotter hat seine Manufaktur… im oststeirischen Riegersburg!

steier20

Zotter ist im positivsten Sinne ein Verrückter. Slow Food, Bio und Fair Trade! Dazu seine einmalige Innovationskraft (über 300 verschiedene Geschmacksrichtungen). Direkt hinter seinem “Schoko-Laden-Theater” hat er mit der Aufforderung „Schaut dem Essen in die Augen“ auf 27 ha einen “Essbaren Tiergarten” errichtet. Die Bewohner: Alte Nutztierrassen. Im Restaurant vor Ort gibt es eben genau diese. Vorbildlich! Nach absolut restloser Füllung unserer Schokoladenspeicher wanderten wir durch diesen Garten. Dort trafen wir – der Tüchtige hat es einfach – den Meister:

steier21

Der Rahmen dieses Kurzberichts ist endgültig gesprengt. Wir waren noch hier und da und dort… Irgendwo habe ich eine Liste der Wirtshäuser, Buschenschänken und Weingüter auf deren Besuch ich mich das nächste Mal freue… Komme ich überhaupt soweit? Letzte Woche im Briefkasten – das A La Carte Sonderheft: “Salzburger Land”. Felix Austria!