Marginalie (52) – Von Üblichkeit zur Übelkeit

In Wolnzach (Landkreis Pfaffenhofen) hält eine Familie zur Selbstversorgung ein paar Hühner und einen Hahn. Nachbarn fühlen sich durch das Krähen des Hahns belästigt. Sie bemühten die Justiz und klagten dagegen. Jetzt hat das Amtsgericht Pfaffenhofen entschieden: Der Gockelhalter hat „Maßnahmen zu ergreifen, die es ausschließen, dass von seinem Grundstück Beeinträchtigungen durch Hahnkrähen ausgehen“. Das Gericht stufte das Krähen als „nicht ortsüblich“ ein.

Willkommen in der Pathologie! Aber das Gericht hat wohl (zwischenzeitlich) recht. Was ist nämlich (heute) ortsüblich? Zumal vor Ort im Landkreis Pfaffenhofen? Im nur ca. 5 km südwestlich von Wolnzach gelegenen Eschelbach wurde im Juli 2017 die Baugenehmigung für die größte(!) Hühnermastanlage in Bayern (145.000 Tiere) erteilt. Im Nachbarsgarten kräht nach dem Urteil kein Hahn mehr. In Eschelbach sowieso nicht. Diese (neue) Ortsüblichkeit kotzt mich an!

(51) – Marginalie – (53).

Marginalie (51) – Ich habe Bock

Wer keinen Bock hat, der hat keine Lust. Es ist Frühling. Da hat man Bock! Namentlich im Mai. Der eine – von den Benediktinern aus Scheyern – ist recht ordentlich. Der andere – von den Benediktinern aus Plankstetten – ist dieses Jahr ein Traum (großes Kompliment Max). Er geht – so am 1. Mai bereits an der Quelle festgestellt – runter wie Öl. Das gilt auch noch für heute, den 31. Mai. Und weil er so herrlich zu langsam und lange Gegrilltem mundet – diese Saison fängt gerade erst richtig an – habe ich im Keller noch eine ganze Herde. Beruhigend. Er ist nämlich restlos ausverkauft 😉

(50) – Marginalie – (52).

Marginalie (50) – Kleiner Abschied

Müsste ich eine Lieblingslimonade benennen – es wäre diese. Hier mein Loblied. Ich ahnte dabei immer, dass ihr Platz im now-Sortiment nicht unumstritten ist… Sie ist speziell. Seit einiger Zeit scheint sie immer ausverkauft. Das habe ich mir natürlich nicht vorgemacht. Sie haben es tatsächlich getan! Eine Nachfrage an der Quelle brachte Bestätigung:

„Leider ist es wirklich so, dass wir Ende 2016 unsere Lammsbräu Birne-Hopfen ausgelistet haben. Der Grund hierfür sind die steigenden Absatzrückgänge der letzten Monate.“

„Steigende Absatzrückgänge“. Banausen! Ein ordentlicher Abschied sollte Trost verschaffen. Mein Aufruf in den Facebook-Freundeskreis brachte schnelle Hilfe. Im Hofladen vom Gemüsehof Niederfeld schlummerten noch Restbestände. Ich sicherte mir einen Kasten. Dieser wird jetzt mit steigendem Wehmut geleert. Lange wird es eh nicht dauern – mein Sohn schätzt das Kracherl nämlich auch sehr. Und wenn es nur für das Protokoll ist: Ich plädiere hiermit für eine Wiederauflage!

(49) – Marginalie – (51).

Marginalie (49) – Fünfhundert + eins

The year after. Das Jahr eins nach den letztjährigen Feierlichkeiten zum 500. Geburtstag des Reinheitsgebots. Erster Eindruck: An der Donau nichts Neues. Ingolstadt vollzog soeben zum vierten Mal sein „Fest zum Reinen Bier“. Mit dabei: Danielbräu, Herrnbräu, Nordbräu, Schwalbenbräu, Hofbrauhaus Freising, Gutmann, Riedenburger, Schneider (Essing), Weltenburger und – erstmalig – Yankee & Kraut.

Die Zeit um 1516 gab und gibt den Takt vor: In Musik, Gewand und Unterhaltung. Eine solide Veranstaltung. Gut und aufwendig organisiert. Soweit so bekannt.

Damit wird es aber wohl nicht (mehr) gelingen den Bogen neugierig und glaubwürdig ins Heute zu spannen. In eine quicklebendige, kreativ-pulsierende Bierszene, die der lange vergessenen Vielfalt des wunderbaren Tranks Respekt zollt. Das gewählte Format stößt hier an Grenzen. Das zeigt sich bereits an einem nicht zu unterschätzenden Detail. Für alle ausgeschenkten Biere wird ein einheitlicher Steinkrug verwendet. Das ist sicher praktisch – er kann an allen Stationen per Pfandmarke zurückgegeben werden. Und er passt natürlich ins historische Bild. Dem Genuss dient er vielfältig aber gerade nicht. Bereits optisch. Ein Weltenburger Barock Dunkel oder ein Rotbier von Schneider wollen gesehen werden. Die Perlen der Kohlensäure im Weißbier und Pils brauchen Weg und Raum. Und für das herrliche Hopfenbukett eines Indian Pale Ales und seine Aromen ist ein Steinkrug nicht einmal eine Ersatzspielstätte! Da hilft es dann leider auch nicht, die guten Jungs von Yankee & Kraut da zu haben (die zu der oben beschriebenen lebendigen Bierszene gehören). Wobei – da waren sie in persona der Brauer (Bryan France und Max Senner) ja gar nicht – sondern bezeichnenderweise auf der Beer Craft in Bozen…

Ihr ausgeschenktes köstliches „Hoada“ (Black Ale, Kooperations-Gebräu mit Isarkindl) passte jedenfalls zum Wetter – mit dem man letztlich doch Glück im Unglück hatte. Hoada steht (angeblich – ich finde dafür keinen Beleg) für eine kalte, klare Winternacht:

Wenn nicht (nur) mit diesem Fest, wie und wann will Ingolstadt seinem (selbst formulierten!) Anspruch als Bier-Stadt denn gerecht werden? Die Veranstaltungskalender für das weitere Jahr rufen zu dieser Angelegenheit nichts Erwähnenswertes mehr auf… Und ich dachte wirklich, dass es jetzt – nach dem großen Geburtstag – erst so richtig losgeht!

Eine Momentaufnahme beim Ausschank meiner Lieblingsbrauerei – Riedenburger – zeigt auf einen Blick ansatzweise, welches Segel es beherzt zu entrollen gilt:

An dieser Stelle soll deshalb unbedingt auch der neu gegründete Verein der Deutschen Kreativbrauer Erwähnung finden. Zur Vertiefung hier. Ihr gefordertes Natürlichkeitsgebot (lesen!) wäre/ist meine Heimat.

Quelle: www.facebook.com/deutschekreativbrauer

Bei Nordbräu hielt Andrea Mödl – Wirtin im Schutterhof – ihren Veranstaltungskalender für 2017 hoch:

Freitag den 14. Juli ab 18:00 Uhr sollte man sich dabei ganz dick vormerken!

Draußen vollzieht sich zur Stunde immer noch der Abbau des Bierfestes. Wir sind gerne mittendrin 😉

Und gegen ein süffiges Helles im Steinkrug ist ja nichts einzuwenden. Wobei Gerhard Polt auch hier eine Unwägbarkeit sieht („…I ziag o, das heisst ich trinke quasi, aus am Steinkrug, nam, plötzlich vermerke ich a so an Schlader, hab i so an Gschlader im Hois…“).

Abschwenk. Paulaner. Es wird nicht meine Marke werden. Trotz feiner Werbung. Ich konstatiere aber gerne die Bewegung in die richtige Richtung. Probiert am Wochenende im Münchener Wirtshaus im Braunauer Hof. Sehr fein renoviert. Gute Küche (Kalbsherz vom Grill!):

Foto: Moritz Olma

(48) – Marginalie – (50).

Marginalie (48) – Alternative Fakten bei Edeka

Einkaufen letzten Freitag. Ein Supermarkt in der Berliner Straße. Zur saisonalen Orientierung: Es ist Mitte Februar. Es ist Winter. Auf dem Parkplatz – unübersehbar – diese Botschaft:

Verwirrung. Mir geht der „kurze Feldweg“ durch den Kopf – der sieht in Ingolstadt (idealerweise) so aus. Donnerwetter! Hier werden die Kunden also bereits +/- vier Monate vor der Erdbeerzeit auf Frische und Regionalität eingeschworen. Etwas übertrieben finde ich. Andererseits – warum eigentlich nicht? Saisonalität und lokale Wertschöpfung sind sehr wichtig. Und Vorfreude die bekanntlich Schönste.

Die Schiebetüren öffnen sich. Gleich rechts, noch vor dem eigentlichen Eingang, dann dieses Angebot:

„SanLucar Erdbeeren“ aus der südspanischen Region Huelva… arrrgh.

Lupenreine Kundenverarsche! Auf Kosten der Umwelt und des Geschmacks. Letzteres ist freilich subjektiv. Frau Kellyanne Conway dürfte mit diesen alternative facts sicher zufrieden sein.

(47) – Marginalie – (49).