Marginalie (54) – Bitte nennt es nicht Frankenstein!

1994 saß ich in einem Kino in New York. Es lief der Film „Mary Shelley’s Frankenstein“ (Regie: Keneth Branagh). Als die Handlung zum ersten Mal in eine kleine Stadt an der Donau führte, stand brettlbreit auf der Leinwand „Ingolstadt“. Wenn ich es auch nicht kontrollieren konnte, ich bin mir absolut sicher, ich hatte als einziger im Saal ein breites Grinsen im Gesicht. Für einen kurzen Moment fühlte ich mich ganz persönlich, selbst im Big Apple, sehr bedeutend.

Im Strafrecht gibt es die sogenannte Garantenpflicht. Sie bezeichnet die Verpflichtung, dafür einzustehen, dass ein bestimmter tatbestandlicher Erfolg nicht eintritt (§ 13 StGB). Sie ist Voraussetzung für eine Strafbarkeit wegen Unterlassens. Die verpflichtete Person heißt Garant. Jetzt lassen wir das Strafgesetzbuch einmal beiseite, halten aber die Idee der besonderen Pflichtenstellung weiter hoch. Sie trifft – wie ich finde – jeden Ingolstädter aus enger natürlicher Verbundenheit seiner Heimatstadt gegenüber und verdonnert ihn als Beschützergarant zum Einschreiten, zum Handeln, wenn er einer unreflektieren Verwurstelung gewahr wird.

Es gilt nämlich zwei verschiedene Figuren sauber auseinanderzuhalten (was an diesem Wochenende nicht einmal dem Donaukurier gelingt). So wie sie sich Mary Shelley – die Autorin des 1818 erschienenen Romans „Frankenstein oder der moderne Prometheus“ – erdachte: Einmal den jungen Schweizer Medizinstudenten Victor Frankenstein und zum anderen seine Schöpfung – das Ungeheuer, die Kreatur, den Unhold, das Monster. Einen Namen hat diese nicht und wird im englischen Original auch nur „creature“ oder „daemon“ genannt. Wenigstens der Ingolstädter sollte hier differenzieren, respektive unermüdlich aufklären (Garantenpflicht!). Frankenstein ist kein Synonym für ein Monster. Ein kleiner, wenn auch erster Fortschritt wäre es, wenn es Boris Karloff oder meinetwegen auch Victor Dornberger genannt würde…

Hier kann man das Gruseln lernen: Dr. Frankensteins Mystery Tour. Die Stadt Ingolstadt hat zum Jubiläum 200 Jahre (1818-2018) Frankenstein gleich zwei Broschüren am Start – hier und dort.

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Marginalie (53) – Hemmungslos dafür!

Bayern hat zwei Nationalparke. Seit 1970 den Nationalpark Bayerischer Wald und seit 1978 den Nationalpark Berchtesgaden. Ein dritter Nationalpark soll auf den Weg gebracht werden. Freude! Mit in der Auswahl ist die Region: Die „Gebietskulisse Donauauen“ erstreckt sich nämlich von der Lech-Mündung über Neuburg a. d. Donau bis nach Ingolstadt. Große Freude!!

Im heutigen (09.01.18) Beitrag des Donaukuriers „Alles im Fluss“ zum möglichen Nationalpark Donau-Auen kommt unter anderem der Bürgermeister von Burgheim – Herr Michael Böhm – zu Wort. In seiner persönlichen Wahrnehmung vor Ort vernimmt er überwiegend Zustimmung zum Nationalpark, konstatiert aber zugleich die Unüberhörbarkeit der Gegner des Projekts: „Eine Minderheit vermittelt lautstark den Eindruck der Mehrheit und die schweigende, friedvolle Masse hat deshalb Hemmungen.“ 

Im (schweigenden, friedvollen) Netz fand ich tatsächlich nicht was ich suchte… Also stand eine spontane grafische Bastelei an. In den Landesfarben Weiß und Blau versteht sich. Fertig. Ich lege dann mal meine „Hemmungen“ ab:

Das „Logo“ habe ich auch gleich mal fortwirkend auf die Seitenleiste (rechts) des Blogs gesetzt 😉

Nachtrag (01.03.18): Zwischenzeitlich gibt es eine Unterstützerseite und ein eigenes Logo:

(52) – Marginalie – (54).

Marginalie (52) – Von Üblichkeit zur Übelkeit

In Wolnzach (Landkreis Pfaffenhofen) hält eine Familie zur Selbstversorgung ein paar Hühner und einen Hahn. Nachbarn fühlen sich durch das Krähen des Hahns belästigt. Sie bemühten die Justiz und klagten dagegen. Jetzt hat das Amtsgericht Pfaffenhofen entschieden: Der Gockelhalter hat „Maßnahmen zu ergreifen, die es ausschließen, dass von seinem Grundstück Beeinträchtigungen durch Hahnkrähen ausgehen“. Das Gericht stufte das Krähen als „nicht ortsüblich“ ein.

Willkommen in der Pathologie! Aber das Gericht hat wohl (zwischenzeitlich) recht. Was ist nämlich (heute) ortsüblich? Zumal vor Ort im Landkreis Pfaffenhofen? Im nur ca. 5 km südwestlich von Wolnzach gelegenen Eschelbach wurde im Juli 2017 die Baugenehmigung für die größte(!) Hühnermastanlage in Bayern (145.000 Tiere) erteilt. Im Nachbarsgarten kräht nach dem Urteil kein Hahn mehr. In Eschelbach sowieso nicht. Diese (neue) Ortsüblichkeit kotzt mich an!

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Marginalie (51) – Ich habe Bock

Wer keinen Bock hat, der hat keine Lust. Es ist Frühling. Da hat man Bock! Namentlich im Mai. Der eine – von den Benediktinern aus Scheyern – ist recht ordentlich. Der andere – von den Benediktinern aus Plankstetten – ist dieses Jahr ein Traum (großes Kompliment Max). Er geht – so am 1. Mai bereits an der Quelle festgestellt – runter wie Öl. Das gilt auch noch für heute, den 31. Mai. Und weil er so herrlich zu langsam und lange Gegrilltem mundet – diese Saison fängt gerade erst richtig an – habe ich im Keller noch eine ganze Herde. Beruhigend. Er ist nämlich restlos ausverkauft 😉

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Marginalie (50) – Kleiner Abschied

Müsste ich eine Lieblingslimonade benennen – es wäre diese. Hier mein Loblied. Ich ahnte dabei immer, dass ihr Platz im now-Sortiment nicht unumstritten ist… Sie ist speziell. Seit einiger Zeit scheint sie immer ausverkauft. Das habe ich mir natürlich nicht vorgemacht. Sie haben es tatsächlich getan! Eine Nachfrage an der Quelle brachte Bestätigung:

„Leider ist es wirklich so, dass wir Ende 2016 unsere Lammsbräu Birne-Hopfen ausgelistet haben. Der Grund hierfür sind die steigenden Absatzrückgänge der letzten Monate.“

„Steigende Absatzrückgänge“. Banausen! Ein ordentlicher Abschied sollte Trost verschaffen. Mein Aufruf in den Facebook-Freundeskreis brachte schnelle Hilfe. Im Hofladen vom Gemüsehof Niederfeld schlummerten noch Restbestände. Ich sicherte mir einen Kasten. Dieser wird jetzt mit steigendem Wehmut geleert. Lange wird es eh nicht dauern – mein Sohn schätzt das Kracherl nämlich auch sehr. Und wenn es nur für das Protokoll ist: Ich plädiere hiermit für eine Wiederauflage!

(49) – Marginalie – (51).