58 Jahre nach Großvater – meine Schwester

1960 veröffentlichte mein Großvater Karl Olma unter dem Pseudonym Michael Zöllner sein erstes Buch. Der Titel: „Pflüger im Nebel“. Ein Roman über Flucht und Vertreibung aus Oberschlesien. Ein sehr vielschichtiges Thema. Ein Stück Familiengeschichte.

Trotz bitterster persönlicher Erfahrungen hielt mein Opa dabei stets mit Bestimmtheit jene Haltung hoch, die Richard von Weizsäcker als Bundespräsident in seiner grandiosen Rede am 8. Mai 1985 (die man nicht oft genug nachlesen kann) so treffend formulierte: „Aber wir dürfen nicht im Ende des Krieges die Ursache für Flucht, Vertreibung und Unfreiheit sehen. Sie liegt vielmehr in seinem Anfang und im Beginn jener Gewaltherrschaft, die zum Krieg führte. Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen.“

Die Erzählung beginnt wie folgt: „Wie eine große Hostie schwebte die Oktobersonne hinter dünnen Nebelschwaden. Ferne und nahe Schreie aus unsichtbaren Krähenschwärmen, ein gelegentliches Schnauben der dampfenden Ackergäule, aufmunternde Zurufe des Pflügers und der beständige matte Singlaut der brechenden Schollen, hie und da von helleren Knirschtönen der an die Pflugschar schleifenden Steinchen unterbrochen, drangen durch die diesige Luft des frühen Vormittags.“

2018. Ein großer Kreis schließt sich. Ich komme zum guten Grund dieser Ausführung. Nach 58 Jahren greift ein weiteres Familienmitglied zur Feder. Die Enkelin, meine Schwester. Sie hat ihr erstes Buch geschrieben! Ebenfalls ein Roman – „Anton und der Geheimbund der Tiere“:

So geht es los: „Mama, ich schwitz so!“ „Moritz, komm her, gib mir deine Jacke. Heute ist wirklich ein warmer Tag.“ Der Bub zerrt sofort die dicke Daunenjacke von seinen Schultern und wirft sie seiner Mutter zu. Befreit vom lästigen Kleidungsstück rennt er ungestüm zu dem Stand mit den leckeren Wienern – angeblich den besten auf dem Wochenmarkt. Es ist der letzte schöne Samstag im November und die prächtigen Bäume rings um das Treiben zeigen ihr schönstes Blätterkleid in rot und gelb.“

Olma-Prosa beginnt offensichtlich stets an Vormittagen… Und es geht – zumindest in den Erstlingswerken – um die unfreiwillige Ortsveränderung. Seht selbst (Handlungsabriss):

Anton die Waldmaus begeht eine große Dummheit! Unfreiwillig landet er, weit von seinem Dorf im Altmühltal entfernt, in Ingolstadt auf dem Wochenmarkt und kann sich dort gerade noch bei Franz in Sicherheit bringen…. Doch die Sicherheit hat ihren Preis! Franz die grantige Wühlmaus lässt Anton unerbittlich für ihn schuften und droht, falls er weg laufen sollte, immer wieder mit dem geheimnisvollen Tauron! Antons Heimweh wird von Tag zu Tag größer und seine Lage scheint aussichtslos… Bis plötzlich Marijke, die pfiffige Honigbiene aus den Niederlanden, auftaucht und ihm von dem Geheimbund der Tiere erzählt. Eine Gruppe von mutigen kleinen Tieren aus verschiedenen Orten und Ländern, die auch unfreiwillig in Ingolstadt gelandet sind und sich als Gemeinschaft gegenseitig helfen wieder nach Hause zu kommen. Wird Anton es mit Unterstützung von Marijke schaffen auch in dem Geheimbund aufgenommen zu werden? Nicht alle Tiere wollen Anton als neues Mitglied…. ein heimtückischer Plan soll seine Aufnahme verhindern… Anton und der Geheimbund der Tiere ist eine spannende und humorvolle Tiergeschichte über Freundschaft, Intrigen, Zusammenhalt, Erwachsen werden und einer Mäuseliebe. Für Kinder ab 8 Jahren und alle Junggebliebenen die Freude an mutigen Mäusen, einer modebewussten französischen Eidechse, einem vergnügt-verfressenen Hamster, einem theatralischen Bockkäfer und vielen weiteren außergewöhnlichen kleinen Tier-Persönlichkeiten haben. Die Handlung spielt in Ingolstadt und dem Altmühltal.

Das Buch ist gerade im Druck (in der Region versteht sich!). Christine: „… der Kuchen ist noch im Ofen… aber die Wohnung duftet schon verheißungsvoll.“ Ab 24. März beginnt der offizielle Verkauf. Die Vorstellung mit Lesung findet am 23. März 2018 um 18:30 Uhr in der Harderbastei (Oberer Graben 55, 85049 Ingolstadt) statt. Im Namen meiner Schwester setzt ich hiermit meine Leser auf die Gästeliste – kommet zuhauf! Christine: „Noch nie in meinem Leben war ich vor einem Termin aufgeregter.“ Das dürfte sich auf diese Weise nicht gemildert haben 😉

Die Zeichnungen im Buch stammen von der Illustratorin Dominika Hladik. Im Uhrzeigersinn sehen wir Lorenz, Manfred, Anton, Marijke, Henry und Franz:

Unser Opa wäre sehr stolz auf Dich Christine. Und ich bin es auch!

2 Gedanken zu „58 Jahre nach Großvater – meine Schwester

  1. Hallo, lieber Unbekannter Michael!
    Das Buch deines Großvaters habe ich vor einigen Jahren gelesen. Ich fand es sehr interessant, man „fühlte“ es sozusagen, dass er es „mit Liebe und Wahrheit“ geschrieben hat.
    Andersmal schreibe ich gerne etwas mehr.
    Gruß aus Essen –
    Bogdan Olma

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