Wettelsheimer Keller

Bekanntlich war seinerzeit das Bierbrauen im Sommer verboten. Wegen der Brandgefahr die von den heißen Siedekesseln ausging. Da (gutes) Bier immer schmeckt – vor allem und gerade im Sommer – legten die findigen Brauer zwecks jahreszeitlicher Überbrückung tiefe Keller zur kühlen Lagerung des Hopfenschatzes an. Oberirdisch wurden zudem großblättrige Bäume (Kastanien!) gepflanzt um mit deren Schatten auch hier der Erwärmung entgegenzuwirken. Es waren schöne, gemütliche Plätze – der Rest ist Geschichte und genussvolle Gegenwart: Mit dem Ausschank vor Ort und einfachen Tischen und Bänken, war der Biergarten geboren! Unterirdisch bedingt – vom Keller her gedacht. Wohlwissend sagen deshalb die Bamberger, sie gehen „auf den Keller“.

Es folgt ein bieriger Ausflugstipp des padrone: Begebt Euch auf den Wettelsheimer Keller!

Zwischen Treuchtlingen und Wettelsheim ist ein bergiges Waldstück. Dort, wunderbar eingebettet, findet sich der Wettelsheimer Keller (Treuchtlingerstraße 26, 91757 Treuchtlingen, Tel. 09142/7740). Der Kenner fährt mit dem Zug dorthin – vom Bahnhof Treuchtlingen sind es noch ca. 15 Gehminuten. Die Zugfahrt von Ingolstadt dauert nur 49 Minuten. Der Google-Routenplaner wirft für die Straße bereits 56 Minuten aus. Der Zug-Trumpf sticht aber erst richtig bei der Rückfahrt 😉

Bier aus dem Holzfass spielt in einer eigenen Liga. Und das sagt einem nicht nur der Schäffler, sondern der Gaumen. Das Bier hat weniger Kohlensäure und schmeckt daher süffiger. Und es ist wahrlich slow. Läuft es doch langsam und nur mit dem Druck seines eigenen Gewichts frisch und kühl aus dem Fass. Man denke nur an das Augustiner-Festzelt. Als einzige Münchner Brauerei liefert der Augustiner hier noch Holzfässer zum Oktoberfest. Wie schon einmal hier beschrieben bin ich da Traditionalist und schätze das.

Auf dem Keller gibt es nur ein Bier. „We call it a Klassiker“: Märzen. Im 100 Liter Holzfass. Das täglich mehrfach zu beobachtende Prozedere ist auch schön slow. Aus dem naturgekühlten Kellergewölbe wird das Fass (von Wolfgang Walk) zunächst ans Licht befördert:

und dann  in den Schankraum gerollt:

Gebraut wird das Märzen gleich um die Ecke in Wettelsheim. Von Braumeister Karl Strauß. Die familiengeführte Brauerei Strauß arbeitet seit 1797. Die Stammwürze des bernsteinfarbenen Märzen beträgt 13,7 %, der Alkoholgehalt 5,5 %. Die Brauerei picht (= regelmäßige innere Pechversiegelung) als eine der sehr wenigen ihre Fässer noch selbst.

Im Schankraum angekommen wird das Fass aufgegantert. Früher erledigte das der eigene „Ganterbursch“. Er stellte die schweren Fässer für den Schankkellner auf eine Stamm- oder Balkenunterlage = Aufgantern. Dann wird ozapft (wieder Wolfgang) und ausgeschenkt (Helmut Walk):

Der Biergarten auf dem Keller existiert seit 1850. Marga Walk führt ihn (seit über 40 Jahren) heute zusammen mit ihren Söhnen Wolfgang und Helmut. Es gibt um die 1.200 Plätze, verteilt auf drei Terrassen. Vor der Einkehr lässt es sich im angrenzenden Wald und oberhalb diesem (Ausblick) an einem Steinbruch schön spazieren gehen. Und es gibt einen ordentlichen Kinderspielplatz – mit unmittelbar gelegenen Tischen und Bänken.

Das Bier ist herrlich süffig! Der Hunger kann wohlig angegangen werden. Fleisch und Wurst stammen von der Metzgerei Geißelmeier in Treuchtlingen. Ich empfehle vor allem die köstlichen Bratwürste mit Kraut und im Zweifel das Schäufele vor der Haxe (wir sind in Franken!). Die Preise – eine Maß Bier kostet 3,80 EUR(!) – sind nicht von dieser Welt…

Die Zeit steht… und doch gibt es eine Facebook-Gruppe…

Ein schönes, gutes Fleckchen Erde. Von Mai bis September, donnerstags bis sonntags ab 10 Uhr. Zusätzlich Juli und August auch Montag bis Mittwoch ab 16 Uhr. Wenn das Wetter passt – der Frühsommer ziert sich gerade arg…

Ehre wem sie gebührt – Danke an Klaus für den Tipp! Gebe ihn hiermit weiter, in die ganz große Runde.

4 Gedanken zu „Wettelsheimer Keller

  1. Vielen Dank fürs Mitnehmen – wundervolle Eindrücke.
    Ein wissenschaftliches Rätsel ist ja bis heute die perfekte Trinktemperatur, die das Bier in solch einem Keller annimmt. Man möchte meinen, dass sie sich schlicht in Graden Celsius reproduzieren lässt, tut sie aber nicht. Sie wird nur im Keller erreicht.
    (Letzthin hätte ich eine Berliner Freundin fast spontan niedergeknutscht: Wir trafen uns in einem Münchner Biergarten – und sie nannte ihn ohne nachzudenken „Keller“. So entdeckte ich ihren Bamberger Migrationshintergrund.)

  2. Die Entstehungsgeschichte kenne ich gut genug, und wie Ines schon schreibt ist bei uns der Begiff Keller unüblich. Im heißen Sommer geht nichts über ein kühles Bier in einem kühlen Biergarten und das Körberl samt karierter Tischdecke darf mit. Komm‘ Du mir mal nach München, da täte mir ja glatt was einfallen……

  3. wir waren schon in mehreren biergärten in mittelfranken, aber unser wettelsheimer keller ist nach wie vor der beste. wo bekommt man für 4 Euro noch eine maß bier?
    2 bratwürste mit kraut und brot für 3,5 euro.

  4. Bin aus Nbg., war schon öfter im W.- Keller.
    Familiäre Atmosphäre, prima Essen, zivile Preise un‘ a gout’s Bier !
    Was will man mehr ?
    Da nimmt man einige Kilometer in Kauf.
    Grüssle . . .
    . . . . Henning’s – Moo

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